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Folge #89 Gesund informiert mit Neshat Quitt: Wohin soll ich mit welcher Krankheit?

Abbildung von Wegweiser, ORF Steiermark und Gesundinformiert Titelbild

Gerade jetzt im Winter kennen das vermutlich fast alle – man wacht auf mit Halsweh, Ohrenweh oder Fieber und fühlt sich matt und krank. Manchen geht es so schlecht, dass sie zum Arzt oder sogar ins Krankenhaus fahren. Aber ist das wirklich immer nötig?

In der Folge #89 erfahren Sie, wann die Beschwerden wirklich ein Notfall sind, was man bei verschiedenen Wehwehchen zu Hause selbst tun kann und welche Hausmittel gegen typische Winter-Infekte helfen.

Gast:
Fachärztin für Allgemeinmedizin Neshat Quitt

„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.

Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky

Hier geht’s zum Leitfaden der Ärztekammer Steiermark für Erwachsene: Wohin mit welcher Krankheit?
Hier geht’s zum Leitfaden der Ärztekammer Steiermark für Kinder: Informationen für Eltern

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Podcast-Ausschnitte

Hören Sie kurz in die Folge hinein!

Teil 1: Wie gehe ich mit Brustschmerzen um?
Teil 2: Wohin mit welcher Krankheit?
Teil 3: Wie ist das Gesundheitssystem aufgebaut?
Text zur Folge

Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfond Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast heute mit Allgemeinmedizinerin Neshat Quitt.
Fanny Sedlnitzky: Schön, dass Sie wieder mit dabei sind bei einer neuen Folge unseres Gesundheitspodcasts und da wollen wir uns heute eine Frage stellen, die sich vielleicht viele schon einmal gestellt haben, wenn irgendwo was zwickt oder zwackt, wenn man sich unwohl fühlt. Ja, wo gehe ich hin? Mit welchem medizinischen Problem, mit welchem gesundheitlichen Problem, wenn ich irgendetwas habe, Husten, Fieber etc.? Dazu habe ich die Fachärztin für Allgemeinmedizin, Neshat Quitt, bei mir zu Gast. Ich freue mich, dass Sie gekommen sind.
Neshat Quitt: Ich freue mich auch. Vielen Dank für die Einladung.
Fanny Sedlnitzky: Wir wollen also heute klären, wo man hingeht, mit welchem Problem. Warum genau wissen Sie darüber mehr Bescheid als vielleicht andere?
Neshat Quitt: Als Ärztin habe ich jeden Tag damit zu tun. Viele Patienten kommen zum Hausarzt, viele Patienten erzählen mir, dass sie am Wochenende in der Notaufnahme waren, dass sie mit ihrem Kind in der Notaufnahme waren und aus dem heraus und aus der Tatsache, dass wir eben alle wissen, dass die Notaufnahmen komplett überlastet sind, hat die Ärztekammer Steiermark für die Steirerinnen und Steirer zwei Leitfäden herausgebracht, wohin mit welcher Krankheit, einmal für Erwachsene, einmal für Kinder, um genau Wege aufzuzeigen. Wohin gehe ich, wenn ich Fieber habe? Es gibt so viele Beispiele und wir haben versucht, die wichtigsten Symptome zusammenzufassen, um den Menschen zu zeigen, dass es oftmals auch möglich ist, zu Hause für sich etwas zu tun mit Hausmittelchen, mit Medikamenten, die man vielleicht zu Hause hat, dass es nicht immer notwendig ist, in die Notaufnahme zu gehen.
Fanny Sedlnitzky: Vielleicht starten wir zuerst mit der Erklärung dieses Leitfadens. Sie haben schon angesprochen. Wie kann ich mir den vorstellen? Das ist ein kleines Büchlein. Sie haben es mitgebracht. Wir können es nur nicht sehen in unserem Podcast, aber vielleicht können wir es ein bisschen beschreiben. Das ist ein Büchlein, das natürlich auch online verfügbar ist, dass man sich anschauen kann. Und was finde ich da drinnen? Warum weiß ich nachher mehr?
Neshat Quitt: Ja, also wir haben versucht in sehr einfachen Worten auch zu beschreiben, wie ist das Gesundheitssystem aufgebaut, die abgestufte Versorgung, das heißt ein Patient erkrankt, was ist der nächste Schritt? Der nächste Schritt sind mal in den allermeisten Fällen Hausmittel. Was mache ich, wenn die Hausmittel nicht funktionieren? Dann kann ich im besten Fall meine Hausärztin oder meinen Hausarzt anrufen oder direkt hingehen oder wenn der nicht erreichbar ist, gibt's die Nummer 1450, ist uns allen bekannt. Das heißt, das wäre der nächste Schritt. Das heißt, ich gehe nicht ins Krankenhaus. Ich kontaktiere zuerst meinen Vertrauensarzt, meine Vertrauensärztin. Dieser, je nachdem, um was es sich handelt, behandelt mich oder schickt mich eventuell weiter zu einem Facharzt und wenn er es für notwendig empfindet, auch in eine Notaufnahme. Also, das ist einmal so das Grundprinzip unseres Systems, was ja grundsätzlich super funktioniert und wir in einem Land leben, wo es eigentlich eine wirklich tolle Versorgung gibt. Es gibt Länder, wo es keinen Hausarzt gibt. Das heißt, es ist auch gut, dass wirklich die gesamte Bevölkerung auch weiß, in Österreich geht man zuerst zur Hausärztin, zum Hausarzt. Dann haben wir auch versucht einmal zu definieren, was passiert eigentlich in einer Notaufnahme. Ein Beispiel, ich habe Schmerzen und gehe in eine Notaufnahme. Ich habe Ohrenschmerzen, ich gehe in eine Notaufnahme. Ich komme in der Notaufnahme in eine Maschinerie, die riesengroß und sehr komplex und sehr teuer ist. Das heißt, es wird automatisch Blut abgenommen, es wird eine Bildgebung gemacht, die Schwestern kümmern sich um einen, es wird ein EKG gemacht, das ist alles eigentlich nicht notwendig, aber vorgesehen im großen Aufwand. Zudem werde ich triagiert. Das heißt, es wird einmal festgelegt, bin ich wirklich ein Notfall oder nicht. Mit banalen Dingen bin ich das nicht. Es kann sein, dass ich 8 Stunden warten muss, weil einfach die Notfälle vorgenommen werden.
Fanny Sedlnitzky: Auch das hört man ja immer wieder, Menschen, die dann auf die Notaufnahme gehen und sagen, Wahnsinn, ich habe so lange warten müssen.
Neshat Quitt: Ja, genau, das liegt meistens daran, dass sie kein Notfall waren. Mit banalen Ohrenschmerzen wäre ich zu Hause unter der Decke, mit Zwiebelwickel, mit Wärme, mit Entzündungshämmer und mit Ruhe einfach besser aufgehoben. Ja, wenn die Ohrenschmerzen dann bleiben, dann gehe ich zum Hausarzt, aber nicht in die Notaufnahme. Dann haben wir ganz klar definiert, was sind Symptome, die es wirklich notwendig machen, sofort Rettung zu rufen?
Fanny Sedlnitzky: Wann ist es denn tatsächlich ein Notfall? Für mich als Patient ist es ja oft so, dass ich mir denke, oh Gott, es geht mir schlecht, es ist möglicherweise bedrohlich, lebensbedrohlich. Also vielleicht als Beispiel die Brustschmerzen.
Neshat Quitt: Jeder von uns hatte in seinem Leben vermutlich schon mal plötzlich auftretende Brustschmerzen. Da gibt's ein paar Leidsymptome, die es tatsächlich notwendig machen, direkt in eine Notaufnahme zu fahren. Wenn ich Brustschmerzen habe mit starker Atemnot, wenn die Brustschmerzen in den linken Oberarm, Unterkiefer oder in den Oberbauch ausstrahlen mit Übelkeit, wenn die Schmerzen auch so in den Hals raufwandern, zwischen den Schulterblättern sind, wenn man Vorerkrankungen des Herzens hat, ja, wenn man weiß, dass die Herzgefäße schon verkalkt sind, zum Beispiel wenn es zu Lähmungserscheinungen kommt, wenn die Schmerzen so stark sind, dass es mit Erbrechen, mit massiven Schmerzen, Unwohlsein der allgemeine Zustand reduziert ist, wenn ich einen unregelmäßigen Herzschlag verspüre.
Fanny Sedlnitzky: Das heißt, da lohnt es sich gar nicht zu warten, bis mein Hausarzt vielleicht wieder Termine frei hat oder bis er wieder da ist. Wenn das vielleicht außerhalb der Öffnungszeiten ist, da rufe ich dann die Rettung oder fahre ich gleich persönlich hin?
Neshat Quitt: Da rufe ich die Rettung. Ja, da rufe ich die Rettung. Frage aber nach, wie lange die Rettung braucht, sonst kann ich auch jemanden bitten, mit mir zu fahren. Plötzliche Brustschmerzen sind aber in den allermeisten Fällen einfach nur ein eingeklemmter Nerv. Das heißt, da kann ich zu Hause selber schon was tun. Da kann ich Dehnungsübungen tun, da kann ich Wärme auflegen, da kann ich mich massieren lassen, da kann ich schmerzstillende Salben drauf schmieren. Das sind Dinge, die ich zu Hause tun kann. Wenn das nach ein paar Tagen nicht besser wird, dann gehe ich zum Hausarzt und der Hausarzt verschreibt mir dann die weitere Therapie. Aber es ist in den allermeisten Fällen bei Brustschmerz trotzdem keine Notwendigkeit in die Notaufnahme zu fahren, weil es was Banales ist.
Fanny Sedlnitzky: Ja, jetzt schauen viele natürlich dann ins Handy und geben ein: Schmerz in der Brust, Stechen in der Brust. Das ist dann auch immer auf der linken Seite natürlich, also man hat dann das Gefühl, so, jetzt ist gleich aus, und die KI-Modelle und auch die Internetseiten geben einem dann fast recht. Also man ist eigentlich mit einem Fuß schon fast im Grab.
Neshat Quitt: Genauso ist es. Und das ist auch genau die Gefahr, Dr. Google oder die KI zu fragen, weil man nicht weiß, wie man fragt und weil man die Symptome nicht richtig eingibt. Ja, wir haben zwei Homepages, wo wir diese Symptome online auch anhand von Videos festgehalten haben. Das heißt, wenn ich google, dann wirklich nur auf solchen Seiten, ja, wo wirklich auf die Symptome eingegangen ist, wo differenziert wird und nicht jetzt in den allgemeinen Chat oder einfach nur bei Dr. Google das Symptom eingeben, das selbst wenn ich das mache als Ärztin, verwirrt mich das und macht mir Angst und ich überlege mir dann auch, ins Krankenhaus zu fahren, ja, weil das sehr eindringlich ist, was uns dann sozusagen geantwortet wird.
Fanny Sedlnitzky: Vielleicht können wir diese zwei Homepages und auch den Weg zu diesen Videos ganz kurz erwähnen. Wie komme ich dorthin? Wie finde ich diese Videos, die mich vielleicht ein bisschen beruhigen können?
Neshat Quitt: Also das eine ist www.leitfaden-krankheiten.at. Und für Kinder dasselbe, aber mit Kinderkrankheiten. Dort ist es eigentlich sehr übersichtlich beschrieben. Wir haben auch QR-Codes, die mich dann weiterführen und ich denke, wir haben es geschafft, in sehr einfachen Worten die wichtigsten Symptome so abzubilden, dass wenn man wirklich betroffen ist, auch einen guten Leitfaden hat.
Fanny Sedlnitzky: Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast, Allgemeinmedizinerin Neshat Quitt. Halsschmerzen, Bauchschmerzen, Ohrenschmerzen, wir haben schon ein paar genannt. Was sind denn so die häufigsten Probleme, mit denen Sie auch als Allgemeinmedizinerin konfrontiert sind, wo Sie sagen, da hätten die Patienten ein, zwei Tage noch zuwarten können, zu Hause etwas ausprobieren, und vor allem, was kann man tun bei welchen, sage jetzt einmal, kleineren Problemen?
Neshat Quitt: Ja, wir können gerne mal mit den Halsschmerzen starten. Das hatte auch schon jeder von uns. Beginnt meistens mit Schluckbeschwerden. Es kann mit oder ohne Schnupfen sein. Es kann mit oder ohne Fieber sein. Gliederschmerzen kennt jeder von uns. Ja, also wenn ich jetzt da in der Früh aufstehe und Halsschmerzen habe, was kann ich mal tun? Ich kann mal gleich zum Gurgeln beginnen. Dafür brauche ich auch nicht in die Apotheke zu gehen. Ich nehme einfach ein Salz, was ich zu Hause habe. Nehme ein lauwarmes Wasser, einen Teelöffel Salz auf einen Liter Wasser. Muss nicht einmal so viel Wasser sein und damit gurgle ich mal mehrbeist. Wenn ich einen Salbei im Garten habe, wunderbar, dann kann ich das auch dazu geben oder einfach nur mit warmem Salbeitee gurgeln. Das wirkt schon mal wunderbar. Ich brauche Ruhe. Das heißt, mich jetzt auf dem Weg zum Hausarzt zu machen, ist jetzt keine Ruhe. Das heißt, ich lege mich ins Bett, ich decke mich gut zu und ich gebe mal einfach eine Ruhe. Es gibt Lutschtabletten, die ich mal in der Apotheke kaufen kann.
Fanny Sedlnitzky: Und wie lange warte ich dann zu, wenn meine Schmerzen nicht weniger werden?
Neshat Quitt: Also Halsschmerzen können durchwegs mehrere Tage anhalten, ohne dass sie besser werden. Wichtig ist es: Habe ich Fieber? Ist mein Hals geschwollen? Wie fühle ich mich? Habe ich wirklich ein Krankheitsgefühl? Jeder von uns kann selber in den Hals schauen, ja? Einen Spiegel in die Hand nehmen, in den Hals schauen, wenn ich weißliche Beläge habe, da werde ich vermutlich einen Arzt brauchen, der mir auch ein Antibiotikum verschreiben wird.
Fanny Sedlnitzky: Also Halsschmerzen selten ein Grund, um eine Notaufnahme aufzusuchen.
Neshat Quitt: Sehr sehr selten. Ja, also es ist wirklich, wenn ich jetzt am Wochenende keine Luft mehr bekomme, weil meine Mandeln so geschwollen sind, wenn das Ganze einseitig ist, wenn ich eine einseitige massive Schwellung sehe in meinem Hals, hohes Fieber, dann bitte auch am Wochenende in die Notaufnahme fahren.
Fanny Sedlnitzky: Und für so kleine Fragen außerhalb der Ordinationszeiten, ich kann meinen Arzt privat nicht anrufen, einfach so kann ich mich an 1450 wenden?
Neshat Quitt: Ja, das ist vollkommen richtig. 1450 wird einem da sowohl strukturell als auch medizinisch weiterhelfen. Wie gesagt, falls der Hausarzt nicht erreichbar ist, sind auch die Leitfäden am Wochenende eine gute Möglichkeit, sich übers Wochenende zu retten.
Fanny Sedlnitzky: Zu retten. Halsschmerzen, Schmerzen in der Brust. Wir haben schon ein paar Dinge jetzt abgeklärt. Was sind noch häufige Probleme, die auftreten, wo man vielleicht einmal selber überlegen kann, was kann ich tun, um diese Schmerzen zu lindern? Was haben Sie noch für Beispiele mitgebracht?
Neshat Quitt: Zum Beispiel die Rückenschmerzen hat auch schon jeder von uns. Und Rückenschmerzen werden meist durch eine Erkrankung der Wirbelsäule oder Verspannungen der Rückenmuskulatur hervorgerufen. Akute Rückenschmerzen sind meist muskulär, das heißt, ich stehe in der Früh auf und denke, oh Gott, ich komme nicht aus dem Bett. Auch typisch Hexenschuss genannt, im oberen Halswirbelbereich kennt das jeder von uns. Das sind Dinge, wo ich selber auf jeden Fall mal was tun kann.
Fanny Sedlnitzky: Also ist nicht immer gleich ein Bandscheibenvorfall.
Neshat Quitt: Nein, ist nicht immer gleich ein Bandscheibenvorfall. Da gibt's ganz typische Zeichen, die der Hausarzt oder die Hausärztin dann feststellen kann, warum es ein Bandscheibenvorfall sein kann. Aber sobald ich, solange ich aus dem Bett rauskomme, mir ein Wärmepflaster holen kann, ein Wärmekissen holen kann, eine Salbe holen kann, die ich auftragen kann, meine Übungen machen kann, kann ich sehr viel zu Hause machen und muss auch nicht zum Hausarzt gehen. Ja, das heißt, ich versuche je nachdem, welcher Rückenteil betroffen ist – Katzenbuckel kennt jeder von uns, ja – ich versuche Dehnübungen zu machen. Ich frage meinen Partner, meine Partnerin, falls vorhanden, mich zu massieren. Wie gesagt, habe ich schon angesprochen, Wärme wirkt sehr, sehr gut, um die Muskulatur zu entspannen. Das mache ich für ein paar Tage. Solange ich keine Lähmungserscheinungen habe, meinen Harn und meinen Stuhl gut halten kann, wie gesagt, nichts kribbelt, nichts ausstrahlt, kann ich das ohne Weiteres für mehrere Tage zu Hause machen. Natürlich, wenn ich jetzt einen Job habe, wo ich was tragen muss, wo ich viel sitzen muss, dann bitte zum Hausarzt gehen, auch zwecks einer Krankschreibung. Aber ansonsten gibt's sehr viele Möglichkeiten für zu Hause.
Fanny Sedlnitzky: Ja. Wann werden Kreuzschmerzen dann ein Fall für eine Notaufnahme? Was muss da passieren? Sie haben schon angesprochen, das Kribbeln, vielleicht ein Taubheitsgefühl irgendwo, Harn halten, Stuhl halten, das sind dann schon eher alarmierende Symptome.
Neshat Quitt: Genau. Sie haben es eigentlich eh schon auf den Punkt gebracht. Wenn ich Lähmungserscheinungen habe, wenn ich meinen Stuhl und meinen Harn nicht halten kann, dann drückt meistens was auf einen Nerv und das bedarf dann der Notaufnahme, weil man dann eben auch die richtige Therapie, die richtige Bildgebung machen muss, um herauszufinden, was es ist.
Fanny Sedlnitzky: Welche Probleme gibt's noch? Zum Beispiel denke ich jetzt an Probleme mit der Verdauung.
Neshat Quitt: Ja, das kommt sehr häufig vor, sowohl Durchfall als auch Verstopfung. Durchfall sehr oft aufgrund der Ernährung, aber auch aufgrund von Keimen. Also, wenn man einen Magen-Darm-Infekt hat, da gibt's ja viele tolle Dinge, die man zu Hause machen kann. Es gibt die Stopfdiät, kennt jeder von uns, hat die Oma schon gemacht. Bananen drücken, Apfel dazu schaben, das Ganze ein bisschen stehen lassen und dann löffelweise essen, Zwieback, Reis, Soletti, Elektrolytlösungen, also das sind lauter Dinge, die man auch bei einem akuten Durchfall machen kann. Hilft meistens sehr gut. Es ist natürlich, man ist ungeduldig, es ist sehr unangenehm, man muss ständig wohin, man hat vielleicht noch eine Übelkeit. Das heißt, man kann ohne Weiteres auch seinen Hausarzt anrufen und sagen: „Du, hast du vielleicht noch ein stopfendes Medikament für mich, hast du was gegen die Übelkeit?“ Das ist absolut legitim, weil es einfach was ist, was sehr unangenehm ist und was man so schnell wie möglich weghaben möchte.
Fanny Sedlnitzky: Ein paar Tipps zum Thema Durchfall haben wir auch schon in einer eigenen Podcast-Folge besprochen mit Diätologin Margarita Strimitzer. Kann man auch nachhören, wenn der Durchfall nicht aufhört. Man verliert sehr viel Wasser, man versucht viel zu trinken, aber trotzdem, es ist wie schon erwähnt, es ist unangenehm. Wann ist der Punkt erreicht, wo ich sage, jetzt muss ich mehr tun als meine Hausmittelchen aus dem Schrank zu holen?
Neshat Quitt: Genau. Wenn die wässrigen Durchfälle Kreislaufprobleme machen, wenn das Fieber anhält, wenn ich gar nichts mehr bei mir behalten kann, weil ich ständig am Erbrechen auch bin, wenn Blut im Stuhl ist, wenn das Ganze nach einer Fernreise auch passiert ist und wenn ich so starke Bauchkrämpfe habe, dass ich sage, es geht jetzt nicht mehr. Also, das sind so Symptome, wo die Hausärztin, der Hausarzt dann gerne weiterhelfen kann.
Fanny Sedlnitzky: Nicht weniger unangenehm ist auch eine Verstopfung. Man ist aufgebläht, man fühlt sich unwohl. Auch das kann man vielleicht am Anfang ein bisschen versuchen, selbst in den Griff zu bekommen. Wie?
Neshat Quitt: Mit viel Trinken, mit ballaststoffreicher Ernährung, mit Bewegung, mit Magnesium zum Beispiel. Magnesium hat auch fast jeder von uns zu Hause. Am Abend einnehmen wirkt auch sehr gut bei Verstopfung. Zuckerreduktion. Ja, also Verstopfung hat gerade hier bei uns in Österreich ganz oft mit der Ernährung zu tun. Wir essen alle viel zu viel weißes Mehl, Zucker.
Fanny Sedlnitzky: Erste Folge 2026 war zum Thema Zucker; wenn man sich das anhört, überlegt man vielleicht bei dem einen oder anderen Bissen, den man sich in den Mund steckt. Wann muss ich wirklich bei Verstopfung handeln? Wann muss mir ein Arzt helfen? Man hat so das Gefühl, nach ein paar Tagen platzt man einfach.
Neshat Quitt: Dann definitiv zum Hausarzt. Also, das ist schon mal so ein Symptom, wo ich sage, da muss ich zum Hausarzt, weil die Verstopfung per se ein strukturelles Problem sein kann. Es kann ein Darmverschluss sein, es kann einmal auch ein Tumor sein. Das heißt, da ist es schon auch wichtig, wenn ich jetzt mehrere Tage schon keinen Stuhl gehabt habe, ist das ein Thema. Alles, was mit Verdauung und Darm zu tun hat, merke ich, ist oft ein unangenehmes Thema. Oft sind dann auch noch Hämorrhoidenprobleme dabei, Blut im Stuhl. Das sind dann schon Symptome, wo ich sage, da muss ich jetzt zum Hausarzt. Das muss weiter abgeklärt werden.
Fanny Sedlnitzky: Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast, Allgemeinmedizinerin Neshat Quitt. Sie haben zu Beginn erwähnt, es gibt zwei Leitfäden. Es gibt den Leitfaden für Erwachsene. Da haben wir jetzt schon relativ viel durchbesprochen. Ich möchte jetzt noch zum Leitfaden für Kinder kommen. Auch da ist es so, es heißt, die Ambulanz ist immer voll. Wenn man vielleicht selbst schon einmal mit seinem Kind im Krankenhaus war, sieht man, die Wartezimmer, die Ambulanzwarteräume sind tatsächlich voll, aber man ist ja in Sorge. Ein Kind kann seine Sorgen, seine Schmerzen, seine Probleme oft nicht so beschreiben, wie das ein Erwachsener tun kann. Wie kann ich reagieren, wenn mein Kind nicht fit ist, wenn meinem Kind etwas fehlt? Was ist hier der erste Schritt? Kinder sind ja in der Regel noch nicht beim Hausarzt Patienten oder Patientinnen.
Neshat Quitt: In den allermeisten Fällen geht es darum, ein Gespür dafür zu haben: Ist mein Kind wirklich krank oder nicht? Ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahren, vor allem auch durch den Gebrauch von Social Media und der KI, so ein bisschen unser Instinkt, den wir haben als Eltern, um zu spüren, geht's meinem Kind jetzt gut oder nicht, ein bisschen verloren gegangen ist. Und ich denke, das wiederzuerlangen, ja, zu schauen, braucht mein Kind jetzt mich, braucht's Kuscheleinheiten, braucht's einen Hustensaft oder brauche ich jetzt einen Arzt? Und ich glaube, dass dieser Instinkt in allen von uns ist, sage ich jetzt auch als Mama. Aber der geht einfach durch die Medien ein bisschen verloren, ein Stück weit verloren.
Fanny Sedlnitzky: Das heißt, also das Kind beobachten; wenn es noch spielt und ein bisschen Fieber hat, ist noch kein Grund zur Sorge.
Neshat Quitt: Spielendes Kind, ein Kind, was isst, ein Kind, was lacht, ein Kind, was nicht blass ist. Da kann man ruhig drei, vier Tage warten, auch wenn es fiebert. Fieber ist ja ein natürliches Symptom auf einen Keim. Dann kann man das Kind ruhig auch fiebern lassen. Also, man kann das Kind auch bis 39 fiebern lassen, wenn es ihm gut geht. Darüber hinaus sollte man was Fiebersenkendes geben. Vor allem, wenn man sieht, das Kind trinkt nicht mehr, isst nicht mehr, spielt nicht mehr, dann ist es ein Grund, auch das Fieber zu senken.
Fanny Sedlnitzky: Vielleicht Stichwort Fieber; auch da kann man, bevor man eine chemische Keule sozusagen gibt, noch ein bisschen was tun. Stichwort Wadenwickel und so – hilft das was?
Neshat Quitt: Das hilft definitiv.
Fanny Sedlnitzky: Ja, wie geht man es da richtig an?
Neshat Quitt: Also wichtig ist, dass es nicht zu kalt ist, ja, dass es eher in Raumtemperatur ist, die Wadenwickel. Man muss auch kein Essig dazugeben, das stinkt unheimlich und die Kinder mögen das gar nicht. Es reicht wirklich auch nur ein Tuch in Wasser getränkt, dann ein trockenes Tuch drübergeben, das Kind nicht zu sehr zudecken, ja, auch schauen, dass die Füße rausstehen, dass der Kopf raussteht, vielleicht auch die Arme, also nicht das Kind jetzt mit drei Decken zudecken, damit es abschwitzen kann sozusagen. Das ist nicht hilfreich. Genau. Und dadurch kann man eigentlich recht sanft das Fieber senken. Wenn das alles nicht hilft mit dem Kind, wo gehe ich dann hin?
Fanny Sedlnitzky: Entweder zum Kinderarzt oder zum Hausarzt würde ich sagen, wenn das Fieber länger als drei bis vier Tage anhält, das Kind apathisch ist, nicht trinkt. Nackensteifigkeit zum Beispiel ein Symptom, da darf man nicht mehr warten.
Neshat Quitt: Nein, bei Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit, wenn Hautveränderungen dazukommen, so rotblaue Flecken auf der Haut, das sind dann wirklich Symptome, wo ich in die Notaufnahme muss.
Fanny Sedlnitzky: Um im Ernstfall tatsächlich nachschlagen zu können, nicht googeln zu müssen, möchte ich noch einmal erwähnen: die beiden Leitfäden. Wo finde ich sie?
Neshat Quitt: Ich finde sie in den meisten Notaufnahmen aufliegen, bei den Ärzten aufliegen, aber online auch unter www.leitfaden-krankheiten.at und www.leitfaden-kinderkrankheiten.at. Bei beiden Leitfäden gibt es, wie gesagt, auch Videos zu den einzelnen Symptomen und Erkrankungen, die man sich anschauen kann, und eben auch der ganze Leitfaden ist digital zu finden. In diesem Sinne wünschen wir unseren Zuhörerinnen und Zuhörern, dass wir den Leitfaden möglichst selten brauchen, dass wir, wenn wir ihn brauchen, vielleicht uns mit dem ein oder anderen Hausmittelchen ein bisschen selbst therapieren können, ein bisschen auskurieren, ja, und ein bisschen Zeit braucht man auch, wenn man krank ist. Man sollte nicht ungeduldig sein und sich vielleicht auch wirklich auskurieren, damit man dann wieder fit starten kann und gut durch den restlichen Winter kommt. Neshat Quitt, Fachärztin für Allgemeinmedizin, vielen herzlichen Dank, dass Sie uns so viele wertvolle Tipps gegeben haben, dass Sie gekommen sind und uns diese Leitfäden näher vorgestellt haben.
Neshat Quitt: Ich sage danke für die Einladung.
Das war Gesund informiert, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfond Steiermark und ORF Steiermark.