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Folge #105: Gesund informiert mit Bernd Haditsch: Warum macht die Darmkrebsvorsorge Sinn?

Podcast Darmkrebsvorsorge

Darmkrebs ist der einzige Krebs, der wirklich verhinderbar ist. Und dabei spielt die Vorsorge eine zentrale Rolle. Die Darmspiegelung – medizinisch Koloskopie genannt – wird in Österreich für alle Menschen ab 45 Jahren alle 10 Jahre als Vorsorgeuntersuchung empfohlen. Trotzdem gibt es viele Vorurteile und auch Ängste zu dieser Untersuchung. Der Darm und alles was damit zu tun hat, ist immer noch ein schambehaftetes Thema in unserer Gesellschaft.

In der neuen Folge #105 erfahren Sie, was bei der Darmspiegelung passiert, wie Sie sich darauf vorbereiten sollten und ob es Alternativen gibt.

Gast: Bernd Haditsch (Vorsorgemediziner)

„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.

Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky

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Podcast-Ausschnitte

Hören Sie kurz in die Folge hinein!

Teil 1: Warum ist die Vorsorgeuntersuchung so wichtig?
Teil 2: Wann sollte man zur Vorsorgeuntersuchung gehen?
Text zur Folge

Hinweis: Dieses Transkript wurde mit Künstlicher Intelligenz generiert.

Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute zu Gast: Vorsorgemediziner Bernd Haditsch.

FANNY SEDLNITZKY: Wir befassen uns heute mit einem Thema, das jeder und jede sehr ernst nehmen sollte. Denn wenn man es ernst nimmt, dann kann man Schlimmeres verhindern. Es geht um die Darmkrebsvorsorge, und die hat ja auch noch ein bisschen einen negativen Beigeschmack bei vielen. Denn diese Untersuchung, die ist bei vielen etwas verschrien, man hat Angst davor. Dabei ist das eine Untersuchung, die besser nicht sein könnte, denn sie kann tatsächlich, wenn man sie rechtzeitig macht, Darmkrebs verhindern wie kaum eine andere Vorsorgeuntersuchung. Und dazu begrüße ich einen Experten, der kennt sich da sehr gut aus. Bernd Haditsch, herzlich willkommen.

BERND HADITSCH: Danke für die Einladung. Ich freue mich sehr.

FANNY SEDLNITZKY: Sie sind Vorsorgemediziner. Sie beraten Patientinnen und Patienten zu verschiedensten Themen der Vorsorge. Und da spielt der Darmkrebs oder die Vorsorgeuntersuchung zum Darmkrebs eine sehr, sehr wichtige Rolle. Warum ist denn das so wichtig bzw. vielleicht erklären wir, warum der Darmkrebs auf der einen Seite gefürchtet ist, auf der anderen Seite aber so gut behandelbar ist.

BERND HADITSCH: Ja, der Darmkrebs gehört zu den drei häufigsten Krebserkrankungen in Österreich, sowohl bei Damen wie bei Männern. Und das tut mir besonders leid. Warum? Weil er der einzige Krebs ist, den man tatsächlich verhindern kann bei vielen anderen Früherkennungsmaßnahmen. Brustkrebs, Prostatakrebs, da schaut man, dass man so früh wie möglich dabei ist. Der Darmkrebs hat den großen Vorteil, dass er erstens langsam entsteht und zumeist aus einer sogenannten gutartigen Vorstufe, einem Polypen, entsteht. Das heißt, jemand, der an Darmkrebs erkrankt, hat die Vorstufen, ohne dass er es merken muss, 8 bis 10 Jahre lang in sich. Und in dieser Zeit haben wir die Chance, wenn wir diese Vorstufe entdecken, den Krebsausbruch tatsächlich zu verhindern.

FANNY SEDLNITZKY: Und da gibt es eine Vorsorgeuntersuchung dazu, über die wir heute sprechen wollen, die bei vielen immer noch gefürchtet ist. Das kommt vielleicht aus der Geschichte heraus, da war es früher noch ein bisschen unangenehmer. Heute, so viel kann man jetzt vorwegnehmen, ist das eine völlig harmlose, unter Anführungszeichen, Untersuchung, die der Patient, die Patientin möglicherweise gar nicht mitbekommt. Aber ich möchte zuerst ein bisschen noch über die Erkrankung selbst sprechen, den Darmkrebs. Wen betrifft es hauptsächlich? Ab wann muss man denn damit rechnen? Kann man diesen Krebs auch anders verhindern im Sinne von, wenn ich mich gesund ernähre? Das sind alles Fragen, die man sich vielleicht im Zusammenhang damit stellt.

BERND HADITSCH: Es betrifft in Österreich durchschnittlich pro Jahr 5000 Personen in etwa. Ja, ein bisschen mehr Männer als Frauen. Es gibt einzelne Risikogruppen, die sind bekannt. Häufigkeitsgipfel von dieser Krankheit ist das 70. Lebensjahr und einerseits spielt die Familiengeschichte eine Rolle, ja, ob es in der Familie vorkommt, und andererseits fast stärker der Lebensstil. Das sind die üblichen Verdächtigen: Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol, Rauchen und fleischlastige Ernährung. Das ist also gleichzeitig das erhöhte Risiko für diese Krebserkrankungen. Umgekehrt kann jeder und jede selbst dazu beitragen, dass diese Krankheit nicht ausbricht, indem er eben mit Lebensstilmaßnahmen beiträgt, die Krebswahrscheinlichkeit zu reduzieren, sprich ausreichend Bewegung, Gewichtsnormalisierung, pflanzenbasierte Ernährung mit wenig oder gar keinem Fleisch, wenig oder gar kein Alkohol und nicht Rauchen.

FANNY SEDLNITZKY: Okay, also das sind Dinge, die ja nicht nur für die Darmkrebsvorsorge eine Rolle spielen. Das sind Dinge, die man ohnehin im Leben beherzigen könnte. Sie haben jetzt gesagt, guter Lebensstil. Das heißt, wenn ich mich immer gesund ernähre und wenn ich keinen Alkohol trinke, wenn ich genug Bewegung mache, heißt das dann, dass ich nicht in die Risikogruppe gehöre, dass ich möglicherweise ohnehin keinen Darmkrebs bekommen kann?

BERND HADITSCH: Sie gehören in die nicht so hohe Risikogruppe. Allerdings, und das ist das Traurige bei dieser Krankheit: Man soll nicht auf Symptome warten, ja, sondern der Krebs entsteht langsam ohne Beschwerden. Und deswegen ist, auch wenn keine Risikogruppen vorliegen, wenn es nicht in der Familie vorkommt, wenn Sie beschwerdefrei sind, trotzdem angeraten, die Vorsorge-Darmspiegelung zu machen.

FANNY SEDLNITZKY: Das Stichwort war gerade Symptome. Das heißt, ich merke nicht wie bei anderen Erkrankungen, es tut etwas weh, ich habe irgendwelche Beschwerden und dann gehe ich zu dieser Untersuchung. Nein, das Tückische ist, das Ganze verläuft meist beschwerdefrei.

BERND HADITSCH: Es verläuft sehr lange beschwerdefrei. Das ist wiederum das Traurige. 60 Prozent der Patienten kommen erst zur Darmspiegelung, wenn schon Beschwerden da sind, und dann ist meistens schon der Darmkrebs ausgebrochen. Das heißt, man hetzt einer Krankheit hinterher. Die Botschaft ist: Auch wenn Sie beschwerdefrei sind, auch wenn es in der Familie nicht vorkommt, trotzdem überlegen Sie sich bitte die eindeutige Einladung, auch bei Beschwerdefreiheit die Darmspiegelung durchführen zu lassen.

FANNY SEDLNITZKY: Und damit man diesen Schritt etwas leichter macht, kommen wir jetzt zu dieser Untersuchung selbst, die wir ein bisschen erklären wollen, um die Angst zu nehmen. Warum ist diese Untersuchung eine angstbehaftete? Ich meine, es ist ja überhaupt ein Thema, über das man nicht gern mit jedem redet, Darmprobleme, Verdauung etc. Und auch diese Darmspiegelung, man bekommt jetzt vereinfacht gesagt einen Schlauch sozusagen in den Darm geschoben. Das klingt alles entsetzlich und das möchte sich der eine oder andere sicherlich gerne ersparen, aber man kann tatsächlich die Angst vor dieser Untersuchung nehmen.

BERND HADITSCH: Die Geschichten ranken sich um die grauen Vorzeiten, wo noch mit relativ dicken Geräten und ohne unterstützende medikamentöse Maßnahmen der Patient, die Patientin das tatsächlich miterlebt haben. Auch die Entleerung, die berühmte Entleerung. Zusätzlich kommt noch dazu das unangenehme Gefühl, dass in einem herumgestochert wird. Ja. Und dann auch noch Darm. Darm ist schambehaftet.

FANNY SEDLNITZKY: Schambehaftet.

BERND HADITSCH: Korrekt. Dieses Wort habe ich gesucht, schambehaftet. Und schlussendlich auch noch: Warum soll ich zum Arzt gehen, zu der Untersuchung gehen, mir fehlt ja nichts? Also dieses ganze Konvolut an Mythen oder an Vorgeschichten bewirkt, dass leider Gottes, meines Erachtens, zu wenige zur Darmspiegelung gehen.

FANNY SEDLNITZKY: Aber eben diese Geschichten aus der Geschichte, die haben sich ein bisschen abgeschwächt oder sehr abgeschwächt, denn die Medizin entwickelt sich ja auch weiter. Die Methoden haben sich geändert, wie diese Untersuchung durchgeführt wird, und man braucht tatsächlich keine Angst zu haben, weil das Ganze unter Umständen so abläuft, dass man nicht einmal was mitbekommt.

BERND HADITSCH: Ja, die Damen und Herren, die ich zur Darmspiegelung empfehle, wenn sie dann wiederkommen, sagen sie sehr gerne: Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es früher gemacht. Also, sie hat tatsächlich viel an Schrecken verloren. Das Kernstück dieses Schreckensverlustes ist die sogenannte sanfte Darmspiegelung. Das heißt, wenn die Damen und Herren das wollen, ich würde es raten, bekommen Sie ein mildes Schlafmittel. Sie sind im Land der Träume. Der Darm ist entspannt, es ist für beide Seiten angenehmer. Das heißt, der Patient, die Patientin bekommen nichts mit davon und auch der Untersuchende hat nicht das Problem, dass sich der zu Untersuchende wehrt mit Muskelschmerzen und was auch immer. Zusätzlich dazu sind die Geräte dünner geworden. Sie sind jetzt in etwa so dick wie ein Kugelschreiber. Sie sind flexibler. Sie werden von außen gesteuert über eine Kamera. Die Vorbereitung mit der Entleerungsflüssigkeit ist angenehmer. So ist das fast schon ein Wohlfühlprogramm gesamt.

Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast, Vorsorgemediziner Bernd Haditsch.

FANNY SEDLNITZKY: Die Geräte, haben Sie gesagt, werden von außen gesteuert. Da spielt ja auch die Technik mit hinein. Vielleicht auch die KI?

BERND HADITSCH: Die KI kann auch mitspielen. Die KI nicht so sehr in der Untersuchungsführung, aber in der Untersuchung selber gibt es tatsächlich schon Geräte, die mit KI mitschauen und den Untersucher darauf aufmerksam machen, dass er an die eine oder andere Stelle genauer hinschauen möge.

FANNY SEDLNITZKY: Ein Wort, das schon öfter gefallen ist, das jeder, der schon eine Darmspiegelung hinter sich hat, bestimmt kennt, wer es vielleicht noch vor sich hat, fängt damit nicht wirklich viel an: die Entleerung. Man fragt sich: Entleerung, was muss ich entleeren?

BERND HADITSCH: Ja, dass der Darm untersucht werden kann, muss er unter Anführungszeichen sauber sein, sonst kann man diese Veränderungen, diese auch gutartigen Veränderungen, nicht entdecken. Und das ist vielleicht das, was den Damen und Herren am meisten oder am längsten in Erinnerung bleibt: der Tag davor, der Nachmittag davor, wo man eben nichts mehr zu essen bekommt, sondern eine sogenannte Entleerungsflüssigkeit bekommt. Das ist eine Flüssigkeit. In meinem Fall war es so etwas wie ein Sportdrink, also die Damen und Herren kennen vielleicht Magnesium, das wenn man zu viel Magnesium trinkt, dann hat man auch eher einen flüssigen Stuhl. Also viel anders ist es nicht, nur dass man dann eben weiter trinken soll, bis tatsächlich der Darm sauber ist. Das ist vielleicht das Unangenehmere, dass man den Nachmittag vor der Untersuchung eher auf der Toilette verbringt als angenehm im Wohnzimmer, aber das ist es schon wert. Und dieser Mythos von 7 Litern trinken, dass man vorne und hinten ausrinnt, das stimmt nicht mehr.

FANNY SEDLNITZKY: Das heißt also, man trinkt so etwas wie ein Abführmittel hochdosiert. Wer so etwas schon mal genommen hat, weiß vielleicht, das ist unangenehm. Oder wenn man Durchfallerkrankungen hat, man kennt das auch, man hat Bauchkrämpfe. Man fühlt sich einfach nicht wohl. Man hat vielleicht auch Probleme mit dem Kreislauf, weil man wirklich viel Flüssigkeit verliert. Muss ich bei der Entleerung auch damit rechnen?

BERND HADITSCH: Ja, es ist sicher gut, das mitzurechnen. Das heißt, Damen und Herren, die vielleicht vom Kreislauf her etwas instabiler sind, sollten sich einen gemütlichen Nachmittag machen, also nicht den Tag vollräumen schon mit körperlicher Aktivität, mit Arbeiten, sondern das soll ein gemütlicher Vortag sein zum Vorbereiten, weil es ist schon kreislaufbelastend. Das ist schon das Thema, was auch dazu führt, dass Leute, die von vornherein Kreislaufschwächen haben – ich denke jetzt an ältere Personen –, dass durchaus überlegt werden sollte, dass das unter Begleitung stattfindet, weil es hat keinen Sinn, die Entleerung gut durchzuführen und dann bei einem Kreislaufkollaps sich irgendwie wehzutun. Das heißt, es ist schon eine Herausforderung, aber sie ist aushaltbar.

FANNY SEDLNITZKY: Aushaltbar und wenn man sie gut vorbereitet und sich dessen bewusst ist, ja, auch machbar. Sie haben gesagt, unter Begleitung. Meist findet die Darmspiegelung mittlerweile ambulant statt. Das heißt, man kommt tatsächlich nur zur Untersuchung zum Arzt. Früher war das so, man kennt das vielleicht auch noch von den Großeltern, die sind gleich zwei Tage in ein Krankenhaus gegangen, haben das stationär gemacht, also wurden dort beobachtet. Was macht hier mehr Sinn?

BERND HADITSCH: Ja, also das Klassische – wir reden hier von der Vorsorge-Darmspiegelung, also ich gehe davon aus, dass es gesunde Personen sind, kreislaufstabile Personen, verhältnismäßig junge Personen, die keine anderen Begleiterkrankungen haben und die auch nicht darm-erkrankt sind –, und bei diesen Personen ist die ambulante Darmspiegelung vollkommen ausreichend. Das heißt, man macht die Vorbereitung am Vorabend zu Hause, geht dann in das Institut, wo die Darmspiegelung durchgeführt wird. Die Darmspiegelung selber dauert ungefähr eine Dreiviertelstunde. Mit dem Nachschlafen nach dieser sanften Koloskopie, mit dem Ausschlafen des milden Schlafmittels würde ich meinen noch zwei, drei Stunden danach, und dann kann man wieder nach Hause gehen.

FANNY SEDLNITZKY: Und dann darf man auch wieder essen. Denn das haben wir noch gar nicht erwähnt: Es ist nicht nur die Entleerung am Vortag, man muss auch ein bisschen aufpassen in den Tagen davor schon, was man zu sich nimmt. Warum ist das so wichtig?

BERND HADITSCH: Ja, vor allem kleinkörniges Essen, kleinkörnige Nahrung sollte vermieden werden, weil diese Körner können das Untersuchungsergebnis durchaus verfälschen, insofern als dass die Darmschleimhaut nicht zur Gänze einsichtbar ist. Deswegen drei Tage davor kein Körnerfutter, Körneressen, Vollkornprodukte, Nüsse, Vollkorn, Tomaten, überall wo Kerne drin sind, sollte man vermeiden. Also muss der Ernährungsplan etwas umgestellt werden in den Tagen davor.

FANNY SEDLNITZKY: Also man muss ein paar Tage sozusagen aufpassen. Das heißt, man muss sich ein bisschen vorbereiten, im Kopf vorbereiten, dann einen gemütlichen Nachmittag machen, diese Entleerungsflüssigkeit trinken, die, schon angesprochen, nicht mehr 6, 7 Liter ist, wie man das vielleicht noch von den Eltern, Großeltern kennt. Wie viel ist das im Schnitt?

BERND HADITSCH: 2 Liter in etwa, 2 Liter.

FANNY SEDLNITZKY: Okay. Schmeckt wie?

BERND HADITSCH: Es gibt verschiedene Geschmacksrichtungen. Meine hat nach Orange geschmeckt, aber es gibt sicher auch andere Geschmacksrichtungen.

FANNY SEDLNITZKY: Also für jeden etwas dabei. Da kann man vielleicht mit dem behandelnden Arzt vorher verhandeln. Dann zur Untersuchung. Diese Untersuchung findet dann in einem seichten Schlaf statt. Man bekommt nichts mit von dieser Untersuchung. Was passiert, während ich schlafe, während dieser Untersuchung? Was machen die Ärzte da mit mir genau und wie funktioniert das? Wie weit schauen die da in den Darm hinein?

BERND HADITSCH: Es geht konkret um den Dickdarm. Der Dickdarm ist ungefähr 1 Meter lang und liegt u-förmig im Bauchraum. Und die untersuchende Ärztin schaut mit einem sogenannten Endoskop. Das ist also ein Glasfaserstab. Wie gesagt, etwa so dick wie eine Kugelschreibermine. Fährt unter Sicht, das heißt nicht wie der Rauchfangkehrer blind stochernd, kann um die Kurven lenken. Also dieses Gerät ist von außen lenkbar, hat ein Licht und eine Kamera und die qualifizierte Darmspiegelung schaut eben bis zum Anfang des Dickdarms. Das ist dort, wo der Blinddarm liegt.

Es wird Flüssigkeit eingeblasen, dass die Darmschleimhaut sich entfalten kann, und im Rückzug kann man dann die Darmwand genau inspizieren.

FANNY SEDLNITZKY: Im Rückzug heißt, wenn das Gerät wieder herausgezogen wird?

BERND HADITSCH: Wenn das Gerät wieder herausgezogen wird, kann man die Darmwand inspizieren und da sieht man dann eben, ob sie in Ordnung ist oder ob ein Polyp da ist. Wenn ein Polyp, wie gesagt eine prinzipiell gutartige Vorstufe des Darmkrebses, wenn die entdeckt wird, kann der in der gleichen Sitzung entfernt werden wie...

FANNY SEDLNITZKY: Also da muss man nicht noch einmal diese ganze Prozedur über sich ergehen lassen oder überhaupt ins Spital gehen?

BERND HADITSCH: Nein, das ist eben der Vorteil, dass es gleichzeitig eine Vorsorgemaßnahme ist und auch gegebenenfalls eine therapeutische Maßnahme ist. Sprich, der Polyp, den man entdeckt, kann über eine Elektroschlinge – das kann man sich vorstellen wie ein Lasso – eingefangen werden, abgetragen werden, kann dann über dieses gleiche Gerät, wie man so schön sagt, geborgen werden, also herausgenommen werden, und kann dann einer mikroskopischen, also einer feingeweblichen Untersuchung zugeführt werden, um genau zu schauen, in welcher Entwicklungsphase diese prinzipiell noch gutartige Vorstufe ist.

FANNY SEDLNITZKY: Im Idealfall werde ich dann relativ rasch nach der Untersuchung wieder munter, bin auch ansprechbar, dann erklärt mir der Arzt, was da passiert ist. Erfahre ich dann gleich, war es notwendig oder nicht?

BERND HADITSCH: Von meiner Seite aus der Vorsorgesicht war es immer notwendig, auch wenn der Befund unauffällig ist. Ja. Und Sie erfahren dann von dem Arzt, der Ärztin, wie der Darm ausgeschaut hat. Wenn ein Polyp, also ein Gewächs, entfernt wurde, dann kann der Arzt, die Ärztin das noch nicht am Untersuchungstisch Ihnen sagen, weil das wird dann dem Mikroskop zugeführt und dann bekommen Sie eine Information, sobald dieses Ergebnis vorliegt. Ob das – es gibt auch harmlose Polypen, die heißen hyperplastische Polypen, die keine Vorstufe von Krebs sind, auch gut, wenn sie entfernt sind. Und wenn es eine Vorstufe vom Krebs ist, die irgendwann einmal zu Krebs entstehen könnte, ein Adenom, dann werden Sie auch da informiert, weil dann sollten Sie mit einer Folgeuntersuchung nicht allzu lange warten. Sprich, bei unauffälligem Befund, wenn ich das gleich sagen darf, bei unauffälligem Befund und Beschwerdefreiheit braucht man diese Untersuchung nur alle 10 Jahre machen. Also dieses gesamte Prozedere mit drei Tage keine Körner ist nicht jährlich. So bei unauffälligem Befund, unauffälliger Familiengeschichte, keinen Beschwerden brauchen Sie diese Darmspiegelung nur alle 10 Jahre machen. Sollte eine Vorstufe drinnen sein, hängt das davon ab, wie sie im Mikroskop ausschaut. Dann hängt es... Üblicherweise sagt man nach drei bis 5 Jahren, wenn was drinnen war, aber dann war es ja gut, dass es draußen ist, weil das, was entfernt worden ist, kann nicht mehr bösartig werden.

FANNY SEDLNITZKY: Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast, Vorsorgemediziner Bernd Haditsch.

Man muss vor jeder Untersuchung immer eine ganze Menge an Dingen unterschreiben. Auch bei der Darmkrebsvorsorge, bei der Koloskopie ist es so, dass man da natürlich auch mit Risiken und Nebenwirkungen konfrontiert wird. Was kann denn passieren bei dieser Untersuchung, wo ja immerhin ein Schlauch in den Darm eingeführt wird?

BERND HADITSCH: Ja, jede Untersuchung, so auch die Darmspiegelung, hat Komplikationen. Die häufigsten sind Durchstoßungen oder Blutungen. Kommen, betont jetzt weltweit und auch bei Krankenhäusern, unter einer, also unter 1 zu 100 vor. In Österreich, wo wir dieses Qualitätszertifikat Darmspiegelung haben, wesentlich seltener und in der Vorsorge-Darmspiegelung unter 1 zu 10.000. Das heißt, ja, es kann vorkommen, aber in der Wagschale "Verhinderung einer Krebserkrankung gegenüber möglichem Risiko einer Verletzung" in der Vorsorge überwiegt für mich eindeutig die Untersuchung.

FANNY SEDLNITZKY: Das heißt, diese ganzen Nebenwirkungen, möglichen Horrorszenarien, die man da zu lesen bekommt, das muss man wirklich sagen, das sind die Ausnahmefälle?

BERND HADITSCH: Ja, Sie sollen es wissen, und es kann passieren tatsächlich, aber auch hier: Qualität ist Quantität. Das heißt, in Einrichtungen, wo diese Untersuchung, positiv gemeint, routinemäßig durchgeführt wird, ist auch die Komplikationsrate deutlich geringer, die Untersuchungsführung ist leichter. Auch mit der sogenannten sanften Koloskopie, die wir schon besprochen haben, ist die Komplikationsrate geringer, weil der Untersuchende sich nicht reflektorisch wehrt, so dass im Gesamtpaket der Vorteil für mich, und nicht nur für mich, eindeutig überwiegt.

FANNY SEDLNITZKY: Es gibt also kaum eine Untersuchung, die besser ist als die Darmspiegelung, aber Alternativen gibt es auch auf diesem Sektor trotzdem.

BERND HADITSCH: Es gibt Alternativen. Der Goldstandard ist die Darmspiegelung. Alternativ dazu, das ist auch in der Vorsorge drinnen, ist der Test auf verstecktes Blut im Stuhl. Ja, bekannt unter Haemoccult. Der gibt einen gewissen Hinweis, allerdings, zwei Aber: Es ist kein Krebsmarker. Das heißt, dieses Blut, das festgestellt werden kann, kann vom Nasenbluten bis Hämorrhoiden, von Schmerzmitteln bis Zahnfleischbluten kommen. Und umgekehrt: Vier von zehn Polypen bluten nicht. Das heißt, auch wenn dieser Test unauffällig ist, kann trotzdem eine Vorstufe im Darm vorhanden sein. Andererseits gibt es auch auf der bildgebenden Seite Möglichkeiten der Darmuntersuchung: CT oder MR. Das Problem, in Anführungszeichen, dabei ist: Das Unangenehme, die Vorbereitung ist die gleiche. Polypen unter 5 mm können übersehen werden. Und wenn ein Polyp festzustellen ist, dann gehört der lege artis entfernt. Das heißt, damit erspart man sich dann nicht die Darmspiegelung. Deswegen in Summe, weil es eben die Untersuchung gleichzeitig die Therapie sein kann, ist die klassische Darmspiegelung noch immer der Goldstandard.

FANNY SEDLNITZKY: Hm. Also wirklich jedem geraten, diese Untersuchung ab 45 – vielleicht erklären wir das noch einmal – auch durchführen zu lassen.

BERND HADITSCH: Ja, also wie gesagt, der Häufigkeitsgipfel ist das 70. Lebensjahr. Wir müssen davon ausgehen, dass die Vorstufen 8 bis 10 Jahre im Körper sind, ohne dass man es merkt. Und der Anfang der Verteilung ist ab dem 45. Lebensjahr, wo das Risiko für diese Erkrankung steigt, und deswegen bei unauffälliger Familiengeschichte und keinen Beschwerden sollten Frauen und Männer ab dem 45. Lebensjahr mal eine Darmspiegelung machen. Diese ist auch im Vorsorgeprogramm drinnen und kostenfrei. Sollte in der Familie was vorkommen, Darmkrebs, dann ist schon geraten, ab dem 40. Lebensjahr zumindest daran zu denken, beziehungsweise 10 Jahre vor dem Indexfall. Indexfall heißt, wen es in der Familie erwischt hat. Also wenn der Vater, die Mutter, Großeltern mit 55 Krebs gehabt haben, sollte man zumindest 10 Jahre davor anfangen, was sich wieder deckt mit dieser Empfehlung ab dem 45. Lebensjahr.

FANNY SEDLNITZKY: Und jetzt haben wir ganz zu Beginn gesagt, man kann nicht nur den Darmkrebs, natürlich viele Krebserkrankungen oder Erkrankungen generell durch einen gesunden Lebensstil, durch gesunde Ernährung, durch Bewegung etc. ein bisschen verhindern oder man kann dafür sorgen, dass der Körper einfach gesünder bleibt. Erspart mir das die Darmspiegelung, wenn ich sage: Nein, ich esse wirklich gesund, ich bewege mich, ich habe das Gefühl, mein Lebensstil passt?

BERND HADITSCH: Erspart es meiner Ansicht nach nicht. Ja, nicht jeder, der keine Darmspiegelung durchführt, wird deswegen krank. Aber in der Wagschale, dass es doch eine häufige Krebserkrankung ist und ich eine gute Möglichkeit habe, diesen Krebs zu verhindern, spricht für mich eindeutig, dass auch Beschwerdefreie und sich gesund Verhaltende mit einem gesunden Lebensstil trotzdem eine Darmspiegelung machen sollten.

FANNY SEDLNITZKY: Man kann ja auch, vielleicht schauen wir kurz in das obere Verdauungsorgan, den Magen, das gleich unter Umständen mitmachen lassen. Eine Magenspiegelung klingt ähnlich. Macht das Sinn, da gleich sozusagen beides anschauen zu lassen oder ist der Magen gar nicht so gefährdet?

BERND HADITSCH: Der Magen ist tatsächlich vom Krebs her nicht so gefährdet wie der Darmkrebs. Deswegen ist die Magenspiegelung von vornherein als Vorsorgemaßnahme nicht dabei. Bei Beschwerden ist das was anderes. Bei Beschwerden natürlich jederzeit, aber in der Wertigkeit und oder in der Häufigkeit ist der Darmkrebs eindeutig in größerem Ausmaß vorhanden.

FANNY SEDLNITZKY: Also, man darf sich aus Erzählungen im Freundeskreis jetzt nicht verunsichern lassen von Leuten, die gesagt haben: Ah, mir hat wer erzählt, das ist furchtbar und ich mache das sicher nicht. Man sollte sich vielleicht selbst ein Bild machen und dann vielleicht darauf kommen, dass es gar nicht so schlimm ist oder dann vielleicht sagen: Na, wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich es schon viel früher gemacht. Gibt es denn einen allgemeinen Tipp, den man unseren Zuhörerinnen und Zuhörern noch mit auf den Weg geben kann, was die Darmkrebsvorsorge betrifft?

BERND HADITSCH: Ja, also wenn Sie mich in meiner Ordination besuchen, dann hängt darüber meine eigene Darmspiegelung, die ich auch durchgeführt habe. Also es ist auch für mich, wo ich keine Beschwerden habe, wo ich keine Familiengeschichte habe, durch, wie ich meine, einen sehr guten Lebensstil habe, war es trotzdem für mich ein zentrales Thema, die Darmspiegelung zu machen. Ich möchte mich nicht mit Wissenschaft herumschlagen, aber in der Vorsorge gibt es nur zwei Untersuchungen, die den höchsten Evidenzgrad haben. Das ist Blutdruckmessen und Darmspiegelung. Ja, also keine andere Untersuchung, sei es jetzt Mammografie, sei es Cholesterin, würde für die Volksgesundheit so viel bringen, wie wenn jeder und jede sich auch diese Darmspiegelung angedeihen lassen würde. Und gleich unter dem Bild von meiner Darmspiegelung – ich finde mich inwendig genauso schön und attraktiv – hängt ein Zettel, der mir wichtig ist. Das sind die drei Fragen der Gesundheitskompetenz: Was habe ich? Was kann ich tun? Warum soll ich es tun? Ja, und wenn wir das jetzt da durchspielen: Was habe ich? Ich hoffe nichts. Oder vielleicht eine Vorstufe. Was kann ich tun? Überlegen Sie sich mal die Darmspiegelung. Und warum soll ich es tun? Weil es ein häufiger Krebs ist, den man sogar verhindern kann.

FANNY SEDLNITZKY: Jetzt haben Sie ein Bild noch angesprochen, da möchte ich noch ganz kurz einhaken. Das, was aus dem Darm herauskommt, kennt jeder. Ist jetzt nicht unbedingt das schönste Bild. Aber so ein Darm von innen, wenn er sauber ist, wenn er entleert ist... Das ist gar nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Wie schaut denn unser Darm von innen aus?

BERND HADITSCH: Glatt, zartrosa und eigentlich sehr schön.

FANNY SEDLNITZKY: Man kann sich diese Bilder dann auch danach anschauen, seinen eigenen Darm von innen einmal kennenlernen.

BERND HADITSCH: Wenn der untersuchende Arzt Ihnen freundlich gesinnt ist und Ihnen Fotos ausdruckt, warum nicht? Es muss... das ist vielleicht noch mit dem Lächeln gesagt: Es gibt ein eigenes Qualitätszertifikat für Darmkrebs und in diesem Qualitätszertifikat sind gewisse Bedingungen, unter anderem die sogenannte Videoerfassung. Das heißt, diese Untersuchung wird auch dokumentiert.

FANNY SEDLNITZKY: Vielen herzlichen Dank. Ich glaube, wir konnten vielleicht dem einen oder dem anderen die Angst nehmen. Hoffentlich zumindest. Es ist eine Untersuchung, die viel verhindern kann, die eigentlich nicht wehtut, und wenn man sie rechtzeitig macht und wenn man dann sozusagen mit einem schönen Befund wieder hinausgeht, muss man das ja auch nicht sehr oft machen. Und es zahlt sich aus, diese Prozedur – Prozedur ist fast ein bisschen übertrieben – über sich ergehen zu lassen.

BERND HADITSCH: Danke vielmals.

FANNY SEDLNITZKY: Danke, Bernd Haditsch, für diese wertvollen Informationen zu einer sehr wichtigen Vorsorge.

BERND HADITSCH: Danke für die Einladung, hat mich sehr gefreut.

Das war Gesund informiert, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark.