Folge #97 Gesund informiert mit Luise Maria Sommer: Wie bleibt mein Gedächtnis fit?
Milch, Butter, Klopapier, Salz… was stand noch auf der Einkaufsliste? Oder: Sie brauchen dringend eine Telefonnummer, aber Ihr Handy hat gerade den Geist aufgegeben? Damit wir uns Dinge besser merken, können wir mit einfachen Tipps und Tricks unser Gedächtnis trainieren. Denn zum Merken gibt es gewisse Techniken, die wirklich jeder erlernen kann.
In der neuen Folge #96 erfahren Sie, wie man sich Codes, Telefonnummern und Namen besser merken kann. Oder auch, wie man es schafft, ohne Einkaufsliste ins Geschäft zu gehen.
Gast: Luise Maria Sommer (Gedächtnisweltmeisterin)
„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.
Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky
Aus Datenschutz-Gründen ist dieser Inhalt ausgeblendet. Die Einbettung von externen Inhalten wird nach Zustimmung in den Datenschutz-Einstellungen aktiviert.
Podcast-Ausschnitte
Hören Sie kurz in die Folge hinein!
Text zur Folge
Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfond Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute zu Gast Gedächtniscoach Luise Maria Sommer.
Fanny Sedlnitzky: Mit einem Teil unseres Körpers, den wir eigentlich nicht sehen, beschäftigen wir uns in unserer neuen Podcast-Folge. Und dann gibt es noch etwas sehr Spannendes. Wir haben dazu eine Weltmeisterin eingeladen. Luise Maria Sommer, ich darf Sie herzlich begrüßen in unserem Podcast gesund informiert. Schön, dass Sie Zeit gehabt haben, herzukommen.
Luise Maria Sommer: Vielen Dank für die Einladung.
Fanny Sedlnitzky: Sie sind Weltmeisterin. Auf welchem Gebiet und um welchen geheimnisvollen Teil unseres Körpers geht es da, den wir nicht sehen, aber mit dem wir heute ordentlich trainieren werden?
Luise Maria Sommer: Also, es geht um den Teil unseres Körpers, der nur nicht einmal 2% unserer ganzen Körpermasse ausmacht, aber zwei Drittel der Energie verbraucht. Allein das zeigt dir schon, wie wichtig dieser Teil unseres Körpers, dieses Organ, ist. Und das ist unser Wunderwerk namens Gehirn.
Fanny Sedlnitzky: Mhm. Das Gehirn und das, was das Gehirn speichert, unser Gedächtnis, die Gedanken, die nur wir kennen. Äh, da wollen wir heute ein bisschen trainieren. Ja, das Gehirn kann man trainieren. Die aktuelle digitale Hilfe, die uns da ständig in der Hosentasche oder in der Tasche begleitet, das Handy, führt ja gerade eher dazu, dass wir das Gehirn nicht mehr so trainieren müssen, weil ja Informationen immer und überall abrufbar sind. Aber das ist ja gar nicht so gesund. Wir wollen ja ein bisschen sozusagen uns auch herausfordern. Warum sind Sie Gedächtniscoach und wie sind Sie zur Gedächtnisweltmeisterin geworden?
Luise Maria Sommer: Ja, diese Geschichte erzähle ich so gerne, weil die hat eigentlich mit Graz begonnen. Professor Dr. Gunter Iberer hat in einem Vortrag zum Thema Gedächtnis und Lernen diese uralte antike Merkkunst vorgestellt. Ich habe sie ausprobiert und ich habe Blut geleckt, weil warum war ich in diesem Vortrag? Ich hatte das Gefühl, hey, ich merke mir die Dinge eigentlich immer schlechter. Und das war der zweite wichtige Grund. Es gab zwei Fälle von Alzheimer in meiner Familie und da habe ich mir schon ein bisschen Sorgen gemacht und das war 1993.
Fanny Sedlnitzky: Mhm.
Luise Maria Sommer: Also vor 33 Jahren. Und dieser Moment, wo ich das gelernt habe, hat in meinem Leben Weichen gestellt, weil ich habe diese Techniken ausprobiert und sie haben funktioniert und dann habe ich junge Leute trainiert, weil ich ja in der Schule unterrichtet habe. Die haben bei Gedächtnismeisterschaften super abgeschnitten und dann gab es Gedächtnismeisterschaften für Erwachsene. Da habe ich selbst teilgenommen und dann hat das Leben so weiter seine Weichen gestellt bis 2016 ich beschlossen habe: so Luise, jetzt bist du in der Kategorie 60 plus. Jetzt nimmst du noch einmal an einer Gedächtnisweltmeisterschaft teil und das war in Singapur und ich wurde in meiner Kategorie Gedächtnisweltmeisterin und am 18. Dezember 2016 ist die Bundeshymne in Singapur erklungen und es war ein Gänsehautmoment.
Fanny Sedlnitzky: Das klingt jetzt alles nach Hexerei fast und nach irgendwie Magie und Zauberei, die Sie da vielleicht ausprobieren. Nein, das ist es nicht. Es gibt wirklich Techniken dahinter und wir wollen uns da ein bisschen damit beschäftigen, vielleicht den ein oder anderen Gedächtnistrick sozusagen weitergeben, denn das kennt glaube ich jeder. Mir geht es zumindest so, ich schreibe mir zu Hause oft eine Einkaufsliste, dann lasse ich die liegen in der Küche, weil ich sie vergesse und natürlich kommt nicht alles, was auf dieser Liste steht, mit nach Hause aus dem Geschäft. Ja, das kann man auch trainieren mit verschiedensten Tricks und man sollte früh damit anfangen. Das ist gleich mal der Hinweis. Der Podcast richtet sich hier nicht nur an ältere Menschen, die vielleicht der Demenz oder einer anderen Krankheit vorbeugen wollen. Aber ganz zu Beginn möchte ich jetzt einmal noch klären mit Ihnen, was passiert denn in unserem Gehirn, wenn wir denken, wenn wir das Gedachte sozusagen abspeichern? Wie kann man sich das vorstellen? Was passiert bei uns im Kopf?
Luise Maria Sommer: Wenn wir uns etwas vorstellen, dann stellen wir uns ein Bild vor unser geistiges Auge. Und das, worauf ich hinaus will, wozu ich die Menschen wieder motivieren möchte, ist dieses Denken in Bildern wieder viel bewusster zu kultivieren. Und dazu mache ich wieder Lust. Das bringt mehr Kreativität in unser Leben, mehr Farbe in unser Leben. Und es ist ja auch tatsächlich so, wenn man Gehirnjogging, vielleicht sagen wir so, dazu betreibt und wenn man sich da ein bisschen auch selbst herausfordert, dann kann man tatsächlich vorbeugen, man kann sozusagen der Demenz vorbeugen, Alzheimer vorbeugen. Was wirklich bewiesen ist, man kann es durch Training, über das wir noch sprechen werden, hinausschieben bis zu 20 Jahre und wenn ich mit 99 der Welt Adieu sage und dann erwischt es mich, sehr gerne.
Fanny Sedlnitzky: Sehr schön. Ja. Sie haben Ihre Tipps ja auch in Literatur gepackt.
Luise Maria Sommer: Ja. Ja, ich habe 2003 das erste Buch "Die besten Merktipps von A bis Z. Gutes Gedächtnis leicht gemacht" hier in Graz vorgestellt. Und 2017 wurde ich wieder gefragt, ob ich ein Buch schreiben möchte von einem anderen Verlag und das heißt: "Dein Gedächtnis kann mehr". Davon bin ich zutiefst überzeugt und da kann man gerne alles nachlesen und ausprobieren, was es mit einem macht.
Fanny Sedlnitzky: Ja, dann probieren wir das gleich aus. Und Sie haben jetzt gerade einen sehr schönen Satz gesagt: "Dein Gedächtnis kann mehr". Man traut sich vielleicht nicht allzu viel zu. Man weiß auch, man muss sich ja gewisse Dinge gar nicht mehr merken, weil wie wir schon angesprochen haben, das Handy ist immer und überall dabei, das Internet mittlerweile auch, man kann ja alles nachschauen. Wozu muss ich mir eigentlich überhaupt noch was merken?
Luise Maria Sommer: Genau, das ist die entscheidende Frage. Das Gehirn kann man wie einen Muskel sehen, es ist kein Muskel, aber es ist ein höchst trainierbares Organ und alles, was wir nicht verwenden, verkümmert. Das ist einfach so. Das gilt für unsere Arm- und Beinmuskeln ganz genauso wie für diesen unter Anführungszeichen Muskel namens Gehirn. Und jetzt plädiere ich dafür. Kein Muss. Ich muss Gedächtnis trainieren? Überhaupt nicht. Das Tolle ist, dass wir in unserem Alltag ja sowieso eine super Trainingswiese haben. Ich gebe das so gern diesen Spruch weiter: "A name a day keeps Alzheimers away", weil die meisten kennen den englischen Spruch: "An apple a day keeps the doctor away". Aber ich kann, wenn ich einen Menschen zum Beispiel neu kennenlerne, ganz bewusst mir überlegen, mit mir selber ausmachen: So, den Namen merke ich mir. Und ich liebe es zum Beispiel, mir die wichtigsten Telefonnummern aller meiner lieben Menschen um mich herum zu merken. Und ich mache das auch, wenn ich zu einem Vortrag eingeladen bin, immer als Überraschungselement am Anfang, dass ich mir vier Handynummern aus dem Publikum sagen lasse, die sie natürlich verfälschen, und mir die sofort merke. Weil das ist jedes Mal ein kleines Gehirntraining, damit ich den Menschen zeige, hey, versuch das zumindest mit deiner eigenen Handynummer und vielleicht noch mit den drei wichtigsten Handynummern um dich herum, dann hast du einen doppelten Nutzen.
Fanny Sedlnitzky: Haben Sie in Ihrem Handy Nummern gespeichert und Namen oder haben Sie tatsächlich alles im Kopf?
Luise Maria Sommer: Unbedingt. Natürlich weiß ich natürlich, wo ich mein Gehirn entlasten muss und glauben Sie mir, alles, was ich jetzt da so sage, brauche ich ja selbst ganz genauso. Ich merke ja auch, dass durch dieses Auslagern und jetzt vor allem, wo KI in unser Leben getreten ist, dass da eine große Gefahr besteht, dass man dieses Selberdenken auslagert und das macht was mit unserem Gehirn. Und jetzt die jungen Leute ganz gut aufpassen. Es wurde ja 2024 von jungen Menschen in England ein Wort kreiert und das hieß "Brain Rot" oder Gehirnfäule, ja, oder Faulheit. Weil sie sich Sorgen machen, sie spüren, dass ihre Gehirnfunktionen, ihre mentale Fitness nachlässt, je mehr sie herumscrollen. Und es gibt zahlreiche Studien, die das beweisen, was dieser Medienkonsum mit unserem Gehirn macht und da gilt es gegenzusteuern. Da sitzen wir alle in einem Boot, die Jungen wie die Junggebliebenen. Die einen wollen Demenz hinausschieben, so wie ich, und die anderen wollen ein fittes Gehirn haben, obwohl sie so viel auslagern, und diesem "Brain Rot" entkommen.
Heute zu Gast in "Gesund informiert", dem rezeptfreien Podcast, Gedächtniscoach Luise Maria Sommer.
Fanny Sedlnitzky: Dann würde ich jetzt vorschlagen, verblüffen Sie uns einmal. Wie könnte ich mir eine Telefonnummer einfach merken? Also diese Telefonnummern, die werden auch immer länger. Wie gehen Sie das an?
Luise Maria Sommer: Wie gehe ich es an, dass ich mir eine Telefonnummer merke? Ja, die Telefonnummer ist natürlich schon ehrgeizig, weil die hat ja meistens schon zehn Stellen. Also ich motiviere die Menschen immer mit einem vierstelligen Pincode anzufangen.
Fanny Sedlnitzky: Code. Das ist ja das nächste Stichwort. Da kann man das wirklich gut mit einem Erfolgserlebnis trainieren.
Luise Maria Sommer: Überlegen Sie sich mit sich selbst Bilder für die Zahlen von 0 bis 9. Sagen Sie mir irgendeinen fiktiven Code.
Fanny Sedlnitzky: 9 3 1 5.
Luise Maria Sommer: Gut. 9 3 1 5. Gut, ich habe bei neun Kegeln. Ja. Kegeln, alle neune.
Fanny Sedlnitzky: Kegeln. Alle genau.
Luise Maria Sommer: Drei habe ich den Dreizack vom Neptun mir ausgeborgt. So eine dreizinkige Gabel. Ja, also wir gehen kegeln mit dem Dreizink und mit diesem Dreizinken holen wir uns die Kegel heran oder schupfen wir sie an. Dann hatten sie eins und dann fünf. So eins ist die Kerze. Also wir kegeln mit unserem Dreizack. Es erscheint eine riesige Kerze, weil wir super unterwegs sind. Und fünf ist die Hand. Und zum Schluss schnappe ich mir diese Kerze mit der Hand. Also wir gehen jetzt kegeln mit dem Dreizack, dann erscheint diese riesige Kerze auf.
Fanny Sedlnitzky: Eins.
Luise Maria Sommer: Und dann schnappe ich sie mit der Hand.
Fanny Sedlnitzky: Schnappen sie mit der Hand. Gut. Dazu brauche ich aber schon einmal diese Bilder, die Sie jetzt gerade gefunden haben. Wie komme ich dazu?
Luise Maria Sommer: Genau. Ich borge Ihnen meine, die stehen in meinem Buch oder in meinem Onlinekurs oder wo oder Sie machen sich Ihre eigenen, das sind noch die allerallerbesten. Wenn Sie zum Beispiel an einem vierten Geburtstag haben, dann sind Sie selbst das Bild für Nummer vier. Aber bei vier kann ich zum Beispiel einen Sessel nehmen.
Fanny Sedlnitzky: Mhm.
Luise Maria Sommer: Oder Klavier, weil da steht das Wort vier drin. Fünf, nehmen wir die fünf Finger der Hand. Mhm. Sechs, die kleine Hex. Hex gibt es viele Bilder. Wir nehmen jugendfrei: Sechs, die kleine Hex. Sieben, die sieben Zwerge. Acht, reimt sich auf Schacht oder die Achterbahn. Neun, alle neune beim Kegeln oder wenn jemand lieber in Reimform möchte: Neun wie die Scheun. Und die Null schaut aus wie ein Luftballon. Da hängen wir ein kleines Schnürchen dran. Und schon haben wir zehn. Ich nenne das immer den kleinen Werkzeugkoffer.
Fanny Sedlnitzky: Ja. Den Sie immer mittragen.
Luise Maria Sommer: Den ja, genau. Und den kann jeder sich sofort einrichten, wenn man es möchte. Das ist das alles Entscheidende, weil alles, was uns begeistert, düngt unser Gehirn, wenn wir im Flow sind und auf die Zeit vergessen. Ist das nicht eine schöne Nachricht?
Fanny Sedlnitzky: Ja, wunderbar.
Luise Maria Sommer: Da gibt es kein Muss.
Fanny Sedlnitzky: Ja, es klingt so einfach und jetzt haben wir nur vier Zahlen zu merken, sozusagen mit dieser ersten Übung. Und dann kann ja jeder sagen, na ja, das war jetzt ja nicht so schwer, oder? Also die sagt da, sie kann sich da alles merken.
Luise Maria Sommer: Ja. Aber Sie haben doch am Anfang den Einkaufszettel erwähnt. Vielleicht können wir das ein bisschen verbildlichen, weil das ist ja etwas, was jeder in seinem Leben immer wieder braucht und man ärgert sich einfach, wenn man dann vergessen hat, sich das aufzuschreiben.
Fanny Sedlnitzky: Genau.
Luise Maria Sommer: Also, ich mache das so, dass man eine kleine Vorübung machen muss, aber die ist multifunktional, die hat dann noch viele andere Zwecke, die man damit abdecken kann. Und das ist, so eine kleine Hakenliste am eigenen Körper einzurichten. Kleiderhaken.
Fanny Sedlnitzky: Mhm. Ja.
Luise Maria Sommer: So. Man stellt sich vor, ich habe da so kleine Haken am Körper, wo ich dann die Dinge, die ich einkaufen möchte, in Gedanken bildlich ablege. Und da fängt man unten bei den Zehen an als Haken Nummer eins. Knie ist der Haken Nummer zwei. Dann die Oberschenkel der Haken Nummer drei. Unsere vier Buchstaben, Popo, Haken Nummer vier. Und dann die fünf Finger in die Taille hier. Jetzt ist es so, angenommen, Sie sind irgendwo unterwegs und es fällt Ihnen ein: Oh, Klopapier muss ich noch einkaufen. Wenn Ihnen als Erstes das Klopapier einfällt, dann kommt das an die Zehen und zwar so verrückt, so humorvoll wie möglich. Humor ist immer wichtig. Wenn Sie schmunzeln und sagen: Oh Gott, wie schaut denn das aus, wenn ich mir jetzt da die leeren Klopapierrollen auf die Zehen stecke? Oder was hätten Sie für ein Bild?
Fanny Sedlnitzky: Ja, ich würde eher diese große Packung Klopapier mit zehn Rollen sehen, auf die ich vielleicht draufsteige.
Luise Maria Sommer: Ja, super. Genau. Und das ist für Sie das... da gibt es kein Richtig oder Falsch, das ist Ihr Bild. So, dann fällt uns ein: Ketchup ist auch aus.
Fanny Sedlnitzky: Mhm. Jetzt sind wir am Knie. Zweite Stelle ist Zufall. Aber wie... was wäre jetzt so ein Bild, wo wir so richtig... die Knie, wenn man sich die aufschürft, bluten leider und dann hat man Ketchup auf den Knien.
Luise Maria Sommer: Genau. Ja. Und das ist ganz toll, dass Sie jetzt gerade dieses Bild bringen, weil da kann ich jetzt etwas machen, was ich immer mache in meinen Vorträgen. Ich erzähle davon, dass ich mit mir selbst einen Vertrag geschlossen habe, dass ich ausschließlich in positiven Bildern denke. Gedanken haben Energie. Und jetzt könnten wir ja sagen: Hey, das kleine Kind kommt nach Hause, die Mutter gleich: Oh Gottes Willen! Nein, zum Glück ist nur Ketchup.
Fanny Sedlnitzky: Nur Ketchup, Mama, nur Ketchup. Okay, dann sind wir bei unseren Oberschenkeln. Und dann denke ich: Katzenfutter geht auch zur Neige. Und jetzt könnten wir alle Sinne einsetzen und zum Beispiel uns vorstellen...
Luise Maria Sommer: Die Katze im Schoß.
Fanny Sedlnitzky: Ja, genau. Vielleicht ganz warm und sie schnurrt. Und dann haben wir unsere vier Buchstaben. Ja. Was sagen Sie? Irgendetwas...
Luise Maria Sommer: Avocado.
Fanny Sedlnitzky: Avocado. Super. Wenn wir jetzt an die Form denken. Zwei Avocados nebeneinander. Nein, oder? Ich setze mich auf die Avocado drauf. Gut, das ist dann nicht ganz so positiv.
Luise Maria Sommer: Ist Guacamole.
Fanny Sedlnitzky: Ja, genau. Machen wir schon. Aber von der Form her das und wir haben gelacht. Allein das speichert das schon. Und dann sind wir bei der Taille. Was würden Sie spontan sagen? Was brauchen wir noch?
Luise Maria Sommer: Reis.
Fanny Sedlnitzky: Reis. Okay. Reis an der Taille. Mhm. Könnten wir uns so aufkleben oder vielleicht so nach Marilyn ein bisschen oder einen Gürtel aus Reis an der Taille oder überhaupt so Reisbäckchen aufhängen. Ja. So, jetzt haben wir so viel geblödelt. Wissen wir noch, was wir als Erstes einkaufen?
Luise Maria Sommer: Ja, wir stehen immer noch am Klopapier.
Fanny Sedlnitzky: So ist es. Und auf den Knien, was haben wir da?
Luise Maria Sommer: Das Ketchup.
Fanny Sedlnitzky: Richtig, super. Und auf den Oberschenkeln?
Luise Maria Sommer: Die Katze, also das Katzenfutter, damit sie weiter schnurrt.
Fanny Sedlnitzky: Katze. Ja. Und auf unseren vier Buchstaben?
Luise Maria Sommer: Ja. Die Avocado.
Fanny Sedlnitzky: Die Avocado. Und in der Taille?
Luise Maria Sommer: Den Reis.
Fanny Sedlnitzky: Genau. Sehr gut. Sehr, sehr gut.
Luise Maria Sommer: Und das... also wir können noch fünf weitere Stellen am Körper einrichten.
Fanny Sedlnitzky: Okay, aber Platz hätten wir ja noch am Oberkörper.
Luise Maria Sommer: Platz hätten wir und ich sage nur irgendwo da, wo Busen, Brust ist, ist der Platz Nummer sechs. Also, das ist auch leicht zu merken. Übrigens, das ist jetzt wirklich so, das ist wissenschaftlich erwiesen. Alles, was irgendwie in die Nähe von Erotik kommt, merken wir uns aus biologischen Gründen besonders gut. Ja. Und die Schultern, können wir gleich weitermachen, ist der Platz Nummer sieben. Der Hals ist der Platz Nummer acht. Die Nase ist der Platz Nummer neun. Und der Kopf Nummer zehn.
Fanny Sedlnitzky: Und die besetzen wir dann alle.
Luise Maria Sommer: Und die besetzen wir dann einfach nur aus Spaß an der Sache, um mal auszuprobieren, ob das funktioniert. Und wenn es nämlich funktioniert... jetzt ist das, was ich gesagt habe, für mehrere Zwecke, diese Hakenliste am Körper. Ich kann alle möglichen Dinge hier ablegen und später abrufen.
Fanny Sedlnitzky: Aber passiert mir das dann, wenn ich beim nächsten Mal einkaufen gehe und auf der Eins nicht das Klopapier habe, sondern vielleicht dann die Bananen, dass ich dann das Falsche kaufe?
Luise Maria Sommer: Diese Frage wird immer gestellt und da gibt es zwei mögliche Antworten. Antwort Nummer eins: Wenn das erst so in drei Tagen ist, dann sorgt die geistige Müllabfuhr dafür, dass das alles wieder weg ist. Also ich habe jetzt nicht immer an meinen Zehen Klopapier. Das glaube ich Ihnen deswegen sofort, weil wenn man das allererste Mal probiert, das bleibt wirklich total lange. Ja. Dann kommt einfach die Möglichkeit Nummer zwei: Alles, was jetzt als Nächstes kommt...
Fanny Sedlnitzky: Mhm.
Luise Maria Sommer: ...kommt zu Ihrem Klopapier dazu. Das kommt einfach dazu.
Fanny Sedlnitzky: Also die Bananen lege ich mir einfach dann über die Zehen drüber.
Luise Maria Sommer: So ist es genau, weil ich kann nicht nicht an etwas denken. Das kann unser Gehirn nicht. Wenn ich sage, ich darf nicht an diesen berühmten rosaroten Elefanten mit den Sonnenbrillen denken, dann ist er da. Dieses kleine Wörtchen "nicht" streicht unser Gehirn und deswegen sage ich den Menschen so gerne und ich habe das auch für mich entschieden, ich verwende das Wort "vergessen" fast nicht mehr. Also ich sage nicht: Hey, das darf ich nicht vergessen. Viel positiver den Satz umdrehen: Hey, das merke ich mir.
Fanny Sedlnitzky: Heute zu Gast in "Gesund informiert", dem rezeptfreien Podcast, Gedächtniscoach Luise Maria Sommer. Wir haben schon angesprochen verschiedenste Gruppen, Ältere, Jüngere und so weiter. In der Schule, da muss man sich einiges merken. Manches schreibt man sich vielleicht auf einen Schummelzettel, spätestens dann kann man es meistens eh auswendig. Gibt es da zum Lernen verschiedenster Inhalte, die man vielleicht auch gar nicht lernen möchte, Tricks und Tipps, wie ich mir diverse Dinge besser merken kann?
Luise Maria Sommer: Ja. Das ist eine wichtige Frage. Tipps und Tricks, wie ich vor allem auch mich selbst ein bisschen motivieren kann, das wäre das Allerallerwichtigste. Ja, wenn ich sage: So, ich muss das jetzt lernen. Ich streiche das "muss" und ich sage: Hey, ich möchte das jetzt lernen. Zum Beispiel bei so Dingen wie Ländern und Hauptstädten, warum macht man sich nicht da einmal einen Spaß daraus? Machen wir vielleicht eine kleine Übung dazu.
Fanny Sedlnitzky: Machen wir eine kleine Übung dazu.
Luise Maria Sommer: Zum Beispiel Kirgisistan. Oh, aufs Glatteis. Ich frage Sie einfach: Kirgisistan, was für ein Bild kommt da bei Ihnen, wenn Sie die ersten drei Buchstaben nehmen? Kir...
Fanny Sedlnitzky: Ein Kirschbaum.
Luise Maria Sommer: Ein Kirschbaum. Ja, das hatte noch nie jemand gesagt. Jetzt habe ich ein Problem. Die meisten sagen Kirche. Ah, aber Kirschbaum ist auch gut. Ja. Ein Kirschbaum. Okay, das wird spannend. Das ist nämlich ganz ein spezieller Kirschbaum, weil wenn Sie näher rangehen, sehen Sie, da hängen zwei Dinge dran.
Fanny Sedlnitzky: Mhm.
Luise Maria Sommer: Da hängen von einem Ast so längliche süße Dinge runter, nämlich Biskotten.
Fanny Sedlnitzky: Biskotten. Ja.
Luise Maria Sommer: Und vom anderen Ast lauter Kekse.
Fanny Sedlnitzky: Mhm. Im Schlaraffenland.
Luise Maria Sommer: Ja, genau. Und wenn wir Kirche nehmen, dann sage ich immer: In dieser Kirche in Kirgisistan, da kommt am Sonntag der Bischof und gibt jedem mal Keks. Wir bleiben beim Kirschbaum, da hängen Biskotten runter und Keks. So, die Hauptstadt von Kirgisistan ist Bischkek.
Fanny Sedlnitzky: Sehr gut. Wenn ich jetzt mehr als nur Kirgisistans Hauptstadt mir merken muss, also für den Geographietest zum Beispiel.
Luise Maria Sommer: Ja, also wir haben bei diesem Hauptstadtmerken dieses Denken in Bildern trainiert. Und wenn ich mir Strukturwissen einprägen möchte, dass ich zum Beispiel sage: Okay, ich will mir jetzt die drei bevölkerungsreichsten Länder der EU merken. Und zwar so, dass ich sie jederzeit abrufen kann. Dann funktioniert das mit dieser antiken Methode, die ich ganz am Anfang erwähnt habe, die ich da kennengelernt habe beim Professor Iberer. Und das ist die sogenannte Loci-Methode. Loci sind die Orte oder Loki, die Methode der Orte. Das heißt, ich suche mir einen Raum, mein Zimmer, und nehme da immer die Türe als ersten Ort. Und wenn man jetzt in diesem Zimmer, auch wenn man jetzt nicht dort ist, in Gedanken weitergeht, kommt ein markanter Ort Nummer zwei.
Fanny Sedlnitzky: Mhm.
Luise Maria Sommer: Schreibtisch oder was auch immer und ein Ort Nummer drei. Man kann die Runde dann fertig machen. Ich habe in jedem Raum immer zehn Orte. Das... und ich habe viele Räume, weil sonst könnte ich nicht bei Gedächtnismeisterschaften teilnehmen. Aber es macht Spaß, wirklich. Also, man kann diese Orte dann befüllen mit allen möglichen humorvollen Dingen. Wir wollen uns die bevölkerungsreichsten EU-Länder merken und das ist als Land Nummer eins an der Türe Deutschland.
Fanny Sedlnitzky: Ja.
Luise Maria Sommer: Und jetzt brauche ich ein Symbol, das mir als Erstes einfällt, wenn ich an Deutschland denke.
Fanny Sedlnitzky: Mhm. Mir fällt die deutsche Flagge ein.
Luise Maria Sommer: Genau. Ist doch ein schönes Bild. Wir hängen mal... wir streichen die Türe gleich riesig an, übertreiben, mit der deutschen Flagge. Damit haben wir das schon. Ja. Und am Ort Nummer zwei, da liegt so ein herrlich frisches französisches Baguette.
Fanny Sedlnitzky: Mhm. Ja, herrlich.
Luise Maria Sommer: Ja, auch wenn es gar nicht hinpasst, umso besser.
Fanny Sedlnitzky: Am Schreibtisch.
Luise Maria Sommer: Ja, sehr gut. Je merkwürdiger, umso besser. Und am Ort Nummer drei, da duftet es so richtig nach meiner Lieblingspizza.
Fanny Sedlnitzky: Mhm. Ja. Also Italien.
Luise Maria Sommer: Ja. Ja. Und damit haben wir die drei bevölkerungsreichsten EU-Länder der Reihe nach gemerkt. Und wer jetzt Lust hat, richtet sein Zimmer noch weiter ein, holt sich die Liste aus dem Internet und legt sich das dann zurecht.
Fanny Sedlnitzky: Wir haben schon einige praktische Tipps jetzt, wie man sich Codes merken kann mit Zahlen, die man irgendeinem Bild zuordnet, wie man sich eine Einkaufsliste speichert, die man an sich an den Körper heftet sozusagen oder wie man sich die Länder Europas der Größe nach merken kann, wenn ich durch einen Raum spaziere und dort meine Bilder ablege. Wie sieht denn ein gedächtnisfreundlicher Alltag aus? Gibt es den?
Luise Maria Sommer: Ja, das ist eine ganz wunderbare Frage. Gedächtnistraining besteht ja nicht nur aus dem, was wir jetzt da gerade so humorvoll besprochen haben. Nein, in die mentale Gesundheit zahlen wir gerade in unserem Alltag ein. Das muss man sich wie ein Sparkonto vorstellen. Ja, wir zahlen da ein. Wie zahlen wir ein? Und deswegen ist es so toll, dass es diesen Podcast gibt: durch richtige Ernährung oder Bewegung. Bewegung ist so ein wichtiger Hirnfaktor, denn schon 10 Minuten flotter Spaziergang am Tag lässt im Hippocampus, dort wo die Neuronen gebildet werden, neue Neuronen sprießen. Natürlich auch werden so sieben Stunden gesunder, tiefer Schlaf auch ganz wichtig. Ich weiß aus eigener Erfahrung, es ist nicht immer leicht, vor allem man kann Schlaf nicht erzwingen. Aber was wir auch nicht unterschätzen dürfen, ist unser Miteinander. Wir werden erst durch den anderen zum Ich. Dieses Miteinander, miteinander sprechen, miteinander austauschen. Und wenn ich ein Lächeln jemandem in der Straßenbahn schenke, ist das auch ein Miteinander, was meinem Gehirn gut tut. Und last but not least zu hinterfragen: Mit welcher Einstellung gehe ich auch durch die Welt? Mhm. Da entscheide ich, welche Bilder ich verwende und mein Gehirn hört immer zu.
Fanny Sedlnitzky: Mir fällt jetzt zum Schluss noch ein, da gibt es aus der Kindheit... kennt das jeder, ein Spiel: "Ich packe meinen Koffer". Das ist eigentlich auch so ein Spiel, wo man ja Bilder einbaut. Kann man das auch vielleicht irgendwo anwenden, diesen Koffer zu packen?
Luise Maria Sommer: Ja, natürlich. Also vielleicht wäre das auch mit Enkelkindern oder Kindern oder wem auch immer immer wieder zu spielen, denn Spiele sind auch so ein machtvoller Jungbrunnen. Und bei "Ich packe meinen Koffer" könnte ich jetzt zum Beispiel diese Technik verwenden, am Körper ablegen, heimlich. Der andere darf es nicht wissen. Ja, aber wenn ich da... wir könnten jetzt sagen, machen wir gleich eine kleine Wiederholung. Wir packen unsere... was packen wir heute in unseren Koffer? Ist das noch da, was wir früher als Einkaufsliste abgelegt haben?
Fanny Sedlnitzky: Ja.
Luise Maria Sommer: Ja, das Klopapier.
Fanny Sedlnitzky: Ja.
Luise Maria Sommer: Das Ketchup.
Fanny Sedlnitzky: Ja.
Luise Maria Sommer: Das Katzenfutter.
Fanny Sedlnitzky: Die Avocado, auf die wir uns draufgesetzt haben.
Luise Maria Sommer: Und der Reis. Und wenn wir jetzt dieses Spiel spielen, könnten wir ja heimlich ganz genauso wie jetzt diese Einkaufssachen diese Begriffe am Körper ablegen. Dann haben wir schon einmal zehn locker abgelegt. Und wenn es dann noch weitergeht in dem Raum, in dem wir uns gerade befinden, eine Runde machen und da die Dinge ablegen, also dann haben wir einen riesen Vorteil gegenüber jemandem, der diese Methode nicht kennt, und gewinnen ganz sicherlich.
Fanny Sedlnitzky: Gewinnen ganz sicherlich und wir gewinnen aber auch Hirnfitness dadurch. Genau. Abschließend bleibt also eines zu sagen: Neugierig bleiben, das scheint der Schlüssel zu sein, den wir alle bis ins hohe Alter mitnehmen sollten, um unser Gehirn weiter fit zu halten. Neugierig sein für Neues, neugierig sein für Dinge, die man vielleicht schon kennt und die noch etwas auszubauen und das Gehirn nicht einschlafen zu lassen.
Luise Maria Sommer: Ja. Es ist ein wunderbarer Punkt am Ende: Neugier als Lebensmotor, als Bereitschaft, immer Neues dazuzulernen über das Leben, über die Welt, über andere Menschen, aber ganz, ganz besonders über mich selbst.
Fanny Sedlnitzky: Luise Maria Sommer, vielen herzlichen Dank für diese wertvollen Tipps und ich bin mir sicher, das Klopapier, das bleibt bei vielen jetzt an den Zehen hängen.
Luise Maria Sommer: Sehr gerne.
Fanny Sedlnitzky: Danke fürs Kommen und Dabeisein in unserem Podcast.
Luise Maria Sommer: Dankeschön.
Das war "Gesund informiert", der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfond Steiermark und ORF Steiermark.