Gesundheitsthema

Impfungen Was bringt uns der Stich?

Stand: 

Das Thema Impfen ist in aller Munde – und zwar nicht erst seit Corona. Impfungen können einen wichtigen Beitrag für die eigene Gesundheit und für die Gesundheit unserer Mitmenschen leisten. Impfungen können aber auch Nebenwirkungen haben. Lesen Sie über die Vorteile und Nachteile und über die Entwicklung von Impfungen. 

In diesem Beitrag werden häufige Fragen zum Thema Impfen beantwortet. Sie erfahren, was Sie selbst tun können, um sich über Impfungen zu informieren. Wir klären über Vorteile und Nachteile von Impfungen sowie Mythen auf. Weiters erfahren Sie, wo Sie Rat und Hilfe und weitere Informationen finden.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Impfungen gehören zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen der Medizin.
  • Die erste Impfung wurde bereits im 18. Jahrhundert gegen die Pocken entwickelt. 
  • Ziel von Impfungen ist es, einen Schutz gegen gefährliche Infektionen oder Erkrankungen aufzubauen.
  • Infektions-Krankheiten zählen weltweit zu den häufigsten Erkrankungs- und Todesursachen. Durch Impfungen können Infektions-Krankheiten sehr gut bekämpft werden.
  • Manche Impfungen können ein Leben lang schützen (zum Beispiel Hepatitis A). Manche Impfungen müssen aufgefrischt werden (zum Beispiel FSME oder auch "Zecken-Impfung"), damit ein Schutz vorhanden ist.
  • Impfungen können Impfreaktionen oder auch Nebenwirkungen hervorrufen.
18.02.2022
Folge #12 Impfungen: Was bringt uns der Stich?

Das Thema Impfen ist in aller Munde und erhitzt die Gemüter. Die Entscheidung, ob man sich impfen lassen soll oder nicht, ist schwierig.

In der Folge #12 des „Gesund informiert“-Podcast erklärt Univ.-Prof. Dr. Florian Krammer, was nach dem Stich im Körper passiert, dass Impfen schon in der Ming-Dynastie üblich war und was die Vor- und Nachteile einer Impfung sein können. Außerdem erfahren Sie, was Impfungen mit Süßwaren zu tun haben und wozu die Körperpolizei trainiert wird.

Gast: Univ.-Prof. Dr. Florian Krammer, Icahn School of Medicine at Mount Sinai, NY
 

Häufige Fragen

Die Geschichte des Impfens beginnt im 18. Jahrhundert mit dem Kampf gegen die Pocken. Die Pocken waren über weite Teile Europas und Asiens verbreitet. Damals starben 60 Millionen Menschen an der Krankheit. Der Arzt Edward Jenner (1749 bis 1823) erforschte die Krankheit und machte eine interessante Beobachtung: Mägde, die beim Melken gelegentlich mit den für Menschen eher ungefährlichen "Kuhpocken" in Berührung kamen, starben nicht an den gefährlichen menschlichen Pocken. Jenner hatte die Idee, dass man Menschen vor dem Pocken-Virus schützen kann, indem man sie absichtlich mit dem eher mild verlaufenden Kuhpocken-Virus infiziert. Dazu wurde der Erreger mit einer Nadel unter die Haut geritzt. Die Pocken-Impfung war der erste Meilenstein zur modernen Impfung und eine Erfolgsgeschichte. Seit dem Jahr 1980 gelten die Pocken als offiziell ausgerottet.

Infektionen werden durch Erreger wie Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze hervorgerufen. Sie dringen über den Verdauungstrakt, über die Haut und Schleimhäute oder über die Atmung in den menschlichen Körper ein und vermehren sich. Infektions-Krankheiten zählen weltweit zu den häufigsten Erkrankungs- und Todesursachen.

Ziel von Impfungen ist es, einen Schutz gegen gefährliche Infektions-Krankheiten aufzubauen. Das kann entweder der Schutz vor einer Infektion sein oder der Schutz vor einer Erkrankung. Durch Impfungen ist es gelungen, viele gefährliche Krankheiten zurückzudrängen. Masern, Mumps, Röteln oder Polio (=Kinderlähmung) kommen heute kaum noch vor. Von diesen "Standard"-Impfungen profitiert unsere Gesellschaft.

In einer Impfung sind Teile eines Krankheitserregers enthalten. Wenn man sie mit dem Stich in den Körper bringt, reagiert das Immunsystem darauf: Die weißen Blutkörperchen (=Leukozyten) erkennen als "Gesundheitspolizei" wenn fremde Erreger in den Körper eindringen und bekämpfen sie. Dazu werden sogenannte "Antikörper" gebildet.

Das Immunsystem merkt sich, welche Erreger es schon einmal erfolgreich bekämpft hat. Kommt es nun zu einem erneuten Kontakt mit dem gleichen Erreger, erkennt unser Immunsystem ihn sofort und kann richtig reagieren Die Produktion von Antikörpern beginnt viel schneller. Dadurch bricht eine Krankheit nicht oder nur in abgeschwächter Form aus. Man kann also sagen, dass die "Gesundheitspolizei" des Körpers durch Impfungen trainiert wird. 

Viele Impfungen bieten einen lebenslangen Schutz, zum Beispiel Impfungen gegen Hepatitis A, Gelbfieber oder die Pocken. Je nach Erreger oder Impfstoff müssen manche Impfungen aber in regelmäßigen Abständen wiederholt, also "aufgefrischt" werden. 

Der Grund dafür ist, dass die Antikörper im Blut über die Zeit verloren gehen. Mit ihnen geht auch das Wissen des Körpers verloren, wie der Erreger bekämpft werden kann. Durch die Auffrischung kann das Immunsystem erneut lernen, wie es sich mit diesem Erreger auseinandersetzen muss. 

Bei vielen Impfungen kann man messen, wie viele Antikörper noch im Blut sind. Das nennt man "Titer-Bestimmung". Anhand der Höhe der Antikörper kann die Ärztin oder der Arzt sagen, ob man noch geschützt ist oder nicht.

Bei manchen Impfungen, wie zum Beispiel bei Hepatitis A und Hepatitis B, kann man ausrechen wie lange ein Schutz durch die Impfung noch besteht. Bei anderen Impfungen gibt es einen festgelegten Zeitraum, wann eine Auffrischungs-Impfung nötig ist. Zum Beispiel muss die Zecken-Impfung alle 5 Jahre erneuert werden, damit der Schutz aufrecht bleibt.

Es gibt verschiedene Arten von Impfstoffen. Lange Zeit gab es nur Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe.

  • Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen von Krankheitserregern, die jedoch abgeschwächt wurden. Sie können die Erkrankung selbst nicht mehr auslösen. Zu den Lebendimpfstoffen gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.
     
  • Totimpfstoffe enthalten nur abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Totimpfstoffe können auch nur Bestandteile des abgetöteten Erregers enthalten. Zu den Totimpfstoffen gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Diphtherie, Hepatitis B, Kinderlähmung, Keuchhusten und Tetanus.
     
  • Genbasierte Impfstoffe und Vektorimpfstoffe: Zu den neueren Entwicklungen zählen genbasierte Impfstoffe. Diese wurden im Laufe der letzten 30 Jahre entwickelt. Genbasierte Impfstoffe wie zum Beispiel mRNA-Impfstoffe oder vektorbasierte Impfstoffe enthalten Baupläne für Bestandteile des Erregers. Das führt zur Bildung von Antikörpern. Diese Impfstoffe können nicht in die DNA (=Erbgut) eingebaut werden. Ein Beispiel für genbasierte und Vektorimpfstoffe ist die Corona-Schutzimpfung.

In Impfstoffen können unterschiedliche Bestandteile enthalten sein:

  • Abgeschwächte, abgetötete Erreger oder auch nur Bestandteile von Krankheitserregern.
     
  • Stabilisatoren erhalten die Stabilität der Impfstoff-Komponenten.
     
  • Adjuvanzien verbessern die Antwort des Immunsystems auf den Impfstoff, indem sie diese verstärken, beschleunigen oder länger aufrechterhalten.
     
  • Hilfsstoffe sind unwirksame Stoffe wie Wasser oder Natriumchlorid (Salz) sowie Konservierungsmittel oder Stabilisatoren. Sie sollen die Stabilität und damit die Wirksamkeit des Impfstoffs während der Lagerung erhalten.

Diese Bestandteile werden laufend kontrolliert.

Was kann ich selbst tun
Impfpass
© pixabay.com
  • Bringen Sie immer Ihren Impfpass mit! Alle durchgeführten Impfungen werden im Impfpass vermerkt. 
     
  • Der elektronische Impfpass (e-Impfpass) löst schrittweise den Papier-Impfpass ab. Die Impfungen werden sicher in einem elektronischen nationalen Impfregister abgespeichert.
     
  • Lassen Sie sich vor einer Impfung von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu Vorteilen und Nachteilen beraten. Diese unterscheiden sich bei jedem Impfstoff und bei jeder Erkrankung. Nur dann können Sie eine gute Entscheidung treffen.

 

Vorteile von Impfungen  

  • Impfungen gehören zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen der Medizin. Sie schützen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen.
  • Impfungen können einen wichtigen Beitrag für die eigene Gesundheit leisten.
  • Impfungen können auch einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit einer ganzen Gesellschaft leisten.
     

Nachteile von Impfungen

  • Impfungen können Impfreaktionen oder auch Nebenwirkungen hervorrufen. Diese können je nach Impfstoff unterschiedlich sein.
  • Impfreaktionen sind typische Beschwerden nach einer Impfung, wie zum Beispiel Rötung oder Schwellung an der Impfstelle. Auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sind möglich. 
  • Nebenwirkungen sind unerwünschte Reaktionen nach einer Impfung. Diese sind sehr selten. 


Laut Gesetz müssen diese Nebenwirkungen an das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) gemeldet werden. Dort werden die Meldungen überprüft. 

Mythen

Mythos 1: Impfen verursacht Autismus.

Der Brite Andrew Wakefield veröffentlichte 1998 eine Studie mit nur 12 Kindern. In dieser vermutete er, dass der Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff zu Autismus führen könnte. Dies verursachte eine große Unsicherheit. Jedoch wurden die Ergebnisse der Studie später vielfach widerlegt. Diesen und weitere Impf-Mythen klären die Kolleginnen und Kollegen von Medizin-Transparent.at auf.


Mythos 2: Die Corona-Impfung macht unfruchtbar.

Diese Behauptung ist falsch. Es handelt es sich um ein hartnäckiges Gerücht, das es auch bei anderen Impfstoffen schon gab. Es gibt keinen biologischen Grund, der diese Behauptung erklären könnte.


 

Interessant zu wissen:

Das Wort Impfstoff oder „Vakzine“ leitet sich vom lateinischen Wort „vacca“ ab. „Vacca“ bedeutet übersetzt Kuh.

Rat und Hilfe

Bei folgenden Stellen können Sie sich beraten und impfen lassen:

  • Allgemeinmedizinerin und Allgemeinmediziner
  • Kinderärztin und Kinderarzt
  • Gesundheitszentren
  • Bezirkshauptmannschaften
  • Impfstraßen (Corona-Schutzimpfung) 


In Österreich gibt es für Kinder bis zum 15. Lebensjahr ein kostenfreies Impfprogramm. Informationen dazu finden Sie hier.

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