Folge #96 Gesund informiert bei einem Zeckenstich: Wie erkenne ich eine Borreliose?
Der Frühling bringt wieder wärmere Temperaturen in die Steiermark. Doch damit haben auch Zecken wieder Hochsaison. Meist ist ein Zeckenstich harmlos – manchmal werden dabei aber Erreger für verschiedene Krankheiten übertragen. Eine mögliche Folge eines Zeckenstichs ist die Borreliose – eine Erkrankung, die von Bakterien ausgelöst wird.
In der neuen Folge #96 erfahren Sie, wie Sie eine Borreliose erkennen können, was Sie tun sollten, wenn Sie die sogenannte „Wanderröte“ entdecken und wie die Erkrankung behandelt wird.
Gast: Robert Krause (Facharzt für Innere Medizin und Infektiologe)
„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.
Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky
- Mehr Informationen zu Zeckenstichen und möglichen Folgen finden Sie hier: https://www.gesund-informiert.at/gesundheitsthemen/zecken/
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Text zur Folge
Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfond Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute zu Gast der Internist und Infektiologe Robert Krause.
Fanny Sedlnitzky: Zu einer neuen Folge unseres Podcasts Gesund informiert darf ich heute einen Infektiologen und Internisten begrüßen. Einen schönen Tag wünsche ich Robert Krause.
Robert Krause: Schönen Tag.
Fanny Sedlnitzky: Sie sind heute unser Gast, weil wir uns mit einem Thema beschäftigen wollen, das Sie ganz gut kennen. Infektiologisch gesehen, es geht um eine Erkrankung, die vielleicht viele schon hatten, die durch Zecken übertragen wird. Es ist nicht die FSME – wir kommen da noch etwas später drauf zu sprechen –, gegen die man eine Impfung hat. Es ist die Borreliose. Wir wollen uns anschauen, was man dagegen tun kann, wie man es bemerkt. Und davor möchte ich aber mal wissen, was macht denn ein Infektiologe eigentlich genau?
Robert Krause: Also, ein Infektiologe ist ein Arzt oder eine Ärztin, der oder die sich mit Infektionskrankheiten beschäftigt. Wir sind eben direkt bei Patienten tätig. Das heißt, wir sprechen mit Patienten, wir untersuchen Patienten, wir machen bestimmte Laboruntersuchungen, um Infektionskrankheiten zu finden und dann noch um diese zu behandeln. Meist sind das antibiotische Therapien oder auch Virustherapien.
Fanny Sedlnitzky: Infektionskrankheiten, vielleicht die häufigsten oder die gängigsten. Was kann ich mir darunter vorstellen?
Robert Krause: Also, die Infektionskrankheiten sind sehr, sehr vielgestaltig. Es gibt ja eine Unzahl von Infektionskrankheiten und wenn man da nur dran denkt, welche unterschiedlichen Erreger es gibt, kann man sich ausmalen, wie viele Infektionskrankheiten wir da im Kopf haben müssen. Es gibt ja Bakterien, die Infektionskrankheiten machen, Viren, die Infektionskrankheiten machen, es gibt auch Parasiten, die Infektionskrankheiten machen. Die Tuberkulose beispielsweise ist einer der wichtigsten Erreger auf der ganzen Welt. Also es gibt eine Vielzahl, also es ist ein vielgestaltiges Gebiet, ein wahnsinnig interessantes Gebiet, deswegen bin ich Infektiologe geworden. Und es wird nicht fad, das ist jeden Tag interessant.
Fanny Sedlnitzky: Eine dieser Infektionskrankheiten wollen wir uns heute herauspicken. Es ist die Borreliose, schon ganz kurz angesprochen, eine Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. Was kann ich mir darunter vorstellen? Was ist das für eine Erkrankung?
Robert Krause: Also, die Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch Borrelien ausgelöst wird. Borrelien sind Bakterien. Wenn man sich die im Mikroskop anschaut, sind es schraubenförmige Bakterien, spiralige Bakterien, und da gibt's eine ganz große Gruppe von Borrelien, die eben eine Borreliose machen können. Und insgesamt verursachen diese Borrelienarten eben bestimmte Beschwerden, die dann eben zusammengefasst werden zu der Erkrankung Borreliose, die eben anders ist als bei anderen Zecken-übertragenen Erkrankungen, weil es gibt ja auch andere Zecken-übertragene Erkrankungen wie eben die FSME, die Sie schon erwähnt haben, die durch Viren ausgelöst wird, oder auch andere Bakterien, die durch Zecken übertragen werden, aber die Borreliose ist eine ganz bestimmte Infektionskrankheit, die nur durch diese Borrelien ausgelöst wird.
Fanny Sedlnitzky: Sie haben es jetzt auch schon erwähnt, vielleicht klären wir kurz den Unterschied. Die FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Krankheit, die auch durch Zecken übertragen wird, und da sieht man vielleicht auch gerade jetzt im Frühling immer wieder Plakate, Impfaktionen gibt es da. Das heißt, gegen diese FSME, diese vereinfacht gesagt Hirnhautentzündung, die dadurch ausgelöst wird, gibt es eine Impfung, da kann man etwas tun dagegen. Die Borreliose ist wieder eine andere Krankheit, Sie haben es schon erwähnt, durch Bakterien ausgelöst. Vielleicht können Sie uns ein bisschen die Unterschiede dieser beiden Erkrankungen erklären und vielleicht erklären, warum eine Impfung bei dem einen hilft und beim anderen nicht.
Robert Krause: Ja, also die FSME ist eben eine Viruserkrankung. Wir sind in Österreich mitten in einem Gebiet, wo ganz ganz viele FSME-Infektionen auftreten. Das ist in Mitteleuropa der Fall und wir haben zum Glück eine Impfung, um diese Infektionskrankheit zu verhindern. Die ist ganz ganz wichtig, weil wir haben gegen die FSME oder für die FSME keine Behandlungsmöglichkeit. Da gibt's eben kein Medikament, mit dem wir die FSME, wenn sie denn ausbricht bei einem Patienten und wenn ein Patient infiziert ist, behandeln können. Drum ist die Vorbeugung so wichtig und die Impfung ist wirklich ganz ganz gut verträglich und sollte jeder Österreicher, jede Österreicherin haben.
Bei der Borreliose ist es anders. Das ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Da gibt's leider keine Impfung. Wäre toll, wenn wir eine hätten, aber gibt's leider nicht. Und das hängt damit zusammen, dass die Borrelien sich so stark verändern können. Die können ihre Oberfläche verändern und wenn man da impfen würde – und es ist versucht worden in der Vergangenheit –, dann wirken diese Antikörper, die erzeugt werden im Menschen, also diese Abwehrstoffe, die erzeugt werden durch die Impfung, nur auf einen bestimmten Teil der Borrelien und können die Borrelien dann eben angreifen. Aber nachdem sich die Borrelien verändern können, wirkt diese Impfung leider nicht gut und drum gibt's noch keine gute Vorbeugungsmaßnahme gegen die Borrelien im Vergleich zur FSME.
Fanny Sedlnitzky: Das heißt, viele Menschen gehen in guter Absicht zum Hausarzt, lassen sich „gegen Zecken impfen“, so wie man schon sagt, und dann ärgern sie sich hintennach, weil sie sagen: „Jetzt bin ich Zecken-geimpft, jetzt habe ich doch was gekriegt.“
Robert Krause: Genau, das ist ganz wichtig, dass man das auseinanderhält, und somit kann man leider, wenn man einen Zeckenstich hat, andere Erkrankungen auch noch bekommen neben der Borreliose, neben der FSME, wenn man nicht geimpft ist, auch noch viele, viele andere.
Fanny Sedlnitzky: Wenn ich also einen Zeckenbiss hatte, mir unsicher bin und da verschiedenste Symptome, auf die wir gleich zu sprechen kommen, auftreten, dann kann es eine Erkrankung sein, die vielleicht nicht die FSME oder die Borreliose ist. Wie weiß ich das?
Robert Krause: Also selber als betroffener Patient, Patientin kann man das gar nicht wissen. Man kann sich da nur vertrauensvoll an den Hausarzt, die Hausärztin wenden, der oder die dann eben bestimmte diagnostische Maßnahmen durchführen kann, also bestimmte Laboruntersuchungen machen kann, um neben der Borreliose auch andere Erkrankungen zu finden. Da kann man bestimmte Tests machen, die in Labors dann untersucht werden. Und es gibt auch ein interessantes Projekt von der AGES, von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Österreich. Die haben gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern der Universitäten in Wien ein Projekt ins Leben gerufen, wo sie Zecken untersuchen und eben nachschauen, welche Erreger in den österreichischen Zecken vorhanden sind. Und das sieht man jetzt eigentlich erst mit diesem tollen Projekt, wie die Zecken – man könnte auch sagen – verseucht sind mit Erregern und was man da alles bekommen könnte.
Fanny Sedlnitzky: So ein winzig kleines Tier, was das alles in sich hat.
Robert Krause: Richtig. Aber ich würde nicht Angst machen. Der große Vorteil ist, dass eben ein Antibiotikum, das man für die Behandlung der Borreliose verwenden würde, gleichzeitig auch viele, fast die meisten der anderen Erreger auch abtötet. Das heißt, wenn man sich nicht ganz sicher ist, ob das eine Borreliose ist plus eine weitere Infektionskrankheit, braucht man keine Sorge haben, weil eben das Antibiotikum – Doxycyclin heißt das beispielsweise – wenn man das verwendet, die anderen Bakterien, die übertragen werden könnten, auch abtötet.
Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast, der Internist und Infektiologe Robert Krause.
Fanny Sedlnitzky: Die Zecken übertragen die Borreliose. Gibt es andere Tiere, die diese bakterielle Infektion übertragen können? Stechmücken zum Beispiel?
Robert Krause: Das wird immer wieder diskutiert. Das ist eine ganz, ganz große Ausnahme. Also ganz ausgeschlossen ist es nicht, aber die Borrelien werden von Zecken, von den Schildzecken übertragen. In der Natur ist nichts hundertprozentig. Somit kann es im Ausnahmefall auch so passieren, dass eine Stechmücke überträgt, aber das ist wirklich ein ganz, ganz großer Ausnahmefall.
Fanny Sedlnitzky: Jetzt ist der Frühling ins Land gezogen. Viele sind draußen unterwegs in Wiesen, in Wäldern, in Feldern und da kann es schon passieren, wenn man nach Hause kommt, dass man merkt irgendwo am Bein, am Arm oder sonst irgendwo hat man einen Zeckenbiss. Die Zecke steckt vielleicht auch noch drinnen. Was ist das Erste, was ich tue zu Hause, wenn ich das bemerke?
Robert Krause: Also, man muss die Zecke entfernen, möglichst bald, und da wird empfohlen, dass man die Zecke mit einer Pinzette möglichst kopfnah entfernt. Also die Zecke steckt mit dem Stechapparat in der Haut drinnen und versucht Blut zu saugen, und da muss man möglichst tief eben in der Haut die Zecke erfassen und dann einfach rausziehen, dann eben die Zecke abtöten, zerdrücken, entfernen, wegschmeißen oder einsenden an dieses Projekt. Das wäre natürlich das Beste, weil die suchen ja Zecken.
Fanny Sedlnitzky: Das heißt, man kann der Wissenschaft helfen. Also Zecke entfernen, auf ein Papier kleben, vielleicht mit einem Tixostreifen, und an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit einschicken.
Robert Krause: Genau, die freuen sich.
Fanny Sedlnitzky: Gut, dann habe ich dieses Tier entfernt. Ich bemerke, irgendwie passt etwas nicht. Zum einen, was ja vielen vielleicht auch oft passiert, es ist ein Stück stecken geblieben. Man sieht, es ist entweder noch ein Fuß oder ein Teil des Kopfes dieses Tiers in meiner Haut, oder es ist eine Rötung. Was mache ich als nächstes? Kann ich diese Bissstelle desinfizieren? Hilft das?
Robert Krause: Also, was passieren kann ist, dass eine sogenannte bakterielle Infektion auftreten kann, die jetzt gar nichts mit Borrelien zu tun hat. Also, es kann eine Art Wundinfektion, wenn man das so beschreiben will, auftreten. Die wird durch Staphylokokken beispielsweise ausgelöst oder durch Streptokokken. Da hilft eine Desinfektion der Stichstelle von der Zecke und diese Desinfektion hilft natürlich zum Teil auch gegen die Borrelien. Die Borreliose, wenn die auftreten würde, macht sich eben bemerkbar durch eine Rötung, die dann immer größer und größer wird und die in der Mitte dann abblasst. Also dieser berühmte Ring um diese Stichstelle tritt dann auf, das sogenannte Stadium 1 der Borreliose. Und spätestens, wenn man so etwas bemerkt, dann sollte man jedenfalls zum Arzt gehen, zu Hause jetzt zum Hausarzt, um diese Stichstelle mit dieser Rötung eben herzuzeigen, auch zu beschreiben, dass da eine Zecke drinnen war. Und das ist eine Blickdiagnose. Das heißt, da brauche ich gar keinen weiteren Labortest, das muss ich mir nur anschauen. Der Arzt oder die Ärztin hat einen Blick dafür und dann sollte eine antibiotische Therapie durchgeführt werden.
Fanny Sedlnitzky: Da gibt's immer wieder so einen Tipp, der genannt wird. Man beobachtet eine Rötung rund um die Stelle, man ist sich nicht sicher: Ist das jetzt dieser berühmte Ring der Borreliose oder ist es einfach eine Rötung? Macht es Sinn, diesen Ring oder diese Rötung mit einem Kugelschreiber nachzuzeichnen? Denn wenn diese Rötung wandert – die wird ja auch größer rund um diese Einstichstelle – dann sieht man tatsächlich: Gestern war der Kugelschreiberkreis noch viel kleiner und heute dehnt sich das schon darüber hinaus aus. Macht das Sinn?
Robert Krause: Also anzeichnen würde ich es nicht, weil man dann eventuell diese Stelle nicht mehr so gut beurteilen kann. Aber es ist empfehlenswert, dass man Fotos macht – jeder hat ein Handy zu Hause – und es ist für uns immer sehr hilfreich, wenn Patientinnen und Patienten ein Bild mitbringen können, wie sich das weiterentwickelt hat, wie eben über die Tage die Veränderung war, weil man das dann besser nachvollziehen kann und dann eben zuordnen kann, ob das eine Borreliose ist oder eben nicht.
Fanny Sedlnitzky: Ich kann mich vielleicht nicht erinnern, dass genau an dieser Stelle, wo ich eine kreisrunde Rötung auf meiner Haut habe, ein Zeckenbiss war. Kann diese Borreliose, wenn ich am linken Arm gebissen wurde, vielleicht auch am rechten Arm auftreten?
Robert Krause: Das nicht. Also dieser Ring, dieser klassische, tritt um die Einstichstelle auf. Manche Patientinnen und Patienten können sich nicht an einen Zeckenstich erinnern. Es hat mal eine ganz interessante Untersuchung gegeben, wie häufig sich Patienten eigentlich erinnern können an einen Zeckenstich. Das waren bei dieser Untersuchung nur wenige. Und dann gab's auch noch eine interessante Untersuchung, wo dann Patienten eine Zecke, eine vermeintliche, mitgenommen haben und dann eben gefragt haben Ärztinnen oder Ärzte, ob das eine Zecke ist. Und da war zumindest bei dieser – das war keine österreichische Studie, weil Österreicher kennen glaube ich alle eine Zecke – war die Trefferquote für die Beurteilung der Zecke eigentlich nicht sehr gut.
Fanny Sedlnitzky: Da haben sie wahrscheinlich alle möglichen Ameisen und Mücken mitgebracht.
Robert Krause: Richtig. Aber dieser Fleck, dieser klassische runde Fleck, der wird von den Ärztinnen und Ärzten sehr, sehr gut erkannt in Österreich, weil wir sehr viele Zecken haben und die Borreliose eigentlich sehr häufig in Österreich vorkommt. Somit ist es schon eine Erkrankung, mit der die Ärztinnen und Ärzte sehr gut umgehen können.
Fanny Sedlnitzky: Ein Stichwort, das jetzt schon öfter gefallen ist, ist die antibiotische Therapie. Ein Antibiotikum. Auch das haben wir schon einmal in einem Podcast geklärt, also ein Medikament gegen bakterielle Infektionen, das Bakterien abtötet. Das bekomme ich dann von meinem Arzt oder Hausarzt möglicherweise verschrieben. Was macht dieses Medikament genau?
Robert Krause: Also, das Antibiotikum tötet dann die Bakterien ab oder hemmt die Bakterien im Wachstum, sodass sie dann vom Immunsystem abgetötet werden können. Und dieses Antibiotikum wird eben geschluckt und wandert dann über das Blut eben im Körper an die Stellen, wo die Borrelien vorhanden sind, und tötet dort dann die Borrelien ab. Dieses eine Antibiotikum, das ich vorher schon erwähnt habe, dieses Doxycyclin, das ist ein ganz spezielles Antibiotikum, das wirkt sehr, sehr gut. Es ist auch ein sehr günstiges Antibiotikum, ein altes Antibiotikum, aber immer noch ein ganz wichtiges Antibiotikum. Und man muss da nur zwei wichtige Punkte beachten bei diesem Antibiotikum: Man darf das nicht gleichzeitig mit Milch einnehmen, weil es dann nicht gut aufgenommen wird. Da sollte man ungefähr zwei Stunden Abstand halten zwischen einer Milchaufnahme oder Milchmahlzeit und der Einnahme vom Antibiotikum. Und es kann leider die Empfindlichkeit der Haut gegenüber der Sonne etwas erhöhen. Also da muss man sich schützen mit einem Kapperl oder mit einem Hut und muss sich auch gut einschmieren, die sonnenexponierten Stellen, also die Nase beispielsweise oder auch die Ohren, damit man da keinen Sonnenbrand bekommt. Auch der Handrücken ist da manchmal betroffen. Aber man muss das Antibiotikum eh nicht so lange nehmen, es sind 10 bis 14 Tage für diesen roten Fleck bei der Borreliose. Und dann wird da nichts passieren, das ist meist gut verträglich.
Fanny Sedlnitzky: Der rote Fleck, das ist das Ziel, der verschwindet dann wieder. Der bleibt mir nicht auf der Haut.
Robert Krause: Nein, der rote Fleck, der verschwindet wieder. Der geht dann weg. Wenn der weg ist, sind die Borrelien auch abgetötet. Und wenn man diese Therapie richtig durchführt, also die richtige Dosis, die richtige Dauer, dann ist die Borreliose auch austherapiert. Und das ist mir auch ganz wichtig zu betonen: Es ist auch nicht notwendig, hinterher irgendwelche Labortests zu machen. Das wird leider immer wieder gemacht, dass man dann Borrelien-Antikörper bestimmt oder solche Abwehrstoffe dann bestimmt im Blut, ob die vorhanden sind oder nicht, das ist völlig egal. Es geht da wirklich nur am Beginn um die Blickdiagnose: Ist es eine Borreliose oder ist es eben keine? Und dann wird antibiotisch therapiert und dann ist die Therapie zu Ende und man beobachtet nur den Fleck, ob der weniger wird oder nicht, aber es ist keine Laboruntersuchung notwendig.
Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast, der Internist und Infektiologe Robert Krause.
Fanny Sedlnitzky: Wenn ich diese Borreliose einmal gehabt habe, kann mir das wieder passieren, wenn ich wieder von einer Zecke gebissen werde?
Robert Krause: Leider. Das kann eben sein. Nachdem wir in Österreich ja Waldgebiete haben, kann einem das immer wieder passieren. Also die Antikörper schützen nicht hundertprozentig vor einer neuerlichen Infektion. Es kann die Infektion abgeschwächt werden, aber nachdem es eben viele Borrelien gibt, die so eine Borreliose auslösen können, ist dieser Schutz – auch der eigene erworbene Schutz durch eine durchgemachte Infektion – nicht so weit schützend, dass ich keine weitere Infektion mehr bekomme wie bei anderen Infektionskrankheiten. Bei Masern beispielsweise, wenn ich geimpft bin oder einmal Masern gehabt habe, habe ich ein Leben lang Ruhe, kann ich Masern nicht mehr bekommen. Bei den Borrelien ist es leider anders und da kann ich dann auch wieder krank werden.
Fanny Sedlnitzky: Wenn ich diesen roten Fleck übersehe, weil er an einer Körperstelle ist, wo ich vielleicht nicht hingeschaut habe rechtzeitig oder das einfach nicht wahrgenommen habe, nicht weiter irgendwie mich beunruhigt hat und ich übergehe diese erste Phase, wo man vielleicht merkt, dass man mit Borrelien infiziert ist. Was passiert dann?
Robert Krause: Die wandern im Körper dann umher und erreichen dann noch andere Organe, also andere Körperstellen: das Herz beispielsweise, Gelenke oder eben auch die Gehirnhäute oder auch das Gehirn. Und dort können diese Borrelien dann auch Schäden machen. Das heißt, es kann dann zu einer Herzmuskelentzündung kommen, es kann zu Gelenksentzündungen kommen, es kann zu einer Gehirnhautentzündung oder zu einer Gehirnentzündung kommen. Es können auch die Nerven und Nervenwurzeln beeinträchtigt werden und dort Entzündungen auftreten. Und diese Organbeteiligungen sind dann eben Borrelienerkrankungen des Stadiums 2 oder 3. Das wäre das letzte Stadium, wo dann Veränderungen der Haut auftreten können. Da wird die Haut dann immer dünner und dünner, papierartig dünn. Also die Borrelien sind schon Erreger, die wirklich gefährliche Organbeteiligungen machen können. Und drum ist wichtig, dass man dieses Stadium 1 wahrnimmt, entdeckt und auch richtig behandelt.
Fanny Sedlnitzky: Da sind wir noch einmal beim Stichwort. Wir möchten auch immer wieder ein bisschen Hilfestellung geben. Was kann ich selbst machen zu Hause mit Hausmittelchen? In diesem Fall bei der Behandlung von Borrelien helfen mir, wenn ich Sie richtig verstehe, Hausmittel nicht. Sei das jetzt – ich sage irgendetwas – Knoblauch auflegen oder irgendein Öl drauf tropfen auf diese Stelle. Da hilft tatsächlich nur die unter Anführungszeichen „chemische Keule“ der Tablette.
Robert Krause: Das ist richtig. Also Hausmittel bringen genau gar nichts. Es gibt unzählige Therapien, die auch im Internet eben angeboten werden und propagiert werden. Das ist genau für gar nichts. Es hilft eben dieses eine Antibiotikum oder auch ein anderes. Es gibt eine Auswahl von einigen Substanzen, die wir geben können. Und wenn Sie wollen, ist es ja nicht eine chemische Keule. Es gibt ja auch ein Antibiotikum, das Amoxicillin, das ist ein Naturstoff, wurde vom Pilz hergestellt, ist somit was ganz, ganz Natürliches. Das macht sich der Mensch nur nutzbar und das kann man auch verwenden. Also wir sind nicht so als Ärztinnen und Ärzte, dass wir Menschen vergiften wollen, sondern wir wollen den Patienten helfen. Und es ist schon so, dass wir eben bei dieser Behandlung des Stadium 1 ja verhindern wollen, dass ein Stadium 2 oder 3 auftritt, das eben kein Mensch haben will.
Fanny Sedlnitzky: Gibt es Menschen, die so eine Infektion vielleicht leichter wegstecken und andere, die mit weiteren Problemen rechnen müssen? Gibt es Risikogruppen, wenn man sagt, ja, vielleicht ältere oder kleine Kinder, die besonders vorsichtig sein müssen?
Robert Krause: Also bei der Erkrankung der Borreliose selbst nicht. Es ist nur die Häufigkeit der Zeckenstiche, die man abbekommt durch bestimmte Tätigkeiten, also Freizeitaktivitäten oder berufliche Tätigkeiten. Unterschiedlich: Jäger oder auch Förster, Landarbeiter, die eben oft in der Natur unterwegs sein müssen, die haben ein besonders hohes Risiko, eine Borreliose zu bekommen. Aber eigentlich jeder, der in der Natur unterwegs ist – und das sind wir ja eigentlich alle, jeder liebt die Natur und geht gerne in den Wald oder ist eben im Freien unterwegs – hat ein Risiko für Zeckenstiche. Da ist wichtig, dass man sich eben nach so einer Aktivität absucht, ob Zecken da sind.
Fanny Sedlnitzky: Immer wieder gibt es Menschen, die sagen: „Ich hatte auch schon eine Borreliose, ich leide immer noch.“ Sie haben gesagt, wenn man das Antibiotikum nimmt, verschwindet der Ring rund um die Einstichstelle. Kann ich dann tatsächlich noch andere Probleme haben, langfristige Probleme, die so eine Infektion mit sich bringt?
Robert Krause: Das ist ein ganz wichtiger Punkt und der ist auch untersucht worden. Da gibt's eben ganz gute wissenschaftliche Untersuchungen dazu. Das wird zusammengefasst unter dem Post-Borreliose-Syndrom. Es gibt hinterher Beschwerden, die auftreten können, aber die verschwinden mit der Zeit. Und was ganz wichtig ist: Es bringt hier eine weitere Laboruntersuchung oder auch eine nochmalige antibiotische Therapie nichts.
Fanny Sedlnitzky: Weil die Bakterien an sich schon meinen Körper verlassen haben, weil sie schon abgetötet wurden.
Robert Krause: Also, wenn die antibiotische Therapie richtig durchgeführt worden ist, sind die nachher tot.
Fanny Sedlnitzky: Was für ein Zeitfenster habe ich nach einem Zeckenbiss, um sozusagen eine mögliche Therapie einzuleiten oder bis ich überhaupt die ersten Symptome bemerke? Wie schnell geht das?
Robert Krause: Das passiert nach einigen Tagen. Also die Zecke sticht, überträgt die Borrelien, die vermehren sich dann dort an der Bissstelle, wandern von dort auch weiter, können die Lymphknoten erreichen und andere Stellen im Körper. Aber es tritt dann dieser rote Fleck auf, wo sie sich dann eben auch ausbreiten. Es sind einige Tage. Wenn man das dann einfach weiterlaufen lässt, dann kommt nach einigen Wochen unter Umständen dieses Stadium 2 zustande mit der Herzmuskelentzündung, Gelenksentzündung, Gehirnentzündung. Und das sind dann schon Probleme, die deutlicher sind.
Fanny Sedlnitzky: Wenn ich zu Hause unsicher bin, ich möchte meinen Hausarzt kontaktieren, es ist vielleicht gerade Wochenende. Gibt es eine Möglichkeit, irgendwo mich sinnvoll zu informieren über diese Infektion, bevor ich dann einen Arzt aufsuchen kann, wenn wieder Wochentag ist, zum Beispiel?
Robert Krause: Also, wenn man nachlesen möchte, kann ich die Homepage von der AGES, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, empfehlen. Die ist wirklich sehr, sehr informativ und da sind auch Bilder dabei. Da wird auch dieses Projekt, das die gerade haben, sehr schön beschrieben. Und wenn mir dieser Fleck am Samstag oder Sonntag auffällt, kann ich warten bis zum Montag und dann am Montag zum Hausarzt gehen. Das heißt, ich muss dann nicht sofort in eine Notfallambulanz abbiegen. Man sollte dann schon zügig zum Arzt gehen. Also diesen einen Tag oder die zwei Tage kann man schon abwarten und zwischenzeitlich eben im Internet nachlesen auf seriösen Homepages.
Fanny Sedlnitzky: Also am besten nach einem Spaziergang in der Natur, den wir hoffentlich alle jetzt im Frühling machen, gut absuchen, Kleidung ausschütteln, sich mal ausziehen und schauen, ob man irgendwo einen Zeckenbiss hat, und bei Unsicherheiten zum Hausarzt. Robert Krause, vielen herzlichen Dank für diese wertvollen Informationen und möge der Sommer zeckenfrei bleiben.
Robert Krause: Danke für die Einladung. Alles Gute.
Das war Gesund informiert, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfond Steiermark und ORF Steiermark.