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Impfungen - Was bringt uns der Stich?

Stand (Erstellungsdatum): Februar, 2022

Allgemeines

Das Thema Impfen ist in aller Munde und erhitzt die Gemüter. Die Entscheidung, ob man sich impfen lassen soll oder nicht ist schwierig. Das war auch vor der Corona-Pandemie schon so. Impfungen können einen wichtigen Beitrag für die eigene und die gesellschaftliche Gesundheit leisten, indem sie Krankheiten bekämpfen. Impfungen können aber auch Nebenwirkungen haben. Lesen Sie über die Vor- und Nachteile und über die Entwicklung von Impfungen.


Podcast: Impfungen - Was bringt uns der Stich?

Podcast #12: Impfungen - Was bringt uns der Stich?

Das Thema Impfen ist in aller Munde und erhitzt die Gemüter. Die Entscheidung, ob man sich impfen lassen soll oder nicht, ist schwierig. Univ.-Prof. Dr. Florian Krammer erklärt uns, was nach dem Stich passiert, dass Impfen schon in der Ming-Dynastie üblich war und was die Vor- und Nachteile einer Impfung sein können.

Ob dich eine Impfung vor Pilzen schützen kann, was das Impfen mit Süßwaren zu tun hat und wozu die Körperpolizei trainiert, hörst du in dieser Folge von „Gesund informiert“.

Hier findest du alle Infos zur Folge sowie die Interessenskonflikte von Univ.-Prof. Dr. Florian Krammer: Impfungen - Was bringt uns der Stich?

Eine Übersicht der empfohlenen Impfungen findest du beim Sozialministerium:
Impfplan Österreich (sozialministerium.at)

 

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Das Wichtigste im Überblick

 • Die erste Impfung wurde bereits im 18. Jahrhundert gegen die Pocken entwickelt.

 • Ziel von Impfungen ist es, einen Schutz gegen gefährliche Infektionen oder Erkrankungen aufzubauen.

 • Infektionskrankheiten zählen weltweit zu den häufigsten Erkrankungs- und Todesursachen. Durch Impfungen können Infektionskrankheiten sehr gut bekämpft werden.

 • Manche Impfungen können ein Leben lang schützen (zum Beispiel Hepatitis A). Manche Impfungen müssen aufgefrischt werden (zum Beispiel FSME), damit ein Schutz vorhanden ist.

 • Impfungen können Impfreaktionen oder auch Nebenwirkungen hervorrufen.

HÄUFIGE FRAGEN

Wie hat sich das Impfen entwickelt und was hat es uns gebracht?

Die Geschichte des Impfens beginnt im 18. Jahrhundert mit dem Kampf gegen Pocken. Die Pocken waren über weite Teile Europas und Asiens verbreitet. Damals starben 60 Millionen Menschen an der Krankheit. Der Arzt Edward Jenner (1749 bis 1823) erforschte die Krankheit und machte zufällig eine interessante Beobachtung. Mägde, die während des Melkens von Kühen mit den Kuhpocken angesteckt wurden, erkrankten gewöhnlich nicht an den für Menschen gefährlichen Pocken. Die Idee, dass der Körper eine Art „Schutz“ gegen eine erneute Infektion aufbaut, wurde geboren. Der Pockenerreger wurde mit einer Nadel unter die Haut geritzt. Das war der erste Meilenstein zur modernen Impfung.

Interessant zu wissen:

Das Wort Impfstoff oder „Vakzine“ leitet sich vom lateinischen Wort „vacca“ ab. „Vacca“ bedeutet übersetzt Kuh.

Infektionskrankheiten zählen weltweit zu den häufigsten Erkrankungs- und Todesursachen. Infektionen werden durch Erreger wie Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze hervorgerufen. Sie dringen über den Verdauungstrakt, die Haut, die Schleimhäute oder durch die Atmung in den menschlichen Körper ein und vermehren sich.

Impfungen gehören zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen der Medizin. Sie schützen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen.


Wovor kann uns eine Impfung überhaupt schützen und was passiert nach dem Stich im Körper?

Ziel von Impfungen ist es, einen Schutz gegen gefährliche Infektionskrankheiten aufzubauen. Abwehrzellen des Körpers, wie zum Beispiel die weißen Blutkörperchen, erkennen einen Erreger als körperfremd. Es werden Antikörper gebildet, die den unerwünschten Eindringling bekämpfen. Das Immunsystem merkt sich, auf welchen Erreger es reagiert hat. Kommt es nun zu einem erneuten Kontakt mit dem gleichen Erreger, kann unser Immunsystem sofort reagieren. Die Antikörperproduktion setzt viel schneller ein als beim Erstkontakt. Diese schnelle Reaktion macht es möglich, dass eine Krankheit nicht oder nur in abgeschwächter Form ausbricht.


Wie lange hält der Schutz nach einer Impfung? Wie erkenne ich, dass ich noch geschützt bin?

Viele Impfungen bieten einen lebenslangen Schutz. Je nach Erreger oder Impfstoff müssen manche Impfungen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Der Grund dafür ist, dass die Antikörper im Blut über die Zeit verloren gehen. Mit ihnen geht auch das „Wissen“ des Körpers verloren, wie der Erreger bekämpft werden kann. Durch die Auffrischung kann das Immunsystem erneut lernen, wie es sich mit diesem Erreger auseinandersetzen kann.

Beispiel Zecken:

Derzeit muss eine Zeckenimpfung alle 5 Jahre erneuert werden, damit der Schutz aufrecht bleibt.


Welche unterschiedlichen Impfstoff-Arten gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Impfstoffen. Lange Zeit gab es nur Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe.

• Lebendimpfstoffe

Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen von Krankheitserregern, die jedoch abgeschwächt wurden. Sie können die Erkrankung selbst nicht mehr auslösen. Zu den Lebendimpfstoffen gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

• Totimpfstoffe

Totimpfstoffe enthalten nur abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Totimpfstoffe können auch nur Bestandteile des abgetöteten Erregers enthalten. Zu den Totimpfstoffen gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Diphtherie, Hepatitis B, Kinderlähmung, Keuchhusten und Tetanus.

• Genbasierte Impfstoffe und Vektorimpfstoffe

Zu den neueren Entwicklungen zählen genbasierte Impfstoffe. Diese wurden im Laufe der letzten 30 Jahre entwickelt. Genbasierte Impfstoffe wie zum Beispiel mRNA-Impfstoffe oder vektorbasierte Impfstoffe enthalten Baupläne für Bestandteile des Erregers. Das führt zur Bildung von Antikörpern. Diese Impfstoffe können nicht in die DNA (=Erbgut) eingebaut werden.

Fakten: Bestandteile von Impfstoffen

In Impfstoffen sind unterschiedliche Bestandteile enthalten:

Abgeschwächte, abgetötete Erreger oder auch nur Bestandteile von Krankheitserregern
Stabilisatoren: erhalten die Stabilität der Impfstoffkomponenten
Adjuvanzien: verbessern die Immunantwort auf den Impfstoff, indem sie diese verstärken, beschleunigen und länger aufrechterhalten – dabei kann es sich z. B. um Aluminium handeln
Hilfsstoffe: sind unwirksame Stoffe wie Wasser oder Natriumchlorid (Salz) sowie Konservierungsmittel oder Stabilisatoren, die die Stabilität, und damit die Wirksamkeit des Impfstoffs während der Lagerung aufrechterhalten.

Diese Bestandteile werden laufend kontrolliert.


Selbsthilfe

Was kann ich selbst tun ...?

 • Bringen Sie den Impfpass zu den Impfungen mit! Alle durchgeführten Impfungen werden im Impfpass vermerkt.

 • Lassen Sie sich immer über die Vorteile und Nachteile einer Impfung beraten!

Impfpass auf Tisch

Credit: pixabay

Der elektronische Impfpass (e-Impfpass) löst schrittweise den Papier-Impfpass ab. Die Impfungen werden sicher in einem elektronischen nationalen Impfregister abgespeichert.


Vor- und Nachteile

Lassen Sie sich vor einer Impfung von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu Vorteilen und Nachteilen beraten. Diese unterscheiden sich bei jedem Impfstoff und bei jeder Erkrankung. Nur dann können Sie eine gute Entscheidung treffen.

Vorteile von Impfungen

 • Impfungen gehören zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen der Medizin. Sie schützen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen.
• Impfungen können einen wichtigen Beitrag für die eigene Gesundheit leisten.
• Impfungen können auch einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit einer ganzen Gesellschaft leisten.

Nachteile von Impfungen

 • Impfungen können Impfreaktionen oder auch Nebenwirkungen hervorrufen. Diese können je nach Impfstoff unterschiedlich sein.
 • Impfreaktionen sind typische Beschwerden nach einer Impfung, wie zum Beispiel Rötung oder Schwellungen an der Impfstelle. Auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sind möglich.
 • Nebenwirkungen sind unerwünschte Reaktionen nach einer Impfung. Diese sind sehr selten.

Laut Gesetz müssen diese Nebenwirkungen an das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) gemeldet werden. Dort werden die Meldungen überprüft.


Mythen

Impfen verursacht Autismus

Der Brite Andrew Wakefield veröffentlichte 1998 eine Studie mit nur 12 Kindern. In dieser vermutete er, dass der Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff zu Autismus führen könnte. Dies führte zu einer großen Unsicherheit. Jedoch wurden die Ergebnisse der Studie später vielfach widerlegt.

Diesen und weitere Impfmythen klären die Kolleg*innen von Medizin Transparent.

Die Corona-Impfung macht unfruchtbar

Mythen zur Corona Impfung gibt es viele. Auf der gesund-informiert Seite werden einige als falsch enttarnt.


Rat und Hilfe

Wo kann ich mich impfen lassen?

Bei folgenden Stellen können Sie sich beraten und impfen lassen:

• Allgemeinmediziner*in

• Kinderärzt*in

• Gesundheitszentren

• Bezirkshauptmannschaften

• Impfstraßen (Corona-Schutzimpfung)

In Österreich gibt es für Kinder bis zum 15.Lebensjahr ein kostenfreies Impfprogramm. Informationen dazu gibt es auf der Webseite des Sozialministeriums.


Links

Hier finde ich weitere Informationen:

Auf gesund-informiert.at finden Sie:

Informationen zur Grippeimpfung

Informationen zur Corona Impfung

Weitere Informationen zum Thema Impfen finden Sie auf der Seite des öffentlichen Gesundheitsportals Österreichs

EXPERTINNEN

Wir danken Herrn Univ.-Prof. Dr. Florian Krammer für die Bereitstellung von Fachkenntnissen.

Univ.-Prof. Dr. Florian Krammer legt folgende Interessenskonflikte offen:

„Die Icahn School of Medicine at Mount Sinai hat Patentanträge für SARS-CoV-2 serologische Tests und Newcastle disease virus basierende SARS-CoV-2 Impfstoffe gestellt, die mich als Miterfinder anführen. Weiters könnten die folgenden Aktivitäten als Interessenskonflikt gesehen werden:  Ich habe in der Vergangenheit wissenschaftlich Studien über Influenzaimpfstoffe mit Sarah Gilbert (University of Oxford) publiziert, ich habe Merck, Pfizer und Curevac als Consultant beraten (vor 2020), ich berate momentan die Firmen Avimex (Mexiko), Seqirus (Australien), Third Rock Ventures (USA) und die Firma Pfizer, mein Labor arbeitet mit Pfizer an Tiermodellen für SARS-CoV-2, ich forsche mit Norbert Pardi (University of Pennsylvania) an RNA Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 und Influenza, mein Labor hat in der Vergangenheit mit GSK an universellen Influenzaimpfstoffen gearbeitet und drei meiner Mitarbeiter sind vor kurzem zur Firma Moderna gewechselt. Meine Arbeit an Immunität und Infektionskrankheiten wird vor allem von den US National Institutes of Health, aber auch von der Bill und Melinda Gates Foundation gefördert.“