Gesundheitsthema

Früherkennung Welchen Nutzen haben Vorsorgeuntersuchungen?

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Wann gehen Sie zum Arzt oder zur Ärztin? Normalerweise wenn Sie krank sind oder ein gesundheitliches Problem haben, oder? Für eine Vorsorgeuntersuchung geht man als gesunde Person zur Ärztin oder zum Arzt und wird untersucht, obwohl man keine Beschwerden hat. Aber ist das wirklich sinnvoll? Können mit diesen Untersuchungen Krankheiten immer rechtzeitig erkannt werden und gibt es vielleicht sogar Nachteile?

In diesem Beitrag werden häufige Fragen zum Thema Früherkennungs-Untersuchung beantwortet. Sie erfahren, welche Krankheiten frühzeitig erkannt werden können. Wir klären über Vorteile und Nachteile sowie Mythen auf und Sie erfahren, wo Sie weitere Informationen finden.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Früherkennungs-Untersuchungen werden auch „Vorsorgeuntersuchung“ oder „Screening“ genannt.
  • Vorsorgeuntersuchungen sind für gesunde Personen. die keine Beschwerden haben. 
  • Sie haben das Ziel eine Krankheit möglichst früh zu entdecken, um sie besser behandeln oder eventuell sogar heilen zu können.
  • Die Untersuchungen haben auch das Ziel, Risikofaktoren für Krankheiten zu erfassen, zum Beispiel Rauchen.
  • Dabei kann es zu sogenannten „Überdiagnosen“ kommen. Das bedeutet, dass sich die Erkrankung ohne eine Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte.
  • Der Nutzen von Früherkennungs-Untersuchungen wird in Studien nachgewiesen. Nur bei wenigen überwiegen die Vorteile gegenüber den Nachteilen. 
  • Informieren Sie sich über die Vorteile und die Nachteile von Untersuchungen! 
  • Vorsorgeuntersuchungen bieten keine 100%ige Sicherheit. Sie können aber Risiken senken. 
  • Manche Untersuchungen sind kostenlos.
08.07.2022
Folge #22 Früherkennung: Ist vorbeugen immer besser als heilen?

In Österreich geht eine von 10 Personen regelmäßig zur Vorsorge-Untersuchung – auch bekannt als „Gesunden-Untersuchung“. Aber wussten Sie, dass Früherkennungs-Untersuchungen auch Nachteile haben können?

In der Folge #22 des "Gesund informiert"-Podcast erfahren Sie, welche Früherkennungs-Untersuchungen Sinn machen, ob öfter wirklich besser ist und was Hasen, Schildkröten und Vögel mit der Krebs-Früherkennung zu tun haben.

Gast: Univ.-Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH, Universität für Weiterbildung Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation

Häufige Fragen

Die bekannteste Früherkennungs-Untersuchung ist die Vorsorgeuntersuchung, auch bekannt als "Gesundenuntersuchung“. Diese Untersuchung gliedert sich meist in eine Basis-Untersuchung und weitere Zusatz-Untersuchungen.

Beim ersten Termin stellt die Ärztin oder der Arzt Ihnen Fragen zu Ihrem Gesundheitszustand. Es gibt eine Untersuchung des Körpers und eine Untersuchung von Harn und Blut.

Je nach Geschlecht und Alter kann es zusätzliche Untersuchungen geben. Das sind zum Beispiel eine Untersuchung des Stuhls als Darmkrebs-Vorsorge, eine Hör-Untersuchung oder eine frauenärztliche Untersuchung.

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden bei einem zweiten Termin ausführlich mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen.

Ja, der Mutter-Kind-Pass dient der gesundheitlichen Vorsorge für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder bis zum fünften Lebensjahr.

Die Stellungs-Untersuchung in Österreich ist eine Untersuchung der körperlichen und geistigen Eignung eines Menschen für den Bundesheer-Dienst und findet im 18. Lebensjahr statt. 

Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr mit einem Wohnsitz in Österreich können die Vorsorgeuntersuchung einmal im Jahr kostenlos in Anspruch nehmen. 

Auch Personen, die nicht krankenversichert sind, dürfen das Angebot nutzen. Dafür benötigen Sie aber einen Ersatz-Krankenschein. Diesen können Sie bei der für Ihren Wohnsitz zuständigen Landesstelle der Österreichischen Gesundheitskasse beantragen.

Einige Früherkennungs-Untersuchungen sind nur für bestimmte Personen und in bestimmten zeitlichen Abständen kostenfrei. Dazu gehört zum Beispiel die Brustkrebs-Früherkennungs-Untersuchung. Sie ist alle 2 Jahre für Frauen ab 40 Jahren kostenlos.

In Österreich sind nur wenige Untersuchungen empfohlen: 

  • Um Gebärmutterhalskrebs frühzeitig zu erkennen, ist ab dem 18. Lebensjahr ein Krebsabstrich bei der gesunden Frau empfohlen. Man nennt dies "PAP-Abstrich". Das Sozialministerium empfiehlt diese Untersuchung einmal jährlich. Der zeitliche Abstand dieser Untersuchung wird unter Fachleuten diskutiert. Wenn man den PAP-Abstrich nur alle 2 oder 3 Jahre machen lässt, scheint das Risiko für sogenannte "Überbehandlungen" zu sinken. 
     
  • Eine Röntgenuntersuchung der Brust wird "Mammografie" genannt. Gesunde Frauen im Alter zwischen 45 und 69 Jahren können alle 24 Monate diese Untersuchung kostenfrei in Anspruch nehmen. Damit kann Brustkrebs frühzeitig erkannt und behandelt werden. 
     
  • Eine Darmkrebsvorsorge kann alle 10 Jahre gemacht werden. Dabei wird bei Männern und Frauen eine Darmspiegelung gemacht.

Sie sollten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, welche Vorteile und welche Nachteile eine Untersuchung für Sie bringt. Nur wenn Sie sich vorher gut informiert haben, können Sie eine Entscheidung treffen. 

Für die Früherkennungs-Untersuchung brauchen Sie eine e-Card oder einen Ersatz-Krankenschein. Zusätzlich können Sie weitere Informationen für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt mitnehmen, wie zum Beispiel alte Befunde von bisherigen Untersuchen und eine Liste Ihrer Medikamente.

Mehr Informationen, wie Sie sich gut auf das Gespräch vorbereiten, finden Sie auf unserer Webseite unter "Arztgespräch".

Was kann ich selbst tun
  • Lassen Sie sich immer von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über die Vorteile und die Nachteile einer Früherkennungs-Untersuchung beraten. 
  • Tasten Sie als Frau regelmäßig Ihre Brüste ab, am besten nach dem Ende der Regel-Blutung! Damit können Sie selbst auch frühzeitig Veränderungen erkennen. 
  • Tasten Sie als Mann regelmäßig Ihre Hoden ab! Veränderungen können dadurch früher erkannt werden. 
  • Rauchen Sie nicht! Machen Sie Bewegung im Alltag, zum Beispiel Spazieren gehen. Ernähren Sie sich gesund.

Vorteile von Vorsorgeuntersuchungen 

  • Das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung kann zu einem gesünderen Verhalten motivieren.
  • Risikofaktoren für die Gesundheit, wie zum Beispiel Rauchen, werden erkannt und besprochen.
  • Wird eine Krankheit frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen und Behandlungs-Möglichkeiten manchmal besser.
    Zum Beispiel: Wird Brustkrebs früh erkannt, kann die Chance auf eine Heilung steigen. 
  • Mit einer Früherkennungs-Untersuchung können bestimmte Krankheiten verhindert werden. Man spricht von Vorsorge.
    Zum Beispiel: Mit der Früherkennung von Darmkrebs oder Gebärmutterhalskrebs in bestimmten zeitlichen Abständen können Vorstufen von Krebs erkannt und Krebs verhindert werden.  

 

Der Nutzen von Früherkennungs-Untersuchungen wird in Studien nachgewiesen. Nur bei wenigen überwiegen die Vorteile gegenüber den Nachteilen. 

Nachteile von Vorsorgeuntersuchungen

  • Jede Vorsorgeuntersuchung kann Nebenwirkungen haben oder es kann zu Komplikationen kommen.
    Zum Beispiel Verletzungen.
  • Es kann zu sogenannten "Überdiagnosen" kommen. Das bedeutet, dass sich die Erkrankung ohne eine Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte. 
  • Früherkennungs-Untersuchungen können auch falsche Befunde liefern. So ein  „falscher Alarm“ kann seelisch sehr belastend sein.
    Zum Beispiel: Sie können eine Krebsdiagnose bekommen, obwohl Sie eigentlich gesund sind.  
  • Eine Früherkennung bedeutet nicht automatisch, dass man länger und gesünder lebt.
Mythen

Mythos 1: Durch eine Vorsorgeuntersuchung kann ich mein Leben verlängern.

Dieser Mythos ist leider falsch! Eine Früherkennung bedeutet nicht automatisch, dass man länger oder gesünder lebt. Der erhoffte Effekt eines längeren Lebens tritt durch die Vorsorgeuntersuchung nicht ein. Der aktuelle Stand des Wissens schließt aber nicht aus, dass manche Personen durch das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt dazu motiviert werden Gewohnheiten aufzugeben, die schlecht für die Gesundheit sind. Zum Beispiel: Wer aufhört zu Rauchen tut der Gesundheit etwas Gutes. Mehr Infos können Sie hier nachlesen.


Mythos 2: Je öfter ich eine Früherkennungs-Untersuchung mache, umso besser ist das für mich.

Alle Früherkennungs-Untersuchungen haben Vorteile und Nachteile. Viele dieser Nachteile entstehen dadurch, dass Untersuchungen öfter durchgeführt werden, als es in Studien empfohlen wird. Das heißt: Durch zu häufig durchgeführte Untersuchungen steigt die Wahrscheinlichkeit für Überdiagnosen. Zum Beispiel ein falscher Krebsverdacht.

Rat und Hilfe
  • Das Angebot einer Früherkennungs-Untersuchung sollten Sie immer mit Ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Wenden Sie sich am besten an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin! 
     
  • Mithilfe der Ärztinnen- und Ärztesuche der Ärztekammer Steiermark können Sie eine*n Ärztin*Arzt in Ihrer Nähe finden.

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