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Folge #106: Gesund informiert zur Lebensmittelkennzeichnung: Was steht auf dem Etikett?

Podcast Lebensmittelkennzeichnung

Mit dem Schulbeginn startet für viele Eltern auch wieder das morgendliche Jause richten. Da kommt vielen sicher der Gedanke: Was gebe ich den Kindern mit? Was ist gesund? Was steckt in diversen Produkten und fertigen Weckerln?

In der neuen Folge #106 erfahren Sie, was es mit den Angaben auf der Verpackung auf sich hat und worauf Sie beim Einkauf achten sollten.

Gast: Martina Steiner (Ernährungswissenschafterin)

„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.

Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky

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Podcast-Ausschnitte

Hören Sie kurz in die Folge hinein!

Teil 1: Was steht auf der Verpackung?
Teil 2: Was besagt der Nutri-Score?
Text zur Folge

Hinweis: Dieses Transkript wurde mit Künstlicher Intelligenz generiert.

Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute zu Gast: Ernährungswissenschaftlerin Martina Steiner.

Fanny Sedlnitzky: Wir machen heute einen Spaziergang durch Lebensmittelabteilungen und werden uns ein bisschen genauer anschauen, wie es denn mit der Lebensmittelkennzeichnung ausschaut, was muss auf einem Lebensmittel überhaupt draufstehen und was fange ich mit diesen Informationen an? Martina Steiner, herzlich willkommen.

Martina Steiner: Hallo, grüß Gott.

Fanny Sedlnitzky: Ich freue mich, dass Sie gekommen sind. Wir haben schon einmal einen Podcast gemeinsam aufgenommen. Es ging damals um die Hülsenfrüchte, aber Sie kennen sich auch mit Lebensmittelkennzeichnung aus. Da werden wir uns heute ein bisschen einführen lassen in diesen Dschungel an Informationen, die da auf den Verpackungen draufstehen. Sie kennen sich damit aus, weil...

Martina Steiner: Ich habe Ernährungswissenschaften studiert. Nach meinem Studium war ich dann ein bisschen beim Verein für Konsumenteninformation, Zeitschrift Konsument, habe dann auch für die Arbeiterkammer Steiermark vergleichende Warentests gemacht, habe mir das angeschaut und bin jetzt seit 2011 eigentlich beim Gesundheitsfonds Steiermark im Bereich Ernährung. Und da ist Lebensmittelkennzeichnung auch wieder ein wichtiges Thema, weil wir die steirischen Mindeststandards haben für die Gemeinschaftsverpflegung. Und was muss man in der Gemeinschaftsverpflegung einkaufen? Lebensmittel, verpackte Lebensmittel, oft auch Halbfertigprodukte, und da wünschen wir uns natürlich, dass bessere Produkte eingekauft werden.

Fanny Sedlnitzky: Dann fangen wir gleich an, uns ein paar Standards sozusagen anzuschauen, was auf einer Verpackung alles drauf sein muss. Als Laie, wenn man durch den Supermarkt geht: Man kauft meistens das, was man braucht, ohne wirklich viel auf diese Inhaltsstoffe zu achten oder zu schauen. Aber es macht durchaus Sinn, wenn wir jetzt eine Lebensmittelpackung umdrehen, da haben wir hinten immer so Kleingedrucktes, viele brauchen dazu schon eine Brille, um es wirklich entziffern zu können. Da stehen alle möglichen Informationen drauf. Was sind denn das für Informationen, die da auf diesen Packungen draufstehen?

Martina Steiner: Also, es gibt verpflichtende Kennzeichnungselemente, die müssen auf jeder Verpackung drauf sein, mit Ausnahmen wiederum. Aber was findet man meistens? Das ist die Nettofüllmenge, natürlich ein Mindesthaltbarkeitsdatum, eine Zutatenliste, eine Nährwerttabelle ist auch drauf, eine Sachbezeichnung ist auch verpflichtend, und dann findet man natürlich vieles, was man braucht, um das Produkt zu verkaufen. Wenn man jetzt die Lebensmittelindustrie fragt: Auf der Vorderseite findet man vieles, was marketingtechnisch Sinn macht, dass man die Menschen hinlockt zu dem Produkt. Bunte Abbildungen, Comicfiguren sind da drauf, Auslobungen, "frei von"-Geschichten, und die ziehen einen dann hin. Aber man muss eben unterscheiden zwischen verpflichtenden Kennzeichnungselementen, freiwilligen Kennzeichnungselementen und dem, was sich halt sonst die Marketingabteilung noch überlegt.

Fanny Sedlnitzky: Also ich kann mir vorstellen, verpflichtend ist das, was in dem Produkt drinnen ist. Das muss ausgeschildert werden, das muss man draufschreiben auf die Verpackung, und das hat auch einen Sinn, wie dieses Kleingedruckte da angegeben ist. Also, wenn ich jetzt z. B. ein Erdbeerjoghurt kaufe, dann steht da drauf, was da alles drinnen ist, und das Ganze steht in einer bestimmten Reihenfolge. Das hat einen Sinn.

Martina Steiner: Genau. Also, die Zutaten findet man immer in der Zutatenliste, wenn man das Produkt umdreht, und in dieser Zutatenliste findet man alle Stoffe, die absichtlich bei der Herstellung des Produktes hineingegeben wurden und am Ende noch vorhanden sind in dem Produkt. Am Anfang an erster Stelle steht immer das Produkt, das mengenmäßig am meisten drinnen ist. Unser Beispiel war Erdbeerjoghurt: Da steht Joghurt, dann wird vielleicht Zucker folgen und dann folgen die Erdbeeren, und dann weiß ich schon mal, ah, da ist mehr Zucker drinnen als Erdbeeren. Und am Ende der Zutatenliste habe ich dann vielleicht noch Aromen. Von den Aromen wird nur ganz wenig benötigt, die sind mengenmäßig wirklich sehr wenig drinnen. Die stehen dann eben ganz am Ende dieses Produktes. Aber ich sehe auch, aha, in diesem Erdbeerjoghurt ist auch ein Aromastoff drinnen.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Diese Aromastoffe, Zusatzstoffe, alle möglichen Dinge, womit ich vielleicht als Kunde relativ wenig anfange, die werden oft auch gekennzeichnet mit E-Nummern. Da gibt's dann auch immer E-Nummern, wo man sagt: "Vorsicht, diese und diese Nummern sind giftig, gefährlich, krebserregend etc." Was sagen diese E-Nummern eigentlich aus? Was sind diese Nummern?

Martina Steiner: Also grundsätzlich muss man sagen, dass E-Nummern, Zusatzstoffe gesundheitlich unbedenklich sein müssen, sonst dürfen sie nicht reingegeben werden ins Lebensmittel. Es sind alles zugelassene Stoffe, die werden von der EFSA überprüft. Es gibt für jeden Zusatzstoff auch eine Höchstmenge, die reingegeben werden darf. Wenn es das nicht gibt, dann gilt Quantum Satis, also nur so wenig wie möglich und so viel wie gebraucht. Also, es gibt ganz klare Regeln für die Verwendung eines Zusatzstoffes. Man darf nicht irgendwas reingeben als Zusatzstoff. Ein Zusatzstoff ist jetzt eine isolierte Substanz. Das ist z. B. Zitronensäure. Man hat Zitronensaft daheim, Zitronensäure ist ein Bestandteil, und das ist halt einfach isolierte Zitronensäure. Die hat dann die Nummer E330 z. B., und die würde man in so einer Zutatenliste finden. Für was es im Produkt eingesetzt wird, das wird klar durch die Funktionsklasse. Zusatzstoff ist immer in der Zutatenliste mit seiner Funktionsklasse angegeben. Das heißt Antioxidationsmittel Doppelpunkt oder Farbstoff Doppelpunkt Karotin oder Konservierungsstoff Doppelpunkt Sorbinsäure. Und dann weiß man, für welchen Zweck der Zusatzstoff im Produkt drinnen ist. Manche Zusatzstoffe haben nämlich auch mehrere Funktionen.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Wenn ich mein Erdbeerjoghurt dann ein Stückchen weiterdrehe, dann habe ich nach der Zutatenliste meistens eine, sagen wir mal so, eine Tabelle. Das ist die Nährwerttabelle. Da steht drinnen, wie viel Fett, wie viel gesättigte Fettsäuren, ungesättigte Fettsäuren, wie viel Zucker, wie viel Eiweiß pro x Gramm in diesem Joghurt enthalten sind. Diese Nährwerttabelle, wie wichtig ist die für mich?

Martina Steiner: Zuerst muss man mal sagen, welche Produkte haben eine Nährwertkennzeichnung, nämlich verpackte Produkte, und wie soll die Nährwertkennzeichnung ausschauen? Da gibt's ganz strenge Regelungen. Auch die Reihenfolge ist wiederum streng geregelt. Es dürfen eigentlich nur die Big Seven draufstehen in der Reihenfolge Energie, Kalorien, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß, Salz. Das finde ich eigentlich immer auf verpackten Produkten, diese Angabe. Aber was bringt mir das jetzt bei einem Erdbeerjoghurt? Ich finde, man muss sich immer von Produkt zu Produkt überlegen, was ich mir speziell anschauen möchte und auch was für mein Leben jetzt von Bedeutung ist. Bei einem Erdbeerjoghurt muss ich persönlich sagen, schaue ich auf den Zuckergehalt. Ich meine, man braucht nicht so viel Zucker. Wir essen sowieso zu viel Zucker, und es gibt bei Erdbeerjoghurt einfach Unterschiede: Produkte mit einem unterschiedlichen Zuckergehalt, und da würde man wahrscheinlich das Produkt nehmen mit am wenigsten Zucker. Aber grundsätzlich haben die Nährwerttabellen den Sinn und können gut verwendet werden, um Produkte einer gleichen Produktkategorie zu vergleichen. Eben Joghurt mit Joghurt, Pizza mit einer Pizza, einen Fruchtsaft mit einem Fruchtsaft oder auch mit einer Limonade. Also, das hat schon sehr viel Sinn.

Fanny Sedlnitzky: Aber da hängt's dann natürlich davon ab, was möchte ich, möchte ich weniger Fett, möchte ich weniger Zucker, weil davon wird das abhängen, wie viel da vorhanden ist.

Martina Steiner: Genau. Ich weiß nicht, jemand, der auf seinen Bluthochdruck achten muss und salzsensitiv ist, wird wahrscheinlich auch ganz speziell auf Salz achten. Und da muss ich sagen, da gibt's Fertigprodukte, wenn man sich das durchrechnet, die haben halt pro Portion fast 5,5 g Salz oder fast 6 g Salz, das ist die Tagesmenge, die man zu sich nehmen soll.

Fanny Sedlnitzky: Genau. In verschiedensten Produkten, die man so tagsüber zu sich nimmt. Also da ist man weit über der Tagesmenge drüber, oder?

Martina Steiner: Weit über. Ja. Und von solchen Produkten sollte man dann wahrscheinlich Abstand nehmen.

Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast: Ernährungswissenschaftlerin Martina Steiner.

Fanny Sedlnitzky: Was manchmal auch angegeben ist, das sind nicht nur die Kalorien pro 100 g, weil oft kann ich mir da auch nichts drunter vorstellen, sondern da steht dann pro Portion, und dann steht vielleicht in Klammern 25 g ist eine Portion. Wenn die Packung 100 g hat, kann ich mir ausrechnen: Also da passen vier Portionen hinein. Wenn ich ein Viertel esse, habe ich eine Portion gegessen. Sind diese Portionsangaben denn sinnvoll und treffen die auf jeden zu?

Martina Steiner: Nein. Ich finde es sinnvoll, wenn ich z. B. ein Eis kaufe, ein verpacktes Eis, ein Eis am Stiel, und wenn ich dann weiß, dieses Eis hat 220 Kalorien, das hat für mich einen Sinn, dass da die Portion quasi angegeben wird. Was für mich wenig Sinn hat, ist z. B., wenn ich mir eine Pizza kaufe und die Portionsgröße ist eine halbe Pizza. Also da schaue ich mir an, dass jemand eine halbe Pizza isst. Eine Portionsgröße, das ist etwas, was sich der Hersteller aussucht, was er da draufschreibt, da gibt's keine Vorgaben dazu. Es wird oft kritisiert, dass z. B. auf solchen Müsli-Geschichten die Portionsgröße mit 30 g angegeben wird, und wer schon mal 30 g von so einem Müsli eingegeben hat in so eine Schüssel, wird feststellen, dass es recht wenig ist, dass es recht einsam ausschaut. Und insbesondere wenn man, ich weiß nicht, einen Teenager daheim hat, also da sind diese 30 g unrealistisch.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Kann ich nur aus Erfahrung sprechen. Die kippen sich gleich den ganzen Sack hinein. Nein, und dann kommt fast ein Liter Milch dazu. Also, da hat man dann schon eine ganz ordentliche Portion an Kalorien, Fett und Zucker, die man zu sich nimmt. Wenn ich im Regal verschiedenste Produkte finde von einem Produkt, das ich mir kaufen möchte – wir bleiben vielleicht der Einfachheit halber beim Erdbeerjoghurt –, wir haben schon gesagt, da gibt es dann verschiedene Firmen, verschiedene Erdbeerjoghurts, da gibt's dann auch die Produkte, wo einem entgegenspringt "besonders viel Protein" oder "besonders wenig Fett". Macht es Sinn, diese Produkte miteinander zu vergleichen?

Martina Steiner: Es hat auf jeden Fall Sinn, diese Produkte trotzdem miteinander zu vergleichen, weil diese zusätzlichen Auslobungen "proteinreich", "energiearm", "fettarm", das sind zusätzliche freiwillige Angaben, die man draufschreiben kann, aber nicht muss. Das heißt, ich habe vielleicht ein besseres Produkt im Regal, das nicht vorne schreiend damit wirbt, dass es proteinreich ist, aber es ist trotzdem proteinreich.

Fanny Sedlnitzky: Also, da kann oft der gleiche Gehalt an Protein drin sein, an Eiweiß, wie in einem Joghurt, das als besonders proteinhaltig ausgelobt wird.

Martina Steiner: Genau. Also, ich habe gestern erst geschaut: proteinreicher Käse, groß ausgeschrieben, und daneben war ein Quargel. Mhm.

Fanny Sedlnitzky: Der ist ja auch proteinreich, und der hat keine solche Auslobung gehabt. Also, das wäre eigentlich ein ganz gutes Beispiel. Es gibt ja verschiedene Unverträglichkeiten bei Nahrungsmitteln. Im Restaurant kennt man es mittlerweile, da müssen diese Allergene ausgeschildert werden. Da stehen dann auch immer wieder Buchstaben bei den verschiedensten Speisen dabei und dann weiß ich, aha, dieses Produkt enthält Laktose, dieses Produkt enthält Gluten. Finde ich das auch auf den Lebensmittelverpackungen im Supermarkt?

Martina Steiner: Ja, das findet man auch. Man findet diese Information in den Zutatenlisten. Es gibt 14 spezielle Allergene, die gekennzeichnet werden müssen. Das kann sein fettgedruckt oder das kann sein, dass es mit Großbuchstaben gekennzeichnet ist.

Fanny Sedlnitzky: Wer ein Problem mit irgendeiner Kategorie hat, sollte auf das auch achten.

Martina Steiner: Ich glaube, dass Allergiker wirklich bestens darüber Bescheid wissen, aber für manche andere, die fragen sich: Warum ist... Was ist das? Warum ist das jetzt großgeschrieben? Ist das was Schlechtes?

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Und achten dann darauf, obwohl sie es gar nicht müssen.

Martina Steiner: Genau. Also, es ist nichts Schlechtes. Es ist wirklich nur, dass die speziell gekennzeichnet werden.

Fanny Sedlnitzky: Ja, was einem in letzter Zeit, finde ich, sehr oft auch ins Auge sticht auf den Lebensmitteln, ist eine Ampel sozusagen. Da gibt es die Buchstaben A, B, C, D und so weiter, und die haben dann auch noch gewisse Farben zugeordnet. Das geht von Grün bis Rot, dazwischen die Gelb- und Orangetöne. Wenn ich ein Lebensmittel in die Hand nehme, das sozusagen die rote Ampel ausgeschildert hat, dann kann ich mir schon vorstellen, da ist irgendwie was drinnen, was nicht so gut ist. Oder ein Lebensmittel, das grün ist, lacht mich an, weil es vielleicht gesund sein soll. Was sagt denn diese Ampel auf diesen Lebensmittelverpackungen aus?

Martina Steiner: Sie sprechen den Nutri-Score an, der befindet sich auf der Vorderseite von Verpackungen. Der ist freiwillig und ist eigentlich eine Kombination aus Farben und Buchstaben. Also man hat eben ein grünes A, ein bisschen weniger grünes B, ein gelbes C, ein oranges D und ein rotes E. Und dieser Nutri-Score ist eigentlich... ein Score ist immer etwas, was berechnet wird. Er berechnet, wie gut ein Lebensmittel ist, unter Zuhilfenahme von Daten aus der Zutatenliste und von der Nährwertkennzeichnung. Das heißt also, positiv für den Nutri-Score wird gewertet, wenn da drinnen Nüsse, Ballaststoffe, Proteine, Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und Öle sind, und negativ wird gewertet der Zuckergehalt, der Salzgehalt, der Wert an gesättigten Fettsäuren und der Energiegehalt. Und bei Getränken kommen noch die Süßstoffe dazu.

Martina Steiner: Man rechnet gute mit schlechten Sachen, sage ich mal, auf, und dann kommt ein Wert raus. Und der Wert wird dann übersetzt in diese Farbe und in diesen Buchstaben, weil man hat gesagt, manche sind eher auf Farben fokussiert, die brauchen so eine Ampel, und manche brauchen die Buchstaben. Wichtig zu wissen ist, dass dieser Nutri-Score auf 100 g gerechnet wird, immer, und nicht pro Portion. Und der Nutri-Score hat nur Sinn, wenn man innerhalb der Produktkategorien die Produkte vergleicht.

Fanny Sedlnitzky: Wir wollen noch einen ganz kurzen Gang durch den Supermarkt machen. Man kommt meistens rein und hat zuerst die Frischabteilung, also Obst, Gemüse, das offen daliegt. Da finde ich diese Angaben alle nicht. Woher weiß ich dann, dass ich da zugreifen kann ohne schlechtes Gewissen?

Martina Steiner: Alles, was ich bis jetzt gesagt habe, hat verpackte Lebensmittel betroffen. Und bei diesen unverarbeiteten Lebensmitteln, bei den naturbelassenen Lebensmitteln, kann man auf jeden Fall immer zugreifen. Man muss sich nur die österreichische Ernährungspyramide vorstellen: Was ist denn da ganz unten? Obst und Gemüse, und das frisch und naturbelassen. Also, da kann man auf jeden Fall zugreifen. Auch wenn kein A dran geklebt ist, ist es ein wunderbares, tolles Produkt. Und ich hoffe, das wird jeder immer noch verstehen. Aber wenn da kein Label ist...

Fanny Sedlnitzky: ...dann gehen wir weiter. Oft kommt die Brotabteilung, das Brot, die Semmeln, die Weckerl, die dort liegen. Manches ist verpackt. Auf den verpackten finde ich auch schon wieder sehr oft diese Nährwertangaben, auf denen, die da offen liegen, die man sich nehmen kann aus dem Regal, da finde ich das nicht. Woher weiß ich, was in diesem Brot dann drinnen ist?

Martina Steiner: Fragen. Ich tue das tatsächlich, wenn ich so zu dem Brotregal komme, weil man tut sich einfach schwer. Ja, man sieht das Brot, die Farbe, na ja, könnte Vollkorn sein, ist es Vollkorn? Keine Ahnung. Und dann frage ich eben die Damen und Herren, die da bedienen, und die drucken mir dann meistens tatsächlich die Zutatenliste aus. Also, das kann man sich tatsächlich geben lassen.

Fanny Sedlnitzky: Das kann man sich dann geben lassen. Ja, wenn sie es selber nicht gleich wissen.

Martina Steiner: Ja.

Fanny Sedlnitzky: Dann gehen wir weiter. Oft kommen wir dann in eine Abteilung, die besteht aus trockenen Lebensmitteln, sage ich jetzt: Reis, Nudeln, dann sind da vielleicht auch noch Dosen, Konserven. Da finde ich schon wieder häufiger diese Nährwertangaben. Wie finde ich mich da in diesem Dschungel dann zurecht?

Martina Steiner: Wenn wir jetzt direkt im Supermarkt sind und uns entscheiden müssen, was wir kaufen, dann ist es oft eine sehr stressige Situation oder ich habe den Kopf ganz woanders. Oftmals entscheide ich mich nur aufgrund der Vorderseite, aber bei manchen Produkten hat es wirklich Sinn, hinten auch zu lesen, wie z. B. beim Müsli oder ich weiß nicht, beim Ketchup: Wie viel Zucker ist da drinnen oder sind da Süßstoffe drinnen? Und wenn ich es nicht im Supermarkt schaffe, mir die Zeit zu nehmen umzudrehen, zu lesen...

Fanny Sedlnitzky: Ja, aber oft ist auch das Problem, ich kann es oft gar nicht lesen, weil ich habe vielleicht meine Brille nicht mit.

Martina Steiner: Ah, okay. Ich habe inzwischen das Problem und mache ein Foto...

Fanny Sedlnitzky: ...und das kann man sich dann vergrößern.

Martina Steiner: Jeder hat das Handy dabei. Ich mache ein Foto davon und ziehe das Foto groß, wenn ich ein Produkt kaufe, und ich schaue es mir zumindest daheim dann an. Letztens habe ich tatsächlich eine Fertigsoße einmal gekauft. Ich glaube, das ist die erste Fertigsoße in meinem Leben gewesen. Und auf der Vorderseite ist groß "Limettengeschmack" gestanden. Und ich habe das tatsächlich überlesen, und daheim bin ich dann draufgekommen, weil ich es umgedreht habe: Da waren nicht einmal Limetten drinnen, also in der Zutatenliste. Ja, also weil "Limettengeschmack" ist so ein Indikator. Ja, genau. Da hat's mich selber mal reingelegt. Ja, ich müsste es eigentlich besser wissen. Ja, aber da hat's mich selber mal wieder erwischt.

Fanny Sedlnitzky: Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast: Ernährungswissenschaftlerin Martina Steiner. Vorher ist das Stichwort Ketchup gefallen. Ja, also ist auch ein Lebensmittel, wo man weiß, das gehört jetzt nicht auf die ganz gesunde Seite. Es gibt diese Lebensmittel aber mittlerweile alle in Bio-Qualität. Ist das dann auch besser? Ist das gesünder, wenn ich das kaufe? Hat das auch andere Zutaten drinnen?

Martina Steiner: Ja, es hat andere Zutaten, insofern, dass der Biolandbau viel strenger ist bei der Verwendung von Zusatzstoffen. Also insgesamt sind ja ein bisschen über 300 zugelassen. Bei Bio-Produkten sind nur ein bisschen über 50 zugelassen in der Verwendung, und die müssen absolut notwendig sein, um das Produkt auch wirklich herzustellen. Gänzlich verboten sind sowas wie künstliche Farbstoffe oder künstliche Geschmacksverstärker oder Stabilisatoren. Also wer kritisch ist gegenüber Zusatzstoffen, der greift am besten zu Bio-Produkten. Wobei man wirklich sagen muss: Alle Zusatzstoffe sind eigentlich auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft worden, und dass das Bio-Produkt jetzt gesünder ist, deswegen, das kann man auch fast nicht sagen, insbesondere wenn man sich dann die Nährwertkennzeichnungen dazu anschaut. Also ich habe oft gesehen, dass Bio-Produkte dann halt mehr Fett haben, oder man muss trotzdem kritisch sein und vergleichen, sich dann Gedanken darüber machen, will man das Produkt kaufen oder nicht.

Fanny Sedlnitzky: Wenn ganz wenige Zutaten draufstehen, ist das ein Indikator für: das ist besser?

Martina Steiner: Es ist ein schneller Indikator, weil es naturbelassener ist.

Fanny Sedlnitzky: Wir gehen unseren Supermarkt noch zu Ende bis zur Kassa. Da kommen wir durch die Kühlabteilung. Erdbeerjoghurt, Joghurt allgemein haben wir schon ein bisschen gesprochen. Manchmal macht es vielleicht Sinn, statt dem Erdbeerjoghurt Erdbeeren und Joghurt extra zu kaufen?

Martina Steiner: Ja, wenn Erdbeeren Saison haben.

Fanny Sedlnitzky: Genau. Und ansonsten gefriergetrocknete Erdbeeren.

Fanny Sedlnitzky: Okay. Und dann haben wir meistens ganz zum Schluss noch die Tiefkühlabteilung. Tiefkühlprodukte haben manchmal einen guten Ruf, manchmal einen nicht so guten Ruf. Woran liegt das und wie ist da die Kennzeichnung?

Martina Steiner: Ich würde speziell auf die Herkunft achten. Ansonsten sind sie ernährungsphysiologisch extrem sinnvoll. Eingefrorene Erbsen oder eingefrorener Brokkoli, Karfiol, da kann man zugreifen und sich daraus was Gesundes kochen. Und dann gibt's halt beim Tiefkühlregal, wenn ich jetzt überlege, noch diese Pfannen. Und wenn ich dann aber das Produkt umdrehe, dann habe ich wieder eine längere Zutatenliste, weil dann habe ich oft schon irgendwelche Soßen und Würzmittel drinnen, die ich vielleicht alle nicht haben möchte. Also, man kann sich wirklich gut entscheiden, wenn man eben die Rückseite vom Produkt beachtet.

Fanny Sedlnitzky: Also zusammengefasst sollte man beim Einkauf vielleicht einmal sich Zeit nehmen, einmal wirklich jedes Produkt, das man ins Wagerl legt, ein bisschen genauer anschauen und vor allem dann nicht schnell schnell und schon gar nicht hungrig einkaufen gehen. Das verleitet einen natürlich auch immer, zu Produkten zu greifen, die vielleicht einen mehr anlachen, nur weil sie eine schöne Verpackung haben. Martina Steiner, vielen herzlichen Dank für diese Informationen zu den Lebensmittelkennzeichnungen, und vielleicht kann jeder jetzt ein bisschen aufmerksamer durch den Supermarkt spazieren.

Martina Steiner: Ja, ich würde mir einfach wünschen, weil jeder wirklich Lebensmittel einkauft, dass man auch überlegte Entscheidungen trifft und sich eben, was Sie ja gesagt haben, einfach Zeit nimmt und mal das Produkt anschaut und dann für sich die richtigen Entscheidungen trifft. Die Information auf der Verpackung, die ist auf jeden Fall nützlich. Man soll sie lesen, man soll sie umdrehen und man sollte sich auf keinen Fall nur von der Vorderseite zum Kauf verführen lassen.

Fanny Sedlnitzky: Wenn man tiefer eintauchen möchte in das Thema, wo finde ich Informationen?

Martina Steiner: Auf jeden Fall auf unserer Gesund-Seite. Was ich persönlich noch sehr gut finde, sind die Broschüren von der Arbeiterkammer. "Da steht's am Etikett" heißt glaube ich die Broschüre. Dann gibt's eine gute Online-Seite zum Thema Zusatzstoffe: zusatzstoffe-online.de ist es in dem Fall, auch eine sehr gute Seite. Was ich total super finde: Es gibt eine Seite von der AGES zum Thema Lebensmittellupe. Wenn man sich mal anschauen will, wie groß die Differenzen sind z. B. zwischen den verschiedenen Müslisorten bei Zucker und Fett, dann kann man das dort anschauen bei der Lebensmittellupe. Wenn man sich wirklich einmal aufregt über ein Produkt und man hat das Gefühl, man ist da jetzt irgendwie veräppelt worden durch die Aufmachung, dann gibt's vom Verein für Konsumenteninformation, Zeitschrift Konsument, den Lebensmittelcheck, und da kann man online auf der Seite Produkte melden. Und es sind schon über 1000 Produkte, die sie sich angeschaut haben, und die gehen dem danach und schreiben den Hersteller an, und wenn es rechtlich relevant ist, geht's dann auch weiter. Aber das hat schon oftmals dazu geführt, dass dann die Aufmachung des Produktes wirklich verändert worden ist.

Fanny Sedlnitzky: Also Augen auf beim Einkaufen und sich nicht vor allem von irgendwelchen bunten Verpackungen verleiten lassen. Danke, Martina Steiner, für diese wertvollen Informationen.

Martina Steiner: Danke fürs Gespräch.

Das war Gesund informiert, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark.