Folge #47 Erste Hilfe für die Seele: Wie geht das?
Wenn jemand auf der Straße umfällt, leisten wir erste Hilfe. Aber was tun, wenn jemand neben uns weint oder verzweifelt wirkt – ganz ohne offensichtliche körperliche Beschwerden.
In der Folge #47 des „Gesund informiert“-Podcast erfahren Sie, wie Sie Erste Hilfe für die Seele leisten können.
Gast:
Sigrid Lugitsch, MSc (Diplomsozialarbeiterin beim Hilfswerk Steiermark)
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Text zur Folge
Diese innere natürliche Ausweichbewegung, die man so in sich hat und sagt „Ich bin da eigentlich nicht zuständig, das geht mir gar nichts an.“ Ja, das muss ich bei mir selbst überwinden und den Mut aufbringen, dass ich jemanden anderen frag.
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Du kennst das: Stabile Seitenlage, Pulskontrolle und schauen, ob sich der Brustkorb noch hebt, um zu überprüfen, ob noch geatmet wird. Das kennt man eigentlich. Das sind so die Basics in der Ersten Hilfe. Aber was ist, wenn es nicht um den Notfall im Körper geht, sondern um den Notfall in der Seele? Kann ich da auch Erste Hilfe leisten? Was kann ich denn tun? Und wichtiger vielleicht auch: Was soll ich besser nicht tun? Zu Gast bei mir ist heute Diplom-Sozialarbeiterin Sigret Lukic MSC. Sie arbeitet bei den psychosozialen Diensten beim Hiesberg, Steiermark und bietet für Promente Austria Seminare für Erste Hilfe für die Seele auch in der Steiermark an. Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, heute bei mir zu sein, und herzlich willkommen.
Ja, hallo. Grüß Gott. Einen schönen Tag wünsche ich. Also, ich hab's ja gerade gesagt, wenn mir wer umfällt, dann kann ich sehen, dass das ein körperlicher Notfall ist, und dann sehe ich auch, dass der oder die Hilfe braucht. Aber wie ist es denn beim seelischen Notfall? Das schaut ganz anders aus. Also, das erkenne ich dann schon schwieriger. Wie schaffe ich es denn zu sehen: „Okay, der oder die braucht jetzt Hilfe?“ Ja, manchmal kann man das sehr gut sehen, dass ein Mensch Hilfe braucht. Wenn die Person schon am Fenster oder an der Brücke steht, dann ist es ganz, ganz offensichtlich, aber das kommt sehr, sehr selten vor. Meistens erkennt man, dass es Menschen einfach psychisch schlechter geht, wenn sich irgendetwas Markantes verändert: Wenn sich Menschen auf einmal zurückziehen, wenn sie Dinge, die ihnen wichtig sind, einfach nicht mehr tun, zum Beispiel ihre engsten Freunde treffen, oder wenn Menschen, die sehr, sehr ordentlich sind, auf einmal es nicht mehr schaffen, dass sie die Wohnung sauber halten können oder die Körperpflege auch nicht mehr so hinkriegen. Oder größere Veränderungen in den Gedanken da sind oder in den Gefühlen, dass Menschen einfach sagen: „Es geht mir so schlecht.“ Also, dann kann man davon ausgehen, dass sich Menschen in einer psychischen Krise befinden. Das heißt: gröbere Veränderungen beim Verhalten, eben Rückzug; man schafft es nicht mehr, so ordentlich zu bleiben; in den Gedanken und in den Gefühlen.
Das heißt, ich bin ein bisschen gefordert auch beim Beobachten, und wenn ich das jetzt entdecke – nehmen wir mal an, die stabile Seitenlage werde ich da nicht durchführen –, was sind denn dann deine Tipps? Wie kann ich denn Erste Hilfe für die Seele leisten? Wie kann ich helfen? Ja, ich weiß, es ist schwierig, andere Menschen anzusprechen. Also ich selbst habe ja auch so innerlich so eine natürliche Ausweichbewegung, habe ich immer das Gefühl: Wenn man sieht, dass es jemandem nicht gut geht, denkt man sich von weitem sehr oft: „Na, da bin ich nicht zuständig, der hat ja eine Frau, der hat Familie, oder da gibt's ja andere Personen, die kümmern sich um den.“ Aber nein, es ist eigentlich so wichtig, einfach diesen ersten Schritt zu wagen und zum anderen hinzugehen und sagen: „Du, es ist vielleicht so, dir geht's nicht gut, oder mir kommt vor, da hat sich was bei dir geändert. Wie geht's dir eigentlich?“ Also, man kann eigentlich gar nichts falsch machen. Man kann einfach hingehen und jemanden einfach ansprechen und fragen. Das ist sozusagen das Wichtigste überhaupt bei der Ersten Hilfe für die Seele.
Gibt's da aber konkretere Tipps jetzt von dir? Weil hingehen und ansprechen ist nicht so leicht. Na, das ist nicht leicht, nein. Deswegen sage ich ja, man muss sozusagen diese innere natürliche Ausweichbewegung, die man so in sich hat und sagt: „Ich bin da eigentlich nicht zuständig, das geht mir gar nichts an.“ Ja, das muss ich bei mir selbst überwinden und den Mut aufbringen, dass ich jemanden anderen frag. Und das ist einfach das Wichtigste von allem, weil dem Menschen ist die Wortwahl oder was weiß ich ganz konkret nicht so wichtig als ehrliches Interesse und ehrliche Anteilnahme. Man kann jetzt in der Gesprächsführung, sage jetzt mal, nicht so viel falsch machen. Die Haltung macht einfach aus, dass ich mich für jemanden interessiere und dass ich einfach nachfrag und nicht gleich aufgebe und mir nicht sofort abwimmeln lass. Das ist so etwas ganz Wichtiges.
Da hör ich aber raus: Was kann man falsch machen bei der Ersten Hilfe für die Seele? Na ja, also wenn man jetzt von Falschmachen sprechen kann, ist es einfach das, dass wir manchmal zu schnell aufgeben, ja, dass wir Hilfestellung schon anbieten und sagen: „So, wenn du es brauchst, melde dich bitte bei mir.“ Aber das vielleicht nur einmal machen und dann eigentlich sagen: „Ja, ich habe jetzt eh Hilfe angeboten, und wenn der andere das auch nicht annimmt, dann ist es seine Sache.“ Aber wenn jemand sich in einer psychischen Krise befindet, dann ist es ganz normal, dass man die Hilfe nicht beim ersten Mal annehmen kann. Das heißt, es braucht einfach mehrere Versuche in den meisten Fällen, bis die Person einfach sagen kann: „Ja, passt, ich nehme die Hilfe an.“ Es ist manchmal einfach ein bisschen so Anleitung notwendig, dass man sagt: „Nimm' mal was, komm!“ – also, dass man jemanden so bisschen an die Hand nimmt und sagt: „Komm, das tun wir jetzt. Ich rufe jetzt da an bei der Beratungsstelle, zum Beispiel bei uns beim psychosozialen Dienst in Feldbach, aber auch in jedem anderen Bezirk der Steiermark gibt es psychosoziale Beratungsstellen, und machen wir zusammen einen Termin aus oder gehen wir da gemeinsam hin.“ Also das ist zum Beispiel, was jeder wirklich tun kann und was in den allermeisten Fällen als sehr, sehr hilfreich empfunden wird, wenn man gemeinsam etwas macht oder auch etwas anderes noch, praktische Hilfe anbietet: „Du, ich bringe dir mal Essen vorbei, du, ich gehe mit dir mal, gehen wir mal zusammen spazieren.“ Weil Bewegung zum Beispiel ist für die psychische Gesundheit sehr, sehr wichtig. Also hat ungefähr ähnliche Wirkung wie Medikamente bei psychischen Krisen und Erkrankungen. Das heißt, Bewegung von circa 20 Minuten und vor allem gemeinsame Bewegung mit Kontakt, mit Miteinander reden kann sehr viel bewirken.
Mhm. Jetzt hast du gerade ganz viel wichtige Punkte gesagt. Ich glaube, die das ist es wert, noch einmal wiederholt zu werden. Also, nein, stabile Seitenlage brauche ich nicht bei der Ersten Hilfe für die Seele, aber was sind so die Punkte? Was kann ich tun? Also, du hast gesagt: Sich wirklich für jemanden interessieren, jemanden ansprechen, nicht sofort aufgeben, mit jemandem etwas gemeinsam tun, zum Beispiel einen Spaziergang machen, einen Kaffee trinken, etwas mitbringen – wie zum Beispiel ein Essen mitbringen – oder vielleicht gemeinsam wo anrufen bei einer Beratungsstelle.
Mhm. Na, das klingt nicht so schwierig. Das war jetzt ja, das könnte man mal ist möglich, gell? Ja, genau. Das ist im Bereich des Möglichen. Das kann man gut vorstellen. Konkret. Ja. Gibt es da auch Unterschiede? Wenn ich jetzt Hilfe leisten will beim Mann, bei der Frau oder beim Jugendlichen oder beim Kind? Na ja, also ich sage da immer, wir sind alle Menschen und am Ende haben wir eigentlich alle die gleichen Grundbedürfnisse. Also, wir wollen wahrgenommen, gesehen werden, wir wollen für jemanden was bedeuten und wir wollen eine sinnvolle Tätigkeit durchführen. Also, mir fällt ganz oft auf, wenn ich zu jemandem sag: „Ich mache mir Sorgen um dich.“ Ja, dann ist es jetzt egal, Mann, Frau, Kind. Ja, dann fällt dem anderen erst auf, dass man jemandem nicht egal ist. Und das ist manchmal bei Menschen, die in psychischen Krisen sind, nicht mehr vorhanden, diese Idee: „Andere Personen könnten sich Sorgen machen, oder ich bin für jemanden anderen noch wichtig.“ Ja, und da merke ich ganz oft, dass das dann die Menschen herausreißt aus ihrer eigenen Gedankenwelt und sagen: „Aha, da gibt's ja noch Leute, die machen sich Sorgen, oder die Sigret macht sich jetzt Sorgen um mich, und das will ich eigentlich nicht, ich will nicht jemandem anderen Sorgen machen.“ Und dann passiert ganz oft, dass Menschen zwar nicht für sich Hilfe annehmen würden, aber manchmal für mich, wenn ich sag: „Ich halte es jetzt nicht mehr aus, dir geht es so schlecht, ich kann die Sache jetzt nicht mehr alleine. Ruf mal bitte dort und dort an. Ruf beim Hausarzt an.“ Das ist zum Beispiel auch eine sehr, sehr wichtige Kontaktstelle, ja, oder eigentlich auch die erste Stelle, wenn es um psychische Erkrankungen, psychische Themen geht. Dann machen das manchmal die Menschen mir zuliebe und nicht ihnen zuliebe, weil sie nicht wollen, dass ich leide, weil sie wissen, wie Leiden ist. Ja, und das ist nicht schön, und so kann man manchmal auch schaffen, dass Menschen Hilfe annehmen. Und das ist ganz egal, Frau, Mann, Kind oder Jugendliche. Wichtig ist ganz einfach, dass man es öfter probiert.
Finde ich auch Angebote, wo ich Erste Hilfe für die Seele richtig lernen kann? Ja, das gibt es österreichweit und auch steiermarkweit. „Erste Hilfe für die Seele“ von Promente Austria: Wenn man das eingibt und googelt – „Promente Austria Erste Hilfe für die Seele“ –, dann sind immer alle aktuellen Seminarangebote dort aufgelistet, und man kann sich anmelden. Im nächsten Jahr gibt es besonders geförderte Seminare für Menschen, die mit Jugendlichen zu tun haben. Da lernt man auch etwas über Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten, was bei Jugendlichen sehr wichtig ist, zusätzlich zu Depressionen und Ängsten und eben: Was ist, wenn jemand eventuell sich das Leben nehmen will? Da kann man ganz günstig ganz viel über dieses Thema psychische Gesundheit und psychische Krankheit lernen.
Also das finde ich auf der Webseite von Promente Austria. Wir werden das auch für dich zu Hause noch einmal aufschreiben, damit du das gut findest. „Promente Austria“ und auch beim Hilfswerk Steiermark gibt es jetzt, wenn jemand zum Beispiel bei mir ein Seminar machen will oder bei einer meiner Kolleginnen: Auf der Website vom Hilfswerk Steiermark gibt es da eine eigene Abteilung, wo die alle Seminare aufgeführt sind und bei Promente Austria Erste Hilfe für die Seele. Was kosten diese Kurse? Oder sind die kostenfrei?
Genau, die Kurse sind nicht kostenfrei, aber es gibt auch immer wieder spezielle Angebote, und was die Kurse genau kosten, ist auch auf der Website angeführt. So, also jetzt gehen wir ja immer davon aus, Erste Hilfe zu leisten für jemanden anderen. Was ist denn mit mir selber? Was kann ich denn tun, damit meine Seele möglichst gesund bleibt? Also, damit die psychisch möglichst gesund bleibt? Was hast du da für Empfehlungen? Ja, also im Grunde ist das Leben ja oft nicht einfach. Es ist ja schwierig, also dass man sehr viele Belastungen und viele Dinge zu tun hat und auch Dinge erlebt, die man nicht beeinflussen kann. Das heißt, im Grunde ist das Leben an sich ja anstrengend und nicht immer voller Freude. Ja, und das ist auch was Normales. Das heißt, es muss einem nicht immer gut gehen im Leben, und man ist nicht gleich psychisch krank, weil es einem gerade einmal schlecht geht. Also, es gibt sozusagen Phasen, wo es ganz normal ist, dass es einem nicht gut geht, wenn man zum Beispiel einen Menschen verliert, Trauer und so weiter. Aber man sagt so ganz allgemein, dieser Ausgleich zwischen Belastungen und Ressourcen, die der Mensch zur Verfügung hat. Das heißt, wenn ich jetzt viele Belastungen habe, ist es gleichzeitig auch wichtig, dass ich viel dafür tue, dass ich gesund bleibe. Das heißt, vieles davon, was mir eigentlich gut geht, also was mir eigentlich guttut, so muss ich sagen. Das ist aber für jeden Menschen etwas anderes. Also es ist nicht für jeden der Spaziergang. Es ist für manche Musik hören oder etwas kochen, oder mit anderen im Kaffeehaus sitzen. Also, das heißt, die Ressourcen, das was ich zur Verfügung habe, das muss in einem Ausgleich zu den Belastungen stehen, und zwar mittelfristig. Also, es wäre jetzt gelogen zu sagen, es muss immer in einer Balance sein. Es gibt einfach Zeiten im Leben, da hat man mehr Belastungen als Ressourcen. Aber es müssen dann auch wieder Zeiten folgen, wo ich meine Kraftreserven wieder auftanken kann und das tun kann, was mir persönlich guttut. Und es ist alles, was mit Kontakten zu tun hat, alles was mit Bewegung zu tun hat und alles, was mit Ernährung zu tun hat. Da kann ich einfach meine Ressourcen, meine Kraftquellen bei mir aufbauen, und natürlich, jetzt neu kommt auch immer wieder dazu: Nicht nur die Bewegung, auch die Entspannung ist gleich wichtig. Wenn meine Balance jetzt nicht so ist, wie du gerade gesagt hast – also, dass ich ein gutes Gleichgewicht finde zwischen Stress und Druck und viel Arbeit und dann wieder spazieren gehen im Wald und Zeit mit meinen Freunden –, dann kann es ja schon sein, dass da ein bisschen Schieflage passiert und ich selber Hilfe brauche. Wo bekomme ich denn diese? Hast du Ideen für uns? Wo könnte ich denn anrufen oder an wen kann ich mich wenden?
Ja, auch hier gibt es in jedem Bezirk der Steiermark ein psychosoziales Zentrum, wo jede Person, die Hilfe braucht, mal anrufen und weiter vermittelt werden kann zur richtigen Stelle. Ja, und wir haben jetzt in der Steiermark ein ganz ein tolles Angebot. Das heißt Psynot. Das ist eine Beratungsstelle für psychische Krisen, die 24 Stunden an allen sieben Tagen und immer geöffnet hat, und da gibt es eine Telefonnummer, die sollte man sich an den Kühlschrank vielleicht heften: 080044 99 33. Da kann man sich zu jeder Tages- und Nachtzeit hinwenden, wenn man sich psychisch in Not befindet.
Für dich zu Hause auch: Du findest einen eigenen Podcast, einen eigenen „Gesund informiert Podcast“ zum Thema „Psychische Krisen“, und natürlich findest du auch auf unserer Webseite die Telefonnummer für den Fall, dass du sie brauchst. Und die Frau Lukic hat vorher noch gesagt, und ich möchte es nur noch mal wiederholen: Erster Ansprechpartner kann immer der Hausarzt oder die Hausärztin sein. Ich möchte nur ergänzen, weil die sind oft so praktisch, wenn man sowieso hin muss wegen was anderem. Gibt es da noch Mythen zur psychischen Gesundheit, die dir ständig begegnen, und du uns jetzt aufklären kannst, ob das wahr ist oder ob das falsch ist?
Na ja, eine von den wichtigsten Mythen ist einmal: „Psychisch krank, immer psychisch krank.“ Das hat man ja bis zu den 80er-Jahren wirklich geglaubt. Das ist eine neue Idee eigentlich, dass, wenn man eine psychische Erkrankung einmal gehabt hat, man dann auch wieder gesund werden kann. Also davon geht man heute aus. Also man bleibt nicht immer krank. Und daher ist es ganz, ganz wichtig, früh zu handeln, weil man das ganz einfach weiß: Je früher man in einer psychischen Krise handelt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man wieder gesund wird. Das ist ein wichtiger Mythos. Noch ein wichtiger Mythos ist, dass man manchmal so die Idee hat, dass man Menschen kennt oder viele kennen Menschen, die einmal sich selbst das Leben genommen haben oder wo man so Angst hat, dass sie das tun werden. Und da ist oft so die Idee in den Köpfen, dass, wenn man das Thema anspricht, die andere Person erst recht auf den Gedanken bringt, sich mit dem Thema „sich selbst das Leben zu nehmen“ zu befassen. Aber da ist auch genau das Gegenteil der Fall. Wir Menschen sind so empathische Wesen. Das heißt, wenn wir von einer anderen Person so das Gefühl bekommen, vielleicht wird sich die Person etwas antun, dann ist es eigentlich eine Rückmeldung über das, was die andere Person sich wahrscheinlich schon sehr, sehr oft selber gedacht hat. Das sind sozusagen diese Spiegelneuronen, die dann in uns wirken, und die Erfahrung besagt einfach: Wenn wir Menschen ansprechen und sagen: „Du, ich habe irgendwie so das Gefühl, könnte es sein, dass du dir überlegst, dass du dir das Leben nehmen möchtest?“ – dass das bei den anderen Menschen, den es betrifft, die sich das schon hundertmal vorher überlegt haben, das belastet den erfahrungsgemäß nicht mehr, sondern es passiert eine große, große Entlastung. So: „Endlich kann ich über das Thema reden!“ – weil es so ein großes Tabuthema ist. Und das ist, was in diesem Erste-Hilfe-für-die-Seele-Seminar sehr, sehr ausführlich besprochen wird. Wir gehen mit Suizidgedanken oder suizidalem Verhalten, sagt man halt in der Fachsprache, um, und wie kann ich da den Schrecken verlieren, indem ich das bespreche, weil alles, was jetzt mal vom Hirn quasi heraußen ist, indem es besprochen ist, verliert Schrecken, wird kleiner und nicht größer. Du hast jetzt zwei Mythen entkräftet, nämlich: Es stimmt nicht, dass man ewig krank ist, wenn man psychische Belastungen hat. Man kann gesund werden. Und wenn ich eine Person anspreche und ihr sage, dass ich mir Sorgen mache, dass das und das passieren kann, brauche ich ja keine Angst haben, dass das die Person dann erst recht tut oder sich was antut. Aber dazu gibt es dann in euren Kursen Erste Hilfe für die Seele dann detaillierteres und mehr Wissen. Gibt es noch was, was unsere Hörerinnen und Hörer zum Thema Erste Hilfe für die Seele wissen sollten?
Ja, also Erste Hilfe für die Seele ist heute eine sehr, sehr wichtige Sache. Wir kennen alle Menschen, die psychische Probleme haben. Es ist einfach ein großes Thema in unserer Gesellschaft jetzt. Wir brauchen uns aber nicht davor fürchten. Ja, es gibt Hilfe, und wir können mit dem Thema umgehen. Ich kann nur allen Menschen empfehlen, so ein Seminar zu besuchen. Ihr lernt dabei über Depressionen, Dinge, über Angsterkrankungen, über eben Suizidideen, Gedanken, Suizid, über Psychosen – wie schaut das aus? – über Suchterkrankungen, und ihr lernt dabei eine Methode, wie ihr da Menschen besser begleiten und helfen könnt. Und ganz, ganz wichtig, also, dass ihr da nicht alleine mit dem Thema bleibt, ist dieser Anschluss immer an Profis, dass man eben schaut, dass man einen Profi mit ins Boot kriegt. Ist es der Hausarzt, ist es die psychosoziale Beratungsstelle? Und manchmal ist es gar nichts von dem, sondern es ist ein Fachbuch, was zum Beispiel Menschen auch helfen kann. Ja, also wir haben eine ganze Range an Möglichkeiten. Wichtig ist, dass man Dinge probiert und versucht und dran bleibt.
Ja, wir sind jetzt schon wieder fast am Ende unserer Folge angelangt, und dieses Mal würde ich dich bitten, dass du noch mal das Wichtigste zusammenfasst, nämlich hast du jetzt gesagt: Wenn man einen Erste-Hilfe-Kurs machen möchte, dann gerne herzlich willkommen. Aber jetzt bitte in der Zusammenfassung für all jene, die den Kurs nicht aus unterschiedlichsten Gründen machen können: Was ist wichtig für die Erste Hilfe für die Seele? Was kann ich zu Hause tun? Also: Erstens, ansprechen; zweitens, konkrete Hilfe anbieten („Ich koche da was, gehen wir zusammen mal spazieren.“); drittens, den Kontakt zum Profi herstellen („Gehen wir zum Hausarzt, gehen wir zusammen zur Beratungsstelle.“).
Sehr gut, ich kenne mich aus. Mir ist jetzt wirklich alles klar. Danke. Danke vielmals für die knackige Zusammenfassung, liebe Sigret. Das ist immer unsere letzte Frage im „Gesund informiert Podcast“: Was ist denn dein persönlicher Tipp für ein gesundes Leben? Ach, das ist schwierig. Persönlicher Tipp für ein gesundes Leben: Dinge zu tun, die einem Freude machen, und mit Menschen zusammen sein, mit denen man gern zusammen ist. Das war's für heute. Danke, Sigret Lukic vom psychosozialen Dienst, dass du heute bei mir zu Gast warst.
Danke fürs Gespräch, und alles Gute und Liebe wünsche ich. Wir hoffen, dir zu Hause hat diese Folge gefallen, und du bist auch das nächste Mal wieder mit dabei. Wenn du mehr zum Thema Gesundheit wissen willst oder den Podcast nachhören möchtest, dann schau auf unserer Webseite gesund-informiert. Wenn du Themen für uns hast, die dich interessieren, dann schreibe uns unter gesund-informiert@gfstmk. Wir freuen uns schon auf ein Wiederhören. Bis dahin. Bleib gesund und informiert. Baba, Bianca und Anja von „Gesund informiert“, deinem Podcast, der Gesundheit verständlich macht.
