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Medikamente einnehmen Was muss ich beachten?

Damit Medikamente richtig wirken und positive Effekte für die Gesundheit haben, sind die richtige Auswahl, die Dosierung und die richtige Anwendung von großer Bedeutung. Wann nehme ich also das Medikament ein und sind Wechselwirkungen zu erwarten?

In diesem Beitrag werden häufige Fragen zum Thema Medikamenten-Einnahme beantwortet und Tipps gegeben. Wir klären über Mythen auf und Sie erfahren, wo Sie Rat und Hilfe sowie weitere Informationen finden. Mit diesen Informationen können Sie sich selbst ein Bild machen, bevor Sie eine Entscheidung für Ihre Gesundheit treffen! 

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Der Beipackzettel (=Gebrauchsinformation) enthält wichtige Informationen zu Anwendungsgebieten, der richtigen Anwendung, Dosierung und möglichen Nebenwirkungen eines Medikaments.
  • Nur wenn das Medikament exakt nach den Vorgaben eingenommen wird, wirkt es optimal. 
  • Erstellen Sie einen Plan oder eine Liste, wenn Sie mehrere Medikamente einnehmen müssen.
  • Wenn Sie an einer chronischen Erkrankung leiden oder bereits Medikamente einnehmen, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt beziehungsweise Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker darüber informieren.
  • Es kann sein, dass es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Medikamenten zu Wechselwirkungen kommt. Auch bestimmte Lebensmittel und rezeptfreie Medikamente (zum Beispiel Aspirin) können die Wirkung von anderen Medikamenten beeinflussen. 
  • Wenn Sie Medikamente nehmen, sollten Sie keinen Alkohol trinken. 
 
29.05.2024
Folge #54 Medikamente einnehmen: Wie geht’s richtig?
In dieser Folge erklärt Mag.a Dr.in Alexandra Mandl, Vizepräsidentin der Landesgeschäftsstelle Steiermark der Österreichischen Apothekerkammer, was Sie mit abgelaufenen Medikamenten machen sollen, was „drei Mal täglich“ überhaupt bedeutet und was es mit „hilft’s nix, schadet’s nix“ auf sich hat.
Häufige Fragen

Der Beipackzettel wird auch Gebrauchsinformation genannt. Sie finden ihn in der Verpackung. Der Beipackzettel enthält wichtige Informationen zum Medikament. Das sind:

  • Anwendungsgebiete
  • Richtige Anwendung
  • Dosierung 
  • Nebenwirkungen
  • Warnhinweise

Anwendungsgebiete: Sie erhalten Informationen über Krankheiten und Beschwerden, bei denen das Medikament wirkt beziehungsweise gegen die es eingesetzt wird.

Richtige Anwendung: Die richtige und exakte Anwendung ist Voraussetzung dafür, dass das Medikament seine volle Wirkung entfalten kann. Beachten Sie folgende Hinweise:

  • „Vor dem Essen“ bedeutet nicht vor dem ersten Bissen, sondern eine halbe Stunde oder Stunde vor der Mahlzeit.
  • „Zum Essen“ beschreibt die Einnahme während dem Essen. 
  • „Nach dem Essen“ heißt eine halbe Stunde bis Stunde nach der Mahlzeit. 
  • „2-mal täglich“ beschreibt die Einnahme möglichst im 12-Stunden-Abstand.
  • „3-mal täglich“ beschreibt die Einnahme möglichst alle 8 Stunden. 
  • "Unabhängig von einer Mahlzeit" bedeutet, dass das Medikament vor, zu oder nach dem Essen eingenommen werden kann 
  • "Nüchtern" heißt, das Medikament sollte 30 bis 60 Minuten vor dem Essen oder frühestens zwei Stunden nach dem Essen eingenommen werden 

Dosierung: Sie werden informiert, welche Menge und zu welchem Zeitpunkt Sie das Medikament einnehmen müssen.

Nebenwirkungen: Hier steht alles, was bei diesem Medikament und auch bei ähnlichen Medikamenten oder Substanzen jemals als Nebenwirkung aufgetreten ist. Nebenwirkungen können eintreten, müssen aber nicht eintreten. 

Man unterscheidet in „sehr häufig“, „häufig“, „gelegentlich“, „selten“ und „sehr selten“ sowie „nicht bekannt“
Sehr häufige Nebenwirkungen werden von mehr als 1 von 10 Anwender*innen wahrgenommen. Seltene Nebenwirkungen 
treten in einem bis 10 Fällen von 10.000 Behandelten auf. „Nicht bekannt“ bedeutet, dass die Häufigkeit der Nebenwirkung aufgrund der 
verfügbaren Daten nicht abschätzbar ist. 

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin oder Ihrem Apotheker / Ihrer Apothekerin. Sie sollten Medikamente nicht selbstständig absetzen. Eventuell können Sie auf ein anderes Präparat wechseln oder das Präparat absetzen. Oftmals treten Nebenwirkungen aber auch nur kurzfristig auf und verschwinden nach den ersten 2 bis 3 Einnahmen wieder. Dann kann das Medikament weiter genommen werden. 

Bei Informationen aus dem Internet ist es oft schwierig einzuschätzen, ob es sich um eine gute Gesundheitsinformation handelt. Fachinformationen und der Beipackzettel sind online frei zugänglich. Halten Sie am besten mit Ihrer Apotheke Rücksprache. 

Prinzipiell ja. Jedoch sollten Sie die Einnahme von Medikamenten vorher unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beziehungsweise Ihrer Apothekerin oder Ihrem Apotheker abklären. Es gibt Medikamente, die für die Einnahme während der Schwangerschaft geeignet sind, andere dürfen keinesfalls eingenommen werden. 

Wenn Sie mehrere Medikamente einnehmen müssen, ist es sehr sinnvoll, sich einen Medikationsplan erstellen zu lassen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Ihnen dabei helfen. Eine Vorlage finden Sie hier.

Wenn Sie diesen Plan aktuell halten und Ihre Ärztin oder Ihren Arzt beziehungsweise Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker darüber informieren, können Sie Nebenwirkungen und Wechselwirkungen vermeiden. Auch wenn Sie für eine andere Person Medikamente vorbereiten, hilft ein Medikationsplan dabei, den Überblick zu bewahren.

Auf Alkohol sollten Sie verzichten, wenn Sie Medikamente einnehmen. Hier kann es zu schweren Wechselwirkungen kommen. Diese zeigen sich in Form von Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Schwindel bis hin zu einem Kreislauf-Kollaps.

Auch privat gekaufte, rezeptfreie Medikamente können mit rezeptpflichtigen Medikamenten wechselwirken. Wenn Sie etwa blutverdünnende Arzneimittel einnehmen, so können Sie nicht alle frei verkäuflichen Schmerztabletten einnehmen. Diese könnten die blutverdünnende Wirkung verstärken. Auch Johanniskraut kann den Abbau bestimmter Arzneimittel beschleunigen, wodurch ihre Wirkung reduziert wird. Das betrifft zum Beispiel die verhütende Wirkung der "Anti-Baby-Pille". 

Video

Informationen der Österreichischen Apothekerkammer

Gemeinsam mit der Österreichischen Apothekerkammer haben wir die wichtigsten Informationen über den Beipackzettel und die Medikamenten-Einnahme für Sie in kurzen Videos zusammengefasst:

 

Warum gibt es einen Beipackzettel?

In diesem Video informiert Sie die Österreichische Apothekerkammer über den Beipackzettel.

 

Entsorgung von Medikamenten

In diesem Video informiert Sie die Österreichische Apothekerkammer über die Entsorgung von Medikamenten und die Eigenverantwortung bei abgelaufenen Medikamenten.

 

Medikamentenliste – Medikationsplan

In diesem Video informiert Sie die Österreichische Apothekerkammer über die Medikamentenliste und den Medikationsplan.

 

Wechselwirkungen

In diesem Video informiert Sie die Österreichische Apothekerkammer über Wechselwirkungen von Arzneimitteln.

 

Eigenverantwortung im Internet

In diesem Video informiert Sie die Österreichische Apothekerkammer über die Eigenverantwortung von Patientinnen und Patienten im Internet.

 
 
 
 
 
Mythen

Medikamente: Was stimmt und was nicht?

 

Mythos 1: Wenn ich ein Medikament einnehme, kann ich alle Lebensmittel und Getränke konsumieren.

Leider nein. Aufpassen muss man bei Milch oder Milchprodukten (zum Beispiel Joghurt) und bestimmten Lebensmitteln wie Grapefruit-Saft und Tomaten. Unmittelbar vor oder nach der Einnahme von Medikamenten sollten Sie auch keinen Tee oder Kaffee trinken. Der Grund: Hier können Stoffwechsel-Vorgänge in Gang gesetzt werden, welche die Aufnahme von Wirkstoffen im Körper entweder beschleunigen oder hemmen. Im ersten Fall haben Medikamente eine verstärkte oder längere Wirkung. Im zweiten Fall haben Medikamente weniger oder eine kürzere Wirkung. Bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel einige Antibiotika, sollten nicht zusammen mit Lebensmitteln eingenommen werden. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach! 

Grapefruits können die Wirkung von Medikamenten verstärken. Mehr dazu lesen Sie bei den Kolleg*innen von Medizin Transparent: Medikamenten-Überdosis durch Grapefruit (medizin-transparent.at) 

 

Mythos 2: Ich kann die Dosis eines Medikaments auch ohne die Ärztin oder den Arzt selbst bestimmen.

Das sollten Sie auf keinen Fall tun! Wenn Sie die Dosis eines Medikaments ohne ärztliche Verordnung verändern, kann das die Wirkung beeinflussen und im schlimmsten Fall sogar Ihre Gesundheit gefährden. Das gilt auch für das vorzeitige Absetzen eines Medikaments. Die Einnahme sollte nur Ihre Ärztin oder Ihr Arzt verändern. Die verordnete Behandlung kann dabei von den Angaben in der Gebrauchsinformation des Medikaments abweichen, da Ärzt*innen eine individuelle Therapie verordnen können.


Mythos 3: Rezeptfreie Medikamente sind ungefährlich, die kann ich immer nehmen.

Das stimmt nicht. Auch rezeptfreie Produkte, wie zum Beispiel Kopfschmerz-Tabletten oder Nahrungsergänzungsmittel können Wechselwirkungen mit Arzneimitteln verursachen. Besprechen Sie die gleichzeitige Einnahme solcher Produkte vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beziehungsweise mit Ihrer Apothekerin oder Ihrem Apotheker. Weitere Informationen finden Sie hier

Rat und Hilfe

Wenn Sie Fragen zu Medikamenten und Arzneimitteln, deren Anwendung und Wirkung haben, wenden Sie sich am besten direkt an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt beziehungsweise Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker! Diese klären Sie gerne umfassend über das Medikament auf.  


e-Medikation
Alle Medikamente auf einen Blick: dafür sorgt die e-Medikation, eine Funktion der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Sie steht österreichweit in Apotheken, Kassenordinationen und öffentlichen Krankenhäusern zur Verfügung. Durch die e-Medikation sieht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, welche Medikamente Sie einnehmen oder sich in der Apotheke abgeholt haben. Damit können unerwünschte Wechselwirkungen überprüft werden. Ebenso kann vermieden werden, dass Ihnen Medikamente von verschiedenen Ärzt*innen doppelt verschrieben werden. Sie können über das ELGA-Portal Ihre e-Medikation einsehen.

 
 

Hinweis: Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass die Informationen auf dieser Webseite auf keinen Fall als Ersatz für eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Expertinnen und Experten (zum Beispiel Ärzt*innen, Apotheker*innen, Ernährungsberater*innen, Psycholog*innen etc.) dienen. “Gesund informiert“ ist eine Webseite des Gesundheitsfonds Steiermark und wird ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert. Weitere wichtige Informationen finden Sie hier
Haben Sie einen Vorschlag für ein Gesundheitsthema, über das wir auf der Webseite informieren sollen? Schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]

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