Folge #94 Gesund informiert zum Beipackzettel: Was sollte ich darüber wissen?
Der Beipackzettel, auch Gebrauchsinformation genannt, bietet viele wichtige Informationen und bringt uns doch manchmal zum Verzweifeln: Kleine Schrift, komplizierte Sprache und Nebenwirkungen, die man gar nicht wissen möchte. Vielleicht haben Sie sich auch schon mal gefragt: Soll ich mir das überhaupt durchlesen?
In der neuen Folge #94 erfahren Sie, was man bei der Gebrauchsinformation beachten sollte, was man sich unbedingt durchlesen sollte und was man tun kann, wenn man zwar das Medikament noch hat, aber die Gebrauchsinformation dazu nicht mehr findet.
Gast:
Apothekerin Alexandra Mandl
„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.
Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky
Mehr Informationen zur richtigen Einnahme von Medikamenten finden Sie hier: https://www.gesund-informiert.at/gesundheitsthemen/medikamente-einnehmen/
Hier geht’s zur Apo-App: https://www.apothekerkammer.at/apoapp
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Hören Sie kurz in die Folge hinein!
Text zur Folge
Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute mit Apothekerin Alexandra Mandl.
Fanny Sedlnitzky: In unserer neuen Podcast-Folge widmen wir uns heute den kleinen Schachteln, den Pillen, den Dosen, die man in der Apotheke bekommt. Und ganz genau schauen wir da eigentlich hinein und ziehen einen Zettel heraus, den Beipacktext. Und jetzt kriege ich gleich Schimpf von meinem heutigen Gast, Alexandra Mandl, Apothekerin. Herzlich willkommen bei uns im Podcast.
Alexandra Mandl: Grüß Gott, danke für die Einladung.
Fanny Sedlnitzky: Beipacktext darf man nicht sagen, habe ich erfahren.
Alexandra Mandl: Doch, man darf natürlich Beipacktext sagen, aber das, was in Österreich so liebevoll als Beipackzettel bezeichnet wird, hat eine ganz konkrete fachliche Bezeichnung und das ist Gebrauchsinformation. Das ist laut dem Arzneimittelgesetz so definiert, der Begriff.
Fanny Sedlnitzky: Dann schauen wir uns heute die Gebrauchsinformation diverser Medikamente ein bisschen genauer an. Es ist ja so, dass wenn man diesen Zettel einmal herausgeholt hat und dann auch die Tabletten anschaut, die man von einem Arzt verschrieben bekommen hat, die man sich in der Apotheke geholt hat, dann kriegt man diesen Zettel sicherlich nie wieder zurück hinein in diese Schachtel. Da steht sehr viel Information drauf und da kann schon passieren, dass man fast einen Quadratmeter Papier herauszieht. Diese Informationen, die da draufstehen, haben natürlich alle einen Sinn, aber die Frage, die wir uns heute stellen, ist: Haben alle einen Sinn für den Konsumenten? Muss ich das alles durchlesen? Muss ich mir das anschauen? Und was vor allem aus diesem Dschungel an Informationen muss ich tatsächlich wissen? Vielleicht fangen wir mit dem Wichtigsten an. Ich bekomme ein Medikament verschrieben in der Regel oder ich hole mir etwas in der Apotheke, was ich rezeptfrei bekomme. Was muss ich zu einem Medikament wissen? Wahrscheinlich, wie ich es einnehme.
Alexandra Mandl: Genau. Also, die Dosierung ist sicher die wichtigste Information, die man aus der Gebrauchsinformation herausholen kann. Grundsätzlich schadet es nie, wenn man zumindest, wenn man etwas erstmalig verordnet bekommt, sich den Beipacktext einmal ein bisschen genauer anschaut. Es ist da erstens einmal in einer genauen Reihenfolge auch durch das Arzneimittelgesetz definiert. Da steht einmal drauf, welcher Wirkstoff in dem Arzneimittel drinnen ist und für welches Wirkgebiet der eingesetzt wird.
Fanny Sedlnitzky: In der Regel weiß ich ja, warum ich welches Medikament verschrieben bekomme, und dann ist da mit lateinischen Begriffen, mit chemischen Verbindungen, die man da liest, zu rechnen. Die verstehe ich oft gar nicht.
Alexandra Mandl: Nein, nein, ganz so schlimm ist es nicht. Es handelt sich ja eben um die Gebrauchsinformation und die ist speziell so geschrieben, dass sie auch für den medizinischen Laien gut verständlich ist. Also, wenn da irgendwas Chemisches drinnen steht, dann ist es maximal der Name der Substanz. Aber das ist dann auch schon alles. Und gerade die Wirkweise und auch die Dosierung sind wirklich so erklärt, dass man das schon versteht. Und es gibt ja auch Testleser – das wissen die wenigsten – aber bevor eine Gebrauchsinformation auf den Markt kommt, wird die auch immer testgelesen, ob die wohl wirklich auch allgemein verständlich ist. Also ganz so schlimm soll es nicht sein.
Fanny Sedlnitzky: Also nicht im Kämmerchen wird die irgendwo getippt und dann in die Schachteln verpackt sozusagen, sondern da wird schon geprüft, ob man das auch versteht.
Alexandra Mandl: Genau, das ist auch ganz wichtig und das muss auch bei der Zulassung von jedem Arzneimittel vorgelegt werden und wird dann auch von der Behörde kontrolliert. Es schadet nicht, wenn man die Anwendungsgebiete noch einmal durchliest, weil manchmal bekommt man vom Arzt ja nicht nur ein Arzneimittel, sondern mehrere Arzneimittel verschrieben und dann ist schon wichtig, dass ich weiß, das ist jetzt mein Blutdrucksenker und das andere ist mein Cholesterinsenker. Genau, damit ich das auch gewichten kann. Und bei der Dosierung ist es ja grundsätzlich so, wenn etwas verordnet wurde, dann kann der Arzt immer eine von der Gebrauchsinformation abweichende Dosierung empfehlen, weil der kennt ja dann bestimmte Laborwerte oder bestimmte Erkrankungen, die eine andere Dosierung erfordern. Bei rezeptfreien Arzneimitteln schaut es anders aus. Da sollte ich mich dann schon an die vorgegebene Dosierung halten.
Fanny Sedlnitzky: Jetzt haben Sie schon ein wichtiges Stichwort genannt. Mehrere Arzneimittel, mehrere Medikamente, die man vielleicht einnehmen muss oder sollte, die einem der Arzt verschreibt. Jetzt hat man ein Medikament, das muss man in der Früh nehmen, das andere am Abend, das eine zum Essen, das andere nur dazwischen. Das sind ja auch Dinge, die man aus dieser Gebrauchsinformation herauslesen kann. Wie wichtig ist es denn, dass vor allem bevor man diese Medikamente verordnet bekommt, der Arzt weiß, was ich sonst noch alles nehme?
Alexandra Mandl: Also, da sind wir momentan schon in einer sehr glücklichen Situation durch die elektronische Gesundheitsakte. In die ELGA kann ja heutzutage jeder Arzt einsehen, was auch von anderen Ärzten verschrieben wurde und sogar, was die Leute rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Auch das kann hinaufgespielt werden. Das heißt also, man hat da schon den genauen Überblick, was der Patient oder die Patientin einnimmt. Es gibt natürlich auch Arzneimittel, da weiß man, die sind wechselwirkungsrelevant – das ist der Fachbegriff. Das heißt, die sind gefährlicher, wenn sie gemeinsam mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden. Gefährlicher ist vielleicht auch nicht das korrekte Wort, es muss gar nicht sein, dass sie nicht helfen, aber es ist einfach so, dass es bei denen wahrscheinlicher ist, dass irgendwelche Erscheinungen auftreten, wenn sie mit etwas anderem gemeinsam eingenommen werden, als wenn sie allein eingenommen werden. Das hat auch den Hintergrund: Wenn ein Arzneimittel in der Zulassung ist, also bevor es auf den Markt kommt, dann wird es ja getestet. Es wird üblicherweise an gesunden jungen Männern getestet und die nehmen dann nur dieses eine Arzneimittel. Wenn das dann aber auf den Markt kommt, dann kommt es auf einmal in den Körper einer vielleicht 80-jährigen Frau, wo schon diverse Organe dann halt nicht mehr so ganz flott arbeiten. Und es kommt nicht allein in den Körper dort an, sondern trifft dort verschiedene andere Arzneimittel, die das eine oder das andere bewirken und vielleicht den Abbau dann verlangsamen oder beschleunigen können und dadurch die Wirkung beeinflussen.
Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast: Apothekerin Alexandra Mandl.
Fanny Sedlnitzky: In der Regel, wenn ich mir das Medikament hole, wird man vielleicht auch darauf hingewiesen, wenn man den Apotheker oder die Apothekerin vielleicht sogar schon besser kennt, weil man seine Medikamente immer in derselben Apotheke holt. Wenn ich nicht darauf hingewiesen werde oder weil ich mir etwas Rezeptfreies geholt habe: Wie wichtig ist es denn, dass ich mir genau diese Wechselwirkungen dann vielleicht im Beipackzettel durchlese?
Alexandra Mandl: Wenn ein Patient schon viele Arzneimittel einnimmt, dann kann es schon relevant sein, dass er nachliest. Die sinnvollste Variante ist allerdings immer, dass jemand, der mehrere Arzneimittel, also mehr als drei bis fünf Arzneimittel gleichzeitig fortlaufend einnimmt, einen Medikationsplan hat. In diesem Medikationsplan sollte dann drinnen stehen, wie das Arzneimittel heißt, das eingenommen wird, was der Grund ist, warum es eingenommen wird, wie die Dosierung ausschaut und ob es zu einem bestimmten Zeitpunkt vor oder nach der Mahlzeit eingenommen werden sollte. Und wenn ich so einen Plan habe, dann kann ich den sowohl bei einem Facharzt herzeigen oder ich kann ihn auch in der Apotheke herzeigen, wenn ich etwas Rezeptfreies hole. Die Experten wissen ja dann gleich, worauf sie schauen sollen.
Fanny Sedlnitzky: Heißt auch immer: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" in diesem Fall. Das heißt also, wenn ich mir unsicher bin, wenn ich sage, ich nehme jetzt ein Kopfwehmittel, weil ich Kopfweh habe, ich nehme aber eigentlich schon zu Hause ein Mittel für Bluthochdruck oder gegen hohe Cholesterinwerte: Kann ich meinen Apotheker oder meine Apothekerin dann fragen, ob das zusammenpasst?
Alexandra Mandl: Genau, also der Apotheker weiß es üblicherweise von seiner Ausbildung, dem Pharmaziestudium, beziehungsweise können wir dann auch verschiedene Datenbanken abfragen, die alle im Hintergrund bei uns in der Apotheken-Software mitlaufen. Es gibt grundsätzlich sehr gut verträgliche Arzneimittel. Wenn man sich bei denen im vorgegebenen Dosierungsbereich aufhält, dann sind die als Schmerzmittel relativ sicher, deswegen sind sie auch rezeptfrei erhältlich. Und es gibt natürlich auch, wenn jemand zu uns in die Apotheke kommt und sagt, ich hätte jetzt gerne ein Kopfwehmedikament, den Unterschied, ob das eine junge gesunde Frau ist, von der wir eher nicht annehmen, dass sie viele Arzneimittel benötigt. Aber man fragt dann schon nach: Nehmen Sie noch andere Arzneimittel ein? Nehmen Sie etwas zum Blutdrucksenken? Besonders gefährlich werden eben Blutverdünner, weil die sich mit diversen Schmerzmedikamenten in der Wirkung verstärken könnten.
Fanny Sedlnitzky: Das heißt also, schon ein bisschen genauer hinschauen und die Vorgeschichte vielleicht auch ein bisschen erzählen, wenn man in die Apotheke kommt. Die Wechselwirkungen, das war diese Gruppe.
Alexandra Mandl: Genau.
Fanny Sedlnitzky: Der nächste Punkt oder einer der Punkte, der auch im Beipacktext zu lesen ist, sind die Nebenwirkungen. Was verstehen wir denn unter Nebenwirkungen?
Alexandra Mandl: Na ja, grundsätzlich ist Nebenwirkung auch wieder so ein Begriff so wie Beipackzettel, der ein bisschen einen negativen Beigeschmack hat, den er eigentlich nicht verdient. Es ist grundsätzlich so: Jedes Arzneimittel hat eine Hauptwirkung, aber es hat eben auch verschiedene Nebenwirkungen. Das muss jetzt nicht unbedingt schlecht sein, wenn ich da zum Beispiel Aspirin nennen darf. Das ist ja ein ganz bekanntes Schmerzmittel schon ganz lange, und von dem weiß man aber heutzutage auch, dass es blutverdünnend wirkt in einer niedrigen Dosierung. Das war früher die Nebenwirkung und wird mittlerweile als Hauptwirkung eingesetzt. Also der Begriff Nebenwirkung ist jetzt nicht immer negativ zu sehen. Das, was Sie ansprechen, ist die unerwünschte Arzneimittelwirkung. Also das ist etwas, was man nicht möchte. Wenn ich jetzt Kopfschmerztabletten einnehme, dass dann als Nebenwirkung noch einmal Kopfschmerzen oder irgendwas anderes dazu kommt. Genau.
Und das wird, bevor das Mittel auf den Markt kommt, in Studien ausgetestet, was da alles für Probleme zusätzlich auftreten können, und das wird dann natürlich auch nach Häufigkeit gewichtet.
Fanny Sedlnitzky: Genau, da sind wir schon bei einem Stichwort. Das interessiert vielleicht viele. Es steht dann bei den Nebenwirkungen – so steht es in dieser Gebrauchsinformation – dass etwas häufig, selten oder sehr häufig auftreten kann. Was heißt das? Wenn ich nämlich diese ganzen Dinge lese, dann kriege ich vielleicht was, was ich vorher gar nicht gehabt habe.
Alexandra Mandl: Das stimmt natürlich. Da gibt es auch Tests, wenn man so Nebenwirkungen abfragt, sogenannte gestützte Tests. Wenn man den Leuten also vorlegt: Sie könnten Kopfweh bekommen, haben Sie das bemerkt? Dann sagen viel mehr Leute ja, als wenn man nur eine Liste vorlegt. Grundsätzlich ist es so: Wenn eine Nebenwirkung sehr häufig auftritt, dann kann man rechnen, dass sie in 1 bis 10 % der Fälle auftreten wird. Das klingt jetzt zwar noch relativ viel, aber das wird dann eine Nebenwirkung sein, die nicht schwerwiegend ist.
Fanny Sedlnitzky: Nichts Lebensbedrohliches.
Alexandra Mandl: Genau. Weil sonst würde das Nutzen-Risiko-Profil dieses Arzneimittels nicht mehr stimmen und es würde dann nicht mehr auf den Markt gebracht werden. Wenn eine Nebenwirkung gelegentlich auftritt, dann ist es im Bereich von 0,1 bis 1 %. Also das ist bei einer von 100 bis 1000 Personen. Wenn etwas selten auftritt, dann ist es noch wesentlich seltener. Das ist bei einer von 1000 bis einer von 10.000 Personen. Und sehr selten ist eine Nebenwirkung, die dann nur bei einer Person von mehr als 10.000 auftritt.
Fanny Sedlnitzky: Also das sind dann Dinge, über die man sich nicht unbedingt den Kopf zerbrechen muss.
Alexandra Mandl: Eigentlich nicht. Es ist bei moderneren Arzneimitteln oft so, dass man ja noch nicht 10.000 Leute gehabt hat, die das genommen haben, und dass die dann eventuell in ihrer Häufigkeit hinaufgestuft werden können. Das war zum Beispiel bei den Corona-Impfstoffen der Fall. Die sind da jetzt immer ein gutes Beispiel, weil da ist es wirklich sehr in die Präsenz gerückt, dass wenn man Arzneimittel an mehr Personen anwendet, natürlich die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass auch eine seltene Nebenwirkung häufiger auftritt.
Fanny Sedlnitzky: Wenn jetzt so etwas passiert, wenn mir eine Nebenwirkung auffällt oder ich im Zusammenhang mit einem Medikament, das ich nehme, bemerke, es geht mir irgendwie anders oder ich kriege einen Ausschlag oder bemerke irgendetwas, was in meinem Körper möglicherweise damit zu tun haben könnte, dass ich dieses Medikament genommen habe: Was mache ich da als Erstes?
Alexandra Mandl: Als Erstes ist es dann schon sinnvoll, zur Gebrauchsinformation zu greifen und einmal nachzulesen, was da unter Nebenwirkungen drinnen steht. Wenn diese Nebenwirkung drinnen gelistet ist, dann kann ich das schon einmal gezielt auf dieses Arzneimittel zurückführen. Dann ist natürlich die Frage: Wie schwerwiegend ist das? Soll ich das Arzneimittel absetzen oder nicht? Besser ist es immer, den verschreibenden Arzt oder den abgebenden Apotheker zu kontaktieren. Der trifft dann gemeinsam mit dem Patienten oder der Patientin die Entscheidung. Manchmal muss man halt mal einen Ausschlag akzeptieren, wenn ich dann trotzdem die Antibiotikawirkung noch voll haben muss. Wenn es natürlich jetzt eine sehr schwerwiegende Nebenwirkung ist, die dann sehr oft auch im Krankenhaus endet – das kann auch durchaus der Fall sein – dann wird man das Arzneimittel natürlich absetzen. Wichtig ist es dann, Arzt oder Apotheker zu informieren, und die melden das dann wiederum weiter an die übergeordnete Behörde. Das ist in unserem Fall das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen. Das können übrigens Patienten auch selbst machen. Die können dazu einfach auf die Homepage vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen gehen und können da auch eine Patientenmeldung ausfüllen. Allerdings kann die Behörde mehr Informationen aus Meldungen von Ärzten oder Apothekern herausziehen, weil die einfach besser wissen, worauf sie achten sollen.
Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast: Apothekerin Alexandra Mandl.
Fanny Sedlnitzky: Wenn ich jetzt diese Gebrauchsinformation irgendwann einmal herausgezogen habe aus dieser kleinen Schachtel – wie wir schon gesagt haben, man bekommt sie wirklich schwer wieder zurück hinein. Manchmal stopft man sie hinein. Das ist ein sehr dünnes Papier, das kann zerreißen. Irgendwann schmeißt man es vielleicht weg. Aber die Tabletten hat man immer noch zu Hause, weil es zum Beispiel irgendein Schmerzmittel ist, das man vielleicht irgendwann wieder brauchen könnte, das noch nicht abgelaufen ist. Was mache ich, wenn ich diesen Beipacktext nicht mehr finde und ich brauche jetzt eine Kopfwehtablette? Ich möchte mich aber trotzdem informieren: Wie viel nehme ich davon? Wann nehme ich es? Wie nehme ich es ein?
Alexandra Mandl: Ja, also das ist glücklicherweise in Zeiten von Internet auch nicht mehr ganz schlimm. Es steht ja auf dem Blister dann eigentlich immer hinten drauf, was das Arzneimittel ist. Da sollte man dann auch noch darauf achten: Irgendwo klein aufgedruckt ist auch noch ein Ablaufdatum, ob das wohl noch passend ist. Und es gibt mehrere Möglichkeiten, wo ich mir Gebrauchsinformationen herunterladen kann. Die einfachste Variante ist sicher, wenn ich ein bisschen Eigenwerbung machen darf, die App der österreichischen Apothekerkammer, ganz kurz Apo-App. Da kann man einfach den Namen seines Arzneimittels eintippen und kann dann die Gebrauchsinformation aufrufen. Für alle Arzneimittel, die von der Krankenkasse in Österreich bezahlt werden, die sind im sogenannten Erstattungskodex gelistet. Da gibt es auch eine App, die heißt EKO – also Abkürzung für Erstattungskodex – EKO to go. Da kann man sich dann auch die Gebrauchsinformationen herunterladen, wenn man das möchte. Und da sieht man dann auch, ob es von der Krankenkasse bezahlt wird oder nicht. Und das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen hat eine ganz tolle Homepage, und auf dieser Homepage gibt es das sogenannte Arzneispezialitätenregister. Da sind alle in Österreich zugelassenen Arzneimittel gelistet, und da kann man sich dann sowohl die Gebrauchsinformation – also das, was als Beipack bei der Packung dabei ist – als auch die Fachinformation herunterladen. Die Fachinformation richtet sich an Ärzte, Tierärzte, Zahnärzte, Apotheker, also alles Leute, die das Arzneimittel anwenden und verordnen.
Fanny Sedlnitzky: Das ist Ihr täglich Brot, Medikamente an Patientinnen und Kundinnen abzugeben. Was sind denn so die häufigsten Fragen, die gestellt werden in Bezug zum Beispiel auf etwas, was vielleicht in der Gebrauchsinformation drinnen steht? Was wollen die Leute am meisten wissen?
Alexandra Mandl: Also sicher am häufigsten kommt die Frage: Soll ich das zum Essen einnehmen? Soll ich das vor dem Essen einnehmen? Soll ich das nach dem Essen einnehmen? Das ist sicher die häufigste Frage. Grundsätzlich gilt: Es ist immer gut, Arzneimittel mit einer Mahlzeit einzunehmen, mit einigen Ausnahmen, die unbedingt vor einer Mahlzeit eingenommen werden sollten, weil sie dann einfach, wenn sie nüchtern im Magen ankommen, besser aufgenommen werden können.
Fanny Sedlnitzky: Also von Medikament zu Medikament unterschiedlich.
Alexandra Mandl: Unterschiedlich, aber das weiß der Apotheker und der weist dann auch gleich darauf hin. Wichtig ist auch, dass man versteht: Vor der Mahlzeit heißt nicht unmittelbar vor dem Essen werfe ich mir die Tablette ein und dann esse ich gleich darauf, sondern da sollte eine halbe Stunde Pause dazwischenliegen, damit die Tablette wirklich ordentlich aufgenommen werden kann.
Fanny Sedlnitzky: Was kommen sonst für Fragen zu Medikamenten? Zur Einnahme, zur richtigen Lagerung zum Beispiel oder irgendwelche Dinge, die man vielleicht als Apotheker oder Apothekerin täglich hört?
Alexandra Mandl: Na ja, es wird dann vor allen Dingen bei Injektionen, wenn wir die mitgeben, oft nachgefragt: Sind die im Kühlschrank zu lagern? Aber das sagen wir üblicherweise eh und kleben sonst auch noch ein Kühllagern-Pickerl hinauf. Und für mich als Apotheker ist das vollkommen klar: Wenn ich eine Tablette einnehme, dann nehme ich die mit einem Glas Leitungswasser. Sehr vielen Leuten ist es aber nicht klar, dass das unbedingt mit einem Glas Leitungswasser sein soll, weil die Tablette einfach etwas braucht, damit sie in unserem Magen ankommt. Da reicht die Schwerkraft allein nicht, und die könnte sonst im Extremfall sogar in der Speiseröhre hängen bleiben und dort zu Verätzungen oder Verletzungen führen. Also ganz, ganz wichtig: Tabletten immer mit einem Glas Leitungswasser einzunehmen.
Fanny Sedlnitzky: Kein Bier oder Limonade oder Wein – am besten ein Leitungswasser.
Alexandra Mandl: Ja, da kann ich eine Anekdote dazu erzählen. Wir haben jetzt gemeinsam mit dem Gesundheitsfonds – das war eben der Dry January – eine Aktion gemacht. Arzneimittel und Alkohol können Wechselwirkungen erzeugen. Da haben wir so Karten gedruckt und da stand eben drauf: Ja, Alkohol kann die Wirkung Ihrer Arzneimittel verstärken. Und da hat dann der Kunde zu mir gesagt: Soll ich das jetzt als Empfehlung sehen oder als Warnhinweis?
Fanny Sedlnitzky: Also dann die Tabletten reduzieren, weil die Wirkung stärker wird? Nein, auf keinen Fall. Also mit einem Glas Leitungswasser, damit sich auch der Wirkstoff über unsere Verdauungsorgane ausbreiten kann. Oder damit wir das aufnehmen können.
Alexandra Mandl: Die Tablette muss sich ja im Magen auflösen, wird dann in den Darm weiter transportiert und da werden dann die einzelnen Partikel aufgenommen. Und es ist eben wichtig, dass es Leitungswasser ist und nicht Mineralwasser, weil Mineralwasser oft einen sehr hohen Gehalt an Mineralien haben kann und die können dann mit einzelnen Wirkstoffen wechselwirken und so die Aufnahme verhindern. Es gibt dann auch ganz spezielle Arzneimittel, die sollten mit Milch eingenommen werden, weil sie dann besser aufgenommen werden. Und es gibt sogar ein Arzneimittel, bei dem steht im Beipacktext, dass man es mit Cola einnehmen soll.
Fanny Sedlnitzky: Aha. Also die einzige Empfehlung, Cola zu trinken.
Alexandra Mandl: Schaut so aus, aber das würde dann eh dazugesagt werden.
Fanny Sedlnitzky: Also da gibt es jede Menge Fragen, die man vielleicht hat. Manche kennen sich ganz gut aus mit ihren Medikamenten, und im Zweifel kann man diesen Beipacktext, die Gebrauchsinformation, herausziehen, ein bisschen nachlesen und wenn dann viele Fragezeichen da sind: ab in die Apotheke und auf jeden Fall sich beraten lassen.
Alexandra Mandl: Gerne. Dafür sind wir da.
Fanny Sedlnitzky: Vielen herzlichen Dank für diese wertvollen Informationen rund um das Thema. Und wie es so schön heißt in der Werbung: Im Zweifel Gebrauchsinformation lesen oder wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Ihren Apotheker. Alexandra Mandl, vielen herzlichen Dank.
Alexandra Mandl: Ich sage danke für die Einladung.
Das war Gesund informiert, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark.
