Spielsucht

Gesundheitsthema

Spielsucht Was ist, wenn nichts mehr geht?

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Ein Abend im Casino kann Spaß machen und sorgt für Nervenkitzel. Glückspiele wie Roulette, Poker, Glücksspielautomaten, Lotto oder Sportwetten sind allgegenwärtig und leicht zugänglich. Was harmlos beginnt, kann für manche Menschen zum Problem werden. Die Spielsucht ist eine ernste psychische Erkrankung. Sie entwickelt sich schleichend, oft über Jahre, und kann sich massiv auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen auswirken. So lange bis irgendwann nichts mehr geht…oder doch?

In diesem Beitrag werden häufige Fragen zur Spielsucht, Anzeichen und Behandlung beantwortet. Sie erfahren, was Sie selbst tun können, wenn Sie oder Angehörige betroffen sind. Wir klären über Mythen auf und Sie erfahren, wo Sie Rat und Hilfe und weitere Informationen finden. 
 

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Glücksspiele sind Spiele, bei denen um Geld gespielt wird.
  • Gewinne lösen Gefühle von Glück und Macht aus.
  • Glücksspiele sind vom Zufall bestimmt. Ob man gewinnt oder verliert, kann man selbst kaum beeinflussen.
  • Spielsucht ist ein unkontrolliertes und zwanghaftes Spielen und verursacht große Probleme im Alltag (Verschuldung, Probleme in der Familie und im Beruf).
  • Betroffene können von selbst meist nicht mehr aufhören. Sie spielen trotz negativer Folgen immer weiter.
  • ABER: Spielsucht ist eine psychische Erkrankung, die behandelt werden kann.
  • Wichtig ist, dass erkrankte Personen sich helfen lassen wollen und ihr Problem erkennen.
08.12.2022
Folge #33 Sportwetten: Ein Gewinn für die Gesundheit?

Wetten, dass eine Menge Geld auf die Ergebnisse der Fußball-WM gesetzt wird? Rund 2 Milliarden Euro geben die Österreicherinnen und Österreicher bei Sportwetten aus. Sind Sportwetten nur ein harmloses Freizeitvergnügen und wann haben sie Auswirkungen auf die Gesundheit?

In der Folge #33 des "Gesund informiert"-Podcast erfahren Sie, wann das Wetten ungesund wird, ob Sie als sportlicher Mensch mehr Chancen auf Gewinne haben und welche Rolle der Schlaf dabei spielt.

Gast: Dr.in Monika Lierzer, Fachstelle für Glücksspielsucht Steiermark 

Häufige Fragen

Die Spielsucht zählt zu den Verhaltens-Süchten. Sie wird auch „Glücksspielsucht“ genannt.
Betroffene spielen übermäßig oft und unkontrolliert. Das Spiel wird zum Zwang, dem man nicht widerstehen kann. Trotz negativer Konsequenzen wird immer wieder und immer mehr gespielt.

Das krankhafte und zwanghafte Glücksspiel gilt als psychische Erkrankung. Sie hat Folgen für das persönliche, soziale und berufliche Leben und auf das Umfeld der Erkrankten.

Laut Schätzungen gibt es in Österreich derzeit ungefähr 40.000 bis 60.000 Menschen mit Glücksspielsucht (für Automatenspiel und Glücksspiel im Casino). Bei Online-Glücksspielen werden circa 60.000 Betroffene als stark gefährdet oder bereits süchtig eingeschätzt. Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren sind hier besonders betroffen.

Prinzipiell kann jede und jeder von einer Spielsucht betroffen sein. Männer und jüngere Menschen haben aber ein erhöhtes Risiko, eine Glücksspielsucht zu entwickeln. Auch Menschen mit niedriger Bildung, geringem Einkommen oder Migrationserfahrungen sind gefährdet.

Die Ursachen für die Entwicklung einer Glücksspielsucht sind unterschiedlich. Gefühle spielen bei der Entstehung eine wichtige Rolle. Ein Gewinn ist mit großen Glücksgefühlen verbunden. Folgende Faktoren können die Anfälligkeit für eine Spielsucht bei bestimmten Menschen begünstigen:
 

Eigenschaften des Glücksspiels

  • Glücksspiele sind gesellschaftlich akzeptiert und jederzeit verfügbar.
  • Jetons oder virtuelle Währungen senken die Hemmschwelle Geld einzusetzen.
  • Beim Gewinn werden Spielerinnen und Spieler mit positiven Gefühlen belohnt. Sie machen die Erfahrung, dass gewinnen möglich ist.


Soziale Umstände

  • Stressige Situationen oder Belastungen in Beruf, Ausbildung, Beziehung oder Familie. 
  • Gruppendruck und „falsche“ Vorbilder.


Persönlichkeitseigenschaften

  • Fehlende oder mangelnde Kontrolle von Verhalten oder Gefühlen (=Impulskontrolle).
  • Niedriges Selbstwertgefühl
  • Hohe Risikobereitschaft
  • Spielen führt zu Veränderungen der Persönlichkeit (zum Beispiel „magisches Denken“: Betroffene glauben, sie können den Spielverlauf beeinflussen oder haben eine „Glückssträhne“).


Bereits bestehende psychische Erkrankungen

  • Alkoholabhängigkeit
  • Andere Suchterkrankungen
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Eine bereits bestehende Abhängigkeitserkrankung in der Familie.

Eine Spielsucht entsteht schleichend, oft über viele Jahre. Im Laufe der Zeit nimmt das Spiel zunehmend problematische Formen an und wird krankhaft. Es gibt drei typische Phasen:
 

  • Einstiegsphase
    Das Spiel geschieht im sozialen Umfeld und in der Freizeit. Den Spielerinnen und Spielern geht es um Freude, Aufregung und Entspannung. Gespielt wird mit wenig Risiko. Finanzielle Verluste sind selten bis gar nicht vorhanden.
     
  • Verlustphase
    Positive Gefühle nach den ersten Gewinnen führen dazu, dass weitergespielt wird. Die Risikobereitschaft steigt und die Einsätze werden höher. Deutliche finanzielle Verluste sind die Folge. Betroffene wollen das verlorene Geld wieder ausgleichen. Wahrnehmung und Denken sind verzerrt. Sie erkennen selbst nicht, dass sie ein Problem haben.
     
  • Verzweiflungsphase
    In der letzten Phase geht die Kontrolle über das eigene Verhalten verloren. Obwohl sie sich immer höher verschulden, sind Spielsüchtige davon überzeugt, dass sie alle Verluste zurückgewinnen können. Weil der Druck, Geld für das Spielen zu beschaffen steigt, beginnt eine Abwärts-Spirale aus Lügen und Verheimlichung. Häufig kommt es zu kriminellen Verhaltensweisen (zum Beispiel Betrug).

So können Sie eine Spielsucht erkennen:

  • Das Glücksspiel wird zum zentralen Lebensinhalt.
  • Sie denken ständig darüber nach und überlegen, wie Sie Geld für das nächste Spiel beschaffen.
  • Sie können den Drang zu spielen nur schwer kontrollieren.
  • Alle Versuche, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben sind erfolglos.
  • Sie bekommen Entzugssymptome wenn Sie nicht spielen, sind unruhig und reizbar.
  • Sie gehen immer höhere Risiken ein, um die gewünschten Gefühle zu erreichen. Zum Beispiel Glücksgefühle, Entspannung, Ablenkung von Problemen und Schuldgefühlen.
  • Sie versuchen, Geldverluste durch immer häufigeres Spielen und höhere Risiken auszugleichen.
  • Sie borgen sich oft Geld von anderen aus.
  • Sie belügen andere Personen, um Ihre Sucht zu verheimlichen.
  • Sie vernachlässigen Ihre Familie, Ihre Beziehung und Ihren Beruf.

Menschen mit Spielsucht haben Schuldgefühle, verachten sich und ihr Verhalten und leiden oft an Depressionen. Auch Suizidgedanken kommen vor.

Eine Glücksspielsucht hat negative Auswirkungen auf das persönliche, soziale und berufliche Leben der Erkrankten:

  • Finanzielle Probleme: Schulden, Existenzbedrohung
  • Probleme in der Familie oder in Beziehungen: Vertrauensverlust, Konflikte, soziale Isolation
  • Berufliche Schwierigkeiten
  • Körperliche Probleme: Schlafstörungen, Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Psychische Probleme: Reizbarkeit, Depression, Angst, Schuldgefühle
  • Veränderung der Persönlichkeit: Unzuverlässigkeit, Lügen

Auch Angehörige leiden finanziell, emotional und körperlich mit.

Menschen mit Spielsucht schaffen es meist nicht mehr aus eigener Kraft, mit dem Spielen aufzuhören. Professionelle Hilfe ist nötig. Eine Spielsucht kann gut behandelt werden. Wichtig ist aber dass Betroffene bereit sind, sich behandeln zu lassen.

Behandlungsmöglichkeiten:

  • Psychoedukation: Betroffene erfahren mehr über ihre Erkrankung und über Möglichkeiten der Vorbeugung und Therapie.
  • Psychotherapie: Erkrankte lernen, wie sie ihre Probleme anders bewältigen können und ihre Gedanken nicht mehr so stark auf das Glücksspiel zu lenken. Ziel ist, möglichst ohne Glücksspiele auszukommen und bei Schwierigkeiten rechtzeitig gegenzusteuern.
  • Medikamente: Die Ärztin oder der Arzt können bei Bedarf Medikamente verschreiben, die das Verlangen zu spielen hemmen.
  • Sozialarbeiter*innen helfen bei der Abklärung und Lösung sozialer, finanzieller und rechtlicher Probleme.
Was kann ich selbst tun

Das können Sie selbst tun:

  • Holen Sie sich noch heute Hilfe
  • Nehmen Sie sich vor, nur einen gewissen Betrag zu setzen. Ist dieser verbraucht, hören Sie mit dem Spielen auf.
  • Es gibt die Möglichkeit, sich selbst sperren zu lassen (Zutrittsverbot, Besuchsbeschränkungen, Verlustbeschränkungen). Hier finden Sie nähere Informationen. Meist ist diese Selbstsperre allerdings nicht ausreichend, um die Glücksspielsucht in den Griff zu bekommen.

 

Das können Angehörige tun:

  • Informieren Sie sich über die Risiken von Glücksspielen in seriösen Quellen.
  • Verharmlosen und leugnen Sie das Glücksspiel-Problem nicht.
  • Sprechen Sie offen Ihre eigenen Sorgen und Bedenken an und vermeiden Sie Vorwürfe.
  • Akzeptieren Sie, dass Spielsucht eine behandelbare Krankheit ist.
  • Sie tragen keine Schuld an der Glücksspielsucht ihrer*ihres Angehörigen und brauchen sich keine Vorwürfe zu machen.
  • Schützen Sie die betroffene Person nicht vor den Konsequenzen des eigenen Verhaltens.
  • Übernehmen Sie nicht die Verantwortung für negative Folgen.
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über die finanzielle Situation des*der Betroffenen.
  • Gewähren Sie keinen Zugriff auf Ihr eigenes Geld.
  • Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen und kommunizieren Sie diese sehr klar.
  • Teilen Sie Ihre Sorgen und Nöte mit Menschen, denen Sie vertrauen.
  • Wenn die erkrankte Person bereit ist, etwas gegen die Spielsucht zu unternehmen, unterstützen Sie sie dabei. Suchen Sie Adressen von Beratungsstellen und gehen Sie bei Bedarf zum ersten Gespräch mit.
  • Halten Sie auch bei einem Rückfall an vorher vereinbarten Regeln fest.

 

Bin ich spielsüchtig?

Die Fachstelle Glückspielsucht Steiermark bietet einen Online-Spielsucht-Test an.

Mythen

Mythos 1: Nur wer jeden Tag Glücksspiele spielt, wird abhängig.

Das stimmt nicht.
Häufiges Spielen kann zwar ein Hinweis für eine Spielsucht sein, aber auch gelegentliches Spielen kann zum Problem werden. Wichtig ist, ob das Spielverhalten unter Kontrolle ist oder ob finanzielle, psychische oder soziale Probleme entstehen oder bereits entstanden sind.

 

Mythos 2: Wenn man viel Geld hat, kann man nicht süchtig werden.

Das ist ein Irrtum.
Eine Glücksspielsucht wird nicht allein durch finanzielle Schwierigkeiten verursacht. Ob jemand viel oder wenig Geld hat, ist kein aussagekräftiges Kriterium, ob man krank wird oder nicht.

 

Mythos 3: Bei Sportwetten ist das Risiko geringer, weil man mit speziellem Wissen Ergebnisse besser vorhersagen kann.

Falsch! 
Auch beim Sport entscheidet der Zufall. Sportwetten haben nach dem Automaten-Glücksspiel das zweithöchste Suchtpotenzial. Die Gefahr ist vielen selbst ernannten Sportexpertinnen und -experten oft nicht bewusst. „Sichere“ Quoten bringen wenig Gewinn.

Rat und Hilfe

Ärztliche Hilfe bei Spielsucht

 

  • Ärztinnen- und Ärztesuche der Ärztekammer Steiermark
    Für die Diagnose einer Spielsucht und die Abklärung von möglichen anderen Erkrankungen ist eine Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt nötig. In der Suche finden Sie Ärztinnen und Ärzte in der Steiermark.

 

Beratung für Menschen mit Problemen im Umgang mit Glücksspiel

 

  • Fachstelle Glücksspielsucht Steiermark
    Hier finden Sie Behandlungs- und Beratungseinrichtungen in der Steiermark.
     
  • Information und Unterstützung zu Sportwetten
    Sportwetten sind ein Glücksspiel, das zu Spielsucht führen kann. Hier finden Sie Unterstützung und Informationen.
     
  • Spielerschutz und Hilfsangebote
    Auf der Webseite des Bundesministeriums für Finanzen finden Sie Beratungs- und Hilfsangebote sowie Informationen zum Spielerschutz für jedes Bundesland.
     
  • Suchthilfeeinrichtungen Steiermark
    Einrichtungen der Suchthilfe bieten spezifische Hilfe, Beratung und Betreuung für suchtkranke Menschen. Hier finden Sie Hilfe für sich oder eine Angehörige oder einen Angehörigen.
     
  • Suchthilfekompass Österreich
    Hier finden Sie ambulante und stationäre Hilfseinrichtungen. Angebote zur Behandlung von digitalen Süchten, Glücksspiel- und Tabakabhängigkeit, sind über den Reiter „Themenverwandte Links“ zu finden.
     
  • Spielsuchthilfe
    Ambulante Behandlungseinrichtung zur Prävention, Beratung, Therapie und Betreuung für Glücksspielabhängige und Angehörige.
     
  • Selbsthilfe Steiermark
    Hier finden Sie Selbsthilfegruppen für Spielsucht.
     
  • Genuggespielt Onlinekurs
    Der anonyme Online-Kurs vom Institut für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien soll Menschen helfen, die Probleme mit Glücksspiel haben.

 

Hilfe und Unterstützung für Angehörige

 

  • Fachstelle Glücksspielsucht Steiermark
    Angehörige von Menschen mit Glücksspielsucht sind ebenfalls durch finanzielle Probleme sowie Schwierigkeiten in der Beziehung belastet. Hier finden Sie als Angehörige Hilfe und Kontaktadressen, um diese schwierige Situation besser zu bewältigen.

 

Finanzielle Beratung

 

  • Schuldnerberatung Steiermark GmbH
    Die Existenzsicherungsberatung bietet eine langfristige Entlastung und Unterstützung an. Das Angebot kann auch von Angehörigen in Anspruch genommen werden. Telefon-Nummer: 0316/37 25 07.
     
  • Beratungsstelle zur Existenzsicherung (Caritas)
    Kostenlose und diskrete Beratung und Unterstützung für Menschen in finanzieller und sozialer Not. Vorab ist eine Terminvereinbarung nötig. Termine können online oder telefonisch vereinbart werden. Auf der Webseite finden Sie Beratungsstellen in der Steiermark Ihrer Nähe. Für allgemeine Fragen erreichen Sie die Beratungsstelle unter der Telefon-Nummer 0316 8015 300 bzw. [email protected].

Beratung und Unterstützung für Menschen mit Problemen im Umgang mit Glücksspiel

Hinweis: Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass die Informationen auf dieser Webseite auf keinen Fall als Ersatz für eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Expertinnen und Experten (zum Beispiel Ärzt*innen, Apotheker*innen, Ernährungsberater*innen, Psycholog*innen etc.) dienen. “Gesund informiert“ ist eine Webseite des Gesundheitsfonds Steiermark und wird ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert. Weitere wichtige Informationen finden Sie hier
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