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Folge #102: Gesund informiert für pflegende Angehörige: Wo gibt es Unterstützung?

Person schiebt Person im Rollstuhl, Herz zwischen ihnen

8 von 10 Menschen, die Pflege brauchen, werden zu Hause betreut – meist von den eigenen Angehörigen. Was mit kleinen unterstützenden Tätigkeiten beginnt wird im Laufe der Zeit oft zur Vollzeit-Aufgabe. Das kann belastend sein und vielen pflegenden Angehörigen fällt es nicht leicht, auch auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

In der neuen Folge #102 erfahren Sie, welche Belastungen pflegende Angehörige verspüren, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt und wo Sie nähere Informationen rund um die Pflege zu Hause finden.

Gast: Lisa Weidinger (Geriatrische Gesundheitszentren Graz)

„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.

Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky

Bei folgenden Anlaufstellen bekommen Sie nähere Informationen:

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Podcast-Ausschnitte

Hören Sie kurz in die Folge hinein!

Teil 1: Welche Selbstfürsorge‑Tipps helfen pflegenden Angehörigen?
Teil 2: Welche ersten Anlaufstellen und Angebote gibt es?
Teil 3: Wie sieht die Pflegesituation in der Steiermark aus?
Text zur Folge

Hinweis: Dieses Transkript wurde mit Künstlicher Intelligenz generiert.

Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute zu Gast: Lisa Weidinger von den Geriatrischen Gesundheitszentren Graz.

Fanny Sedlnitzky: In unserer neuen Folge Gesund informiert wollen wir uns heute einem Thema widmen, das nicht ganz einfach ist. Es geht um pflegende Angehörige – eine schwierige Situation für viele, die oft von heute auf morgen in diese Rolle schlüpfen müssen. Und da habe ich von den Geriatrischen Gesundheitszentren in Graz Lisa Weidinger zu Gast. Ich freue mich, dass Sie gekommen sind.

Lisa Weidinger: Danke für die Einladung.

Fanny Sedlnitzky: Sie kennen die Situation von pflegenden Angehörigen. Sie haben mit ihnen zu tun. Warum?

Lisa Weidinger: Im Jahr 2018 haben wir bei den Geriatrischen Gesundheitszentren entschieden, dass es Zeit ist, ein Schulungsangebot für pflegende Angehörige ins Leben zu rufen, und zwar in Präsenz. Das heißt vor Ort, wo Expertinnen zum Thema Betreuung und Pflege informieren und beraten. Das Ganze findet auch in einer Übungswohnung statt, wo pflegende Angehörige die Möglichkeit haben, an einem Pflegebett zu üben und Handgriffe für zu Hause zu erlernen.

Fanny Sedlnitzky: Ja, denn die Pflege umfasst mehr als eine Suppe zu kochen und jemanden vielleicht tagsüber mal kurz zu beschäftigen.

Lisa Weidinger: Richtig. Ja, also es geht über die Betreuung hinaus.

Fanny Sedlnitzky: Eine schwierige Aufgabe, die viele oft unerwartet trifft. Das kann von heute auf morgen passieren. Bei manchen dauert es etwas länger, aber es ist doch so, dass man in diese Rolle dann hineinschlüpfen muss und viele sind sich dessen gar nicht bewusst, richtig?

Lisa Weidinger: Richtig. Also oft ist es so, dass man gar nicht so bewusst wahrnimmt, dass man jetzt in die Rolle hineingewachsen ist, weil es so selbstverständlich ist. Man übernimmt Tätigkeiten, es ist oft eine nahestehende Person, also oftmals sind es die eigene Mutter, die Eltern oder die Partnerin, und man wächst da wirklich hinein. Das kann von einigen Stunden Unterstützung im Alltag oder pro Woche bis hin zu einem ganzen Tag werden, an dem man Betreuung und Pflegeleistungen übernimmt.

Fanny Sedlnitzky: Wie man sich selbst ein bisschen schützen kann, wie man sich Hilfe holen kann und wo es Unterstützung gibt – das wollen wir alles jetzt noch besprechen. Aber zuerst möchte ich klären: Was ist denn ein pflegender Angehöriger? Ab wann bezeichne ich mich als solcher und wann habe ich eigentlich diese Rolle übernommen?

Lisa Weidinger: Also, sobald man eigentlich Unterstützung im Alltag leistet – das kann auch ausschließlich die Organisation der Pflege und Betreuung sein – ist man schon in die Rolle eines pflegenden Angehörigen hineingeschlüpft.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Das muss also nicht jemand sein, den man ausschließlich zu Hause bei sich betreut, oder umfasst das dann auch Dinge, die man einfach für eine andere Person übernimmt?

Lisa Weidinger: Genau. Also, es können auch Freunde und Nachbarn sein. Bei „pflegende Angehörige“ glaubt man meistens, es sind nur Familienangehörige, weil es auch meistens so ist, aber es können auch unterstützende Personen im näheren Umfeld sein.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Die kommen dann in diese Rolle. Manche machen das anfangs gerne, man hilft, und dann ist man aber in so einem Rad drinnen. Es ist dann wirklich sehr schwierig für viele.

Lisa Weidinger: Ja, es ist so selbstverständlich und oftmals ist es ja nicht die einzige Aufgabe, die man hat, oder die einzige Rolle. Es kommt zusätzlich zur eigenen Familie hinzu, zum eigenen Berufsleben eventuell und zum eigenen Privatleben. Also die Gefahr besteht natürlich, dass man das eigene Leben hintenanstellt, was oftmals der Fall ist, und auf seine eigenen Bedürfnisse als pflegender Angehöriger vergisst. Weil man natürlich das Wohlbefinden und die Lebensqualität des zu Pflegenden in den Vordergrund stellt.

Fanny Sedlnitzky: Das heißt, die Scheu zu sagen „Ach, ich schaffe das schon, das geht“ – das sollte man nicht zu weit treiben. Man kann sich tatsächlich Unterstützung holen und man sollte das auch frühzeitig machen.

Lisa Weidinger: Genau, das empfehlen wir. Also, es ist wichtig frühzeitig zu erkennen: Wann brauche ich Hilfe? Wie viel kann ich leisten? Wie viel möchte ich leisten und wie geht es mir noch gut damit? Und auch dem zu Pflegenden geht es nur gut oder er ist nur gut versorgt, wenn ich mich auch selbst wohlfühle.

Fanny Sedlnitzky: Wie viele Menschen in der Steiermark sind denn schätzungsweise in dieser Rolle der pflegenden Angehörigen oder wie viele Menschen werden zu Hause betreut, sodass sie Hilfe von Angehörigen benötigen?

Lisa Weidinger: Ich kann es für Österreich sagen. Österreichweit sind es rund eine Million Personen, die in irgendeiner Art und Weise in die Betreuung und Pflege eines Angehörigen involviert sind. Und rund 80 % der zu Pflegenden werden auch zu Hause betreut. Das kann man auch für die Steiermark so sehen.

Fanny Sedlnitzky: Mhm.

Lisa Weidinger: Meistens sind es Personen, die älter sind, aber natürlich darf man auch nicht vergessen, dass es auch frühzeitiger zu einer Pflegesituation kommen kann, aufgrund von einem Schlaganfall oder einer anderen schwerwiegenden Erkrankung, wo dann auch die Eltern vielleicht in die Rolle kommen und ihre eigenen erwachsenen Kinder nochmals pflegen.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Das heißt, also nicht nur ältere Personen, die dann vielleicht bettlägerig werden, sind in dieser Situation, sondern tatsächlich auch jüngere – Unfälle sind auch eine Situation.

Lisa Weidinger: Genau. Also beides kann sein, aber natürlich steigt der Pflegebedarf mit dem Alter. Man merkt, in der Zielgruppe über 80 befinden sich die Hälfte der Personen, die aktuell Pflegegeld beziehen.

Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast: Lisa Weidinger von den Geriatrischen Gesundheitszentren Graz.

Fanny Sedlnitzky: Wie sieht denn so ein Alltag aus, wenn man jemanden zu Hause pflegt? Sei es bei sich zu Hause oder in dessen Wohnung? Wie kann man sich das vorstellen? Muss ich meinen Job, mein Leben, meine Situation, meine Familie – Sie haben es erwähnt – an den Nagel hängen? Muss ich mich dafür aufgeben?

Lisa Weidinger: Das kommt wirklich auf die Pflegesituation an. Wie hoch ist der Pflegeaufwand zu Beginn? Wenn eine nahezu selbstständige Alltagsführung zu Hause noch möglich ist, dann kann man noch dem Job nachgehen. Natürlich, das ist auch bei den meisten der Fall. Oft ist es so, dass die Personen sich vielleicht schon in Pension befinden, wenn sie den Partner zu Hause pflegen. Das heißt, der Alltag ist dann von diesem Pflegeaufwand dominiert, aber es ist ein gemeinsamer Alltag, eine gemeinsame Betreuung. Man lebt seinen gewohnten Alltag weiter. Man kann natürlich auch noch, je nach Möglichkeit, Freizeitaktivitäten nachgehen. Später ist es dann wirklich so, dass es sich aufs eigene Zuhause beschränkt und man auch schwer wegkommt von zu Hause.

Fanny Sedlnitzky: ...Weil man diese Person auch nicht mehr alleine lassen kann?

Lisa Weidinger: Richtig.

Fanny Sedlnitzky: Da sind wir vielleicht schon bei den Herausforderungen und bei den Belastungen. Sie bekommen das hautnah mit von pflegenden Angehörigen, die zu Ihnen kommen. Was sind denn die Hauptprobleme, mit denen die zu kämpfen haben?

Lisa Weidinger: Also die größten Belastungen und Herausforderungen sind bestimmt, diese Fürsorge zu wahren und die eigenen Grenzen, also das Belastungsempfinden, überhaupt zu erkennen. Das würde ich sagen. Psychisch ist es eine große Belastung, auch vor allem, wenn sich der Angehörige, der einem so nahe steht, verändert.

Fanny Sedlnitzky: Mhm.

Lisa Weidinger: Ich möchte beispielsweise eine Demenz ansprechen, wo man merkt, die Person verändert sich vom Wesen her, sie erkennt mich vielleicht nicht mehr. Das ist eine enorme psychische Belastung.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Das sind Belastungen, die Ihnen gegenüber in diesen Ausbildungen auch artikuliert werden.

Lisa Weidinger: Richtig. Also es ist ganz viel Redebedarf da, weil man merkt, dass die Angehörigen sich gerne austauschen. Das ist auch ein Mehrwert unserer Kurse oder generell auch von Selbsthilfegruppen, dass man sich mit anderen Betroffenen austauscht, Erfahrungen teilt und sieht: Es geht nicht nur mir so, es geht auch anderen so, ich bin nicht allein in dieser Situation.

Fanny Sedlnitzky: Das macht die Situation oft leichter, auch wenn der Aufwand und die Belastung bleiben. Aber man sieht, andere kämpfen auch, und man kann sich dann irgendwie ein bisschen Hilfe holen. Diese Selbsthilfegruppen, die Sie angesprochen haben – was gibt es da für Angebote für pflegende Angehörige, um sich auszutauschen?

Lisa Weidinger: Es gibt beispielsweise auch Pflegestammtische, wo es konkret darum geht, sich einfach auszutauschen. Selbsthilfegruppen gibt es auch unterschiedliche, je nach Krankheitsbild, beispielsweise für Demenz, wo oft große Belastungen da sind. Da gibt es in der Steiermark Angebote. Und es gibt von der Selbsthilfe Steiermark wirklich ein Verzeichnis, wo man nachschauen kann: Welche Selbsthilfegruppen gibt es, was passt für mich auch?

Fanny Sedlnitzky: Abgesehen von Selbsthilfegruppen und Stammtischen sind diese Kurse auch ein Ort, wo man sich austauscht. Was gibt es da für Angebote und Möglichkeiten? Vielleicht beschreiben Sie uns Ihre Tätigkeit mal genauer.

Lisa Weidinger: Ja, gerne. Also wir haben fünf verschiedene Kurse. Einen Basiskurs, der kostenlos ist und sozusagen den Einstieg in diese Welt ganz barrierefrei und niederschwellig gestalten soll, wo man Informationen rund um die Organisation zur Betreuung und Pflege bekommen kann.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Das heißt einmal Basiswissen: Wo bekomme ich was, wo kann ich mir Hilfe holen? Also tatsächlich einmal so ein bisschen ein Wegweiser.

Lisa Weidinger: Richtig. Wir haben diesen Kurs gemeinsam mit der Pflegedrehscheibe der Stadt Graz, weil wir eben in Graz verortet sind. Die geben zu Beginn auch einen Einblick in ihre Tätigkeiten und wann und wie man sie vor allem kontaktieren kann. Ich glaube, das ist ganz zentral, erst einmal zu wissen, dass das eine erste mögliche Anlaufstelle ist, wohin ich mich wenden kann und wo ich alle Fragen stellen kann. Ganz unverblümt, weil es ja doch oftmals ein richtiger Dschungel an Entlastungsangeboten und Unterstützungsmöglichkeiten ist, von denen man vielleicht gar nicht erfährt.

Lisa Weidinger: Genau. Oder man erfährt davon und weiß gar nicht: Ist das im Moment die richtige Anlaufstelle für mich? Und da ist es eben gut bei der Pflegedrehscheibe – die informieren kostenlos und haben eine Lotsenfunktion. Das heißt, sie geben Informationen weiter, beraten, schauen sich den individuellen Pflegebedarf an und geben Tipps, wohin man sich am besten wendet.

Fanny Sedlnitzky: Ja, weil wie Sie schon gesagt haben, es wahrscheinlich sehr unterschiedlich sein wird, je nachdem, wen man zu Hause pflegt. Jemanden, der körperlich nicht mehr so fit ist, muss man vielleicht anders pflegen als jemanden, der an Demenz erkrankt ist.

Lisa Weidinger: Genau. Und wir haben hier eben noch Praxiskurse im Albert Schweitzer Trainingszentrum. Da kann man schauen: Was brauche ich gerade? Wir haben beispielsweise einen Kurs, der nennt sich „Rückenschonende Pflege“. Da geht es wirklich darum, wie ich jemanden zu Hause gut begleiten und gleichzeitig auf meinen eigenen Rücken achten kann, zum Beispiel beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl oder umgekehrt. Damit man einfach auf die eigene körperliche Gesundheit achten kann. Die Praxiskurse sind so aufgebaut, dass sie in einer Kleingruppe stattfinden, damit auch individuelle Fragen möglich sind. Der Kurs wird immer von einem Referenten der Albert Schweitzer Klinik abgehalten, die auch wirklich in der Praxis tätig sind und genau mit dieser Zielgruppe in Kontakt und Berührung sind. Die wissen genau: Wo sind die Herausforderungen? Was ist das Schwierige daran? In sechs Stunden, also an zwei Kursabenden, versuchen sie, auf die pflegenden Angehörigen und ihre Bedürfnisse einzugehen, das in der Kleingruppe zu üben und Tipps für zu Hause mitzugeben, dass man selbst sozusagen ein bisschen das Handwerk erlernt.

Fanny Sedlnitzky: Was ist mit dem anderen, mit der Psyche? Sie haben schon angesprochen, das ist etwas sehr Belastendes. Das ist auch ein Punkt, wo man vielleicht lange über die Grenzen hinausgeht, weil man sich denkt: „Ich schaffe das schon, es geht schon, es geht schon.“ Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man vielleicht selbst nicht mehr weiterkann. Was gibt es da für pflegende Angehörige für Möglichkeiten, auf sich selbst zu schauen und zu sagen: „Was brauche ich jetzt in dieser Situation?“

Lisa Weidinger: Es gibt natürlich viele Tipps zur Selbstfürsorge. Ich glaube, das Allerwichtigste ist, dass man sich bewusst Zeit für sich selbst nimmt, auch wenn es nur wenige Minuten am Tag sind. Eine kurze Verschnaufpause – sei es, einen Kaffee bewusst alleine an der frischen Luft oder am Fenster ohne schlechtes Gewissen zu genießen und wahrzunehmen: Was ist das Schöne an diesem Tag? Denn es ist ja nicht alles schlecht. Pflege kann auch sehr bereichernd und sinnerfüllend sein, das muss man auch dazu sagen. Und in diesen schweren Momenten hilft es natürlich, kurze Auszeiten bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Das können auch Atemtechniken sein, die man erlernt. Wir sagen immer, der pflegende Angehörige soll das tun, was ihm gut tut. Es gibt nicht das Allheilmittel, aber so kurze Auszeiten, auch wenn es nur fünf Minuten sind, sind wirklich wichtig.

Heute zu Gast in Gesund informiert, dem rezeptfreien Podcast: Lisa Weidinger von den Geriatrischen Gesundheitszentren Graz.

Fanny Sedlnitzky: Ich habe es vorher angesprochen: Am Anfang kann man die zu pflegende Person vielleicht noch ein bisschen alleine lassen. Irgendwann kommt ein Punkt, an dem das nicht mehr möglich ist. Heißt das dann, man ist 24 Stunden, 7 Tage die Woche das ganze Jahr über gefesselt in dieser Situation? Oder gibt es Momente, in denen man sagt: „Nein, ich brauche auch Zeit für mich, ich muss mal raus, ich muss vielleicht auch mal zwei, drei Tage auf Urlaub fahren, um den Kopf frei zu bekommen“? Gibt es da Möglichkeiten, vertreten zu werden?

Lisa Weidinger: Es gibt schon einige Angebote, die man in Anspruch nehmen kann. Es ist aber nicht immer so leicht, muss man dazu sagen. Oft ist es so, dass man seinen Angehörigen niemand anderem anvertrauen mag, weil man seine Gewohnheiten am besten kennt. Zudem ist es oft ans Pflegegeld oder an andere bestimmte Voraussetzungen gekoppelt. Die Bürokratie dahinter ist ein wenig schwierig. Wir empfehlen wirklich, darauf zu achten, sich ein Netzwerk zu schaffen – egal ob familiär oder im Bekanntenkreis –, die vielleicht auch ein bisschen einspringen können, auch wenn es nur eine Stunde ist. Wir merken, dass selbst die Kursteilnahme oft schwierig ist und ein Problem darstellt, wenn man nicht einmal drei Stunden weg kann. Das ist sicher einer der größten Belastungsfaktoren, dass man zeitlich immer angebunden und rund um die Uhr in Bereitschaft ist.

Fanny Sedlnitzky: Wann kommt der Punkt, an dem man sagt, die Pflege zu Hause ist nicht mehr möglich? Oder wo man vielleicht auch von jemandem gesagt bekommt: „Überleg dir das, es gibt auch Angebote, wo man den zu Pflegenden stationär betreuen kann. Zu Hause geht es jetzt nicht mehr.“ Gibt es einen Punkt, an dem man sagt, das ist jetzt der Fall, oder ist das sehr individuell?

Lisa Weidinger: Bevor man an stationäre Pflege und Betreuung denkt, gibt es andere Möglichkeiten durch professionelle Dienste, mit denen eine Versorgung zu Hause noch möglich ist. Zum Beispiel mobile Dienste, die für einige Stunden nach Hause kommen und unterstützen, oder eine Alltagsunterstützung. Ich glaube, da würde man eher so etwas in Anspruch nehmen, bevor man an eine stationäre Versorgung denkt. Hinzu kommt natürlich, dass es nicht mehr so einfach ist, einen Platz in einem Pflegewohnheim zu bekommen, weil die Ressourcen sehr begrenzt sind. Aber natürlich muss man das für sich selber abwägen. Die meisten versuchen, dem Wunsch des zu Pflegenden nachzukommen, zu Hause betreut zu werden und wohnen zu bleiben. Aber wenn man merkt, es geht gar nicht mehr, man stößt körperlich an seine Grenzen, man ist völlig ausgebrannt und es geht auch dem zu Pflegenden in dieser Situation nicht mehr gut, dann muss man sich Unterstützung holen und eine Entscheidung treffen.

Fanny Sedlnitzky: Wichtig ist also zu wissen, dass man als pflegender Angehöriger in dieser Situation nicht alleine ist und sich Hilfe holen kann. Vielleicht können wir diese Hilfe noch einmal ganz kurz zusammenfassen. Wo finde ich mich in diesem Dschungel an Angeboten zurecht, wenn ich gar nicht weiß, welches die richtigen Adressen sind?

Lisa Weidinger: Ich glaube, drei wichtige Stellen kann man abschließend zusammenfassen: Einerseits gibt es die Pflegehotline vom Land, die montags bis freitags telefonisch erreichbar ist. Dann gibt es die Pflegedrehscheiben, die in jedem Bezirk verortet sind und wo man nach telefonischer Vereinbarung hinkommen oder sich telefonisch beraten lassen kann. Die beraten und informieren kostenlos. Und eine dritte wichtige Möglichkeit für Informationen rund um Pflege und Betreuung ist die Homepage pflege.gv.at, wo man bundesweite Informationen erhalten kann.

Fanny Sedlnitzky: Damit man einmal weiß, auch finanziell sozusagen...

Lisa Weidinger: Genau, auch wirklich finanziell: Wie beantrage ich Pflegegeld? Wohin kann ich mich wenden?

Fanny Sedlnitzky: Was mir zusteht, richtig. Also es gibt Hilfe, und es ist nicht nur so, dass die zu pflegenden Personen Hilfe brauchen, sondern auch die, die in der Rolle der Pflege sind, die diese Personen zu Hause versorgen und großartige Arbeit leisten. Man kann sich Hilfe holen, man soll sich Hilfe holen, und das ohne schlechtes Gewissen.

Lisa Weidinger: Ja, das ist ganz wichtig. Wir können nur empfehlen: Holen Sie sich frühzeitig Hilfe und Unterstützung. Nehmen Sie das wahr, schauen Sie auf sich selbst und verteilen Sie Aufgaben – delegieren Sie an andere Familienangehörige. Sie müssen das nicht alleine schultern. Planen Sie, wenn möglich, fixe Pausen für sich selbst ein und nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahr.

Fanny Sedlnitzky: Genauso wird aus einer scheinbar anfangs ausweglosen Situation doch eine Situation, die vielleicht zu meistern ist.

Lisa Weidinger: Ja.

Fanny Sedlnitzky: Vielen Dank, Lisa Weidinger, dass Sie gekommen sind und uns einen Einblick in dieses wichtige Thema gegeben haben. Wir wünschen allen, die in dieser Situation sind oder vielleicht bald pflegende Angehörige sein werden, viel Kraft.

Lisa Weidinger: Ja, danke noch mal für die Möglichkeit, hier zu sein.

Das war Gesund informiert, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark.