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Folge #93 Gesund informiert zum Thema Zyklus: Wie funktioniert der weibliche Zyklus?

Kalender und Frau

Im März, dem Monat in dem Frauengesundheit ganz groß geschrieben wird, widmet sich diese Folge dem Thema weiblicher Zyklus. Der Zyklus ist ein normaler Vorgang im weiblichen Körper und trotzdem gibt es dazu einige Fragen: In diesem Podcast erklären Expertinnen, was jeden Monat im Körper einer Frau passiert, welchen Einfluss die Hormone auf Körper und Psyche haben und ob unregelmäßige Zyklen normal sind.

In der neuen Folge #93 erfahren Sie außerdem, was der Zyklus mit einer Gehaltsverhandlung zu tun hat, welche Beschwerden auftreten können und wie wir Frauen als Gesellschaft besser unterstützen können.

Gäste:
Hanna Rohn und Kerstin Pirker vom Frauengesundheitszentrum

„Gesund informiert“ ist eine Zusammenarbeit zwischen ORF Steiermark und Gesundheitsfonds Steiermark.

Redaktion und Stimme: Fanny Sedlnitzky

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Podcast clips

Listen in to the episode for a quick moment!

Teil 1: Wie ändert sich die Stimmung?
Teil 2: Sollen Periodenprodukte gratis sein?
Teil 3: Wie lange dauert der Zyklus?
Text for the episode

Willkommen bei „Gesund informiert“, der Gesundheitspodcast. Eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark. Fanny Sedlnitzky liefert wertvolle Antworten in unserem rezeptfreien Podcast. Heute mit Hanna Rohn und Kerstin Pirker vom Frauengesundheitszentrum.

Fanny Sedlnitzky: Wir befinden uns immer noch im März, und im März haben wir uns der Frauengesundheit schon einmal gewidmet mit dem Thema Essstörungen. Heute wollen wir uns noch einmal den weiblichen Körper anschauen, und zwar den weiblichen Zyklus etwas genauer. Da habe ich zwei Expertinnen bei mir: Hanna Rohn und Kerstin Pirker vom Frauengesundheitszentrum. Herzlich willkommen.

Kerstin Pirker: Danke.

Hanna Rohn: Hallo.

Fanny Sedlnitzky: Und wir werden uns heute mal ein bisschen genauer anschauen, wie denn so ein weiblicher Körper tickt. Gar nicht so einfach, aber eigentlich doch ganz normal. Könnte man vielleicht so zusammenfassen. Hanna Rohn, vielleicht könnten Sie beginnen und uns einfach einmal erklären: Wie funktioniert der weibliche Zyklus?

Hanna Rohn: Also, das erste sichtbare Zeichen in der Pubertät ist ja, wenn man zum ersten Mal die Periode bekommt. Das passiert bei Mädchen und jungen Frauen in Österreich laut Menstruationsgesundheitsbericht 2024 so im Alter von 13 Jahren durchschnittlich. Das hat oft ganz viel damit zu tun, wann die Mama selbst das erste Mal die Periode bekommen hat. Also das ist offenbar auch ein Stück weit vererbt. Da beginnt dann auch so dieses zyklische Leben – oder ein Zyklus davor eigentlich. Vor der ersten Periode, das ist immer gerne eine Fangfrage in Workshops: Kann man vor der ersten Periode schwanger werden? Ja, man kann. Im ersten Zyklus vor der Periode kann natürlich auch schon ein Eisprung stattfinden. Wir fangen ja deshalb eigentlich den Zyklus mit der Periode zu zählen an – also Tag eins ist der erste Tag der Periode im Zyklus –, weil das ein außen sichtbares Zeichen ist. Aber eigentlich beginnt der Zyklus ja schon davor.

Am Anfang sage ich immer, schickt das Gehirn ein Hormon, also einen Botenstoff, an einen der Eierstöcke, und dort fängt dann eine oder eigentlich mehrere Eizellen an zu wachsen. Eine gewinnt dann das Rennen, und es bildet sich um diese Eizelle immer ein Eibläschen. Und dieses Eibläschen, das hat auch noch wichtige Aufgaben. Das produziert nämlich wiederum Hormone, und die machen zum Beispiel dann, dass sich die Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmutterhöhle einfach anfängt aufzubauen oder zum Beispiel auch, dass der Schleimpfropf, der normalerweise den Muttermund – also die Öffnung zur Gebärmutter, die ja eigentlich, wenn man nicht gerade gebärt, fest zu ist – zusätzlich schützt und verschließt, dass dieser Schleim zum Beispiel flüssig wird und in die Scheide rinnen kann. Also solche Dinge machen eben diese Hormone. Und irgendwann, wenn dann die Eizelle groß genug ist, dann folgt der Eisprung. Das passiert dann so, dass das Eibläschen aufplatzt und die Eizelle eigentlich herausspringt oder eigentlich herausgespült wird aus diesem und dann freiliegt.

Hanna Rohn: Ja, die springt tatsächlich wirklich quasi in den Bauchraum und wird dann vom Eileiter aufgefangen. Also ich sag’s immer so zu den Mädels: Das ist ein bisschen wie ein Baseballhandschutz, der Eileiter. Der hat deswegen auch so einen Trichter vorne dran mit etwas, was aussieht wie ja, fast wie Finger ein bisschen, und kann eben dadurch die Eizelle dann auch auffangen und dann eben so Richtung Gebärmutter weiterleiten. Also die Eizelle kann sich eigentlich nicht von selber bewegen, sondern die braucht eben dann den Eileiter, da wird sie gut geschubst.

Genau, da sind so kleine Härchen drin in dem Eileiter, und die schubsen die Eizelle quasi immer weiter. Auf diesem Weg kann dann die Eizelle auf eine Samenzelle treffen. Wenn diese Frau, der der Eileiter gehört, Sex hatte und eben nicht verhütet hat, dann könnte es eben sein, dass dort dann die Eizelle und die Samenzelle zusammentreffen, dort dann verschmelzen und dann erst sich gemeinsam auf den Weg machen, eigentlich Richtung Gebärmutter.

Fanny Sedlnitzky: Wir machen uns ja zwölfmal im Jahr im Schnitt bereit für eine Schwangerschaft, und das tritt natürlich nicht so häufig ein.

Hanna Rohn: Genau. Also die meiste Zeit eigentlich in unserem Leben ist es ja eben nicht der Fall. Der Eibläschenrest, der im Eierstock verbleibt, der hat auch noch eine Aufgabe. Der wandelt sich um zum Gelbkörper, und dieser produziert dann wieder Hormone. Die bauen eben die Gebärmutterschleimhaut noch weiter auf, sorgen unter anderem auch für diesen Temperaturanstieg, der ganz charakteristisch ist in der zweiten Zyklushälfte. Dann eben wird irgendwann entschieden: Ja, es gibt eben keine Schwangerschaft. Dann löst sich tatsächlich die Eizelle einfach auf, und die Gebärmutter bekommt das Signal, dass sie die Gebärmutterschleimhaut, die ja jetzt nicht gebraucht wird als Kuschelecke quasi für eine Schwangerschaft, dass sie die abbauen darf. Und das macht sie so: Die Gebärmutter ist ein Muskel, und zwar einer der stärksten Muskeln, die es gibt im Körper, weil die muss ja bei einer Geburt auch tatsächlich ein Baby auf die Welt bringen können. Die zieht sich dann tatsächlich immer wieder so zusammen, und dadurch löst sich einfach die Gebärmutterschleimhaut ab und fließt gemeinsam eben mit Blut nach draußen.

Fanny Sedlnitzky: Und das ist dann die Periode.

Hanna Rohn: Genau. Tatsächlich.

Fanny Sedlnitzky: Die Frauen einmal im Monat circa kennenlernen. Da sind wir schon beim nächsten Stichwort: circa einmal im Monat.

Hanna Rohn: Ja.

Fanny Sedlnitzky: Tatsächlich ist es ja so, dass der Zyklus eigentlich relativ regelmäßig ist. Ja, man spricht von 28 Tagen, das ist wahrscheinlich im Lehrbuch so, aber da gibt es Abweichungen. Und auch die sind normal, auch wenn es einem als Frau vielleicht nicht immer normal vorkommt. Manchmal sagt man: „Ups, viel zu früh.“ Manchmal zittert man vielleicht ein bisschen, weil man merkt, die Periode kommt nicht. Das könnte eine Schwangerschaft bedeuten, die man vielleicht gerade nicht erwartet hat. Dennoch: Zyklen sind unterschiedlich lang. Warum?

Kerstin Pirker: Die 28 Tage sind ja eigentlich sehr künstlich und sind erst entstanden über die Entwicklung der Verhütungsmethoden, die Ende der 60er Jahre auf den Markt gekommen sind. Das haben sich auch Männer ausgedacht ein Stück weit, dass das ganz günstig wäre, wenn das vier mal sieben, wenn das so schön mathematisch geordnet ablaufen würde. Weibliche Körper sind ja sicher nicht so, wie das jede weiß, wahrscheinlich aus eigener Erfahrung. Das hat mit sehr vielen Faktoren zu tun und auch mit den Situationen, die uns begegnen. Wenn ich unter Stress bin, wenn ich vielleicht verreise oder andere Lebensmittel zu mir nehme, kann sich das verschieben. Also alle Faktoren spielen damit, und die 28 Tage sind eigentlich wirklich so was wie ein statistischer Mittelwert.

Fanny Sedlnitzky: Richtwert.

Kerstin Pirker: Richtwert. Und es liegt bei Frauen, wie wir eben wissen, zwischen 21 und 35 Tagen und darf auch variieren. Das ist ganz normal.

Fanny Sedlnitzky: Alles in diesem Rahmen ist dann normal sozusagen. Ja.

Hanna Rohn: Und gerade bei jüngeren Mädchen oder jungen Frauen ist es sogar noch normaler, ja, dass das noch stärker variiert, weil sich einfach der Körper erst an so eine gewisse Regelmäßigkeit auch gewöhnen muss. Also da kann es durchaus auch mal sein, dass die Periode ganz ausbleibt, auch nachdem man sie schon bekommen hat.

Fanny Sedlnitzky Und auch ohne Schwangerschaft...

Hanna Rohn: Genau. Tatsächlich auch ohne Schwangerschaft. Also das berichten immer öfter Mädchen auch, die dann natürlich oft sehr verunsichert sind, obwohl sie nicht mal Sex hatten, also tatsächlich gar nicht schwanger sein können. Ja, aber das kann einfach passieren. Und was wir auch immer dazu sagen: Zum Beispiel durch zu hartes Training kann es auch passieren, dass die Periode ganz ausbleibt, ja. Oder ja, Diät, Gewichtsabnahme, weil einfach... also der Zyklus ist eine Leistung und eine Stärke vom Körper. Ja, also dafür braucht der Körper ganz schön viel Kraft, weil im Fall einer Schwangerschaft muss man ja ein zweites Wesen mit ernähren können. Und wenn der Körper jetzt merkt: „Okay, ich habe nicht genug Nährstoffe für mich selbst oder da ist gerade offensichtlich eine Notsituation“ – was auch bei ganz starkem Training passiert und immer wieder von Fitness-Influencerinnen zum Beispiel angesprochen wird –, dann schaltet der Körper auf Notfallmodus um und...

Fanny Sedlnitzky: ...und dann ist das das Erste, was gestrichen wird.

Hanna Rohn: Genau. Das braucht man nicht zum Überleben. Ja, das ist eine Zusatzleistung, dass wir Kinder kriegen können, und das wird dann einfach mal ausgeschaltet. Also eh sehr gescheit.

Heute zu Gast in „Gesund informiert“, dem rezeptfreien Podcast: Hanna Rohn und Kerstin Pirker vom Frauengesundheitszentrum.

Fanny Sedlnitzky: Wir haben schon kurz angesprochen die jungen Mädchen. Wir haben dann gesagt, wenn der Zyklus sich erst ein bisschen einpendeln muss, statistisches Alter, wann Mädchen das erste Mal die Periode bekommen: circa 13 Jahre. Wie lange begleitet uns dann der Zyklus in unserem Leben in etwa?

Kerstin Pirker: Auch das ist unterschiedlich, aber die meisten Frauen bluten bis 48 bis 58. Also da gibt es auch... das Durchschnittsalter liegt bei 54 Jahren. Und auch das ist wieder so, wie es die Hanna schon ausgeführt hat, häufig ein bisschen vererbt. Und mich hat es jetzt auch erinnert an diese Unregelmäßigkeiten, die ja dann in den Wechseljahren wieder auftreten.

Fanny Sedlnitzky: Also auch wieder längere, kürzere Zyklen, ganz unterschiedlich.

Kerstin Pirker: Genau. Da sehen wir auch dann wieder ein großes Durcheinander in den Wechseljahren. Auch ein natürlicher Prozess, wenn man so will. Es sei denn natürlich, die eine oder andere beginnt wirklich darunter zu leiden. Da lohnt es sich dann schon, sich auch Hilfe zu holen, weil damit muss man nicht leben, dass man entweder dauerhaft blutet oder immer drei, vier Wochen am Stück blutet, wie es in den Wechseljahren häufig vorkommt.

Fanny Sedlnitzky: Zu den Wechseljahren – kleiner Hinweis – haben wir auch schon einen Podcast gestaltet, den man sich nachhören kann. Auch sehr viel Interessantes über den weiblichen Körper und was da so passiert in den Wechseljahren. Heute wollen wir beim Zyklus bleiben. Wir haben schon angesprochen diese verschiedenen Phasen, die es da gibt, wo sich die Eizelle aufbaut, wo dann die Zelle sozusagen abstirbt, kann man sagen, ja, wo klar ist, da wird es keine Schwangerschaft geben. Das ist dann die zweite Zyklusphase. Man spricht immer von der ersten und der zweiten Hälfte. Das kennen die meisten Frauen wahrscheinlich. Ja, und da gibt es – ich glaube auch das hat jede Frau schon einmal erlebt – unterschiedliche Beschwerden, die man hat, oder auch Zustände, die nicht nur negativ sein müssen, auch positiv. Wie kann man denn das vielleicht einteilen? Erste Zyklushälfte, zweite Zyklushälfte: Wie fühlt man sich, was kann denn da alles auftreten?

Hanna Rohn: Also, das ist tatsächlich auch wieder sehr, sehr unterschiedlich. Oft wird so gesagt, dass in der ersten Zyklushälfte viele Frauen oder Mädchen aktiver sind, also gerade wenn es so auf den Eisprung zugeht, vielleicht auch sich grundsätzlich schöner fühlen, mehr Selbstbewusstsein haben. Und dass man in der zweiten Zyklushälfte vielleicht auch mehr Rückzug braucht, einfach so Zeit für sich. Manche leiden natürlich auch unter Beschwerden, ja, wenn es dann so auf die Periode hingeht oder auch während der Periode. Und es kann auch umgekehrt sein. Also zum Beispiel gibt es auch Frauen und auch Mädchen, die während der Periode total viel Lust auf Sex haben, obwohl man das vielleicht eher der Zeit um den Eisprung zuschreiben würde. Es hat auch ganz viel damit zu tun, wie wir selber mit unserem Zyklus umgehen oder wie sehr wir uns damit anfreunden können so in unserem Alltag und wie wir damit leben. Und auch mit äußeren Strukturen, das macht dann einfach auch die Schwierigkeiten.

Fanny Sedlnitzky: Was sind nicht zyklusgerechte Strukturen?

Hanna Rohn: Also in der Arbeitswelt oder auch in der Schule, dass es kaum Möglichkeiten gibt in so einem getakteten Alltag, Arbeitsalltag oder auch Schulalltag sich kurz zu entspannen, wenn man das braucht. Ja, also da erzähle ich immer die Geschichte von einem Mädchen, die starke Periodenbeschwerden hatte und die aber für sich herausgefunden hat – was toll ist in dem Alter, ja –, wenn sie sich eine Stunde hinlegen kann ganz am Anfang ihrer Periode, also wenn sie merkt, es fängt jetzt an, dann hat sie für die restliche Zeit keine Beschwerden mehr.

Fanny Sedlnitzky: Und das müsste ermöglicht werden.

Hanna Rohn: Wenn sie diese eine Stunde hat... Das ist aber im Schulalltag fast nicht möglich. Und weil sie diese eine Stunde nicht hat, deswegen hat sie dann die restlichen sieben Tage einfach starke Beschwerden und ist eigentlich sehr eingeschränkt. Ich sage dann immer: Weil das so ein toller Vorgang im Körper ist, der uns ja ermöglicht, dass es überhaupt neue Menschen geben kann – also diese Leistung bringen wir einfach jeden Monat –, deswegen finde ich das schon wichtig, dass wir als Gesellschaft schauen: Wie kann man mit dem dann auch gut leben, und wie können wir das auch besser anpassen?

Fanny Sedlnitzky: Ja, ein kleiner Schritt ist vor nicht allzu langer Zeit geschehen. Da wurden Periodenprodukte, die jede Frau benötigt, wenn sie die Periode hat, etwas günstiger. Ist das ein erster wichtiger Schritt gewesen oder braucht es einfach noch viel, viel mehr?

Kerstin Pirker: Das ist ein sehr wichtiger Schritt, und wir wissen ja auch aus der Arbeit mit sozial benachteiligten Frauen: Für die ist das wirklich ein Problem. Das ist ja ein Hygieneprodukt, das man einfach braucht, das Frau einfach braucht. Es ist ja kein Luxusartikel, den ich mir jetzt gönne oder ein Wellness-Aufenthalt in der Therme. Deswegen ist es sehr wünschenswert, dass es in den Schulen für die Mädchen selbstverständlich auf den Toiletten zur Verfügung steht, gerade für Mädchen, die unter Stress stehen und damit überrascht werden.

Hanna Rohn: Dass ich das Periodenprodukt dann extra aufs Klo tragen muss und damit irgendwie so mir die Frage stellen muss: Wie schmuggle ich das am besten, sodass nicht alle sehen können, dass ich jetzt meine Periode habe? Wenn das jemand hinterfragt, sage ich dann immer: Ja, aufs Klo gehen ist auch ein sehr natürlicher Vorgang, aber wir müssen auch bei den meisten Toiletten nicht unser Klopapier selber mitbringen in der Arbeitsstätte oder in der Schule. Und es fänden wahrscheinlich die meisten Leute sehr komisch, wenn ich jedes Mal, wenn ich aufs Klo muss, mit meiner Klopapierrolle unterm Arm durch das Schulgebäude oder durch das Arbeitsgebäude laufen muss und damit allen mitteilen, dass ich jetzt gerade aufs Klo gehe. Also, das ist das Gleiche mit Periodenprodukten.

Fanny Sedlnitzky: Schöner Vergleich.

Hanna Rohn: Wir sind da große Verfechterinnen davon, dass Periodenprodukte einfach als letzter Schritt allen zur Verfügung stehen müssen, zumindest an öffentlichen Orten.

Fanny Sedlnitzky: Was muss noch geschehen in unserer Gesellschaft, damit das für die Frauen ein bisschen einfacher wird, damit umzugehen oder ihre Periode, ihren Zyklus einfach besser integrieren zu können in ihren Alltag?

Kerstin Pirker: Es wäre schön, wenn wir bei Ärzten und Ärztinnen danach gefragt werden, auch bei Routineuntersuchungen. Wir haben ja letztens auch gesprochen über die Gesundenuntersuchung zum Beispiel, da werden ja diverse Dinge abgefragt. Und wir werden aber nie danach befragt: „Kennen Sie Ihren Zyklus? Wie ist Ihr Zyklus? Geht es Ihnen gut damit, haben Sie Beschwerden?“ Das könnte standardisiert eigentlich jede Frau einmal zu hören kriegen. Ich beginne dann automatisch auch darauf zu achten: „Aha, bei mir ist es so, in den ersten zwei Wochen nach der Blutung geht es mir total gut, und danach bin ich vielleicht sehr weinerlich, will nicht aufstehen in der Früh oder bin viel langsamer oder bin leicht aggressiv, neige dazu, dass ich schnell in die Luft gehe.“ Das sind nur Beispiele jetzt, aber vielleicht erkennt sich die eine oder andere wieder.

Also, indem man Frauen darauf hinweisen würde, so von Anfang an. Man könnte es immer wieder einflechten. Es wäre so einfach.

Fanny Sedlnitzky: Es gibt dann auch immer wieder Kommentare: „Ah, heute bist du wieder unausstehlich, oder hast du deine Tage?“ Also, man wird fast ein bisschen bloßgestellt danach gefragt. Und tatsächlich ist es ja oft so, dass man dann bemerkt, ein, zwei Tage später kommt die Periode, und plötzlich ist das Leben wieder ein bisschen schöner. Diese Akzeptanz in der Gesellschaft zu schaffen und dafür nicht kritisiert zu werden – was braucht es da?

Hanna Rohn: Also erstens sage ich auf so eine Frage wie „Hast du deine Tage?“ immer grundsätzlich: Es gibt genug Themen für Frauen auf dieser Welt, um wütend zu sein. Also das muss nichts mit den Tagen zu tun haben. Es ist auch unfair, das auf die Tage, den Zyklus zu schieben oder Frauen jetzt ganz großartige Stimmungsschwankungen anzudichten. Tatsächlich ist es nämlich sogar so, dass durch den Zyklus Frauen tatsächlich einen viel stabileren Stimmungszyklus haben als zum Beispiel Männer. Also bei Männern ist der Stimmungszyklus tatsächlich ein bisschen tagesabhängig, also auch von den Hormonen. Also bei Frauen ist es tatsächlich so oft, dass man es vielleicht für sich sogar ein bisschen vorhersehen kann. Ja, also das finde ich eigentlich eher eine Stärke.

Kerstin Pirker: Oder ich kann es gezielt zulegen: Wenn zum Beispiel eine Gehaltsverhandlung ansteht, lege ich sie genau in diese Woche, wo ich weiß, da bin ich sowieso sehr durchsetzungsfähig, da kann ich die Dinge gut auf den Punkt bringen. Während ich vielleicht an anderen Tagen, wenn ich meine Zyklusphasen zuordnen kann, merke: Da bin ich eher so anschmiegsam, da lasse ich mit mir reden, da gebe ich gerne nach.

Heute zu Gast in „Gesund informiert“, dem rezeptfreien Podcast: Hanna Rohn und Kerstin Pirker vom Frauengesundheitszentrum.

Fanny Sedlnitzky: In diesem Zusammenhang macht es auch Sinn, Buch zu führen über den Zyklus, wirklich aufzuschreiben: Wann bekommt man die Tage? Da gibt es ja auch schon alle möglichen Hilfstools am Handy, am Smartphone, überall, wo man sich das eintragen kann.

Hanna Rohn: Viele Frauen steigen wieder auf so Regelkalender um. Tatsächlich, die gibt es bei uns übrigens auch im Frauengesundheitszentrum zu holen, oder man kann sie sich schicken lassen. Weil leider fast alle Apps – es ist gerade wieder eine Studie rausgekommen – Daten verkaufen. Und das sind einfach sehr sensible Gesundheitsdaten, wann wir unsere Tage haben oder wie unser Zyklus funktioniert. Bei den Apps muss man ein bisschen aufpassen, was man da quasi für Daten angibt. Eine der bekanntesten Apps steht gerade vor Gericht, die viele Mädchen auch benutzen. Es gibt aber zwei, die wir auch getestet haben: „Drip“ und „Periodical“, die sind datenschutztechnisch besser ausgestattet.

Fanny Sedlnitzky: Also wo man das dann sozusagen mitnotieren kann.

Kerstin Pirker: Und ich denke, da geht es in erster Linie um Selbsterkenntnis. Das sind dann keine wissenschaftlichen Ergebnisse. Je besser ich mich kenne, umso besser kann ich es einsetzen. Zum einen die psychischen Symptome, über die wir eh schon gesprochen haben, aber eben auch diese körperlichen Symptome. Indem ich auch das Sekret, das aus der Vagina kommt, ein bisschen kennenlerne, kann ich sehen, in welcher Zyklusphase ich mich befinde. Das wissen auch die Wenigsten. Es kommt ja immer was aus der Gebärmutter. Wir sagen ja fälschlicherweise Vaginaeingang – sie ist ja viel mehr im Ausgang, weil ja die Gebärmutter eine Öffnung nach außen braucht, damit immer was abfließen kann.

Und es kommt immer was. Also jede Frau kennt das: Es ist entweder glasig oder eher so weiß klebrig bis zu bröselig. Und der glasige und sehr fadenziehende Schleim ist der fruchtbare Schleim. Kennt man manchmal, wenn man sich mit Klopapier abtrocknet, wenn man am Klo ist zum Beispiel, sieht man plötzlich so einen Glasfaden. Und das ist vielleicht der Tag des Eisprungs oder ein Tag danach oder ein Tag davor. Und viele Frauen spüren ja auch den Eisprung. Dieser Mittelschmerz, der kann richtig schmerzhaft sein.

Fanny Sedlnitzky: Und manche spüren einfach gar nichts.

Kerstin Pirker: Manche spüren nichts. Ja. Auch die Brüste reagieren ja auch, werden kleiner, größer.

Fanny Sedlnitzky: Es gibt ja auch immer so Tipps, die man auch in Werbungen und überall lesen kann. Also wo man sagt: Okay, eine Frau sollte das und jenes machen. In der ersten Zyklushälfte eben zum Beispiel mehr Sport, weil in der zweiten ist das nicht so. Gibt es etwas, wo Sie sagen, das wäre ratsam?

Hanna Rohn: Also da gibt es tatsächlich genug Studien dazu, dass Sport gegen Periodenschmerzen hilft.

Fanny Sedlnitzky: Also da müsste man sich ein bisschen überwinden vielleicht dann.

Hanna Rohn: Ja, also wir sagen immer, man soll sich natürlich zu nichts zwingen. Ja, wenn man jetzt wirklich so Periodenschmerzen hat oder sich so fühlt, dass man wirklich absolut keinen Sport machen will, dann ist es auch okay. Dann darf man da auch auf sich selber hören. Aber rein von der Evidenz her kann Sport gegen Regelbeschwerden helfen. Einfach weil dann natürlich Glückshormone ausgeschüttet werden. Deswegen hilft es gegen jede Art von Schmerz oder auch Schmerzwahrnehmung im Körper und weil sich einfach Muskeln besser entspannen können.

Kerstin Pirker: Und vielleicht noch zur Gebärmutter: Die liegt ja nicht im Bauchraum, sondern die ist aufgehängt mit Gebärmutterbändern. Ich stelle es mir immer so ein bisschen vor wie so... es gibt jetzt so eine Art vom Trampolin, wo man sich in einen Klettergurt setzt. Habt ihr das schon gesehen?

Fanny Sedlnitzky: Ja.

Kerstin Pirker: Und so ungefähr stelle ich mir die Gebärmutter vor. Und wenn ich sie bewege, hat sie es leichter. Also das ist ja auch dieser alte Irrglaube: Wenn ich Menstruationsbeschwerden habe, lege ich mich hin und liege im Bett. Da hat die Gebärmutter noch viel schwerer, weil sie ja dann nicht mit der Schwerkraft arbeiten kann, indem sie die Gebärmutterschleimhaut nach außen bringen will. Wenn ich ihr helfe, sie bewege, sie quasi durchschüttle – und da muss ich nicht Spitzensport machen, sondern spazieren gehen, leichtes Laufen oder Stiegen hinauf und runtergehen, Yoga...

Hanna Rohn: ...zur Lieblingsmusik tanzen oder was auch immer, was man gerne tut.

Hanna Rohn: Also auch Sex kann tatsächlich helfen, wenn ich Lust darauf habe. Ja.

Kerstin Pirker: Genau. Und da ist eben nicht die Penetration jetzt primär gemeint, weil die meisten Menschen, wenn sie Sex hören, denken: „Ah, da ist ein Penis in der Vagina.“ Wir meinen mit Sex deutlich mehr. Also jede sexuelle Aktivität, die Frauen mögen. Und das ist durchaus auch der Solo-Sex, zu dem Frauen oft angeregt werden müssen, weil sie dann denken: „Ach, das ist jetzt komisch und nein, das tue ich nicht, weil jetzt habe ich ja gerade Menstruationsbeschwerden.“ Aber das hilft vielen Frauen sehr.

Fanny Sedlnitzky: Ein Stichwort Lebensmittel, Ernährung: Gibt es vielleicht etwas, wo man sagt – abseits der großen Überschrift „Gesunde Ernährung schadet niemandem“ –, wo man sagt: Ja, das kann Frauen helfen, das kann den Zyklus vielleicht positiv beeinflussen?

Hanna Rohn: „Kann“ ist ein gutes Stichwort, glaube ich. Also, das ist wieder leider so eine Sache, die man einfach für sich selber austesten muss, aber ja, es gibt Frauen oder Mädchen, die zum Beispiel berichten, dass sie mehr Wasser trinken müssen und es ihnen dann besser geht, oder weniger Zucker. Das ist aber sehr unterschiedlich.

Fanny Sedlnitzky: Mhm. Also am besten auf seinen Körper hören, schauen, was ihm gut tut und vielleicht einmal ein paar Zyklen beobachten. Da gibt es eine ganze Menge eigentlich. Wir haben ganz zu Beginn davon gesprochen, dass es eigentlich für jede Frau normal ist und vielleicht gibt es gar nicht viele Fragen. Jetzt am Ende unseres Podcasts denke ich mir, es gibt sehr, sehr viele Fragen. Wahrscheinlich für viele Frauen, die nicht nur wissen wollen: Ist die Länge meines Zyklus gut so wie er ist oder normal? Wo kann ich mich hinwenden? Wo kann ich Beratung bekommen? Wo kann ich nachfragen, wenn ich wissen möchte: Wie tickt mein Körper, wie funktioniert mein Zyklus, ist das normal und dergleichen?

Kerstin Pirker: Auf jeden Fall einmal an uns. Also wir sind ja Mitarbeiterinnen im Frauengesundheitszentrum. Wir sind auch gut vernetzt mit anderen Einrichtungen. Wir haben... wir sind auch im Austausch mit Gynäkologen und Gynäkologinnen. Natürlich bei Beschwerden, Schmerzen ist die Gynäkologin die Ansprechperson.

Fanny Sedlnitzky: Gibt es denn Seiten, Internetseiten, Homepages, wo ich mich verlassen kann auf Informationen bezüglich meines Zyklus?

Hanna Rohn: Also ich habe zum Beispiel in einem Projekt eine eigene Seite für Jugendliche gestaltet auf „gesund informiert“. Wenn man dort nach „Periode“ sucht, dann findet man die. Und im deutschsprachigen Raum eine sehr gute, einfache Quelle zum Zyklus ist auch gesundheitsinformation.de.

Fanny Sedlnitzky: Es gibt viele Bereiche in unserem weiblichen Körper, über die wir noch sprechen könnten, aber vielen herzlichen Dank mal für diese Einblicke in den weiblichen Zyklus. Vielleicht ist dem einen oder anderen oder der ein oder anderen jetzt vieles klarer als vorher. Vielen herzlichen Dank, Kerstin Pirker und Hanna Rohn, dass Sie bei uns gewesen sind.

Hanna Rohn: Danke.

Kerstin Pirker: Danke für die Einladung.

Das war „Gesund informiert“, der Gesundheitspodcast, eine Zusammenarbeit von Gesundheitsfonds Steiermark und ORF Steiermark.