Podcast

Folge #26 Gesunde Steiermark: Was ist ein Gesundheitszentrum?

Krankenhaus und eine Standortnadel, die ein medizinische Versorgung- Plus Symbol aufzeigt.

PVE – was haben diese drei Buchstaben mit Ihrer Gesundheit zu tun? Ziemlich viel! PVE steht nämlich für „Primärversorgungseinheit“. So werden die Gesundheitszentren in der Steiermark genannt.

In der Folge #26 des „Gesund informiert“-Podcast erfahren Sie, was Sie in einem Gesundheitszentrum erwartet, mit welchen Beschwerden Sie dort richtig sind und welche Berufe dort zusammenarbeiten.

Gäste: Dr.in Johanna Leitner und Tanja Kreidl, Gesundheitszentrum Allgemeinmedizin Graz Gries

Aus Datenschutz-Gründen ist dieser Inhalt ausgeblendet. Die Einbettung von externen Inhalten wird nach Zustimmung in den Datenschutz-Einstellungen aktiviert.

Text zur Folge

Also, ich sag’s immer ganz klassisch: Zur Gesundheit zählt ja mehr – und nicht nur das Fehlen von Krankheit.

Willkommen bei gesund informiert, deinem Podcast, der Gesundheit verständlich macht.
Bianca und Anja bringen Licht in den Dschungel der Gesundheitsinformation.
Mit wissenschaftlich gesicherten Infos, hilfreichen Tipps und spannenden Interviewgästen bist Du immer gesund informiert.

PVE oder Primärversorgungseinheit.
Ein kompliziertes Wort.
Hast Du das schon mal gehört?
Wenn nicht, dann fragst Du dich jetzt vielleicht, was dieses Wort mit dem Thema Gesundheit und mit unserem Podcast zu tun hat.
Und die Antwort lautet: echt ziemlich viel.

Ein anderes Wort für Primärversorgungseinheit ist nämlich Gesundheitszentrum.
Ich hab mir heute 2 echte Expertinnen eingeladen.
Bei mir zu Gast sind Johanna Leitner und Tanja Kreidel.
Die beiden arbeiten in einer Primärversorgungseinheit, oder eben Gesundheitszentrum genannt, nämlich im Grazer Stadtbezirk Graz Gries.
Johanna ist Allgemeinmedizinerin und Tanja ist Sozialarbeiterin.

Die beiden werden heute meine Fragen beantworten.
In dieser Folge möchten wir nämlich klären, was eine PVE ist, was dich dort erwartet und was der Unterschied zu einer normalen Hausarztpraxis ist.
Aber bevor wir starten, würde ich euch bitten, euch selbst noch einmal kurz vorzustellen.

Hallo, liebe Anja, vielen lieben Dank für die Einladung und ein Hallo ans Publikum.
Ich bin Tanja Kreidel, die Sozialarbeiterin.
Ich komm ursprünglich aus’m Suchtbereich, also bin seit 2015 als Sozialarbeiterin tätig und seit Beginn beziehungsweise Eröffnung der PVE 2019 dort.

Ja hallo, mein Name ist Johanna Leitner.
Ich bin eine der Ärztinnen im Allgemeinmedizin Graz Gries PVE und bin seit 2019 dort mit meiner Kollegin Elisabeth Weberer als Allgemeinmedizinerin tätig.

Gut, dann starte ich gleich mit meinen Fragen.
Die erste Frage ist schon ein bisschen kompliziert.
Was ist denn eine Primärversorgungseinheit, oder auch Gesundheitszentrum genannt?

Also, im Prinzip sind wir normale Hausärzte in Österreich, und zusätzlich gibt’s ein Team rund um den Hausarzt, die sozusagen den Hausarzt in der Tätigkeit unterstützen.

Das heißt, rund um die Ärztinnen gibt’s noch ein multiprofessionelles Team, bestehend aus Diätologie, diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, Physiotherapeuten, Ordinationsassistentinnen und Sozialarbeit.

Multiprofessionelles Team – das klingt auch schon wieder kompliziert.
Aber das heißt einfach, dass mehrere Berufsgruppen zusammenarbeiten, stimmt?
Genau, vollkommen recht, Anja.
Das heißt einfach, dass wir rund um den Patienten alle zusammenarbeiten, jeder seinen eigenen Blick mitbringt und einfach schauen, dass die Gesundheit aus allen Blickwinkeln verbessert wird.

Okay, wo gibt’s denn solche Gesundheitszentren?
Ihr kommt ja aus Graz Gries.
Wo gibt’s denn noch Gesundheitszentren?

Also, im Prinzip in ganz Österreich, auch in der Steiermark.
Ich hab jetzt noch mal nachgeschaut, ich glaub, inzwischen sind’s sogar 12.
In Graz direkt gibt’s 2, das Medius und uns, die Allgemeinmedizin Graz Gries, und sonst ist es hauptsächlich in Bezirken.
Teilweise haben sich auch verschiedene Ärzte einfach zusammengefasst, damit sie gemeinsam den Patienten mehr Angebot bieten können.

Es kann also sein, dass mein Hausarzt oder meine Hausärztin in einem Gesundheitszentrum arbeitet.
Was ist denn der Unterschied zu einer normalen Hausarztpraxis?
Was ist denn konkret anders?

Also, was auf jeden Fall anders ist, ist die Erreichbarkeit.
Die Öffnungszeiten sind eigentlich ausgedehnt.
Das ist auch wieder unterschiedlich in den verschiedenen Gesundheitszentren, aber insgesamt kann man sagen: auf jeden Fall mehr Erreichbarkeit des Hausarztes und des Teams, und zusätzlich gibt’s auch keine Schließtage.
Das heißt, der Hausarzt hat da nicht geschlossen, wenn er Urlaub hat, sondern in der PVE vertreten sich die Ärzte gegenseitig.
Der eigene Hausarzt des Patienten ist also immer da, oder die Praxis ist erreichbar.

Darüber hinaus gibt es Projekte, die auf Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz abzielen.
Man schaut also, dass man nicht nur die medizinische Gesundheit stärkt, sondern auch rundherum.
Es gibt Chronikerprogramme für Menschen, die chronische Erkrankungen haben, wie zum Beispiel Diabetes oder Bluthochdruck.
Die werden intensiver betreut, weil eben auch das diplomierte Krankenpflegepersonal mithilft und somit eine weitergefasste Betreuung stattfinden kann.

Mhm.
Man könnte also sagen: Hausarzt plus mehr.
Genau.
Wer darf denn zu euch kommen?

Also, im Prinzip darf jeder zu uns kommen, der in diesem Bezirk – oder, in der Stadt ist es oft ein bisschen weiter, aber jetzt ländlich gesehen – wohnt.
So wie bei einem normalen Hausarzt kann ich mir einmal im Quartal meinen Hausarzt aussuchen, und genauso ist es auch mit dem Gesundheitszentrum.
Dabei ist es egal, mit welchem gesundheitlichen Problem ich komme.
Der Vorteil ist: Weil wir Sozialarbeiter auch haben, gibt’s oft ein erweitertes Angebot bei Problemen, für die man sonst vielleicht andere Beratungsstellen aufsuchen müsste – bei uns eben gleich vor Ort.

Das heißt, so wie ich normal zum Hausarzt gehe, kann ich auch in ein Gesundheitszentrum gehen, wenn mein Hausarzt dort arbeitet, und es gibt dann zusätzliche Angebote durch die Berufsgruppen.
Was machen denn die Berufsgruppen dort?

Na ja, es ist natürlich etwas Neues für uns alle.
Unsere Patienten sind oft überrascht, und am Anfang ist es einfach unbekannt, aber insgesamt nimmt’s den Zeitdruck und Stress, den man sonst vom Hausarzt kennt.
Bei uns ermöglichen die längere Öffnungszeit und die zusätzlichen Angebote leichtere, längere Termine, mehr Zeit, mehr Angebot – und das verteilt sich auf verschiedene Personen.

Das diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, kurz DGKP, kümmert sich unter anderem um Wundmanagement.
Sie versorgen Wunden, machen eine Impfberatung oder bei jungen Müttern eine Stillberatung und betreuen die Chronikerprogramme.
Dann haben wir noch einen Physiotherapeuten im Team, der sich rund um akute Schmerzen kümmert – bei Knie, Schulter, wo auch immer.
Die Diätologin macht Abklärungen bezüglich Unverträglichkeiten, berät bei Gewichtsreduktion, bei Gewichtszunahme und vieles mehr.

Die sozialarbeiterische Tätigkeit kann ich natürlich am besten erklären: Sie umfasst alle sozialen und psychischen Faktoren, also zum Beispiel psychische Belastungen, Existenzsicherung – rund um das Thema Geld, Geldsorgen, Schulden, Wohnungsverlust oder Probleme bei der Wohnungssuche.
Wir begleiten bei Behördenwegen, helfen beim Anträge‑Stellen – alles rund um das soziale Leben.

Zusätzlich gibt’s die Ordinationsassistentinnen, die man vom Hausarzt kennt.
Sie helfen bei Rezepten, Zuweisungen, machen Termine oder koordinieren mit den Apotheken – was eben so anfällt.

Zu den genannten Berufsgruppen kann es auch noch weitere geben, etwa Logopädinnen und Logopäden, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten oder auch Psychotherapie.
Der Vorteil: Alles ist in einem Haus, man muss also nicht weit gehen.
Wenn ihr zusätzliche Physiotherapie braucht, findet ihr sie direkt vor Ort.

Das ist gerade sozialarbeiterisch oder auch diätologisch eine viel geringere Hemmschwelle – wir machen gleich dort den Termin aus, und beim nächsten Mal bin ich schon wieder hier.

Tanja, du hast es vorher schon kurz angesprochen, und ich habe gelesen, dass es in den Gesundheitszentren in der Steiermark jetzt die sogenannten Chronikerprogramme gibt.
Was sind denn Chronikerprogramme?

Bei den Chronikerprogrammen geht’s darum, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen umfassender und längerfristig betreut werden.

Was sind denn chronische Erkrankungen?

Also, ich nenne jetzt die chronischen Erkrankungen, für die es derzeit Programme gibt: Asthma, COPD, Depressionen, „Therapie Aktiv“ für Diabetiker, arterielle Hypertonie, KHK, Osteoporose.
Ich weiß nicht, ob ich etwas vergessen habe, aber es ist ziemlich umfangreich, und es läuft wirklich sehr gut.
Die Patienten kommen ärztlich vorstellig, die Diagnose wird gestellt, und dann kann man gleich die DGKP dazuholen, die erklärt, was das überhaupt ist und was das für die Patienten bedeutet.
Die Patienten sind sehr dankbar, weil es mehr Aufklärung und mehr Zeit gibt, und dadurch sind sie sehr gut betreut.

Wie läuft das dann ab, wenn ich bei der Ärztin oder beim Arzt bin und die Diagnose Bluthochdruck bekomme?

Ich sage gleich: Bitte einen Termin bei der Krankenschwester, also DGKP, vereinbaren.
Zusätzlich gibt es meist Laboruntersuchungen oder bei Osteoporose eine Knochendichtemessung.
Wir schauen gemeinsam nach dem Schema: Was braucht man noch, was ist schon abgeklärt?
So ist für Patienten und Behandelnde klar, was erledigt ist, wo es noch mehr braucht, und die Patienten halten die Termine viel lieber ein.
Sie kommen wirklich gern.

Also hat man regelmäßig Kontrolltermine?

Genau, das ist vorgegeben.
Bei „Therapie Aktiv“ für Diabetes zum Beispiel alle 3 Monate.
Früher war es manchmal schwierig, die Patienten zu erreichen, weil sie nicht wussten, dass sie regelmäßig kommen müssen; jetzt läuft es besser.

Für mich als Patientin klingt das nach einem großen Angebot.
Aber was ist, wenn ihr mir nicht helfen könnt?

Im Grunde vermitteln wir dann weiter.
Ärztinnen überweisen an Fachärzte, wenn eine Abklärung über den hausärztlichen Bereich hinausgeht.
Ich als Sozialarbeiterin bin gut vernetzt mit Beratungsstellen und Kooperationspartnern im Grazer Raum.
Wenn ein Problem nicht zu lösen ist oder wir Unterstützung brauchen, wenden wir uns an Partner, vermitteln weiter oder begleiten, je nach Bedarf.

Wir haben schon viel angesprochen, aber zusammengefasst: Was sind die Vorteile eines Gesundheitszentrums für mich als Patientin?

Ein klarer Vorteil sind die längeren Öffnungszeiten, keine Schließtage, oft kürzere Wartezeiten, weil wir die Patienten besser über den Tag verteilen können, mehr abschließende Behandlungen und das breite Angebot.

Was ist denn eine „abschließende Behandlung“?

Damit meinen wir, dass wir etwa Labor vor Ort haben, Lungenfunktion oder EKG machen können, den Physiotherapeuten hinzuholen – also die Patienten im Gesundheitszentrum fertig abklären und therapieren, ohne sie zu zusätzlichen Fachärzten oder Krankenhäusern schicken zu müssen.
Manchmal braucht es das dennoch, aber insgesamt ist der Prozentanteil viel geringer.

Gibt’s auch Nachteile?

Ein Nachteil ist, dass man nicht immer von derselben Ärztin betreut wird.
Wir haben 2 Hauptärztinnen – Frau Dr. Leitner und Frau Dr. Weberer – sowie eine dritte Ärztin mit geringerer Stundenanzahl.
Bei Krankheit oder Urlaub gibt es Vertretungen, daher kann es passieren, dass man nicht jeden Termin bei derselben Ärztin hat, auch wenn wir uns darum bemühen.

Ich habe gehört, es gibt Angebote, mit denen man gesund bleiben kann – vorbeugende und gesundheitsfördernde Angebote.
Stimmt das, und was gibt’s zum Beispiel?

Das stimmt.
In Kooperation mit der ÖGK gibt es viele Programme: rund um Bewegung, „Rauf rein 6 Wochen“, „Richtig essen von Anfang an“, angeboten durch unsere Diätologin.
Aus dem sozialarbeiterischen Bereich gab es zum Beispiel das Projekt „Social Prescribing“, bei dem man neben dem klassischen Rezept etwas verschreibt, das guttut – also eine soziale Verschreibung.
Es wird laufend geschaut, dass die Gesundheitsförderung und die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten gefördert werden.

In der Steiermark gibt es mittlerweile 12 Gesundheitszentren.
Wir verlinken in der Folgenbeschreibung, wo sie zu finden sind.

Ein Gesundheitszentrum wird also auch Primärversorgungseinheit genannt.
Es ist die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Beschwerden oder chronischen Erkrankungen.
Zusätzlich zum Hausarzt arbeiten dort andere Berufsgruppen mit einem breiten Angebot.
Gesundheitszentren haben oft länger offen, auch abends, und bieten Programme etwa zur gesunden Ernährung.

Was ist euer persönlicher Tipp für ein gesundes Leben?

Ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung, aber auch Stressabbau: Hobbys, die gut tun, und sich Zeit dafür nehmen.

Bewegung, die Spaß macht, Musik und Sport, Umgang mit Menschen, die positive Energie geben.
Genuss in Maßen, nicht zu streng – das Leben genießen.

Das war’s für heute.
Danke, liebe Johanna.
Danke, liebe Tanja, dass ihr meine Fragen beantwortet habt.
Wir hoffen, die Folge hat dir gefallen und du bist auch das nächste Mal wieder dabei.
Wenn du mehr zum Thema Gesundheit wissen willst oder den Podcast nachhören möchtest, schau auf unserer Webseite gesund‑informiert.at.
Wenn du Themen hast, die dich interessieren, schreib uns unter gesund‑informiert@gfscmk.at.

Wir freuen uns auf ein Wiederhören.
Bis dahin: Bleibt gesund und informiert.

Baba – Bianca und Anja von gesund informiert, deinem Podcast, der Gesundheit verständlich macht.