Das Mikrobiom

Was kann das Bakterien-Universum?

Darm mit Bakterien
Wie erkenne ich Fakten statt Fake?
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Redaktion: Bianca Heppner, MPH (Master in Public Health) und Anja Mandl, BA MA (Bachelor und Master in Gesundheitsmanagement)
Zuletzt geändert am: Mai 2026
Nächste geplante Überarbeitung: 2029

Kleinste Lebewesen im und auf unserem Körper beeinflussen unsere Gesundheit. Besonders im Darm gibt es eine große Vielfalt an Bakterien, Viren und Pilzen. Sie übernehmen wichtige Funktionen bei der Verdauung, der Verwertung von Nährstoffen  und der Entwicklung des Immunsystems. Die Zusammensetzung des Mikrobioms wird durch unsere Gene, Ernährung, Lebensstil, Umwelt und Medikamenteneinnahme beeinflusst. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass ein ausgewogenes Mikrobiom zur Gesundheit beitragen kann.[3,5,8] 

In diesem Beitrag werden häufige Fragen zum Thema "Mikrobiom" beantwortet. Sie als gesunde erwachsene Person erfahren, was Sie selbst tun können, um Ihren Mikrobiomein gutes Klima zu bereiten. Sie erfahren, wo Sie weitere Informationen finden. Mit diesen Informationen können Sie sich selbst ein Bild machen, bevor Sie eine Entscheidung für Ihre Gesundheit treffen!

Überblick

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Gesamtheit aller Mikroorganismen am und im Menschen werden Mikrobiom genannt.[1] 
  • Der Großteil dieser Mikroorganismen befindet sich im Darm.[5]
  • Das Mikrobiom beginnt sich mit der Geburt aufzubauen.[2] 
  • Das Mikrobiom im Darm übernimmt wichtige Aufgaben für die Gesundheit.[2]
  • Die Zusammensetzung und Vielfalt des Mikrobioms hängt von verschiedenen Faktoren ab. Manche davon können wir beeinflussen, andere nicht.  
  • Die Ernährung und der Lebensstil beeinflussen bei jedem Menschen, wie sich das Mikrobiom entwickelt.[2,8] 

Podcast

Folge #99: Gesund informiert zum Mikrobiom: Wofür brauchen wir die Lebewesen im Darm?

In dieser Folge schildert die Psychiaterin und Ernährungsmedizinerin Sabrina Leal Garcia, was Darm und Psyche miteinander zu tun haben und warum Vielfalt in der Ernährung so wichtig ist.

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Podcast-Ausschnitte

Hören Sie kurz in die Folge hinein!

Teil 1: Was ist das Mikrobiom?

Teil 2: Wie wichtig sind Ballaststoffe?

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Frage von

Häufige Fragen

Was ist das Mikrobiom des Menschen?

Als Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die auf und im menschlichen Körper leben. Dazu gehören vor allem Bakterien, aber auch Viren, Pilze und andere Mikroorganismen. Besonders viele davon befinden sich im Darm. Aber auch auf der Haut, im Mund und im Genitalbereich ist es zu finden.[1,5]

Wie entsteht das Mikrobiom?

Die Besiedelung mit Mikroorganismen beginnt bereits bei der Geburt. Im Bauch der Mutter ist der Darm eines Babys noch frei von Mikroorganismen. Bei der natürlichen Geburt kommen die ersten Bakterien der Mutter in den Körper des Babys. Sie gelangen in den Darm und helfen dabei, das Darmmikrobiom aufzubauen. Mit der Zeit entwickelt sich daraus ein stabiles Mikrobiom.[2] 

Das Mikrobiom ist bei jedem Menschen anders. Es ist wie ein persönlicher Fingerabdruck.[8] Der Lebensstil und die Ernährung beeinflussen jeden Tag, wie sich das Mikrobiom entwickelt.[2] 

Heißt es Darmmikrobiom oder Darmflora?

Im Alltag sagen viele Menschen noch „Darmflora“. In der Medizin verwendet man heute aber den Begriff „Darmmikrobiom“. Früher dachte man, die Mikroorganismen im Darm gehören zur Pflanzenwelt, deshalb wurde das Wort „Flora“ benutzt. Heute weiß man, dass Bakterien eigene Lebewesen sind und nicht zu den Pflanzen gehören.[2]

Welche Aufgaben hat das Darmmikrobiom?

Das Darmmikrobiom übernimmt viele wichtige Aufgaben:[2] 

  • Unterstützung der Verdauung und Verarbeitung von Ballaststoffen
    Ohne das Darmmikrobiom könnte der Körper Nahrung nicht richtig verdauen. Die Mikroorganismen im Darm helfen dabei, Ballaststoffe aus der Nahrung im Dickdarm abzubauen. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die das Immunsystem stärken und Herz und Blutgefäße schützen. 
  • Beteiligung an der Bildung bestimmter Vitamine
    Die Bakterien im Darm können verschiedene Vitamine herstellen, zum Beispiel Vitamin K und einige B-Vitamine. Diese Vitamine können den Körper mitversorgen. Wie wichtig dieser Beitrag für den Körper ist, ist allerdings noch unklar.  
  • Schutz vor Krankheitserregern
    Das Darmmikrobiom schützt den Körper vor Krankheitserregern. Es bildet Milchsäure, wodurch der PH- Wert im Darm saurer wird. In diesem Umfeld können sich schädliche Bakterien schlechter ausbreiten und ansiedeln. 
  • Unterstützung des Immunsystems
    Die Mikroorganismen im Darm helfen dabei, das Immunsystem zu stärken und zu trainieren. Im Darm befinden sich viele Abwehrzellen, die den Körper vor Krankheitserregern schützen. Gleichzeitig sorgt das Immunsystem dafür, dass es nicht zu stark auf harmlose Stoffe aus der Nahrung reagiert. So hilft das Darmmikrobiom dabei, den Körper gesund zu halten. 

Forschende untersuchen außerdem, wie das Mikrobiom mit Stoffwechsel, Psyche und verschiedenen Erkrankungen zusammenhängt. Viele dieser Zusammenhänge sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. 

Was beeinflusst das Mikrobiom?

Das Mikrobiom ist bei jedem Menschen anders. Die Zusammensetzung und auch die Vielfalt hängen von unterschiedlichen Faktoren ab. Manche können wir beeinflussen, andere nicht. Bereits die Art der Geburt - natürliche Geburt oder Kaiserschnitt - beeinflusst, mit welchen Mikroorganismen wir zuerst Kontakt haben.[5] Umwelteinflüsse wie Ernährung und Lebensstil beeinflussen jeden weiteren Tag, wie sich das Darmmikrobiom entwickelt.[2,4,8] 

Viele unterschiedliche Faktoren wirken auf die Entwicklung des Mikrobioms ein: 

  • Genetik 
  • Geschlecht 
  • Alter 
  • Umwelteinflüsse 
  • Ernährung 
  • Rauchen 
  • Alkohol 
  • Medikamente 
  • Bewegung 
  • Stress 
  • Schlaf 
  • Erkrankungen 
Wie bleibt das Darmmikrobiom gesund?

Die Bakterien im Darm reagieren auf viele Einflüsse von außen. Damit die nützlichen Darmbakterien gesund bleiben und sich gut vermehren können, ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung besonders wichtig:[9] 

Probiotische Kulturen können den Darm unterstützen:
Probiotische Kulturen sind nützliche Bakterien, die über die Nahrung aufgenommen werden und in den Darm gelangen. Sie kommen zum Beispiel in Naturjoghurt, Kefir, Buttermilch, Sauerrahm und verschiedenen Käsesorten vor. Auch fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Kombucha enthalten solche Bakterien. 

Es ist jedoch noch nicht klar, ob Probiotika die Darmgesundheit allgemein verbessern.  

Ballaststoffe können als Futter für das Mikrobiom dienen 

Ballaststoffe sind Bestandteile von Lebensmitteln, die der Körper nicht verdauen kann. Trotzdem sind sie wichtig, weil sie die Verdauung fördern. Einige Ballaststoffe dienen den Darmbakterien als Nahrung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen etwa 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag. Gute Quellen sind Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Wildreis. 

Was kann ich selbst tun für ein gesundes Dammakrobiom?

Fachpersonen empfehlen folgende Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, die auch dem Darmmikrobiom guttun können. Viele dieser Maßnahmen sind wissenschaftlich nicht bewiesen. Sie können allerdings unterstützen:[7,9] 

  • Mehrere kleine Mahlzeiten essen statt wenige große.  
  • Langsam essen und gründlich kauen, ungefähr 15-30 mal pro Bissen  
  • Ausreichend Wasser trinken.  
  • Fettige, stark gewürzte und blähende Speisen möglichst selten verzehren. 
  • Nicht rauchen.  
  • Weniger oder keinen Alkohol trinken. 
  • Lebensmittel meiden, die persönlich nicht gut vertragen werden.  
  • Ausreichend schlafen  
  • Stress abbauen, zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder Meditation.  
  • Regelmäßig bewegen und Sport in den Alltag einbauen. 

Video

In diesem Video wird anschaulich erklärt wie das Mikrobiom funktioniert. Herausgeber: Deutsches Bundesministerium für Gesundheit

https://www.youtube.com/watch?v=OcOkwPJYTAc

Unterschiede Frauen und Männer

Das Mikrobiom bei der Frau 

Das Mikrobiom verändert sich im Laufe des Lebens. Bei Frauen verändert sich das Mikrobiom mit den hormonellen Veränderungen unterschiedlicher Körperregionen. So nimmt zum Beispiel mit zunehmendem Alter die Vielfalt der Mikroorganismen im Darm ab und nach der Menopause im Genitalbereich wieder zu.[8] Das vaginale Mikrobiom ist besonders abhängig vom Östrogenspiegel.

Mythen

Mythos 1: Jedes Volksleiden hängt mit dem Mikrobiom zusammen.

Nein. Oft wird behauptet, dass viele Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Allergien, Reizdarm, Asthma oder Depressionen mit dem Darmmikrobiom zusammenhängen. Die Forschung auf diesem Gebiet ist jedoch noch nicht weit fortgeschritten. Viele Ergebnisse sind bisher nicht eindeutig bestätigt, die beobachteten Effekte sind häufig gering. Studien mit Menschen gibt es noch sehr wenige. Deshalb sollten Aussagen über die Wirkung des Darmmikrobioms kritisch betrachtet werden. Damit können unrealistische Erwartungen vermieden werden.[6] 

Zahlen und Daten

100.000 Milliarden 

In unserem Magen-Darm-Trakt leben schätzungsweise mehr als 100.000 Milliarden Mikroorganismen.[9] 

Rat und Hilfe

Wenn Sie gesundheitliche Probleme haben, können Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt  sprechen. Hier finden Sie die Ärztesuche in der Steiermark für das passende Angebot: Ärztesuche - ordinationen.st. 

Quellen

Hinweis: Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass die Informationen auf dieser Webseite auf keinen Fall als Ersatz für eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Expertinnen und Experten (zum Beispiel Ärzt*innen, Apotheker*innen, Ernährungsberater*innen, Psycholog*innen etc.) dienen. “Gesund informiert“ ist eine Webseite des Gesundheitsfonds Steiermark und wird ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert. Weitere wichtige Informationen finden Sie hier.

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