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Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute zu Gast: Xenia Hobacher und Sarah Eggert-Rainer von Rainbows.
Fanny Sedlnitzky: Wir wollen heute über die psychische Gesundheit von Kindern sprechen. Und zwar geht es darum, wie Kinder mit schwierigen Situationen umgehen, nämlich Situationen von Trauer, die entstehen kann durch die Trennung der Eltern, durch den Tod eines nahen Angehörigen. Und da gilt es schon einige Dinge zu beachten, denn Kinder sind sehr sensibel. Mit Kindern muss man gewisse Dinge besprechen und vor allem gibt es ja auch Dinge, die man vor Kindern gar nicht verheimlichen sollte. Man kann offen mit Kindern sprechen über schwierige Situationen. Und dazu habe ich von Rainbows hier zwei Damen bei mir zu Gast. Ich freue mich, dass Sie gekommen sind, Xenia Hobacher.
Xenia Hobacher: Hallo, vielen Dank für die Einladung.
Fanny Sedlnitzky: ... und Sarah Eggert-Rainer.
Sarah Eggert-Rainer: Hallo, guten Tag. Danke für die Einladung.
Fanny Sedlnitzky: Sarah Eggert-Rainer, Sie sind von Rainbows Österreich und Xenia Hobacher, Sie sind von Rainbows Steiermark. Ja, vielleicht können Sie uns beide gleich einmal erklären, was ist denn die Trauer, wie belastet die denn die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen? Das ist ja die Hauptzielgruppe bei Rainbows, um die man sich kümmert. Wie trauern Kinder? Wie merke ich das überhaupt und wie kann ich erkennen, dass es Handlungsbedarf gibt?
Sarah Eggert-Rainer: Also Trauer ist eine ganz normale Reaktion auf einen Verlust, den ein Kind oder ein Jugendlicher erlebt. Und diese Trauer, die kann sich ganz individuell zeigen. Das heißt, das sind Reaktionen, die den Körper betreffen. Das können zum Beispiel sein Schlafstörungen, das können sein Stressgefühle, das ist Angst, das ist Wut, das ist Sorge, das ist Verzweiflung, das ist das Weinen. Aber dann gibt es natürlich auch die Dinge, die man von außen nicht sieht. Das sind diese Reaktionen, die innen drinnen bei den Kindern ablaufen, die man von außen oft gar nicht wahrnimmt und die natürlich auch verunsichern können, nämlich das familiäre Umfeld oder das Bezugspersonenumfeld, nämlich wenn man von außen gar nicht merkt, wenn jetzt beispielsweise ein Mensch gestorben ist, ein Nahestehender, oder sich die Eltern getrennt haben, dass das Kind womöglich gar nicht reagiert oder der Jugendliche gar nicht reagiert und so tut, als wäre nichts gewesen.
Fanny Sedlnitzky: Und auch das ist aber eine Reaktion, die sein darf, oder?
Xenia Hobacher: Auch das ist normal und darf sein, weil eben jeder Trauerprozess individuell ist und weil man von außen nicht in die Kinder und in die Jugendlichen hineinschauen kann. Wir sehen nicht, wie Kinder innerlich oft kämpfen mit ihren Gefühlen, mit den Gedanken, die sie haben, mit den Sorgen. Das ist von außen nicht sichtbar, weil die Kinder das gut verdecken können, weil sie ja auch nicht noch mehr Sorge zur ganzen Situation beitragen wollen.
Fanny Sedlnitzky: Sie haben jetzt gesagt, Trauer ist individuell. So individuell ist wahrscheinlich auch die Trauer, wie sie sich äußert. Also der Tod eines nahen Angehörigen wird sich vielleicht anders äußern als die Trauer, wenn sich die Eltern getrennt haben. Es gibt auch verschiedene Situationen, wo man in eine Trauer kommt. Es gibt die Trauer, wo man vielleicht schon jahrelang weiß, es wird etwas passieren, weil irgendjemand schwer krank ist. Oder es gibt dann Trauer, die kommt wie bei Erwachsenen, es trifft einen wie der Blitzschlag. Ist das auch zu bemerken bei Kindern, dass die da unterschiedlich reagieren?
Sarah Eggert-Rainer: Genau, die Kinder reagieren unterschiedlich, wie auch wir Erwachsene das tun. Es ist sicher wichtig zu betonen: Trauer ist individuell und so läuft sie auch nicht nach einem gewissen Schema. Also wir kommen auch immer mehr wieder weg von der Vorstellung eines Trauerjahres und so weiter, sondern wirklich hin zum individuellen Trauern. Und das bedeutet eben auch, dass die Gefühle ganz klar im Mittelpunkt stehen. Kinder und Jugendliche brauchen einen Raum, wo sie die Gefühle der Trauer zum Ausdruck bringen. Es ist eine breite Palette aus Angst, aus Ohnmacht, aus Wut, aber eben auch zwischendurch wieder in das Glücklichsein, in die Ressourcen zu kommen. Also diese ganze Bandbreite gilt es zu beachten, wahrzunehmen und den Kindern zu helfen, die Gefühle in eine gute Bahn zu bringen, um diese zu bearbeiten.
Fanny Sedlnitzky: Das Ganze kann man bei Ihnen bei Rainbows bekommen, sozusagen. Man kann mit den Kindern dorthin kommen, man kann sich melden, es gibt Unterstützung, es gibt Hilfe in diesen schwierigen Situationen. Was macht Rainbows? Vielleicht können Sie ganz kurz die Arbeit, die dort passiert, beschreiben. Jetzt nicht im Detail, sondern generell.
Xenia Hobacher: Genau. Also wir bei Rainbows begleiten Kinder und Jugendliche, die zu uns kommen, wenn die Eltern sich getrennt haben oder wenn eben eine nahe angehörige Person verstorben ist, aber auch in anderen Krisensituationen. Das heißt, die Familie oder das Familiensystem kommt in einer sehr belastenden Situation zu uns. Wir bleiben immer beim Kind. Wir versuchen eben, die Kinder durch diese Situation zu begleiten, damit sie wieder zu ihren Ressourcen kommen, um dann bestmöglich gestärkt aus dieser Krisensituation hinauszugehen. Und das machen wir auf einer professionellen Ebene durch Gespräche, das machen wir durch Methoden, die wir anbieten, Kreativmethoden, das machen wir teilweise über Tanz. Also was ich damit sagen möchte: Wir gehen wirklich individuell auf das Kind ein. Wie können wir das Kind wirklich da abholen, wo es steht?
Fanny Sedlnitzky: Mhm. Und da gilt es sozusagen einige Dinge zu beachten. Es gibt ja Vorstellungen, wie man sich in gewissen Situationen verhalten sollte. Genauso glaubt man eben auch, wenn ein Trauerfall eintritt, dass das Kind sich so oder so verhalten wird, und das ist dann oft ganz anders. Was sind denn die Dinge, die man auf keinen Fall machen sollte, wenn man betroffen ist von so einer Trauer, wenn man Elternteil ist oder Angehöriger und man weiß, das Kind hat jetzt eine schwierige Situation und ich würde als Erwachsener vielleicht reagieren, aber gewisse Dinge sollte ich vielleicht gar nicht machen?
Sarah Eggert-Rainer: Also ich würde sagen, was sollte man machen: Man sollte bestimmt die Situation ansprechen mit klaren, kindgerechten oder altersentsprechenden Worten, die Situation genauso schildern, wie sie ist. Also: Wir trennen uns als Paar, wir bleiben deine Eltern, oder: Die Oma ist verstorben, der Opa ist verstorben, oder: Onkel Hans hat eine schlimme Erkrankung, er hat Krebs und möglicherweise führt diese zum Tod. Das, was man vermeiden sollte, ist eben dieses Erfinden von irgendwelchen Konstrukten. Das sind diese Floskeln wie nach einem Todesfall: Die Oma ist eingeschlafen, die Oma ist im Himmel. Das sind so Konstrukte, die man vielleicht später – also diese Himmelsvorstellung, die Jenseitsvorstellung – das ist etwas, was man zu einem späteren Zeitpunkt besprechen kann. Wo es aber auch ganz wichtig ist zu schauen: Was heißt dieser Himmel eigentlich, gell? Welche Glaubensvorstellungen hat diese Familie? Und dass es schon noch darum geht: Das Leben geht weiter. Es ist nicht mehr so wie jetzt, es ist anders seit diesem Zeitpunkt, seit dem Verlust. Trotzdem werden wir das gut schaffen.
Xenia Hobacher: Wir versuchen eben diese positiv besetzten Bilder, die die Kinder haben, zu stärken. Und sollte es eben zu Bildern kommen wie teilweise eventuell durch Aussagen wie „die Oma ist friedlich eingeschlafen“ und das Kind könnte dann Sorge haben vor dem Einschlafen, dass man einfach diese Ängste wieder aufhebt oder im besten Fall die Worte so wählt, dass es zu den Ängsten nicht kommt. Wenn wirklich Kinder Ängste entwickeln sollten, weil man merkt, das Bild davon ist negativ besetzt und das geht in eine Richtung, wo das Kind Angst bekommt, dann schauen wir schon, dass wir mit den Kindern gemeinsam positive Bilder entwickeln, wo die Kinder sich daran halten können.
Sarah Eggert-Rainer: Und ganz wichtig ist es eben auch zu benennen: Was heißt tot? Was heißt gestorben? Was heißt getrennt? Was sind die Wirkungen? Nämlich beim Tod: Der Körper, der funktioniert nicht mehr. Das Herz hat aufgehört zu schlagen, und da können auch die sehr, sehr jungen Kinder schon was damit anfangen. Oder eben: Wir als Eltern trennen uns, das heißt, wir werden in unterschiedlichen Wohnungen leben in Zukunft.
Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast: Xenia Hobacher und Sarah Eggert-Rainer von Rainbows.
Fanny Sedlnitzky: Sie haben jetzt schon gesagt, das Herz hat aufgehört zu schlagen, also einem Kind zu erklären, der Körper ist tot. Ja, einem 14-Jährigen wird man das vielleicht anders erklären als einem Vierjährigen. Wie ist denn da die Bandbreite?
Sarah Eggert-Rainer: Also generell können wir sagen, dass Kinder sehr viel schon mitbekommen, auch im Vorhinein. Also was so Entwicklungen, Dynamiken, Erkrankungen betrifft oder auch wenn es Konflikte gibt in der Familie, dass sie ganz oft schon eine Idee oder eine Ahnung davon haben. Bei Jugendlichen ist es natürlich wichtiger, noch konkreter zu sein im Sinne von: Da kann ich auch andere Worte nennen, da kann ich davon ausgehen, dass ein Jugendlicher weiß, was tot und gestorben heißt, was das bedeutet, weil dieser Jugendliche womöglich auch schon Vorerfahrungen hat im Freundeskreis oder in der eigenen Biografie natürlich. Und Jugendliche möchten schon viel mehr mitwirken im eigenen Leben, und da natürlich auch zu schauen: Wo gibt es Möglichkeiten, den jungen Menschen mit einzubeziehen, aber auch, was sind ganz klar Dinge, die auf Erwachsenenebene geregelt gehören?
Fanny Sedlnitzky: Sie haben vorher einen wichtigen Punkt angesprochen. Ein Kind könnte Angst bekommen, wenn man ihm sagt, die Oma ist eingeschlafen und wird nie wieder aufwachen. Das Kind könnte dann Angst bekommen, beim Einschlafen selbst nie wieder aufzuwachen. Ein ganz wichtiger Punkt, wo das Kind diese Situation auf sich selbst bezieht. Merken Sie auch da, gibt es Kinder, die dann die Schuld sogar auf sich nehmen und sagen: „Oje, ich war vielleicht schlimm, ist die Mama deshalb nicht mehr gekommen?“ Oder gibt es da Situationen, wo die Kinder das auf sich projizieren?
Sarah Eggert-Rainer: Absolut. Also das erleben wir immer wieder in den Begleitungen, sehr häufig. Auch wenn man das von außen nicht glaubt, in den Begleitungen öffnen sich die Kinder dann, und im Normalfall beziehen sie sehr, sehr viel auf sich. Beispielsweise glauben sie auch in sehr jungem Alter, dass sie einen Einfluss auf die Entscheidung der Eltern haben, wenn sie sich trennen; dass sie glauben: Wäre ich nur braver gewesen, hätte ich bessere Schulnoten, hätten die Eltern weniger Stress gehabt, dann hätten sie weniger gestritten, dann würden sie sich nicht trennen. Die glauben, dass sie einen Einfluss darauf haben. Also wenn ich jetzt ganz, ganz, ganz fest daran glaube, wenn ich jetzt da mein Zimmer aufräume, dann trennen sich die Eltern nicht oder dann steht unter Anführungszeichen die verstorbene Person wieder auf oder dann geht dieser blöde Krebs endlich wieder weg. Also die glauben, dass sie viel dazu beitragen können, und danach beziehen sie natürlich auch diese Ereignisse auf sich. Und deshalb ist es ganz klar wichtig, diese Unterscheidung zu treffen: Wo haben Kinder und Jugendliche einen Einfluss und wo nicht? Und Trennung ist immer eine Entscheidung der Erwachsenen. Und ein Todesfall – das sind natürlich sehr, sehr häufig diese Schuldgefühle bei Erkrankungen, weil Kinder dann ja zu Hause oft mit den kranken, sterbenden Personen leben und da den Eindruck haben, sie können Hilfe geben, aber halt auch stören, wenn sie laut sind beispielsweise oder Freunde einladen. Ein ganz ein heikler Punkt ist natürlich, wenn Angehörige sich das Leben nehmen, also sich bewusst das Leben nehmen. Da ist die Auseinandersetzung mit der Art des Todes ein ganz wichtiger, sensibler Punkt in der Begleitung und begleitet oft das ganze Leben dieser Kinder.
Fanny Sedlnitzky: Sie haben jetzt viele Momente aufgezählt, wo man vielleicht als Angehöriger, als Elternteil vorsichtig sein muss, wo man aufpassen muss. Man hat ja dieses Wissen nicht, weil man ja selbst in so eine Situation vielleicht zum ersten Mal gerät. Die Angebote richten sich primär an Kinder bei Ihnen, aber ist es denn auch so, dass Eltern sozusagen ein kleines Handwerkszeug mitbekommen, um dann zu Hause mit den Kindern richtig umgehen zu können?
Xenia Hobacher: Ja, unbedingt. Also es ist uns total wichtig, dass wir mit dem Fokus auf den Kindern bleiben, aber das ganze Familiensystem mit einbeziehen. Das heißt, es ist möglich, dass die Eltern zu uns kommen zu einer Beratung. Es ist auch möglich, wenn ich weiß als Frau, mein Mann ist beispielsweise lebenslimitierend erkrankt, kann ich mich an Rainbows wenden, um einerseits mir Unterstützung zu holen für den eigenen Umgang, aber eben auf das Kind fokussiert: Wie kann ich mein Kind darauf vorbereiten? Welche Schritte kann ich machen? Wir stärken unter anderem auch Eltern und Angehörige in Form von Webinaren online. Es ist uns ganz wichtig, vor allem zu den Themen: Wie viel Wahrheit brauchen Kinder zum Thema Trennung, Scheidung, Trauer, wirklich gut die Eltern auf allen Ebenen abzuholen und auch Raum für Fragen zu geben, sei es eben in der Gruppe als auch individuell im Einzelgespräch.
Sarah Eggert-Rainer: Also wir beziehen alle Erwachsenen, die mit dem Kind zu tun haben, ein, sei es jetzt auch die Schulen, die Kindergärten, dass wir da auch unterstützen, wenn beispielsweise eine Pädagogin, ein Pädagoge erkrankt oder gestorben ist. Aber natürlich bieten wir auch Elterntrauergruppen an. Und es ist ganz wichtig in der Auseinandersetzung auch mit der eigenen Verzweiflung, mit der eigenen Trauer, dass ich Gleichbetroffene um mich habe, wenn ein Kind verstorben ist oder wenn mein Partner, meine Partnerin verstorben ist, dass ich da trotzdem mit der Gruppe gemeinsam vielleicht in die Zukunft schauen kann.
Fanny Sedlnitzky: Genau. Es ist also so, dass Eltern auch in einer belastenden Situation sind. Es sind nicht immer nur die Kinder, die davon betroffen sind. Natürlich betrifft das die ganze Familie. Das heißt also, Eltern haben ja oft auch gar nicht die Kraft, sich dann wirklich um die Kinder zu kümmern.
Sarah Eggert-Rainer: Ja, das kommt auch ganz oft vor. Und deshalb ist es auch unerlässlich neben der professionellen Begleitung, dass natürlich auch das soziale Umfeld, die Familie, alle möglichen Menschen da mithelfen, unterstützen und – wichtig – ansprechen, ansprechen, ansprechen! Nicht übergehen, aber natürlich auch Zeit geben, Zeit lassen und die Trauer der Familie zu respektieren. Nichts Schlimmeres ist, glaube ich, für die Menschen in Trauer, dass sie nicht darauf angesprochen werden, im Sinne von, weil wir natürlich als Gesellschaft auch mit Tabus besetzt sind und eine große Verunsicherung auch da ist: Wie rede ich jetzt die Person überhaupt an? Und im besten Fall geht man darauf hin, bietet die Hilfe an, und sei es nur, dass ich vielleicht einmal ein Essen koche, dass ich mal vorbeikomme, vielleicht die Kinder kurz begleite oder beschäftige oder eine andere Form von Unterstützung anbiete, die Kinder in die Schule zu bringen oder abzuholen.
Xenia Hobacher: Was wir auch sagen: dass die Eltern, Mama oder Papa, auch die eigenen Gefühle zeigen. Das heißt, dass ich als Mama nicht wirklich unter Anführungszeichen zusammenbreche und meine Verzweiflung zeige, aber sehr wohl eben benennen kann, dass ich traurig bin. Ich kann auch neben meinem Kind weinen, das ist kongruent, das zeigt meinem Kind: Ich bin ein gutes Vorbild für die Gefühle. Und danach aber zu sagen: Was machen wir jetzt? Was tun wir uns Gutes? Wo gehen wir in unsere Ressource? Das heißt, wenn ich das vorlebe, kann das Kind von mir quasi dann auch abschauen: Wie kann ich denn aus dieser Krise gestärkt herausgehen?
Fanny Sedlnitzky: Das sind auch Dinge, die Sie mit den Kindern machen in den Kursen, in den Betreuungen. Wie läuft denn so etwas ab? Das wird sich natürlich jetzt auch bei einem Vierjährigen anders abspielen als bei einem 14-Jährigen. Aber sind das Gruppenkurse, sind das Einzelkurse? Wie schaut das aus? Wie begleiten Sie diese Kinder konkret?
Xenia Hobacher: Also wir bieten sowohl Gruppenangebote an als auch die Einzelbegleitungen. So wie Sie es angesprochen haben, ist es natürlich ein Unterschied, ob es ein vierjähriges Kind betrifft oder einen Jugendlichen. Dementsprechend haben wir auch definierte Altersgruppen. Und der Vorteil einer Gruppe ist einfach auch ganz klar der Austausch unter den Gleichaltrigen. Es gibt eine unheimliche Entlastung, wenn die Kinder hören, es geht jemandem ähnlich, oder sie geben sich gegenseitig Tipps. Das ist immer ganz schön anzusehen. Aber es braucht manchmal natürlich auch die Form einer Einzelbegleitung. Vor allem in der Trauerbegleitung muss man sehr achtsam sein: Was ist die Todesursache? Das lässt sich vielleicht nicht immer gut in einem Gruppensetting kombinieren. Wir sind gewillt, individuell zu schauen: Braucht es das Gruppensetting, braucht es eine Einzelbegleitung, damit man die Familie wirklich dort abholt, wo sie steht, und was gerade benötigt wird.
Sarah Eggert-Rainer: Und wenn ich ergänzen darf: Der Einbezug des Familiensystems gehört dann natürlich dazu, dass zuerst die Eltern mit einbezogen werden und diese natürlich auch mit psychoedukativen Beratungsgesprächen ausgestattet werden, damit sie auch wieder zu ihren Kräften kommen und das Kind bestmöglich unterstützen können.
Fanny Sedlnitzky: Und das Ganze sollte man irgendwie schon überlegen, wenn man weiß, es steht eine schwierige Zeit bevor, nicht erst kommen, wenn sozusagen der Todesfall und die Krankheit schon über Jahre sozusagen zurückgegangen sind und dann diese Person stirbt, sondern vielleicht auch gleich oder wenn ich weiß, mein Mann und ich, wir müssen uns trennen. Wir wissen, was auf uns zukommt im Groben, aber die Kinder wissen es nicht. Wann ist der Moment in einem Fall von Trennung oder Trauer, wo ich sage: Jetzt kann ich mich an Sie wenden, an Rainbows wenden?
Sarah Eggert-Rainer: Wenn eine Person bereit dazu ist. Also wir haben da kein vorgefertigtes Schema, sondern man kann sich jederzeit melden und wir schauen, dass wir das bestmögliche Angebot finden für die Person, ob das jetzt eine Beratung ist, eine Begleitung fürs Kind oder eine Gruppe. Also es ist immer ein guter Zeitpunkt, sich zu melden und um Hilfe zu bitten und zu schauen, was möglich ist.
Fanny Sedlnitzky: Ist es gut, wenn man gleich kommt, wenn man weiß, die Trennung steht in einem halben Jahr oder in einem Jahr bevor? Wir bereiten uns darauf vor ...
Xenia Hobacher: ... natürlich. Also wir begleiten die Familien, die Kinder vor, während und nach der Trennung. Aber was wir schon wissen, ist: Die Kinder haben ganz feine Antennen und die Kinder spüren oft schon, dass etwas im Ungleichgewicht ist. Das heißt, wenn es eigentlich für die Erwachsenen klar ist, dass die Trennung am Tisch ist, ist es super, dann kann man sich an uns wenden. Wir können da auch begleiten und eventuell auf das Gespräch vorbereiten. Also ja, sobald die Eltern in dem Fall bei der Trennung oder eine Person bereit dazu ist, kann man sich an uns wenden. Nicht erst, wenn die Trennung vollzogen wurde. Genauso bei der Trauer: Wenn es sich um eine lebenslimitierende Erkrankung handelt, dann können wir diesen Zeitraum auch schon begleitend für das Kind da sein. Wir können ja Erinnerungen schaffen, wir können die Familie stützen, wir gestalten auch teilweise Särge und so weiter. Also wir bringen die Kinder wieder in eine kindgerechte Handlungsfähigkeit.
Fanny Sedlnitzky: Es ist ja manchmal dann auch schwierig, genau das den Kindern zu vermitteln: Du kannst Hilfe annehmen. Gerade ältere Kinder, denke ich mir, sind da vielleicht verschlossener, wollen das auch nicht. Ich kann ein Kind wahrscheinlich nicht zwingen, zu Rainbows zu kommen. Was mache ich in diesem Fall? Wie kann ich das Kind überreden, überzeugen, dass es vielleicht Sinn macht, sich das mal anzuschauen?
Sarah Eggert-Rainer: Da braucht man natürlich die Bezugspersonen dazu, die Eltern. Erstens einmal, dass sie natürlich keinen Druck machen, das ist klar. Und wir bitten die Kinder immer und die Jugendlichen auch: Schaut es euch einmal an und dann entscheidet. Weil woher soll ich wissen, wie eine Begleitung bei Rainbows aussieht, wenn ich noch nicht dort war, wenn ich den Raum nicht kenne, die Begleitungsperson nicht kenne. Und natürlich braucht man die Eltern, die Bezugspersonen dazu, die das unterstützen, die das motivieren und die vielleicht auch Vorbilder sind und sich auch eben Hilfe holen, eine Beratung holen oder eine ärztliche Unterstützung holen oder was auch immer.
Fanny Sedlnitzky: Wie überzeugen Sie denn diese Kinder? Was sagen Sie, was denn dort passiert? Was erwartet die Kinder dort in diesen Gruppen, in diesen Kursen?
Xenia Hobacher: Also wir bereiten dementsprechend auch die Eltern vor, dass die Eltern auch den Kindern sagen: Sie gehen jetzt nicht in eine Spielgruppe, sondern sie gehen in die Rainbows-Gruppe und du wirst dort Kinder treffen, die auch getrennte Eltern haben. Also das ist der erste wichtige Schritt. Wir setzen da auf absolute Transparenz und auf die Freiwilligkeit und auf das Vertrauen. Das ist eine wichtige Grundhaltung, die wir haben. Und wir machen die Erfahrung: Wenn wir mit dieser Grundhaltung in die Begleitung gehen und bei der ersten Stunde, wenn die Kinder kommen, auch noch mal betonen: Du bist freiwillig da, ich freue mich, dass du da bist – das erwartet dich – also wirklich auch die Zukunftsperspektive zu geben, haben wir die Erfahrung, dass die Kinder im Grunde genommen sich wirklich schon freuen, wenn sie zur zweiten Stunde kommen dürfen.
Sarah Eggert-Rainer: Und manchmal ist es so, da passt der Zeitpunkt einfach noch nicht, weil nicht immer ist man bereit dazu, gerade in einer großen Phase der Verzweiflung, sich auseinanderzusetzen schon mit einem Abschied. Da haben wir natürlich größtes Verständnis. Wir haben da die Erfahrung gemacht, dass oft ein anderer Zeitpunkt dann der bessere Zeitpunkt ist, aber das weiß man im Vorhinein oft nicht.
Fanny Sedlnitzky: Rainbows bietet diese Möglichkeiten in verschiedenen Regionen an. Wie schaut es da konkret aus, wenn ich irgendwo wohne, wo das vielleicht nicht wohnortnah ist, oder wo kann ich mir denn in erster Linie mal eine Information holen?
Xenia Hobacher: Erste Informationen gibt es bei uns auf der Homepage www.rainbows.at Wir versuchen unsere Angebote sowohl in Präsenz als auch online verfügbar zu machen und sind dort in ganz Österreich vertreten.
Fanny Sedlnitzky: Damit wir unsere Zuhörerinnen und Zuhörer noch ein wenig fröhlicher entlassen aus einem doch schwierigen Thema: Was sind denn die schönsten Momente bei Ihrer Arbeit, wo Sie sagen: Da haben wir gesehen, das macht Sinn, wir haben Kinder, Jugendliche glücklich wieder hinausgehen gesehen?
Sarah Eggert-Rainer: Das passiert eigentlich tagtäglich. Weil wir haben es zwar mit sehr schwierigen Situationen zu tun bei den Kindern, aber wir sehen, dass Rainbows oder unser Angebot wirkt, dass sie fröhlicher nach einer Stunde wieder herausgehen, dass der Rucksack, der mit so vielen Steinen und Sorgensteinen gefüllt ist, dass der leichter wird. Und mir fällt ein Zitat einer Mama ein: Da ist ein Kind verstorben bei ihr in der Familie, und die hat zum Schluss nach der Begleitung gesagt: „Rainbows war für mich ein Ort der Heilung, da kann ich so sein, wie ich bin.“ Und diese Dinge natürlich, die helfen uns, unsere Angebote weiterzuentwickeln, weiterzumachen, und bestärken uns auch darin.
Xenia Hobacher: Genauso ist es auch mit den Rückmeldungen der Eltern. Also wenn man eben sieht, wie das ganze Familiensystem entlastet wird durch unsere Beratungen und wie auch ein Stück weit wir gemeinsam Verantwortung übernehmen, dass die Kinder da gestärkt herausgehen. Es ist im Grunde genommen eine total sinnstiftende Arbeit und ich glaube, das ist auch das, was uns da gut durchträgt.
Fanny Sedlnitzky: Wie Sie zu Beginn gesagt haben, das Leben geht weiter, auch wenn das in schwierigen Situationen vielleicht manchmal nicht zu glauben ist. Aber tatsächlich ist es so und es gibt die schönen Momente. Man muss sie vielleicht mit ein bisschen Mühe suchen, aber sie kommen dann irgendwann wieder. Xenia Hobacher, Sarah Eggert-Rainer, vielen herzlichen Dank für diese wertvollen Informationen. Danke, dass Sie Zeit gefunden haben und uns bei Gesund informiert etwas über die wichtige psychische Gesundheit von Kindern erzählt haben.
Sarah Eggert-Rainer: Danke für die Einladung
Xenia Hobacher: Danke für das Gespräch.
Das war Gesund informiert, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark.