Podcast

Folge #56 Sucht: Was kann ich als Angehörige*r tun?

Figur, welche von Tabletten, einem Weinglas und einer Spritze umgeben ist.

Soll ich es ansprechen oder nicht? Was kann ich denn zur Unterstützung tun? Und wie ist das mit den Rückfällen?

In der Folge #56 des „Gesund informiert”-Podcast erfahren Sie, was Sie als Angehörige*r tun können, wie das mit den Grenzen ist und wo es Unterstützung gibt.

Gast:
Sascha Lang, BA, Suchtexperte, Sozialarbeiter und Geschäftsführer der Steirischen Gesellschaft für Suchtfragen

External content is hidden due to privacy reasons. It will be embedded after consent is given in the privacy settings.

Text for the episode

Wichtig ist sich einfach nicht nur um den geliebten Menschen zu kümmern, sondern auch die eigenen Bedürfnisse äh wahrzunehmen und für diese zu sorgen. Willkommen bei Gesund informiert, deinem Podcast der Gesundheit verständlich macht. Bianca und Anja bringen Licht in den Dschungel der Gesundheitsinformationen. Mit wissenschaftlich gesicherten Infos, hilfreichen Tipps und spannenden Interviewgästen bist du immer gesund informiert. Herzlich willkommen zur neuen Folge unseres Gesund informiert Podcasts, in der wir uns heute mit dem Thema Sucht und Angehörige beschäftigen. Wir sprechen über die Herausforderungen, die Angehörige, aber auch natürlich die suchtkranken Menschen tagtäglich meistern müssen und wichtig, wie sie dabei unterstützt werden können. Obwohl so viele betroffen sind, ist es oft noch ein tabuisiertes Thema, aber wir nehmen uns heute kein Blatt vor dem Mund und freuen uns besonders, dass Sascha Lang, Suchtexperte, Sozialarbeiter und Geschäftsführer der Steirischen Gesellschaft für Suchtfragen, auch bekannt als Bas die Zeit genommen hat bei uns zu sein. Schön, dass du da bist und herzlich willkommen.
Herzlichen Dank für die Einladung. Ja, beginnen wir vielleicht gleich am Anfang. Also, wenn ich jetzt als Angehörige die Vermutung habe, dass mein Angehöriger suchtkrank ist, wie erkenne ich das denn überhaupt? Ja, das ist eine schwierige Frage, weil ganz grundsätzlich ist es oft schwer zu erkennen. Ja, das ist nach Suchtform auch ganz unterschiedlich und was aber allen Suchtformen allgemein bei denen ist, dass man es versucht nicht zu zeigen. Das heißt äh Betroffene versuchen immer die Kontrolle zu haben über das Verhalten und über den eigenen Konsum oder und das nicht nach außen hin zu zeigen. Das heißt, ab dem Zeitpunkt, wo man tatsächlich Anzeichen erkennt, dann ist schon Kontrollverlust eingetreten. Und wenn man aber noch nicht soweit ist, ja, das heißt, dann kann das eigentlich relativ lange Zeit je nachdem auch was es ist, wenn es jetzt um Geld geht, wenn es um Glücksspiel geht, dann ist es etwas, das kann man äh nebenher z.B. am Handy irgendwo machen und das sieht man nicht. Da gibt es auch keine keine Reste, da gibt es ja nichts, wenn etwas herumliegt äh wenn man z.B. sich an einen Joint dreht oder so. Das heißt, das merkt man dann relativ schwer. Ja, es ist auch so, dass viele Anzeichen natürlich auch Zeichen sein können für was ganz was anderes. Ja, und da ist es einfach wichtig, dass wenn man so das Interesse etwas zu erkennen hat man ja meistens, damit man Klarheit hat, damit man sich Fragen stellt, die man sich schon angestellt hat. Äh aber in erster Linie, dass man auch Sicherheit bekommt, so oh mein Gott, ist meine Vermutung irgendwie jetzt da richtig, dass der ein Problem hat, meine Sorge eigentlich äh, dass man schaut, wie geht man mit diesen Wahrnehmungen danach um? Ja, und Wahrnehmungen kann man machen auf unterschiedlichen Ebenen. Also, das kann sein, dass eine Verhaltensveränderung eingetreten ist, ja, dass man gereizter ist, dass man geheimniskrämerisch wird, dass man dass man Lügen anfängt, dass man jemanden beim beim Lügen ertappt, ja, dass man das dass man keine Antworten mehr kriegt, dass die Beziehung sich auch irgendwie so ein bisschen verändert und oder dass man plötzlich sagt, na, ich trinke jetzt gar nichts mehr, obwohl es für den überhaupt nicht typisch ist, ja, so wo man dann merkt, okay, hoppla, der setzt sich damit jetzt vielleicht in der Tiefe damit auseinander und aber natürlich auch, wenn jemand ganz viel trinkt offensichtlich und aber überhaupt keine Reaktion zeigt, das heißt, wo man das Gefühl hat, der hat ordentliche Toleranz auch schon entwickelt, wenn man finanzielle Probleme hat. Also das ist auch etwas, das könnte ein Hinweis sein. Also das liegt natürlich daran, dass man halt um wenn man tatsächlich süchtig ist, seine Sucht auch zu finanzieren, dass man da halt auch viel Geld hingibt. Was aber trotzdem auch eine Ebene sein könnte, ist auch noch äh gesundheitliche Probleme. Das heißt, wo man merkt, da schaut jetzt ein bisschen oder sie schaut jetzt ein bisschen weniger auf sich und ist häufig krank und es sind Verletzungen nach Stürzen oder es sind äh keine oder nicht sehr glaubhafte Erklärungen äh für die Ursachen dieser Verletzungen irgendwie da Veränderungen im Aussehen. Ja, das heißt, wenn man plötzlich äh sich ganz anders kleidet und vielleicht eigene vernachlässigt, wenn man wenn man riecht, also wenn man wirklich so dieses Selbstfürsorge nicht mehr erkennen kann an dem, dass man in sich investiert, dass man Zeit investiert, ja, und dass man natürlich auch Dinge aufhört, die man ganz gern gemacht hat, z.B.. Das heißt, wenn man das Interesse verliert, seinen Hobbys nachzugehen und äh vor allem, wenn das jemand ist, der das immer sehr gerne gemacht hat, ja, und dann könnte das ein Hinweis sein, dass das einfach auch der Zeit, die man für etwas anderes aufbringt zum Opfer gefallen ist. Stimmungsschwankungen einfach so ein bisschen eine eine Labilität in dem Ja und und aber auch äh dass man sehr schreckhaft ist und und Schlafstörung und Geheimhaltung und dass man halt wenig Verantwortung auch für Dinge übernimmt, die man z.B. früher auch was man früher getan hat.
Ich höre jetzt, es ist gar nicht so leicht. Also es gibt nicht diesen einen Punkt, der auftritt. Es ist ganz oft ein Ineinanderfließen von unterschiedlichen Faktoren, die auftauchen und da muss man schon relativ gut und behutsam beobachten. Genau, das ist der Wassertopf, wie es so schön heißt. Also Suchterkrankung entwickelt man nicht von heute auf morgen, sondern äh es gibt ja in diesem Zusammenhang äh so etwas, man spricht von einer Suchtspirale, das heißt, wo es einfach anfänglich natürlich von einem Genussmittel zu einem, sage ich mal, Einsatz der Substanzen oder des Verhaltens, was jetzt kein Krankheitswert hat, bis hin zu einer Suchterkrankung ist ein sehr langer Weg.
Und gibt es da Unterschiede in den Suchterkrankungen bzw. welche gibt es denn überhaupt? Na, es gibt substanzgebundene und substanzungebundene Süchte. Also, da unterteilt man beispielsweise in Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten, illegalisierten Substanzen, ähm aber eben auch Verhalten, also wie Glücksspielsucht beispielsweise, Kaufsucht, Arbeitssucht. Ja, also und natürlich äußern die sich auch unterschiedlich. Also, es gibt viele, da ist vor allem für Außenstehende das überhaupt nicht so ersichtlich aus dem Grund, weil es für sie auch so Normalität hat. Ja, also ich denke mal, wenn man wenn man den Alkohol sich anschaut, dann ist es für viele wesentlich alarmierender, wenn man z.B. Reste von illegalisierten Substanzen findet. Äh da würde man eher vielleicht noch sich Sorgen machen und sich fragen: "Mein Gott, was ist denn da eigentlich jetzt los und was kann ich tun?" Und was bedeutet es äh als wenn der Konsum äh etwas sehr akzeptiertes ist. Ja,
Was meinst du jetzt mit illegalisierten Substanzen? Na, z.B. Heroin, Kokain, Cannabis. Äh das heißt, wenn man Cannabisreste oder etwas findet, dann ist es zumindest die Vermutung für viele Angehörige nah, dass es da ein Problem gibt, als wenn das beispielsweise die überquellende Glasmülltonne ist. Ja, und das muss man sich fragen, was was bedeutet es auch in diesem kulturellen Zusammenhang und in dieser sozialen Einbettung. Ja, das heißt, das ist ganz unterschiedlich, wo wird man aufmerksam darüber, dass vielleicht irgendwo jemand da Unterstützung benötigen könnte.
Was kann ich denn jetzt tun als Angehörige? Wichtig ist es, miteinander zu sprechen. Also, wenn man auf diesen Ebenen tatsächlich Wahrnehmungen hat, wo man das Gefühl hat, oh mein Gott, da ist irgendetwas oder ich weiß nicht, was das sein könnte und die Vermutung da ist, dass vielleicht eine Abhängigkeitsproblematik da sein könnte oder im Entstehen ist. Dann ist das schon die Schlussfolgerung aus diesen Wahrnehmungen. Und ich denke mal, das Wichtigste ist einfach miteinander zu sprechen. Ja, und
Wie tun das? Es ist wichtig, einfach Unterstützung anzubieten und die Wahrnehmungen in einem ruhigen Setting zu schildern, zu sagen, ich habe bemerkt oder ich habe gesehen das und ich habe auf unterschiedlichen Ebenen vielleicht gesehen und vielleicht andere haben mir auch erzählt, dass das löst in mir eine Sorge aus. Also meine Schlussfolgerung ist das, wie siehst du das? Und das soll in einem vertrauten Rahmen gesucht werden im besten Fall. Ja, und wichtig ist dabei einfühlsam zu sein und unterstützend und einfach Hilfe anzubieten, ja, und keine Verhörsituation zu schaffen und ob dann etwas kommt oder nicht. Also diese Wahrnehmungen, die hat man, wenn es tatsächlich so ist, nicht nur als Angehörige getroffen, sondern das haben die Menschen äh die Betroffenen selbst auch schon gesehen. Aber auf der anderen Seite die Perspektive der Angehörigen ist ist absolut berechtigt und nachvollziehbar. Die Schmerzen von oder die beobachteten Schmerzen von Angehörigen sind eigene. Also, das spürt man so nah wie es ist und deswegen sollte man auch für sich, denke mal, diese Sorgen, die ausgelöst werden, die kann man auch begleiten, ja, die kann man auch besprechen und man kann sich auch Unterstützung als Angehöriger suchen für sich, für die eigenen Grenzen, um die eigenen Grenzen zu wahrnehmen, auch zu schauen, wie kann ich gut unterstützen, ohne dass ich meine eigenen Bedürfnisse dann auch vernachlässige.
Also du meinst damit, ich als Angehöriger kann mir auch Hilfe holen? Selbstverständlich. Selbstverständlich. Also das ist etwas, Sorgen belasten und können auch krank machen und ich denke mal das eine ist natürlich zu sagen, wie kann ich als Angehöriger gut unterstützen in meiner Rolle als Helfender. Aber es ist ganz wichtig, dass Menschen auch im niedergelassenen Bereich auch ankommen. Also nicht nur die Betroffenen, sondern vor allem auch Angehörige, damit sie gesund bleiben während dieser Zeit.
Wo finde ich da die Unterstützung konkret? Ich meine, z.B. angenommen, es ist jetzt ein fiktives Beispiel, aber angenommen mein Mann würde trinken, ähm ich mache mir Sorgen, weiß nicht wohin, nicht zurück, nicht vor sozusagen, wo wo gehe ich denn hin? Rufe ich meine Freundin an und erzähl es ihr oder docke ich woanders an? Das wird ganz sicher passieren und es ist auch gut, dass es Alltagshilfen gibt, die dich dabei unterstützen, dass du Kraft hast, dass du das Gefühl hast, dass du handlungsfähig bist. Das ist es. Und es gibt aber nicht nur das, sondern es gibt ganz ganz viele unterschiedliche Hilfen. Es gibt Ratgeber, es gibt Informationen, die man die man die man aufnimmt, wo man einfach noch handlungsfähig ist. Ja, aber ab einem gewissen Punkt, denke ich mal, ist es ganz wichtig, sich vor allem um auch zu schauen, wie kann ich gut unterstützen, ohne dass ich tatsächlich ein Suchtverhalten auch weiter stütze. Ja, dass man in Suchtberatungsstellen z.B. auch vorstellig wird und sich Unterstützung holt. Das kann punktuell sein, das kann einfache Begleitung sein, das kann genauso im psychosozialen Bereich sein, das kann bei diplomierten Lebens- und Sozialberaterinnen sein. Es kann im niedergelassenen Bereich sein bei Psychologinnen und bei Psychotherapeutinnen und darüber hinaus gibt es auch Selbsthilfenetzwerke. Also, es gibt ja auch Betroffenengruppen, die sich treffen und über solche Dinge sprechen, die zu unterschiedlichen Themen initiiert werden. Also wie gesagt, je nachdem, braucht es auf unterschiedlichen Ebenen und gibt es auch auf unterschiedlichen Ebenen Ansprechpersonen.
Wenn du mehr zum Thema Selbsthilfe wissen möchtest, dann lade ich dich sehr herzlich ein, die Podcast-Folge zu dem Thema anzuhören. Da kriegst du noch wertvolle Tipps und Informationen. Wir werden für dich zu Hause auch auf unserer Webseite noch die Suchtberatungsstellen verlinken, die im Gesundheitsfonds Steiermark eingebettet sind. Die sind im Übrigen in der ganzen Steiermark verteilt. Mhm. Dazu noch eine Frage, sind diese Angebote kostenfrei? Weißt du das zufällig? Also die Angebote der vom Gesundheitsfonds geförderten Suchthilfeeinrichtungen sind kostenfrei. Genau.
Auch für Angehörige. Auch für Angehörige. Selbstverständlich. Ich unterbreche jetzt kurz. Gefällt dir unser Podcast? Wenn ja, erzähl doch auch anderen davon. Du hilfst uns dabei, verlässliche und unabhängige Gesundheitsinfos an möglichst viele Menschen zu bringen. Abonniere unseren Podcast und teile Folgen in sozialen Medien. Ich danke dir für deine Unterstützung und schon geht es weiter. Gut, jetzt ähm weiß ich, ich kann mir Unterstützung holen. Ich habe auch ein bisschen rausgehört, das ist jetzt gar nicht so wichtig für mich zu unterscheiden, welche Sucht ist es denn? Das muss ich nicht tun, dafür gibt es die Expertinnen. Aber was kann ich als Angehörige da tun?
Motivieren und konkrete Hilfen anbieten. Also tatsächlich motivieren zu sagen, ich bin für dich da, ich unterstütze dich in diesen und diesen Bereichen allerdings. Und das ist genau eben die Krux, also das ist die Kehrseite der Medaille, kompetent und so zu unterstützen, dass man nicht die negativen Konsequenzen des Suchtverhaltens auch beseitigt oder für jemanden lügt oder jemanden ständig äh ständig ja, da da ist da ist die Betonung drauf, auch Geld zuschiebt, um gewisse Verantwortlichkeiten für diese Personen zu übernehmen, sondern wirklich konkrete Hilfestellung anzubieten, zu sagen, ich helfe dir dabei zu siedeln und oder ich schaue, dass ich dir die Küche aufbaue, wenn es z.B. um einen Wohnortwechsel geht. Oder wenn man beispielsweise aus der stationären Therapie kommt, dass man wirklich auch sagt, wie geht man gemeinsam um oder was für Angebote kann man machen? Immer sozial einzubeziehen. Ja, also wenn es z.B. darum geht, wir gehen wandern, kommst du mit. Ja. Und genau.
Also, das andere Möglichkeiten, die ich tun kann. Ich muss gar nicht äh jetzt ähm meinen Doktor in Gesprächsführung machen als Angehöriger. Z.B. Ich äh, wenn ich dich richtig verstanden habe, beginnt damit anzuerkennen, dass es eine Krankheit ist, dass es keine Willensschwäche ist und dann hin zu ganz einfachen sozialen Unterstützungen, die ich anbieten kann. ähm eben Alternativen anbieten, ja, und vielleicht auch Expertinnen raussuchen, ja. Das klingt jetzt so einfach, aber tatsächlich ist das das Schwierigste, ja, nicht gleich aktiv oder handeln zu wollen und gleich Veränderung herbeizuführen, weil denke mal, das bedeutet auch gewisse Situationen aushalten zu müssen und zuschauen zu müssen, dass jemandem, der einem nahe ist, nicht gut geht und und das ist etwas, man fragt sich natürlich auch ständig, warum ist das so, und wie konnte das soweit kommen? Welchen Anteil habe ich dabei? Also und das ist das, was auch einen daran hindert oder was es was es schwieriger macht, auf jeden Fall über dieses Thema zu sprechen, weil es betrifft einen. Ja, in dieser Art und Weise, wenn man jemand aufbürdet, ja, also ich denke mal bei einem schambehafteten Thema, dann ist der erste Wunsch immer zu schützen, unterzutauchen, nicht sichtbar zu machen. Dann ist man nicht, wenn es einen Rückfall gibt, die erste Vertrauensperson, der man sagt: "Hey, du mir ist da was passiert." Ja. Äh und Rückfälle in dem Sinne, also Rückfälle in alte Verhaltensmuster oder ein Konsum, obwohl man beispielsweise sich den Weg der Abstinenz gewählt hat, gehört dazu. Das ist ein Teil der Suchterkrankung. Ja, die Frage ist nur, was tut man damit und wie geht man damit um, wenn es passiert? Wie kann man Ausrutscher meistern, wie es so schön heißt? Wie kann man in der Rückfallanalyse schauen? Was kann ich für das nächste Mal lernen? Weil es gibt im Prinzip nur zwei Wege, wenn man wenn man diesen Weg geht. Das eine ist zu schauen, dass man Situationen meidet und das wird man nicht immer können und wie man in schwierigen Situationen gut damit umgehen kann und das sind die Strategien, wenn man sich da rein vertieft.
Und kann ich als Angehörige da wiederum unterstützen? Also, du hast gesagt, es ist wichtig darüber zu reden und nicht den Zeigefinger. Jetzt ist dir wieder passiert, gibt es ja nicht. Wie kann denn das sein? Jetzt habe ich dir schon die Suchtberatungsstelle rausgesucht. Was kann ich unterstützen? Also genau so viel habe ich dir geholfen und so lohnst es mir. Das genau das ist etwas, was natürlich schwierig ist. Suchterkrankung ist eine chronische Erkrankung, wenn es tatsächlich eine Suchterkrankung schon ist, sage ich jetzt mal, die von Phasen geprägt ist, wo man stabil ist und von Phasen geprägt ist, wo man instabil ist. Und was kann man im Außen tun? Da kann man viel tun. Da kann man z.B. Familienfeiern so gestalten, dass man keinen Druck hat zu trinken, ja, anzustoßen. Man kann mit den Familienangehörigen auch drüber sprechen und sagen: "Hey, das ist das Thema. Wie kann man das so gestalten, dass die Situation möglichst unter Anführungsstrichen auch angenehm ist?" Man kann es versuchen, langjährige, unbesprochene Familienthemen systematisch angehen, ja, und auch mit Begleitung. Und das ist auch etwas, das ist ganz wichtig, weil ganz oft gibt es Dinge, die zu besprechen sind und vor allem, wenn schon eine längere Zeit da auch in einem gewissen Suchtverhalten auch begleitet wurde und viele Versuche schon unternommen worden sind, da entstehen ganz viele Gedanken, Gefühle, ja, und ja, dazu braucht oft Unterstützung, dass man das dosiert auch macht, so dass es auch konstruktiv ist. Ja,
Wenn du jetzt die Familienfeier angesprochen hast, interessiert mich in der Kommunikation, wie gehe ich denn damit um? Gehe ich offen damit um? Sollen die Freunde, Familienangehörigen wissen, dass jetzt mein Partner eine Herausforderung hat mit dem Thema Sucht? Mhm. Behalte ich es tunlichst bei mir und mit meinem Partner gemeinsam? Schaffen wir das schon zu zweit oder oder wie gibt es da Empfehlungen überhaupt? Dazu gibt es jetzt eigentlich kein Patentrezept, sondern es ist natürlich ganz abhängig von der Beziehung, die man zu dieser Person hat. Also, wenn das jetzt jemand ist, dem man vertraut, den man einbezieht, dann sagt man das Thema, man muss nicht jedem sagen. Das kennen wir auch, dass Patientinnen und Klientinnen sich auf gewisse Situationen, ob es jetzt das Weihnachtsfest ist oder die Geburtstagsfeier oder ja, tatsächlich explizit auch vorbereiten, wo sie wissen, hoppala, da habe ich Kontakt mit dieser und dieser Person, das ist für mich brenzlig. Ja, das heißt, da weiß ich, dass da Gefühle aufkommen und da weiß ich nicht, wie ich drauf reagieren werde. Ja, dass man sich auch noch Notfallpläne für so etwas macht. Ja, und Notfallpläne können heißen, wie ziehe ich die Reißleine, wenn es tatsächlich, wenn ich merke, ich tue mir jetzt schwer, ja, aber not, also, aber es kann genauso sein, dass man sagt, was erzähle ich und was erzähle ich nicht, ja? Oder sage ich Nein, sage ich Nein mit Begründung? Muss ich mich überhaupt rechtfertigen?
Du meinst jetzt z.B. wenn ich keinen nehme, Alkohol, wenn ich keinen Alkohol trinken möchte, brauche ich ja Begründung oder nicht? Genau. Also wie gehe ich damit oder erzähle ich auch die Wahrheit oder versuche ich etwas zu sagen, damit nicht nachgefragt wird. Das können durchaus auch Strategien sein. Ja, und Nein sagen zu lernen, das ist was ganz Schwieriges, weil da geht es um eigene Grenzen. Ja, und eigene Grenzen sind dann wichtig, wenn es einem wichtig ist, diese zu wahren. Das heißt, da muss man sich auch selbst wichtig genug sein, das zu tun.
Jetzt greife ich es auf, weil du es gerade gesagt hast. Nein zu sagen ist ja auch für mich als Angehörige wichtig. Ja, gibt es da Grenzen, die ich ziehen darf, die ich ziehen soll? Selbstverständlich, also ist es wichtig, sich einfach nicht nur um den geliebten Menschen zu kümmern, sondern auch die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und für diese zu sorgen. Das heißt, die Gefühle, die entstehen zu interpretieren und zu sagen, was ist das Bedürfnis dahinter, wie kann ich das, wie kann ich das auch erfüllen? Ja, das kann materiell sein, das kann immateriell sein, das kann physisch sein, das kann aber psychologisch sein, also Verbundenheit. Selbstbestimmtheit, aber Wärme, Berührung, Nähe und ganz wichtig ist das auch zu spüren und das zu tun. Also, man kann nur so gut unterstützen, wie gut es einem auch selbst geht und das ist, glaube ich, das Wichtigste. Und dafür gibt es aber auch wieder kein Patentrezept, weil wie gesagt, die Motivation jemanden zu unterstützen ist natürlich von Erlebnissen, von Vorerfahrungen, von auch, wer ist denn das zu mir? Ist es mein Kind? Ist es mein mein Vater? Ist es mein Onkel? Ist das ein Schulkollege? Ist das jemand, den ich aus dem Verein kenne? Wie gehe ich damit um? Das heißt, wie weit unterstütze ich und was bin ich bereit zu tun? Und diese Entscheidung, was bin ich bereit zu investieren, die kann niemand abnehmen und das soll man einfach gut reflektiert und im besten Fall auch mit Unterstützung treffen.
Ist es eine Idee? Äh weil wir über Grenzen sprechen und du vorher gesagt, es ist ganz wichtig, dass man so Notfallplan sich auch ausarbeitet. Ähm im Gespräch am besten mit dem, weil allein bringt es ja nichts. Natürlich im Gespräch mit dem Betroffenen oder mit der Betroffenen ähm ist es eine Idee auch diese Grenzen da reinzunehmen und so ganz offen zu sagen, du das ist da meine Grenze und das ist die Konsequenz der Grenze. Okay, ich merke, dass jetzt zwei Unterstützungsfaktoren so ein bisschen anfangen zu verschwimmen. Die Frage ist, was ist der Auftrag eines Angehörigen? Der Auftrag eines Angehörigen ist es nicht, professionelle Unterstützung zu ersetzen, weil man auch nicht die Verantwortung hat, das zu tun. Also die Frage ist, die man sich, glaube ich, als unterstützender Angehörige auch stellen sollte, ist bis wohin ist es meins und bis wohin also und welche Aufgabe ist tatsächlich auch bei der Beratung, bei der Begleitung und bei der Behandlung zuzuordnen? Also ich denke mal, das ist vielleicht da ganz wichtig, weil da kann man dann vielleicht auch manchmal durchschnaufen, wenn man das Gefühl hat, dieses Thema ist jetzt dort. Ich muss nicht meine komplette Wahrnehmung irgendwie im Alltag des Betroffenen der Betroffenen dorthinlenken. Ich muss nicht detektivisch versuchen, Veränderungen irgendwie zu notieren, sondern das Thema ist ausgelagert und ich bin Bruder, Schwester, Mama, Tante. Ja, da ist es auch wichtiger, ein gewisses Maß an Normalität eben auch zu leben und man ist nicht dann nur der Unterstützer, das erzeugt eine Beziehungsasymmetrie. Ja, und das ist etwas, da ist es ganz gut, tatsächlich auf Augenhöhe auch zu unterstützen und auch wirklich zu fragen, in welchen Bereichen soll ich dich eigentlich auch überhaupt unterstützen? Ja,
Du hast gesagt, wichtig eben wiederum Professionisten und Expertinnen einzubeziehen. Ich vermute, dass es aber schon auch oft der Fall ist, dass die betroffene Person gar nicht möchte, dass jetzt die nicht zu einer Beratungsstelle möchten und die möchten gar nicht, dass ich jetzt als Angehöriger das für ihn oder für sie tue. Ist ja auch nicht mein Auftrag, habe ich jetzt gerade gehört. Aber wie gehe ich damit um, wenn da gar keine Hilfe erwünscht ist? Das ist ein schwieriges Thema. Ja, weil die Frage ist, wo sieht man die Grenze der Fremdgefährdung oder der Selbstgefährdung? Wie gehe ich damit um, wenn ich weiß, der oder diejenige steigt in ein Auto oder stürzt und landet im Bach und ab welchem Zeitpunkt ist es ja notwendig, die Reißleine zu ziehen und das ist was ganz Schwieriges. Das ist etwas, das kann man im Einzelfall eigentlich nur besprechen und dafür ist es ganz wichtig, wenn man solche Anzeichen hat, also wenn es wirklich eskaliert, wenn ein riskantes Verhalten da ist, auch ein lebensgefährliches Verhalten, dann ist es ganz wichtig, dass man sich da Unterstützung holt, was die nächsten Schritte auch sind und wie man das auch gut aushalten kann. Darum geht es nämlich auch, ich denke mal, es ist wichtig, die Verantwortung für das Tun auch abzugeben. Also, das sind oft Entscheidungen, die von erwachsenen Menschen getroffen werden, für die sie auch die Verantwortung haben. Ähm und man hat keinen Einfluss.
Gehen wir noch kurz ins Professionistensystem, weil ich schon auch höre, also ich darf mir auch als Angehöriger Hilfe holen, ich soll mir sogar auch Hilfe holen. Ähm das kann auf unterschiedlichste Art und Weise sein. Du hast gesagt Ratgeber, es gibt aber Beratungsstellen. Ich kann noch mal einfach schauen, was sind dann so die häufigsten Fragen, wie gehe ich denn damit um? Aber jetzt konkret für die betroffene Person ähm gibt es ja auch unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten. Was haben wir denn da in Österreich z.B.?
Also ganz grundsätzlich kann man trennen zwischen den klassischen niederschwelligen Angeboten und wenn man jetzt so ein bisschen das Wesen der Suchterkrankung noch mal hernimmt, da geht es darum, weiteren Schaden zu vermeiden, ohne bereits eine Entscheidung zu treffen, was zu verändern. Ja, das heißt, das sind konsumakzeptierende und überhaupt auch akzeptierende Angebote, wo es darum geht, weiteren Schaden zu vermeiden. In erster Linie ist das Ziel in der Suchthilfe immer das Überleben zu sichern. Ja, und dann im Weiteren die Lebensqualität zu steigern. Wichtig ist am Anfang, unverbindlich Angebote zu setzen, um weiteren Schaden zu verhindern und den ersten Veränderungswunsch, dass man Menschen auch ins Gesundheitssystem, in die Behandlung danach bekommt. Und Behandlung in dem Sinn bedeutet in Wirklichkeit, dass man schaut, was können überhaupt Ziele sein, was sind realisierbare, erreichbare Ziele. Ja, und es gibt auch unterschiedliche Angebote, die in der Notfallbehandlung zu suchen sind. Das heißt, wenn man stürzt, wenn man mit Überdosierungen, Alkoholvergiftungen gefunden wird. Aber natürlich auch im Selbsthilfebereich gibt es Selbsthilfegruppen. Es gibt die anonymen Gruppen, es gibt die Narcotics Anonymous und die anonymen Alkoholikerinnen. Dann gibt es ambulante Suchtberatungseinrichtungen, wo es eben genau darum geht, Motivation zu stützen und Ziele zu erarbeiten und diese dann zu begleiten. Und es gibt natürlich auch eben abstinenzorientierte Angebote, wo es dann tatsächlich darum geht, geplant, das jetzt nicht mit einer Drogen-Akutaufnahme geplant, Substanzen zu reduzieren bzw. sie zu entziehen und diese dann gewonnene "Stabilität" dann auch zu halten. Dabei ist es dann auch wichtig, dass dann aber auch wieder dieser Übergang zur Lebenswelt geschaffen wird, also dass dann tatsächlich auch das Umfeld mit einbezogen wird. Da kann es hilfreich sein, wenn Betroffene das auch wollen, Angehörige auch mit einzubeziehen, weil diese dann vorher genannt eben mit ich unterstütze dich dabei, dass du deine Wohnung wieder einrichtest oder was auch immer, dass da so ein bisschen Starthilfe auch gegeben wird. kann hilfreich sein, vor allem, wenn die Beziehung auch eine gute ist.
Ähm hast du so Ideen für mich und auch für die Zuhörerinnen und Zuhörer draußen, wo finde ich denn Informationen? Sei es jetzt Internetseiten oder Anlaufstellen? Ja, zu unterschiedlichen Suchtfragen ist es natürlich möglich, sich zu informieren auf der Homepage der Suchtberatungsstellen der BAS beispielsweise www.bas. Es gibt für die Frage, also so Selbstscreening zu Glücksspiel, die Fachstelle Glücksspielsucht, wo man Informationen findet. Es gibt VIVID Präventionsstelle in der Steiermark, wo es Informationen dazu gibt. Ja.
Ja, vielen Dank mal für diese Hinweise. Und gibt es noch etwas zum Thema Sucht und Angehörige, dass unsere Hörerinnen unbedingt wissen sollten? Habe ich was vergessen zu fragen? Vergessen nicht, aber ich würde es gerne noch mal unterstreichen und zwar weil ja natürlich auch die Frage ist, welche Rolle haben Angehörige in diesem Zusammenhang und ich glaube, es ist noch mal ganz wichtig zu sagen, dass Suchterkrankungen, Suchtverhalten, dass es etwas ist, was sehr schambehaftet ist. Ja, also was auch oft, auch historisch gesehen, mit Schuld behaftet ist. Das heißt, der ist ja eh selbst schuld. Ja, also wenn der das nicht gemacht hätte, dann wäre es ja eh gar nicht so weit gekommen. Oder man muss nur wollen, Ja, weil jeder kennt den einen oder die andere, der einfach aufgehört hat und Disziplin und Willensstärke hat dazu geführt. Das mag sein, dass Willensstärke dazu geführt hat, dass man das Thema angeht, aber geholfen haben die Kompetenzen, die diese Personen gehabt haben und das haben halt nicht alle. Ja, und Stigmatisierung führt zur Ausgrenzung. Und Ausgrenzung ist das Gegenteil von dem, was eigentlich Angehörige, wenn sie unterstützen wollen, erreichen wollen. Also, da geht es eben darum, Zuschreibungen wegzutun, nicht? Ja, der Selbstwert leidet darunter. Es gibt viele Ebenen. Schamgefühl, kein Stolz, kann man so sagen. Also, man ist nicht stolz drauf, süchtig zu sein und aus dem Gefühl heraus, dass man unzulänglich ist, dass man was nicht schafft, dass man einer Gruppe zugehört, wo man dann vielleicht die Gruppe dann auch noch, sage jetzt einmal, Chunkys nennt oder was auch immer oder ja und und natürlich will man das nicht nach außen zeigen. Es können viele Verletzungen, Grenzüberschreitungen passieren. Es kann Diebstahl stattfinden. Es kann und viele Dinge, die man sich auch nicht vorstellen will und deswegen ist es nachvollziehbar auch schambehaftet und das aufzurollen ist auch ein Teil der Herausforderung, dann damit umzugehen als betroffene Person. Ja, also nicht verurteilen, nicht entlarven wollen oder entdecken wollen oder ertappen oder Verhörsituationen meiden und jetzt habe ich gesagt, was man nicht tun soll, sondern aufmerksam zuhören, Wahrnehmungen schildern, Sorge auch, also was tut das mit einem, ja, aber jetzt nicht mit dem jetzt habe ich da gesagt, jetzt will ich das du Schuldgefühle hast, damit sich was verändert, sondern konkret Hilfe anbieten und motivieren zur Veränderung ja und der Person zeigen, dass man dass man sie gerne hat. Das ist ja der Grund, warum man das tut.
Das war jetzt die perfekte Zusammenfassung, würde ich sagen, für die gesamte Folge. Ähm, dir da überantwortet, was Angehörige tun können und du hast das jetzt sehr knackig und sehr eindrucksvoll noch einmal zusammengefasst. Vielen Dank dafür. Ähm somit würde ich zur letzten Frage kommen, die ist bei uns immer die gleiche und zwar: Was ist denn dein persönlicher Tipp für ein gesundes Leben? Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Das heißt, wahrzunehmen und inne zu halten, zu genießen. Ich gehe auch gerne in den Wald z.B. und die Ruhe auszuhalten, ja, Langeweile zu suchen, das ist vielleicht auch ganz wichtig, ja, das wäre ein Zusatzangebot künftig, begleitete Langeweile. Ja, wie geht man damit um? In solchen Situationen drängen sich oft Gedanken auf, die einen davon abhalten, so etwas zu tun.
Äh und und auf den Körper zu hören, auf sich zu hören, man ist ja der Körper, man ist ja in erster Linie der Körper, aber auf sich zu hören, seine Grenzen zu wahren und versuchen zu schauen, was ist denn hinter den hinter den Gefühlen, die in einem aufkommen. Das heißt, was für Bedürfnisse hat man? Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man sich spürt, wie es so schön heißt, ja, dass man anfängt sich zu spüren und auf sich hört. Also, ja, es stupst oft eh recht laut. Das ist ja ganz ein wunderbarer Tipp. Danke schön. Also auf sich hören und Langeweile aushalten. Wie herrlich. Ja. Ähm ja, das war es für heute. Danke, lieber Sascha Lang vom BAS, dass du dir heute die Zeit genommen hast und bei uns warst. Gerne. Danke.
Wenn dir zu Hause diese Folge gefallen hat, dann hoffen wir, du bist auch beim nächsten Mal wieder mit dabei. Wenn du mehr zum Thema Gesundheit wissen willst oder den Podcast nachhören möchtest, dann schau auf unserer Webseite gesund-informiert. Wenn du Themen für uns hast, die dich interessieren, dann schreibe uns unter gesund-informiert@gfstmk. Wir freuen uns schon auf ein Wiederhören. Bis dahin bleibt gesund und informiert. Baba Anka und Anja von Gesund informiert, deinem Podcast der Gesundheit verständlich macht.