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Folge #98: Gesund informiert zu Ernährungsmythen: Was stimmt wirklich?

Fragezeichen. Männer, Fleisch

Lässt Protein die Muskeln wachsen? Was ist von Detox zu halten? Und brauchen Männer wirklich Fleisch? Das Internet ist voll mit Mythen und angeblich hilfreichen Produkten rund um unsere Ernährung – aber nicht alles stimmt oder passt für jede / jeden von uns.

In der neuen Folge #98 erfahren Sie, was es mit Fibremaxxing auf sich hat, warum man Gluten als gesunder Mensch nicht weglassen sollte und worauf es bei einer gesunden Ernährung wirklich ankommt.

Gast: Anna Brandtner (Ernährungswissenschafterin von der Österreichischen Gesundheitskasse)

„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.

Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky

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Podcast clips

Listen in to the episode for a quick moment!

Teil 1: Brauchen Männer Fleisch?
Teil 2: Wie viel Eiweiß sollen wir essen?
Teil 3: Wie wichtig sind Kohlenhydrate?
Text for the episode

 

Willkommen bei Gesund informiert, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute zu Gast: Ernährungswissenschaftlerin Anna Brandtner.

Fanny Sedlnitzky: Du bist, was du isst, oder „An apple a day keeps the doctor away“. Das sind so Sprüche zum Thema Ernährung, die man kennt, und da gibt es eine ganze Menge. Manche sind wahr, manche sind nicht ganz wahr und manche sind überhaupt nur Mythen. Man weiß auch gar nicht, wie es dazu gekommen ist. Ja, mit Ernährungsmythen beschäftigen wir uns heute und ich habe Anna Brandtner dazu eingeladen. Schön, dass Sie Zeit gehabt haben, zu uns zu kommen.

Anna Brandtner: Ja, danke für die Einladung.

Fanny Sedlnitzky: Sie sind Ernährungswissenschaftlerin. Was macht denn die Ernährungswissenschaft genau? Womit beschäftigt man sich da?

Anna Brandtner: Ja, also Ernährungswissenschaft, da geht es darum, wir schauen uns an, wie die Nahrung in unseren Körper wirkt. Dabei geht es aber nicht nur um gesundes Essen, sondern auch Ernährung in verschiedenen Lebensphasen oder wie sich die Ernährung auch auf die Umwelt auswirkt.

Fanny Sedlnitzky: Wir hatten in unserem Podcast „Gesund informiert“ auch schon eine Diätologin zu Gast. Diätologie und Ernährungswissenschaft – ein kleiner Unterschied.

Anna Brandtner: Genau. Also die Diätologen befassen sich besonders mit den medizinischen Aspekten. Die Ernährungswissenschaft, wie der Name schon sagt, mit den wissenschaftlichen Aspekten der Ernährung.

Fanny Sedlnitzky: Und da wollen wir uns heute anschauen, ob das tatsächlich stimmt. „An apple a day keeps the doctor away“ oder „Du bist, was du isst“. Tatsächlich das, was wir oben einfüllen, das ernährt ja unsere Zellen, unseren Körper. Ja, und da gibt es eine ganze Menge an Mythen, die einem so unterkommen. Was ist denn das häufigste, starten wir gleich hinein, mit dem Sie so oft konfrontiert werden?

Anna Brandtner: Ja, also ein Mythos, der sich recht hartnäckig hält, ist der, dass Männer Fleisch brauchen.

Fanny Sedlnitzky: Das glauben die meisten Männer ja vor allem selbst.

Anna Brandtner: Genau. Genau. Also Fleisch – warum ist es so hartnäckig? Das hat auch kulturell ein bisschen Hintergrund. Also Fleisch wird mit Männlichkeit in Verbindung gebracht, mit Kraft und mit Muskeln, aber in Wirklichkeit ist es so, dass wir jetzt nicht auf ein bestimmtes Nahrungsmittel angewiesen sind, sondern es geht um Nährstoffe. Und hier das ausgelobte Protein finden wir auch in vielen anderen Lebensmitteln.

Fanny Sedlnitzky: Also nicht nur im Fleisch, denn auch Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, die führen ja auch Protein zu. Wo haben wir denn überall Protein drinnen? Abgesehen vom Steak.

Anna Brandtner: Ja, also tierische Proteinquellen wären zum Beispiel noch Eier, Milchprodukte oder Milch, aber auch der Fisch. Aber wir haben auch sehr viele pflanzliche Eiweißquellen, die oft vernachlässigt werden. Hier zählen zum Beispiel die Hülsenfrüchte dazu, also Bohnen, Linsen, Erbsen oder Soja. Das sind sehr gute Eiweißquellen, und die Empfehlungen haben sich sogar so geändert, dass wir jetzt mehr da zugreifen sollten und weniger zum Fleisch.

Fanny Sedlnitzky: Protein ist schon ein Stichwort, das jetzt überhaupt ganz großgeschrieben wird. Man kommt nicht daran vorbei, sogar auf den Joghurtpackungen steht drauf „plus 20 Prozent Protein“. Man kann Protein in Form von Pulver kaufen, in Form von Riegeln. Also dieses Protein, da kommt man tatsächlich überhaupt nicht dran vorbei. Brauchen wir es denn tatsächlich?

Anna Brandtner: Wir brauchen Eiweiß, aber es ist wirklich gerade ein besonderer Hype. Das geht in die Richtung – auch High-Protein-Produkte findet man ja sehr viele jetzt in den Supermärkten. Wie gesagt, Eiweiß ist wichtig für unseren Körper.

Fanny Sedlnitzky: Aber was macht es im Körper vielleicht genau?

Anna Brandtner: Also Eiweiß hat ganz viele Funktionen. Also der für die Muskulatur ist wahrscheinlich der bekannteste, aber es wirkt auch aufs Hormonsystem, aufs Immunsystem und ja viele andere Funktionen.

Fanny Sedlnitzky: Wenn wir uns ausgewogen ernähren – Sie haben schon erwähnt, also man kann auch aus Hülsenfrüchten, aus Eiern und natürlich in Maßen genossen aus dem Fleisch das Protein sich sozusagen zuführen, für den Körper herausholen. Aber macht es trotzdem Sinn, sich auch diese ganzen Produkte noch zusätzlich zu kaufen oder sie einzunehmen?

Anna Brandtner: Nein, also es ist absolut nicht notwendig, dass wir jetzt auf High-Protein-Produkte zurückgreifen, weil wir haben viele Lebensmittel, die gute Eiweißquellen sind und wo wir auch gut damit versorgt sind. Also man sagt 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ist der Eiweißbedarf, und das pro Tag. Genau. Und das erreichen wir relativ rasch.

Fanny Sedlnitzky: Vielleicht können wir es ein bisschen konkretisieren, damit man sich was vorstellen kann. Wie soll denn so ein Teller oder mehrere Teller über den Tag verteilt ausschauen, damit ein bisschen Protein auch dabei ist?

Anna Brandtner: Also man schafft das, wenn man bei jeder Mahlzeit eine kleine Eiweißquelle dabei hat. Das könnte zum Beispiel in der Früh sein, wenn man ein Haferflockenmüsli isst mit Obst, und da hätte ich dann zum Beispiel ein Naturjoghurt als Eiweißquelle oder, wenn ich es pflanzlich möchte, Sojajoghurt. Dann zu Mittag kann es eine große Portion Linsen sein mit Knödel. Dann hätte ich hier auch wieder pflanzliches Eiweiß. Und am Abend zum Beispiel auch wieder ein Brot mit geräuchertem Fisch, Gemüse dazu, und da hätte ich immer Eiweiß dabei. Und so kann ein durchschnittlicher Erwachsener gut den Eiweißbedarf decken. Also extra High-Protein-Produkte sind da nicht der Fall.

Fanny Sedlnitzky: Sogar wenn man zusätzlich noch Sport macht? Das ist auch oft ein Gedanke: Wenn ich Sport treibe, muss ich extra Eiweiß essen.

Anna Brandtner: Aber wenn ich so im Breitensportlerbereich bin und sage, gut, ich mache jetzt vier- bis fünfmal die Woche eine halbe Stunde Sport, auch da brauche ich noch keine extra Eiweißprodukte.

Fanny Sedlnitzky: Warum wird es so gehypt im Moment? Können Sie sich das erklären?

Anna Brandtner: Eiweiß sättigt halt sehr gut und besonders auch im Zusammenhang mit Gewichtsmanagement wird es immer wieder gerne erwähnt, also extra Eiweiß besonders im Sportbereich oder wenn ich abnehmen möchte. Aber wie gesagt, es kann auch zu viel an Eiweiß sein und es ist gar nicht gut. Also umso mehr, umso besser stimmt beim Eiweiß nicht.

Fanny Sedlnitzky: Okay. Also liebe Männer, wir müssen enttäuschen. Zum Grillabend kann auch durchaus einmal etwas Pflanzliches gegrillt werden oder gegessen werden. Heute zu Gast in „Gesund informiert“, dem rezeptfreien Podcast: Ernährungswissenschaftlerin Anna Brandtner.

Wir kommen zu einem nächsten Mythos, der da lautet: Man soll seinen Körper regelmäßig entgiften. Ist das tatsächlich gesund? Ist das gut? Vor allem wird es wahrscheinlich davon abhängen, wie ich ihn entgifte.

Anna Brandtner: Also zum Detox oder Entgiften, da findet man ja auch wirklich sehr viele Produkte. In dem Zusammenhang werden auch immer wieder Schlacken genannt, von denen man sich da regelmäßig befreien soll. Aber wissenschaftlich gesehen ist es so, der Begriff Schlacken ist nicht definiert. Also –

Fanny Sedlnitzky: Was ist das? Können wir das ganz kurz erklären?

Anna Brandtner: Ja, das ist eben der Punkt. Es wird nirgends definiert. Und man kann aber sagen, Schlacken kommen im Körper nicht vor, weil unser Körper kann sich selbst entgiften, also über die Organe: Leber, Niere, ja, auch Darm. Und da brauchen wir keine speziellen Produkte.

Fanny Sedlnitzky: Macht es trotzdem Sinn zu sagen – da gibt es ja verschiedenste Varianten, um dem Körper nicht ständig was zuzuführen. 16:8 ist so ein Stichwort, wo man innerhalb von 8 Stunden isst und dann 16 Stunden pausiert. Oder es gibt manche, die sagen, na ja, ich lege einen Tag in der Woche eine Saftkur oder irgendwas ein. Macht das Sinn, den Körper da irgendwie zu entlasten, oder ist das auch nicht notwendig?

Anna Brandtner: Am besten wäre es, wenn man versucht, im Alltag einfach weniger, ich nenne es mal Giftstoffe, zuzuführen. Also da zum Beispiel, dass man darauf achtet, wenig bis kaum Alkohol, auch nicht zu rauchen, dass man schaut, dass man viel Gemüse isst, also seine drei Portionen, weil dann führe ich wieder sekundäre Pflanzenstoffe zu. Die stärken dann meine Organe, dass die Entgiftung, die ja normal stattfindet, auch unterstützt wird. Auch beim Einkaufen kann man schauen, dass man Lebensmittel bevorzugt, die eben geringere Rückstände zum Beispiel an Pestiziden haben. Also da könnte ich zum Beispiel biologisch einkaufen, Obst und Gemüse gut waschen.

Fanny Sedlnitzky: Also das heißt eigentlich vorher nachdenken statt nachher mühsam zu entgiften, vielleicht auch noch teure Produkte zu kaufen, sondern gleich darauf achten, was ich mir zuführe, denn wir haben am Anfang schon gesagt: Du bist, was du isst.

Anna Brandtner: Genau. Genau. Es ist auf jeden Fall sinnvoll. Detoxprodukte können nämlich sogar auch mehr Schaden anrichten. Also wir finden ja zum Beispiel viele entwässernde Substanzen. Manche verwenden ja auch Detox, um Gewicht abzunehmen. Das funktioniert zum Beispiel so bei entwässernden Substanzen, weil ja wirklich, man nimmt ab auf der Waage, man freut sich, aber in Wirklichkeit ist es Wasser. Und wenn ich das jetzt über einen sehr langen Zeitraum mache, ist auch die Gefahr, dass zum Beispiel wertvolle Mineralstoffe ausgeschieden werden. Also wie gesagt, können auch mehr negative Auswirkungen haben.

Fanny Sedlnitzky: Bleiben wir noch beim Thema Abnehmen. Da gibt es den nächsten Mythos: Wenn ich meine Kalorien zähle, dann nehme ich ab. Viele schauen dann und überlegen und sagen: „Ah, jetzt esse ich schon so wenig und das sind so wenig Kalorien, und trotzdem nehme ich nicht ab oder im Gegenteil sogar zu.“ Soll ich denn meine Kalorien zählen, die ich zuführe? Macht das Sinn?

Anna Brandtner: Es ist so, dass viele glauben, dass man wirklich nur mit Kalorienzählen abnehmen kann, aber so ist es nicht. Es gibt andere Möglichkeiten und so striktes Kalorienzählen kann sogar negativ wirken. Also manche berichten, dass sie dann eher Essanfälle haben, dass sie einfach verunsichert sind und es ist halt die Gefahr, dass sie Lebensmittel nur noch als Kalorienquelle sehen und gar nicht mehr erkennen: Mir liefert es Nährstoffe, wie lange bin ich überhaupt satt damit?

Fanny Sedlnitzky: Da gibt es auch eine andere Möglichkeit, mit der viele glauben abzunehmen oder auch tatsächlich vielleicht abnehmen: Die lassen dann einfach bestimmte Kategorien weg. Manche lassen die Kohlenhydrate weg, manche lassen nur ganz speziell etwas aus der Gruppe der Kohlenhydrate weg, nämlich Gluten. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in unseren Produkten, die mit Weizen sozusagen hergestellt werden, drinnen ist gleich von Natur aus. Ist es denn notwendig als gesunder Mensch, dieses Gluten aus der Nahrung zu streichen? Es gibt ja auch schon Regale, da steht „glutenfrei“.

Anna Brandtner: Also es ist so, dass da eher die Nachteile überwiegen, wenn ich jetzt Gluten weglasse, aber es keinen medizinischen Grund gibt. Weil es ist automatisch so, wenn ich diese Getreidearten weglasse, dass ich auch weniger Ballaststoffe zu mir nehme. Und die Ballaststoffe haben ganz viel gute Wirkungen in unserem Körper. Also sie wirken dann indirekt aufs Immunsystem, auf die Sättigung. Sie sind sozusagen auch Futter für unsere Darmbakterien und ja, wenn ich da die ganze Kategorie weglasse, überwiegen wie gesagt eher die Nachteile.

Fanny Sedlnitzky: Für wen sind diese Produkte dann?

Anna Brandtner: Ja, diese Produkte sind, wenn es wirklich einen medizinisch-klinischen Grund gibt, wie es bei Zöliakie der Fall wäre. Also hier muss ich wirklich strikt auf Gluten verzichten.

Fanny Sedlnitzky: Das muss man aber ärztlich abklären lassen.

Anna Brandtner: Genauso ist es. Also nicht auf Verdacht Gluten weglassen, sondern wirklich ärztlich abklären. Und wenn ich dann eine Bestätigung habe, dann muss man eh darauf reagieren, vielleicht Ernährungsberatung in Anspruch nehmen, damit einem nochmal erklärt wird: Wo steckt es jetzt drinnen? Aber nur weil es ein Hype ist oder ich mir denke, ja, hilft vielleicht, sollte man es nicht einfach weglassen. Sie haben jetzt auch schon eine wichtige Kategorie angesprochen, die Ballaststoffe. Und Ballaststoffe führen mich zu unserem nächsten Stichwort, das ist Fiber-Maxing. Vielleicht können Sie uns diesen Begriff überhaupt gleich mal erklären.

Anna Brandtner: Ja, also beim Fiber-Maxing geht es darum, dass ich die Ballaststoffzufuhr erhöhe.

Fanny Sedlnitzky: Generell klingt das mal gut, weil wir sollten ja 30 Gramm Ballaststoffe zu uns nehmen, und im Durchschnitt schafft ein Österreicher vielleicht 20 Gramm.

Anna Brandtner: Genau.

Fanny Sedlnitzky: Ballaststoffe, das klingt so belastend irgendwie.

Anna Brandtner: Genau. Ja. Hat leider einen ungünstigen Namen, aber die Ballaststoffe sind sehr gut für unseren Körper. Die gehören sozusagen zu den Kohlenhydraten, aber sie werden nicht bis kaum verdaut und gelangen dann so in den Dickdarm. Und das heißt, die Ballaststoffe, sie helfen uns auf der einen Seite, dass wir besser gesättigt sind, sie regen die Darmtätigkeit an, sie sind wieder gut fürs Mikrobiom, also für die Darmflora und dann wieder fürs Immunsystem, wirken außerdem auch noch positiv auf Blutzucker und Cholesterin.

Fanny Sedlnitzky: Also Ballaststoffe braucht unser Körper sowie auch viele andere Dinge. Wo stecken die denn überhaupt drin?

Anna Brandtner: Ballaststoffe stecken zum Beispiel in Gemüse und Obst, aber auch in Getreide und hier besonders im Vollkorngetreide. Das sind besonders gute Ballaststoffquellen.

Fanny Sedlnitzky: Das heißt also, die viel zitierte Handvoll Gemüse, Handvoll Obst und ein bisschen Getreide dazu – Vollkornbrot, Nudeln und so weiter sollten auf jedem Teller landen.

Anna Brandtner: Genau. Und wenn man das wirklich umsetzt, diese drei Hände voll Gemüse, die zwei Hände voll Obst und die Mengen an Getreide, dann wird man auch gut auf diese 30 Gramm kommen. Und dieser Begriff Fiber-Maxing, der ist auch so ein bisschen ein Hype über soziale Medien. Junge Leute, die sich da irgendwie Ernährungstipps holen – das heißt, die erhöhen ihre Ballaststoffzufuhr. Auch da kann aber sein, irgendwann ist Schluss, ist zu viel.

Anna Brandtner: Genau. Genau. Also wenn es in eine extreme Richtung geht, also dass ich bei weiß nicht 70 Gramm Ballaststoffen bin und das auch sehr radikal umstelle, dann kann das auf jeden Fall negative Auswirkungen haben. Weil zum einen muss sich der Verdauungstrakt erst daran gewöhnen. Das heißt, man kann mit ein bisschen Bauchschmerzen reagieren, mit Blähungen. Wenn ich dann auch noch zu wenig trinke, dann kann das Ganze auch zu einer Verstopfung führen zum Beispiel, weil die Ballaststoffe ja Flüssigkeit benötigen und dann quellen sie. Besonders auf Social Media wird ja auch dieser Skinny-Talk besonders bei jungen Mädchen – umso dünner, umso besser – verbreitet, die oft extreme Mengen dann zu sich nehmen, damit sie möglichst lange satt sind. Also dann ist es auf jeden Fall problematisch.

Fanny Sedlnitzky: Möglichst lange satt, das erreicht man auch mit Kohlenhydraten. Das ist unser nächstes Stichwort. Kohlenhydrate haben wir ganz kurz schon davon gesprochen beim Thema Gluten. Kohlenhydrate per se haben ein bisschen einen schlechten Ruf, überhaupt am Abend, weil man sagt, wenn man so schwer isst, unter Anführungszeichen, also eine große Portion Nudeln zum Beispiel am Abend vor dem Schlafengehen, dann ist das schlecht. Ist denn das so?

Anna Brandtner: Also auch leider haben die Kohlenhydrate, wie Sie gesagt haben, einen schlechten Ruf, aber sie sind wichtig in unserer Ernährung. Also wir brauchen die Kohlenhydrate. Es ist aber so, dass es unterschiedliche gibt. Also der klassische Haushaltszucker wäre auch ein Kohlenhydrat, davon brauchen wir jetzt nicht so viel sozusagen. Aber von Getreidevarianten wie Nudeln, Nockerl, Knödel oder auch Erdäpfel, da soll ruhig was auf dem Teller sein. Und in Bezug auf den Abend – es ist so, dass es im Endeffekt darauf ankommt, was esse ich den ganzen Tag über. Also die Uhrzeit ist eher zweitrangig. Und die Ernährung sollte in den Alltag passen. Also wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme und ich möchte dann mit der Familie warm essen, dann soll das so sein und hat auch keine negativen Auswirkungen. Aber von der Schlafqualität her wäre es schon günstig, wenn jetzt die letzte Mahlzeit vor dem Schlafengehen nicht zu knapp ist und dass sie auch nicht zu üppig ist.

Heute zu Gast in „Gesund informiert“, dem rezeptfreien Podcast: Ernährungswissenschaftlerin Anna Brandtner.

Fanny Sedlnitzky: Eine große Kategorie, die wir auch brauchen, um sozusagen unseren Körper gut zu ernähren, sind Fette. Und da gibt es den Mythos: Fett macht fett.

Anna Brandtner: Nimmt das – kann man so auch nicht sagen. Es ist natürlich so, dass die Fette eine gute Kalorienquelle sind, sage ich mal, sie liefern viele Kalorien, aber bei den Fetten gibt es auch große Unterschiede. Wir haben die gesättigten Fette, die finde ich vorwiegend in tierischen Lebensmitteln oder auch in sehr fetten Milchprodukten, in Süßigkeiten zum Beispiel. Und davon ist es so, dass die Menschen eher zu viel aufnehmen. Ja, also die haben da eher negative Auswirkungen dann auf unsere Gesundheit, also auf den Cholesterinspiegel. Aber es gibt halt auch die sogenannten guten Fette, besonders die mehrfach ungesättigten Fette.

Fanny Sedlnitzky: Was hätten wir da zum Beispiel?

Anna Brandtner: Die finde ich zum Beispiel in fettem Fisch. Ja. Oder in Nüssen finde ich eine Vorstufe, oder auch in bestimmten Ölen, also Leinöl oder Walnussöl. Das kann ruhig öfter auf den Tisch, weil die haben wichtige Funktionen, von der Gehirnfunktion, Sehkraft bis auch sogar dann aufs Immunsystem.

Fanny Sedlnitzky: Um sozusagen das Fett im Alltag zu reduzieren, greifen viele zu Light-Produkten. Macht denn das Sinn? Da steht dann drauf 0 Prozent Fett, man isst dann ein Blatt Käse – kaum zu glauben, dass da kein Fett drin sein soll.

Anna Brandtner: Ja. Also bei den Light-Produkten gibt es sehr viele verschiedene Kategorien. Also die einen, wo eben zum Beispiel draufsteht auf der Wurst oder am Käse „kaum Fett enthalten“ – da ist es so, da müsste man wirklich immer einen Blick auf die Zutatenliste werfen, weil diese Lebensmittel sind dann oft sehr hoch verarbeitet. Also man findet etliche Zusatzstoffe.

Fanny Sedlnitzky: Das heißt, das Fett wird rausgenommen, dafür tut man was anderes rein. Klar, weil sonst fehlt ja irgendwas, ne?

Anna Brandtner: Genau. Einfach damit man dann die Konsistenz hinbekommt, den Geschmack. Das sind wie gesagt Zusatzstoffe, künstlich dann. Genau. Genau. Das sind oft künstliche Zusatzstoffe notwendig, und davon sollte man aber eher schauen, dass man wenig zuführt. Auch im Bereich Getränke gibt es ja Light-Produkte, da wird dann gern mit Süßstoffen gearbeitet. Aber generell ist es so, es gibt ja auch ganz natürliche Light-Produkte. Ja, wenn ich zum Beispiel einfach bei den Milchprodukten eher die Halbfettvariante wähle, bin ich schon auf der guten Seite. Oder wenn ich es schaffe, dass ich selber koche, weil dann habe ich auch Einfluss darauf: Wie viel Fett zum Beispiel gebe ich da jetzt überhaupt zu?

Fanny Sedlnitzky: Es gibt ja verschiedene Fette, es gibt das Olivenöl, es gibt die Butter. Was ist gescheiter zum Kochen?

Anna Brandtner: Zum Kochen würde ich auch eher pflanzliche Öle verwenden, hier vielleicht nicht sehr hoch erhitzen, weil ich hier einfach einen höheren Anteil an ungesättigten Fetten enthalten habe. Also generell versuchen eher weniger gesättigte Fette, die eben vorwiegend auch in den tierischen Produkten enthalten sind, und eher mehr pflanzliche Fette, wo ich eben diese ungesättigten und teilweise auch mehrfach ungesättigten Fette habe.

Fanny Sedlnitzky: Butter und Margarine, was ist besser?

Anna Brandtner: Ja, das ist auch immer eine Frage, die eher spaltet. Ich sage eher, beim Natürlichen bleiben, bei der Butter. Bei der Margarine gibt es halt qualitativ sehr große Unterschiede, weil wirklich von Margarine zu Margarine – was wird dann tatsächlich verwendet? Das müsste man auch wieder nachlesen. Aber hier einfach ganz dünn aufstreichen und dann genießen, weil es sollte ja keine verbotenen Lebensmittel geben. Es hat alles in der Ernährung einen Platz. Es kommt dann auf die Mengen drauf an.

Fanny Sedlnitzky: Da sind wir vielleicht jetzt zum Schluss unseres Podcasts beim Dessert. Auch das darf Platz haben in einer ausgewogenen Ernährung. Man darf sich dazwischen auch hin und wieder mal was gönnen, auch wenn es süß ist und Zucker.

Anna Brandtner: Genau. Auch Süßes hat seinen Platz, aber wie gesagt, auch die Menge ist hier dann entscheidend. Was man vielleicht so beim Süßen sagen kann: Versuchen, dass man das Süße nicht verwendet, wenn man hungrig ist, also dass ich nicht meinen Hunger damit stille, weil da braucht der Körper was anderes, sondern es wirklich als Genuss sehen. Und wenn ich mir zum Beispiel direkt nach dem Mittagessen etwas Süßes gönne, hätte ich den Vorteil, dass ich automatisch weniger esse, weil ich bin ja schon satt.

Fanny Sedlnitzky: Mhm.

Anna Brandtner: Und es wirkt auch anders auf den Blutzucker.

Fanny Sedlnitzky: Also nicht die Nachmittagspause dann und dann sich die Schokolade mit dem fünften Kaffee sozusagen zu gönnen, sondern tatsächlich als Nachspeise.

Anna Brandtner: Genau, weil Süßes auf leeren Magen hat einen anderen Effekt als auf vollen Magen.

Fanny Sedlnitzky: Und dann möchte ich jetzt schließen mit meiner Frage: „An apple a day keeps the doctor away“ – ist das so?

Anna Brandtner: Zwei Portionen Obst am Tag auf jeden Fall, und welche Obstsorte man dann isst, das kann jeder selbst entscheiden, aber es hat einen wichtigen Platz in der Ernährung.

Fanny Sedlnitzky: Vielen, vielen Dank für diese wertvollen Informationen, für diese Tipps rund um unsere Ernährung. Wir könnten ja eine ganze Serie allein damit füllen, denke ich. Es gibt noch so vieles zu wissen über die Ernährung. Aber wenn der Teller schön bunt ist, „eat the rainbow“, sagt man ja auch, dann kann man gar nicht so viel falsch machen. Immer möglichst frisch kochen, möglichst alles einbauen. Wir brauchen Fett, wir brauchen Kohlenhydrate und wir brauchen das Eiweiß. Aber wir brauchen, wenn wir uns ausgewogen ernähren, eigentlich nichts künstlich zuführen. Habe ich das richtig zusammengefasst, Anna Brandtner?

Anna Brandtner: Ja, genau. Also gut auf den Punkt gebracht. Und wenn man mehr Informationen möchte und auch gut geprüfte, dann kann ich auf unsere Homepage verweisen: www.ögk.at/ernährung. Also da kommen immer wieder Tipps und man findet viele Unterlagen rund um die Ernährung.

Fanny Sedlnitzky: Vielen herzlichen Dank und in diesem Sinne Mahlzeit allen Steirerinnen und Steirern, die jetzt vielleicht sich denken, ja, könnte wieder mal dieses oder jenes auf den Teller bringen. Vielen Dank fürs Kommen. Vielen Dank fürs Dabeisein.

Anna Brandtner: Dankeschön.

Das war „Gesund informiert“, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark.