Magersucht und andere Ess-Störungen
Was tun, wenn Essen zur Gefahr wird?
Menschen mit einer Essstörung beschäftigen sich übermäßig mit dem Thema Essen und haben Sorgen ihr Gewicht oder ihre Körperform betreffend [9]. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung. Menschen mit einer Essstörung essen entweder zu wenig, unkontrolliert zu viel oder erbrechen nach jeder Mahlzeit. Es gibt viele verschiedene Arten der Essstörung. Häufig kommen sie auch miteinander vor oder es entwickelt sich aus einer Essstörung eine andere[1].
In diesem Beitrag werden häufige Fragen zum Thema Essstörungen beantwortet. Sie als gesunde erwachsene Person erfahren, wie man betroffenen Personen mit einer Essstörung helfen kann und welche Anzeichen es gibt. Außerdem erfahren Sie, wo Sie Rat und Hilfe und weitere Informationen finden. Mit diesen Informationen können Sie sich selbst ein Bild machen, bevor Sie eine Entscheidung für Ihre Gesundheit treffen!
Überblick
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei einer Essstörung ist das Thema Essen der Lebensmittelpunkt[1] der betroffenen Person.
- Es gibt unterschiedliche Formen von Essstörungen[2].
- Nicht nur die Magersucht ist eine Essstörung, sondern auch die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) oder unkontrollierte Essanfälle gehören dazu[2].
- Eine Essstörung ist eine ernstzunehmende Krankheit und sollte von Fachleuten behandelt werden[2].
- Eine Essstörung kann durch ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren entstehen: Diäten, ein niedriges Selbstwertgefühl aber auch die genetische Veranlagung oder familiäre Probleme können eine Rolle spielen[1].
- Mädchen und junge Frauen sind am häufigsten davon betroffen. Aber auch Burschen und Männer können betroffen sein[9].
Podcast
Folge #92 Gesund informiert zum Thema Magersucht: Wo finde ich Hilfe?
In dieser Folge schildern Christine Brugger und Karin Lafer, wie man die Magersucht als Angehöriger erkennt, wie man reagieren kann und wo man Hilfe findet.
Podcast-Ausschnitte
Hören Sie kurz in die Folge hinein!
Teil 1: Wer ist von Magersucht betroffen?
Teil 2: Was können Angehörige tun?
Teil 3: Was steckt hinter einer Magersucht?
Testen Sie Ihr Wissen
Häufige Fragen
Was ist eine Essstörung?
Wenn eine Person den ganzen Tag an das Thema Essen (oder auch Gewicht) denkt und der Alltag durch dieses Thema beeinflusst wird, spricht man von einer Essstörung. Das Thema Essen steht im Lebensmittelpunkt der betroffenen Menschen[1]. Nicht nur der Umgang mit dem Essen ist gestört, sondern auch das eigene Körpergefühl[8].
Am häufigsten tritt diese Krankheit im jungen Erwachsenenalter auf. Vor allem Mädchen und junge Frauen erkranken an einer Essstörung. Auch junge Männer können davon betroffen sein[9].
Eine Essstörung ist eine ernstzunehmende Krankheit, die oft Jahre andauert. Menschen mit einer Essstörung verheimlichen oft ihr Essverhalten. Manchmal vernachlässigen sie auch Interessen oder ihre Familie und Freunde[8].
Welche Arten von Essstörungen gibt es?
Es gibt unterschiedliche Formen einer Essstörung. Hier werden die häufigsten beschrieben:
- Magersucht (Fachbegriff: Anorexie): Menschen mit Magersucht nehmen stark ab. Sie sind sehr dünn und finden sich trotzdem zu dick[6]. Sie hungern, machen übermäßig viel Sport oder nehmen Abführmittel[1].
- Bulimie (Ess-Brech-Sucht): Menschen mit Bulimie haben regelmäßig unkontrollierbare Essattacken. Sie essen große Portionen sehr schnell und wollen nicht zunehmen. Deshalb erbrechen diese Menschen häufig nach dem Essen, machen Diäten oder treiben zu viel Sport[1].
- Binge-Eating-Störung: Betroffene essen in kurzer Zeit sehr große Mengen. Sie haben „Essanfälle“. Im Unterschied zu anderen Essstörungen erbrechen sie danach meist nicht und nehmen keine Abführmittel[1]. Die Krankheit kann dazu führen, dass Menschen stark zunehmen. Starkes Übergewicht oder Adipositas sind oft die Folge. Diese Form der Essstörung kommt am häufigsten vor[1].
Essstörungen gehen oft mit einem geringen Selbstwertgefühl einher. Viele Betroffene haben auch psychische Probleme[2].
Wichtig zu wissen ist, dass jede Form eine ernstzunehmende Krankheit ist, die behandelt werden muss[2].
Was sind Anzeichen für eine Essstörung?
Eine Essstörung entwickelt sich schleichend, sie taucht also nicht von heute auf morgen auf. Betroffene vergleichen sich oft mit anderen, wollen eine „perfekte“ Figur haben, machen extrem viel Sport und reden nur mehr über das Thema Essen und ihr Gewicht[2].
Ernstzunehmende Anzeichen können sein[1]:
- Wenn der oder die Betroffene häufig das eigene Körpergewicht kontrolliert
- Wenn Mahlzeiten ausgelassen werden
- Wenn bei jedem Essen die Kalorien gezählt werden
- Wenn heimlich gegessen wird und nicht in Gesellschaft
- Wenn er oder sie ungewöhnlich viel Sport macht
- Wenn die Person nach dem Essen erbricht
- Wenn die Person zu viel oder zu wenig Gewicht hat
- Wenn sich die betroffene Person zurückzieht und den Kontakt mit anderen vermeidet
Hinter diesen Anzeichen muss keine Essstörung stecken. Sie können auch andere Gründe haben. Reden Sie offen über das Thema und Ihre Beobachtungen. Äußern Sie, was Ihnen aufgefallen ist und dass Sie sich Sorgen machen[2].
Wie kann eine Essstörung behandelt werden?
Medizinische und psychologische Unterstützung durch Fachpersonen ist bei Essstörungen wichtig und meist notwendig[2].
Je nachdem welche Form der Essstörung die betroffene Person hat und wie schwer sie ist, wird er oder sie ambulant oder stationär behandelt. Ziel ist es, wieder ein gesundes Essverhalten zu entwickeln. Eine Psychotherapie ist meist wichtiger Bestandteil der Behandlung.
Die erste Anlaufstelle für Betroffene oder Angehörige kann der Hausarzt oder die Hausärztin sein[2].
Was kann ich selbst tun
Wie kann ich als angehörige Person helfen?
- Hören Sie zu und zeigen Sie Verständnis.
- Sagen Sie, dass Sie sich Sorgen machen.
- Suchen Sie das Gespräch und motivieren Sie die Person, Hilfe anzunehmen[1].
- Schuldzuweisungen, Vorwürfe oder auch das Aufstellen von Regeln sollten vermieden werden[2].
- Wertschätzen Sie kleine Schritte- jede Bemühung zählt.
- Reden Sie offen über das Thema und darüber, dass Sie eine Essstörung vermuten[2].
- Wenn Sie eine betroffene Person in Ihrem Umfeld haben, ist es in jedem Fall notwendig, professionelle Hilfe zu holen. Denn eine Essstörung ist eine Krankheit, die schwere Folgen haben kann[1].
- Sie können immer Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt um Rat fragen. Sie bzw. er wird Ihnen helfen, die passende Ansprechstelle zu finden.
Video
In diesem Video wird noch einmal anschaulich erklärt, was eine Essstörung ist und wie sie entstehen kann.
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In diesem Video der Stiftung Gesundheitswissen wird erklärt, was eine Magersucht ist:
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Einen Erfahrungsbericht eines Betroffenen finden Sie hier:
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Unterschiede Frauen und Männer
Unterschiede bei Männern und Frauen
In der Steiermark erkranken die meisten Betroffenen im Alter zwischen 15 und 35 Jahren[9].
Essstörungen bei der Frau[9]
- Essstörungen treten bei Frauen und Mädchen viel häufiger auf als bei Männern und Burschen.
- Das gilt insbesondere für Magersucht und Bulimie.
Essstörungen beim Mann
- Männer sind von der Binge-Eating-Störung etwas häufiger betroffen als Frauen.
- Es könnte sein, dass betroffene Männer seltener Hilfe suchen und sich seltener behandeln lassen. Männer gehen generell seltener zur Ärztin oder zum Arzt[10].
Zahlen und Daten
Wie ist die Situation in Österreich?
- Grobe Schätzungen lassen vermuten, dass ca. 2,5% der 18 bis 35-Jährigen Frauen in Österreich an Bulimie leiden. Ungefähr eine von 100 Frauen, die 15 bis 25-Jahre alt sind, leidet an Magersucht[8].
- Eine Studie zeigt, dass ungefähr 200.000 Österreicherinnen und Österreicher im Laufe ihres Lebens an einer Essstörung leiden[4].
- Die Wahrscheinlichkeit, an einer Essstörung zu erkranken, ist bei Frauen 6,5 Mal höher als bei Männern[7].
- Etwas weniger als ein Drittel (30,9%) der 10 bis 18-Jährigen Schülerinnen in Österreich haben ein erhöhtes Risiko eine Essstörung zu entwickeln. Bei den Burschen sind es ungefähr 15 von 100[7].
Rat und Hilfe
- Österreichische Gesellschaft für Essstörungen - Ambulante und stationäre Einrichtungen
Hier finden Sie Informationen zu Beratungsstellen, ambulanten und stationären Einrichtungen und bekommen telefonische Auskunft.
- LELI-Tageszentrum für Essstörungen
LELI- Tageszentrum für Menschen mit Essstörungen schließt die Lücke in der Betreuung zwischen Krankenhaus und Zuhause.
- HPE Österreich: Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter
Angehörige von psychisch Erkrankten bekommen hier professionelle Beratung und Unterstützung. Außerdem finden auch Selbsthilfegruppen und Seminare statt.
- Psychische Krisen: Erste Hilfe Krisendienst - Gesundheitsfonds (gesundheitsfonds-steiermark.at)
PsyNot - Das psychiatrische Krisentelefon für die Steiermark.
Unter der Nummer 0800/44 99 33 werden Ihre Fragen rund um die Uhr von Fachkräften beantwortet. Es ist die erste Anlaufstelle, um entsprechende Hilfsangebote zu bekommen.
Es kann von Betroffenen und Angehörigen anonym und kostenfrei genutzt werden.
- Essstörungen - b.a.s. [betrifft abhängigkeit und sucht] (bas.at)
Hier finden Sie Beratungsangebote in der Steiermark. Auch eine Onlineberatung ist möglich.
- Essstörungen – Selbsthilfe Steiermark (selbsthilfe-stmk.at)
Durch Selbsthilfegruppen kann ein wertvoller Austausch entstehen. Hier finden Sie die derzeitigen Angebote der Selbsthilfegruppen in der Steiermark.
- Ärztesuche: Ärztekammer Steiermark (aekstmk.or.at)
Finden Sie hier schnell und einfach den passenden Arzt oder die passende Ärztin in Ihrer Nähe.
Hier finde ich weitere Informationen
- Essstörung: Was ist das?
Lesen Sie hier genauere Informationen zum Thema.
Was ist eine Essstörung? | Gesundheitsportal
- Anorexie (Magersucht)
Erfahren Sie Genaueres über die Symptome, die Diagnose und den Verlauf von Magersucht.
Diagnose und Therapie einer Anorexie (Magersucht) | Gesundheitsportal
- Bulimie
Hier finden Sie wichtige Informationen über Bulimie.
Diagnose und Therapie von Bulimie | Gesundheitsportal
- Binge-Eating-Störung
Lesen Sie hier, wie es zu dieser Art von Essstörung kommen kann und wie die Behandlung abläuft.
Diagnose und Therapie einer Binge-Eating-Störung | Gesundheitsportal
- Psychische Erkrankung: Was können Angehörige tun?
Hier werden unterstützende Maßnahmen sowie passende Anlaufstellen aufgelistet. Psychische Erkrankungen: Was können Angehörige tun? | Gesundheitsportal
Gute Informationen in anderen Sprachen
Ess-Störungen einfach erklärt in leichter Sprache
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs, Ess-Störungen einfach erklärt | Gesundheitsportal
Quellen
Hinweis: Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass die Informationen auf dieser Webseite auf keinen Fall als Ersatz für eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Expertinnen und Experten (zum Beispiel Ärzt*innen, Apotheker*innen, Ernährungsberater*innen, Psycholog*innen etc.) dienen. “Gesund informiert“ ist eine Webseite des Gesundheitsfonds Steiermark und wird ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert. Weitere wichtige Informationen finden Sie hier.