Gesundheits­­kompetente Gesundheitsversorgung

In den letzten Jahren hat das Thema Gesundheitskompetenz (im Englischen „health literacy“) im Public Health-Bereich zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Förderung der Gesundheitskompetenz wurde auch im Rahmengesundheitsziel „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“ beschlossen. Die Gesundheitskompetenz von Patientinnen und Patienten zu fördern hat viele Vorteile für den gesamten Behandlungsverlauf. Gesundheitskompetente Patient*innen setzen eine Therapie besser um und tragen selbst zu einer schnelleren und erfolgreicheren Behandlung und zum Heilungsverlauf bei. 

 

„Gesundheitskompetenz ist verknüpft mit allgemeiner Bildung und umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag gesundheitsrelevante Entscheidungen treffen zu können.“

Quelle: Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz, 2022

In diesem Video wird erklärt wie das Gesundheitssystem dazu beitragen kann, dass Patient*innen gut informierte Entscheidungen treffen.

Gesundheitskompetente Organisationen

Gesundheitskompetenz ist einerseits eine Frage der persönlichen Fähigkeiten, also zum Beispiel wie gut jemand lesen oder schreiben kann oder dazu in der Lage ist, sich wichtige Informationen zu beschaffen. Andererseits bedarf Gesundheitskompetenz aber auch einer Verbesserung der Rahmenbedingungen und Informationsangebote im Gesundheitssystem. Gesundheitskompetente Organisationen erleichtern es den Menschen, Informationen und Dienste zu finden, zu verstehen und zu benutzen, um gute Gesundheitsentscheidungen zu treffen.

In folgender Grafik sind die Kompetenzen der Patient*innen den Anforderungen des Systems gegenübergestellt:
 

Grafik zu Gesundheitskompetenz

 

Nutzen von Gesundheitskompetenz 

Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit von Personen, im Alltag gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen. Sie ist wichtig für die Gesundheitsförderung, die Prävention und für die Krankheits-Bewältigung und trägt zur Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität und der Gesundheit im gesamten Lebensverlauf bei.

Personen mit höherer Gesundheitskompetenz …

  • ...schätzen ihre Gesundheit besser ein.
  • ...sind weniger häufig im Krankenhaus.
  • ...benötigen seltener eine Ärztin oder einen Arzt.
  • ...benötigen seltener medizinische Notfalldienste.
  • ...leiden weniger häufig unter chronischen Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes).
  • ...haben einen besseren Umgang mit (chronischen) Krankheiten, einen günstigeren Verlauf und mehr Lebensqualität. 
  • ...wissen, wo sie sich mit einem gesundheitlichen Problem hinwenden sollen.
  • ...bewegen sich häufiger und haben einen niedrigeren BMI.
  • ...nutzen häufiger Vorsorgeuntersuchungen.
  • ...haben ein besseres Verständnis für Gesundheitsbotschaften und Behandlungsoptionen.
  • ...nutzen Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention häufiger.
  • ...haben eine höhere Lebenserwartung.
     

Umgekehrt haben Menschen mit einer mangelhaften Gesundheitskompetenz einen schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand, neigen eher zu chronischen Erkrankungen, zeigen wenig Eigenverantwortung für die Gesundheit und treffen Entscheidungen, die sich nicht immer positiv auf ihre Gesundheit auswirken (Risikoverhaltensweisen).

Das alles sorgt nicht nur für menschliches Leid, sondern auch für hohe Kosten im Gesundheitssystem. 

Patientinnen und Patienten mehr beteiligen 

Gesundheitskompetenz hat nicht nur einen hohen persönlichen, sondern auch einen großen gesellschaftlichen und ökonomischen Nutzen. Positive Effekte beginnen beim Gesundheitszustand und dem Gesundheitsverhalten, reichen über die Patienten*innen-Sicherheit und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen bis hin zu ökonomischen Effekten, wie beispielsweise der Verminderung von unnötig angewendeten Behandlungen und damit Kosten.

 

Was bedeutet Beteiligung im Gesundheitswesen?
Beteiligung bedeutet, dass Menschen auf Basis von Wissen und Informationen Handlungsspielräume erlangen, um im Hinblick auf ihre Gesundheit, aber auch in Fragen der Gesundheitsversorgung und des Gesundheitswesens kompetente Entscheidungen treffen zu können. Gesundheitskompetenz und Beteiligung hängen wechselseitig voneinander ab. Außerdem erhöht sich durch Beteiligung die Wirksamkeit und Qualität von Gesundheitsleistungen, weil Erfahrungen, Wissen und Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt werden. 

Um Rahmenbedingungen zu schaffen, die mehr Beteiligung ermöglichen und die es allen Menschen in der Steiermark erlauben, ihre Gesundheit bestmöglich zu fördern, braucht es die Zusammenarbeit von Verantwortlichen auf allen Ebenen des Gesundheitswesens. 

Die Gesundheitskompetenz ist im Österreichischen Rahmengesundheitsziel 3 „Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“  politisch verankert. Auch im Steirischen Gesundheitsplan 2035 ist die Förderung der Gesundheitskompetenz ein wichtiges Ziel. Unter dem Motto „Mehr Beteiligung“ soll die Gesundheitsversorgung in der Steiermark für die Bürgerinnen und Bürger einfacher und besser verständlich werden, sodass sie eine aktivere Rolle in der Gesundheitsversorgung einnehmen und diese selbst mitgestalten können. 

So kann die gute Gesundheitsversorgung in der Steiermark auch in Zukunft auf einem hohen Niveau gewährleistet werden und alle Steirerinnen und Steirer haben die gleichen Chancen auf eine gute Versorgung.

Gesundheitsfonds Steiermark (2017): Im Detail – Mehr Beteiligung! Gesundheit verstehen – beurteilen – anwenden. Gesundheitsberichterstattung Steiermark, https://goeg.at/sites/goeg.at/files/inline-files/Im%20Detail%202017_Gesundheitskompetenz.pdf


Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz Geschäftsstelle, https://www.nap-gesundheitskompetenz.de/


Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz, https://oepgk.at/

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