Folge #25 Krankenversicherung: Welchen Schutz bietet sie mir?
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum der Besuch beim Arzt oder bei der Ärztin in Österreich eigentlich „gratis“ ist? Die Krankenversicherung sorgt dafür, dass nahezu alle Menschen in Österreich im Krankheitsfall geschützt sind und die gleiche Gesundheits-Versorgung bekommen.
In der Folge #25 des „Gesund informiert”-Podcast erfahren Sie, wie die Krankenversicherung in Österreich genau funktioniert, was Sie als Patient oder Patientin davon haben und warum Ihre Sozialversicherungsnummer wirklich wichtig ist.
Gäste: Andreas Huss (Obmann) und Ing. Josef Harb (Vorsitzender der Landesstelle Steiermark), Österreichische Gesundheitskasse
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Text for the episode
Also die Sozialversicherungsnummer ist wahrscheinlich wichtiger als die Geburtsurkunde.
Wir haben in Österreich zum Glück eine Behandlungspflicht.
Jeder, der mit einem Problem in ein Krankenhaus kommt, jeder, der sozusagen ärztliche Hilfe braucht, muss einmal behandelt werden.
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Hast du dich schon mal gefragt, warum der Besuch beim Arzt oder bei der Ärztin in Österreich eigentlich gratis ist?
Ich habe mir gestern wieder einmal eine Folge von „Grey's Anatomy“ angeschaut.
Ich glaube, das kennt jeder, oder?
Eine amerikanische Arztserie mit wirklich hübschen Ärzten, aber das ist nicht das Thema unserer Folge.
Jedenfalls wollte eine schwerkranke Patientin keinesfalls ins Krankenhaus, weil sie nicht versichert ist und sich das nicht leisten kann.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals im Krankenhaus etwas bezahlen musste.
Manchmal bei der Ärztin oder beim Arzt, ja, das stimmt, aber das ist auch die Ausnahme.
Warum ist das so?
Wer zahlt denn das in Österreich?
Genau das ist das Thema unserer heutigen Folge: die Krankenversicherung.
Dazu haben wir uns zwei echte Experten eingeladen, nämlich den Obmann Andreas Huss von der Österreichischen Gesundheitskasse und den Vorsitzenden der Landesstelle Steiermark, Herrn Ing. Josef Hab.
Bevor ich mit meinen Fragen starte, würde ich Sie bitten, sich selbst noch einmal kurz vorzustellen.
Ja hallo, ich bin der Andreas Huss.
Ich bin Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse. Seit diese neun Gebietskrankenkassen in Österreich zusammengelegt wurden, gibt es ja diese österreichweite Gesundheitskasse.
Davor war ich Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse.
Ich bin eigentlich Salzburger.
Ich freue mich auf dieses Gespräch und hoffe, dass ich viele dieser Fragen gut beantworten kann.
Ja, auch von mir ein herzliches Hallo.
Mein Name ist Sepp Hab.
Ich bin der Landesstellenausschussvorsitzende der ÖGK in der Steiermark.
In meinem Brotberuf bin ich Betriebsrat der Firma Siemens, bin verheiratet, habe zwei Kinder und lebe in Graz-Umgebung.
Und es macht mir große Freude, einen Beitrag zu leisten für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung.
Sehr gut, vielen Dank.
Dann starte ich gleich mit meiner ersten Frage:
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich krankenversichert bin, aber ich habe noch nie etwas dafür bezahlt.
Für meine Autoversicherung zum Beispiel wird jeden Monat ein Betrag von meinem Konto abgebucht, aber für die Krankenversicherung nicht.
Wie funktioniert das denn?
Dass Sie nichts bezahlen, stimmt nicht, denn Sie haben auf Ihrem Lohnzettel jeden Monat Sozialversicherungsbeiträge, die abgezogen werden.
Ein Teil dieser Sozialversicherungsbeiträge ist auch der Krankenversicherungsbeitrag.
Wir bezahlen alle gemeinsam entsprechend unseres Einkommens einen Anteil unseres Einkommens als Krankenversicherungsbeitrag.
Insgesamt macht der rund 7,5 Prozent unseres Einkommens aus.
Das wird geteilt in einen Teil, den der Dienstnehmer von seinem Bruttolohn bezahlt, und einen anderen Teil, den der Dienstgeber einbezahlt.
Mit diesen Beiträgen wird unser Gesundheitssystem zum Großteil finanziert.
Der Vorteil dieses Systems ist, dass diejenigen, die wenig verdienen, wenig einzahlen, dass diejenigen, die viel verdienen, mehr einzahlen, dass aber auch junge Menschen ebenfalls schon einzahlen und diejenigen, die krank sind, die schon alt sind, weniger einzahlen, aber dafür Leistungen bezahlt bekommen.
Das solidarische Gesundheitssystem funktioniert so, dass Junge für Alte bezahlen, dass Reiche für Ärmere bezahlen und dass Gesunde für Kranke bezahlen.
Wozu brauche ich denn die Krankenversicherung überhaupt?
Andreas Huss hat jetzt schon viel erklärt, wie das funktioniert mit der Krankenversicherung.
Aber persönlich ist es wichtig, versichert zu sein, denn die Leistungen, von denen da auch gesprochen wurde, kann ich nur in Anspruch nehmen.
Zum Beispiel: Ich gehe zu einem Arzt, ich muss ins Spital oder ich muss einen Krankenstand in Anspruch nehmen, also ich kann nicht arbeiten gehen.
Eine Zeit lang zahlt mich mein Arbeitgeber noch weiter, aber ab einer gewissen Zeit bekomme ich Geld von der Krankenkasse.
Damit diese Leistungen finanziert werden können, ist es wichtig, dass möglichst viele im System versichert sind und die Gelder, die da zusammenkommen, so verteilt werden, dass jene Menschen, die gerade in Not sind, denen es gesundheitlich nicht gut geht, Krankengeld brauchen oder eine teure Behandlung brauchen, dieses Geld dann auch vorfinden.
Sie haben jetzt schon ein paar Beispiele genannt.
Was sind denn die wichtigsten Leistungen der Krankenversicherung?
Die allerwichtigste ist natürlich, dass es eine Krankenbehandlung gibt, ohne dass man selbst dafür zahlen muss.
Das nennt man Sachleistungsprinzip: Die Sachleistung, wenn ich zum Arzt gehe, ist, dass mich ein Arzt oder eine Ärztin behandelt, dass ich ein Medikament verschrieben bekomme.
Eine weitere sehr wichtige Leistung ist die Spitalsbehandlung.
Und, wie ich auch schon gesagt habe, eine wichtige Leistung ist das Krankengeld, das mir die Sicherheit gibt, dass ich, auch wenn ich einmal erkrankt bin, weiterhin meine Wohnung zahlen und mir etwas zu essen kaufen kann.
Das sind die drei wesentlichsten Leistungen.
Ist das denn nur in der Steiermark so oder ist das in ganz Österreich gleich?
Das österreichische Krankenversicherungssystem gilt natürlich für ganz Österreich.
Die gesetzliche Grundlage ist das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz.
Eine gesetzliche Krankenversicherung gibt es in Österreich eigentlich noch gar nicht so lange.
Um 1880 hat es die ersten gesetzlichen Krankenkassen in Österreich gegeben, noch in der Monarchie.
Davor hat es eigentlich nur, und das ist auch wichtig zu wissen, Unterstützungsvereine gegeben.
Da haben sich zum Beispiel in einer Ortschaft alle Maurergesellen einmal im Monat getroffen und freiwillig Geld in eine Kasse hineingeworfen.
Es wurde verzeichnet, wer da mitbezahlt hat.
Wenn einer dieser Maurergesellen krank geworden ist, wurde die Kasse aufgemacht, er hat dann sein Medikament bezahlt bekommen oder er hat eine Unterstützung für seinen Krankenstand erhalten, denn er konnte ja nicht arbeiten, hatte natürlich kein Krankengeld so wie heute.
Er hat dann aus dieser Kasse eine Unterstützung bekommen.
Es war eigentlich ein Selbsthilfeverein für Arbeitnehmer.
In jeder Ortschaft hat es dann für unterschiedlichste Berufsgruppen solche Unterstützungsvereine gegeben.
Ab 1880 hat man diese Unterstützungsvereine auf gesetzliche Basis gestellt und die ersten gesetzlichen Krankenversicherungen gegründet.
Aber das heißt, es ist in ganz Österreich gleich?
Es ist in ganz Österreich gleich.
Es gibt ein Gesetz, das für ganz Österreich gleichermaßen gilt, genau.
Die Krankenversicherung zahlt also unter anderem Behandlungskosten.
Deckt denn die Krankenkasse auch Kosten ab, wenn ich vorbeugend etwas für meine Gesundheit tun will?
Wie wir ja alle wissen, ist Vorbeugen bekanntlich besser als Heilen.
Durchaus.
Das ist aber im Regelfall keine Leistung, die man so in Anspruch nimmt wie eine Krankenbehandlung.
Aber es gibt eine Reihe von Programmen, die die Österreichische Gesundheitskasse – oder vorher die Gebietskrankenkassen – ins Leben gerufen haben.
Da geht es zum Beispiel um Unterstützung, vom Rauchen wegzukommen.
Wir beginnen im Lebensbogen ganz früh, also bei werdenden Müttern, die wir unterstützen, eine gesunde Schwangerschaft sicherzustellen.
Das ist ein Beispiel.
Oder wir gehen in Schulen, und da geht es ganz oft um Bewegung und richtige Ernährung.
Aber wir machen auch für ältere Menschen einiges.
Es macht Freude, mit Menschen zu arbeiten, die noch nicht im klassischen Sinn erkrankt sind.
Das heißt, sowohl Vorbeugen als auch Heilen – da spielt die Krankenversicherung eine wichtige Rolle.
Absolut.
Es wird immer wichtiger, vorzubeugen, Gesundheit zu erhalten, Erkrankungen zu vermeiden und in die Gesundheitsvorsorge zu investieren.
Da geht es ganz, ganz viel um Bewusstseinsbildung, dass Menschen selbst über ihren Körper Bescheid wissen: Was tut ihm gut und was schadet ihm?
Wir haben in Österreich grundsätzlich das Problem, dass wir zwar sehr alt werden, aber relativ früh chronisch krank.
Man fragt sich, obwohl wir im internationalen Vergleich ein sehr gutes Gesundheitssystem haben, warum das so ist.
Eine wesentliche Antwort ist: Wir leben ein wenig ungesund.
Zurück zum Anfang.
Wo bin ich denn überhaupt krankenversichert?
Kann ich mir das aussuchen?
Nein, das kann man sich in Österreich nicht aussuchen.
Man ist entweder Arbeiter oder Angestellter, dann ist man bei der Österreichischen Gesundheitskasse versichert.
Wir versichern rund 80 Prozent der Gesamtbevölkerung in Österreich.
Bei uns sind nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer versichert, sondern auch Pensionistinnen und Pensionisten.
Dann gibt es noch zwei andere Krankenversicherungsträger: die Beamtenversicherung, die Beamte und Eisenbahner versichert, und die Versicherungsanstalt der Selbstständigen.
Das sind die Selbstständigen und die Bauern.
Also es gibt drei Krankenversicherungsträger.
Das heißt, es ist davon abhängig, wo ich arbeite und welchen Beruf ich ausübe?
Ja, genau.
Wenn ich Beamter oder Eisenbahner bin, dann bin ich bei der BVAEB – der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau – versichert.
Wenn ich Selbstständige oder Bauer bin, dann bin ich bei der SVS versichert.
Der Großteil der arbeitenden Bevölkerung ist bei der ÖGK versichert.
Was ist der Unterschied zwischen Pflichtversicherung und Versicherungspflicht?
Die Pflichtversicherung haben wir zum Beispiel in der ÖGK.
Jeder, der ein normaler Angestellter oder Arbeiter ist, ist bei uns in der ÖGK pflichtversichert.
Jeder, der Beamter ist, ist bei der BVAEB automatisch pflichtversichert.
Das kann er sich nicht aussuchen; da ist er automatisch versichert.
Die Versicherungspflicht kann ich am besten mit der Autoversicherung vergleichen: Wenn ich ein Auto habe, muss ich, um eine Nummerntafel zu bekommen, eine Versicherung nachweisen.
Welche Versicherung, kann ich mir aussuchen, aber ich muss eine Versicherung nachweisen.
Das ist der Unterschied.
Pflichtversicherung heißt: Ich bin automatisch einer Versicherung zugeordnet – aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit.
Versicherungspflicht heißt: Ich brauche eine Versicherung, kann sie mir aber aussuchen.
Man muss auch sagen, dass bei der Pflichtversicherung der Versicherer sich nicht aussuchen kann, ob er jemanden versichern möchte oder nicht.
Auch er hat die Pflicht, der Versicherer.
Die Österreichische Gesundheitskasse kann nicht sagen, dass ein Arbeitnehmer mit einem hohen Krankheitsrisiko nicht versichert wird.
Das heißt, bei uns in Österreich gilt die Pflichtversicherung.
Wir haben jetzt schon viele Vorteile angesprochen.
Gibt es denn auch Nachteile dieser Pflichtversicherung?
Mir fällt keiner wirklich ein, aber ich versuch’s mal beim Andreas.
Andreas, fällt dir ein Nachteil ein?
Naja, was wir manchmal hören, ist natürlich von Menschen, die sehr, sehr viel Geld verdienen, dass sie einen höheren Krankenversicherungsbeitrag bezahlen.
Ich würde das gar nicht als Nachteil sehen, aber sie sehen das individuell als Nachteil:
Wenn ich Manager oder Generaldirektor bin, muss ich wesentlich mehr Krankenversicherungsbeitrag bezahlen.
Diese 7,5 Prozent sind natürlich wesentlich mehr als bei einer Supermarktkassiererin.
Die sehen das als Nachteil, weil sie auch nur „die gleiche“ Leistung bekommen.
Ich sehe es im System als Vorteil, weil jeder gemäß seiner Finanzkraft einzahlt und jeder die gleiche Leistung bekommt.
Einen wirklichen Nachteil sehe ich nicht.
Es gibt aus individueller Sicht einzelne Nachteile.
Wenn man eine schwere Operation oder eine Chemotherapie braucht, ist man sehr schnell in der Situation, dass man aus dem System mehr Geld herausbekommt, als man jemals in seinem Leben eingezahlt hat.
Jetzt haben wir von Behandlungen und von vorbeugenden Leistungen gesprochen.
Dann gibt es ja auch noch Medikamente, und die hole ich mir in der Apotheke.
Oft zahlt man da Rezeptgebühr.
Was ist das und was bezahle ich da?
Die Rezeptgebühr könnte man auch als kleinen Selbstbehalt bezeichnen.
Der Gedanke dahinter ist, dass man mit den Medikamenten, die man bekommt, auch so umgeht, dass es Sinn ergibt.
Wir wollen nicht, dass Medikamente, wenn sie gratis sind, sinnlos verschrieben werden oder sinnlos geholt werden und dann in irgendwelchen Kästchen herumkullern.
Sie sollen der Krankenbehandlung dienen und nur im Falle eines medizinisch festgestellten Bedarfs geholt werden.
Damit man diesem Gedanken Nachhilfe verleiht, gibt es die Rezeptgebühr.
Das Gute ist: Wenn jemand finanziell schlecht gestellt ist, gibt es Befreiungen.
So ist sichergestellt, dass jeder die Medikamente, die für seine Erkrankung erforderlich sind, auch bekommt.
Ich möchte Ihnen einen Vergleich bringen:
Wir haben in der medizinischen Versorgung sehr viele teure Medikamente.
In der Krebstherapie, aber auch in der Gentherapie, erleben wir große Sprünge in der Forschung.
Da kommen Medikamente auf den Markt, die für einen Einzelnen unfinanzierbar wären.
Wir können in Zukunft Menschen mit Krebs noch besser behandeln, weil es personalisierte Krebstherapien geben wird.
Das kostet enorm viel Geld.
Da ist man mit 6,50 Euro natürlich nicht dabei.
Wir sind froh, dass wir den Menschen in Österreich solche Therapien zur Verfügung stellen können – und sie zahlen dafür nur 6,50 Euro Rezeptgebühr.
Manchmal muss ich für Gesundheitsleistungen doch etwas bezahlen.
Ich kann mich erinnern, letztens beim Zahnarzt zum Beispiel.
Warum ist das so?
Das ist nicht sehr elegant, aber im Sozialversicherungsgesetz ist festgeschrieben, dass eine Behandlung das Maß des Notwendigen nicht übersteigen darf.
Das heißt, ich bekomme nur so viel Behandlung, wie ich wirklich brauche.
Richtig.
Das ist aber nicht immer ganz einfach festzustellen.
Die Medizin entwickelt sich weiter, die Möglichkeiten entwickeln sich weiter.
Die Zahnbehandlung ist ein klassischer Fall; da können wir uns durchaus noch ein wenig weiterentwickeln.
Auf der anderen Seite gibt es Heilbehelfe und Hilfsmittel, bei denen man nicht mehr wirklich erklären kann, warum die Allgemeinheit sie zur Gänze zahlen soll, wenn es auch günstigere Möglichkeiten gibt.
Es gibt aber auch Fachärzte, bei denen man direkt bezahlen muss.
Ich kann mich erinnern, dass man dann einen Teilbetrag der Kosten zurückbekommt.
Warum ist das so und wie funktioniert das?
Das Prinzip ist: Das sind Ärzte, die als Privatärzte arbeiten, die medizinisch ausgebildet sind und den Nachweis erbracht haben, dass sie Behandlungen durchführen dürfen – unabhängig davon, ob sie als Privat- oder Kassenärzte arbeiten.
Diese Privatärzte können ihre Honorare selbst bestimmen.
Wenn ein Patient die Rechnung bei uns, der Österreichischen Gesundheitskasse, einreicht, wird im Regelfall 80 Prozent des Kassentarifs refundiert, den wir einem Arzt zahlen würden, der einen Vertrag hat (also ein Kassenarzt ist, bei dem der Patient nichts zahlen müsste).
Das ist das Sachleistungsprinzip.
Wenn die Kassenleistung 100 Euro ausmacht und der Wahlarzt 150 Euro verlangt, bekomme ich, wenn ich die Rechnung einreiche, vielleicht 80 Euro zurück.
Die Differenz ist 70 Euro.
Aber es ist dieselbe Leistung, für die insgesamt 150 Euro bezahlt wurden, während ein Kassenarzt 100 Euro bekäme.
Gibt es denn auch Menschen, die nicht krankenversichert sind?
Die haben wir in Österreich sehr selten.
Eine kleine Lücke haben wir möglicherweise bei Flüchtlingen, bei Menschen, die auf der Flucht sind.
Da müssen wir Möglichkeiten finden, wie wir sie ins Krankenversicherungssystem einbeziehen.
Was ist, wenn ich arbeitslos bin oder wenn ich gerade in Karenz bin?
Wenn ich beim Arbeitsmarktservice arbeitslos gemeldet bin, bin ich voll krankenversichert.
Wenn ich in Karenz bin, entsteht diese Situation aus einem Arbeitsverhältnis – eigentlich ist es ja noch aufrecht.
Das Arbeitsverhältnis ist ruhend gestellt, aber ich habe selbstverständlich vollen Versicherungsschutz.
Es gibt ein paar ungünstige Situationen, zum Beispiel nach einem Studium, wenn es abgeschlossen ist und ich mich nicht als arbeitsbereit gemeldet habe.
Da können Lücken entstehen, vor denen ich nur warnen kann.
Man sollte sich unbedingt mit der Österreichischen Gesundheitskasse in Verbindung setzen.
Das kann vielleicht nur ein paar Monate betreffen, aber wenn man gerade in dieser Zeit ein gesundheitliches Problem hat, kann das teuer werden.
Jeder, der in Österreich eine Beschäftigung hat, jeder, der eine staatliche Leistung bekommt – das kann Arbeitslosengeld, Pension, Mindestsicherung oder Notstandshilfe sein – ist automatisch krankenversichert.
Wenn man ein Dienstverhältnis beendet, aber nicht arbeitslos gemeldet ist oder kein Arbeitslosengeld bekommt, ist es wichtig, darauf zu schauen, dass man krankenversichert ist.
Es gibt einzelne wenige Fälle, in denen das passieren kann.
Da muss man sich rechtzeitig mit der Österreichischen Gesundheitskasse in Verbindung setzen.
Jetzt hätte ich noch zwei Nachfragen.
Zwei Gruppen fallen mir noch ein: Was ist mit Obdachlosen und was ist mit Kindern?
Wir haben in Österreich zum Glück eine Behandlungspflicht.
Jeder, der mit einem Problem in ein Krankenhaus kommt, jeder, der ärztliche Hilfe braucht, muss behandelt werden.
Es ist nicht so wie in „Grey's Anatomy“, wie Sie gesagt haben, dass man zuerst nach der Kreditkarte fragt.
Wenn jemand bei uns einen Unfall hat, bringt ihn die Rettung ins nächste Spital, und es wird erst viel später nachgefragt, ob er überhaupt versichert ist.
Auch Obdachlose werden natürlich zuerst behandelt.
Wenn man dann sieht, dass jemand nicht versichert ist und keine Möglichkeit hat, die Behandlung zu zahlen, dann zahlen wir alle gemeinsam diese Behandlung.
Und wie ist das mit Kindern? Die sind mitversichert, oder?
In Österreich sind Kinder und Jugendliche beitragsfrei mitversichert, jedenfalls bis zum Lehrantritt, bis man selbst eine Erwerbstätigkeit annimmt, oder bis zur Matura, wenn man danach zu arbeiten beginnt.
Auch Studentinnen und Studenten sind bis zum 27. Lebensjahr beitragsfrei mitversichert.
Das geht nicht ewig, denn man braucht einen gewissen Studienfortschritt, aber bis zum 27. Lebensjahr sind Jugendliche bei den Eltern beitragsfrei mitversichert.
Das klingt so, als wäre mit der Pflichtversicherung schon das meiste abgedeckt, was man braucht.
Mein Nachbar gönnt sich aber eine private Krankenversicherung, also eine Zusatzversicherung.
Er zahlt monatlich ein, wie für die Autoversicherung.
Was hat er davon?
Jemand, der 3 000 Euro verdient, bezahlt mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil rund 200 Euro im Monat an gesetzlicher Krankenversicherung.
Dafür bekommt er Medikamente, Arztbesuche, Spital, alle Leistungen und Therapien.
Eine private Krankenversicherung kostet ebenfalls rund 200 Euro im Monat.
Dafür bekommt man, wenn man im Spital liegt, statt eines Vierbettzimmers ein Zweibettzimmer.
Man kann sich vielleicht aussuchen, welcher Arzt einen im Spital behandelt.
Man kann auch zu einem Wahlarzt gehen und bekommt möglicherweise einen schnelleren Termin.
Aber die gesundheitliche Basisversorgung, die evidenzbasierte Versorgung, die auch die Wirksamkeit nachgewiesen hat, bekommt man über die gesetzliche Krankenversicherung.
Kommen wir noch einmal zu den Grundlagen.
Wofür habe ich eine Sozialversicherungsnummer, also die Nummer auf der e-Card, und wofür brauche ich die e-Card überhaupt?
Die Sozialversicherungsnummer ist wahrscheinlich wichtiger als die Geburtsurkunde.
Wenn ein Kind zur Welt kommt, bekommt dieses Kind eine Sozialversicherungsnummer zugeordnet: eine vierstellige Ziffer und das Geburtsdatum mit sechs Stellen, insgesamt zehn Stellen.
Diese Nummer ist für das weitere Leben und für alle Kontakte zu öffentlichen Stellen – nicht nur zur Krankenversicherung, auch zum Finanzamt, zu Behörden – eine ganz, ganz wichtige Kennung.
Ich habe gerade meine Sozialversicherungskarte, meine e-Card, herausgeholt.
Da ist ein Chip drauf, auf dem man etwas speichern kann.
Dann gibt es Informationen in Blindenschrift.
Die kann ich leider nicht lesen, aber ich gehe davon aus, dass der Name und die Sozialversicherungsnummer in Blindenschrift aufgeführt sind.
Wenn man sie umdreht, ist auch die Rückseite wichtig, denn dort befindet sich die Europäische Krankenversicherungskarte.
Man sieht, dass man innerhalb der Europäischen Union versichert ist.
Wenn man auf Reisen geht, kann man die Rückseite der e-Card zeigen und erhält in Spitälern europaweit medizinische Hilfe.
Das wissen die wenigsten Menschen.
Eine neue Funktion der e-Card ist das e-Rezept.
Seit 1. Juli haben wir es eingeführt.
Der Arzt kann ein Rezept ins e-Card-System eingeben, und ich kann mit meiner e-Card in jede Apotheke in Österreich gehen und mein Rezept einlösen.
Ich glaube, wir haben jetzt ganz viel zur Krankenversicherung abgedeckt.
Wir sind am Ende dieser Folge angelangt, und ich würde das Wichtigste noch einmal kurz zusammenfassen:
Ich habe mir gemerkt, dass es in Österreich die Pflichtversicherung gibt.
Je nachdem, wo ich beschäftigt bin, bin ich auch versichert.
Die Pflichtversicherung deckt sehr viele Leistungen der Behandlung und auch der Vorbeugung ab.
Es gibt nur sehr wenige Menschen, die nicht versichert sind, und die Sozialversicherungsnummer ist der Schlüssel zur Krankenversicherung.
Ich komme schon zur letzten Frage an meine beiden Gäste heute:
Herr Huss, was ist Ihr persönlicher Tipp für ein gesundes Leben?
Bewegung ist ein Schlüssel zu einem gesunden Leben.
Wir haben immer mehr Studien, dass Bewegung, auch wenn man schon ein bisschen krank ist – wenn man vielleicht schon einen zu hohen Blutdruck hat, Diabetes oder zu viel Cholesterin –, sehr viel reparieren kann.
Herr Hab, können Sie noch etwas anschließen?
Ja, absolut.
Gesundheit hat eine Definition, und die lautet – wenn ich sie richtig zusammenbringe –: Gesundheit ist der Zustand des absoluten körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.
Diese Definition endet nicht nur mit diesen drei Aspekten; der Abschlusssatz lautet: Gesundheit ist nicht nur die bloße Abwesenheit von Krankheit.
Und das muss unser Ziel sein.
Vielen lieben Dank an meine beiden Gäste, dass Sie heute da waren und meine Fragen beantwortet haben.
Ich hoffe, dir zu Hause hat diese Folge gefallen und du bist auch beim nächsten Mal wieder dabei.
Wenn du mehr zum Thema Gesundheit wissen willst oder den Podcast nachhören möchtest, dann schau auf unserer Webseite gesund-informiert.at vorbei.
Wenn du Themen für uns hast, die dich interessieren, dann schreib uns unter gesund-informiert@gfscmk.at.
Wir freuen uns schon auf ein Wiederhören.
Bis dahin, bleib gesund und informiert.
Baba – Bianca und Anja von „gesund informiert“, deinem Podcast, der Gesundheit verständlich macht.