Podcast
Folge #40 Psychisch erkrankte Eltern: Wie wachsen die Kinder gesund auf?
Viele Unsicherheiten und Fragen gibt es, wenn Eltern psychisch erkrankt sind. Rund 60 Prozent der Kinder mit psychisch erkrankten Eltern(teilen) entwickeln selbst psychische Probleme oder Auffälligkeiten. Was geht Sie das an und wie können Sie unterstützen?
In der Folge #40 des “Gesund informiert”-Podcast erfahren Sie, warum es so schwierig ist, über die psychische Erkrankung zu sprechen, wie es dennoch gelingt und wie leicht es ist, Kinder und Familien durch Zeit zu entlasten.
Gast: Psychologin Mag.a Alima Matko von Styria Vitalis
External content is hidden due to privacy reasons. It will be embedded after consent is given in the privacy settings.
Text for the episode
Also, ich empfehle Eltern in gesunden Phasen, sich vorher schon zu überlegen, wen es denn da noch gibt? Wer kann dann noch aktiviert werden?
Willkommen bei Gesund informiert, deinem Podcast, der Gesundheit verständlich macht. Bianca und Anja bringen Licht in den Dschungel der Gesundheitsinformation. Mit wissenschaftlich gesicherten Infos, hilfreichen Tipps und spannenden Interviewgästen bist du immer gesund informiert. Herzlich willkommen zum Gesund informiert Podcast. Heute geht es indirekt um Eltern mit psychischen Erkrankungen, aber viel mehr um die Kinder von diesen und wie diese gesund aufwachsen können. Psychische Erkrankungen von Erwachsenen nehmen stetig zu und betreffen nicht nur die erkrankte Person selbst, sondern natürlich die gesamte Familie. Schätzungen zufolge wachsen drei bis fünf von 100 Kindern und Jugendlichen mit Eltern auf, die psychisch erkrankt sind. Rund 60 % dieser Kinder entwickeln selbst psychische Probleme oder Auffälligkeiten, wie kann man also diese Kinder unterstützen? Heute bei mir zu Gast ist Frau Mag. Alima Matko von Styria Vitalis. Sie ist Psychologin, koordiniert die Arge Patenfamilien, weiß, wo man Unterstützung findet, wie man die Lage anspricht und was es braucht, damit diese Kinder gesund aufwachsen können. Herzlich willkommen und schön, dass Sie sich die Zeit nehmen.
Danke schön für die Einladung. Freue mich hier zu sein.
Wir freuen uns. Inwiefern sind Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen mehr belastet als andere?
Kinder, die bei Eltern aufwachsen, bei denen ein oder beide Elternteile eine Erkrankung haben, die die Psyche betrifft, haben nicht sofort sichtbar einen erkrankten Elternteil. Das heißt, die Kinder erleben im Verhalten vielleicht etwas, was anders ist als bei anderen Eltern. Das ist aber nicht augenscheinlich, und dadurch ist es einerseits entweder sowieso tabuisierter, oder es ist auch so, dass andere das nicht sofort erkennen können. Dadurch müssen sie selbst erst einmal sich bewusst machen, oder es muss in der Familie besprochen werden, beziehungsweise müssen sie wahrscheinlich einiges mehr erklären als andere Kinder.
Was sind denn die Belastungen, die die Kinder dann in diesem Fall betreffen?
Ganz besonders sind Kinder davon betroffen, dass sie sich oft die Frage stellen: Bin ich verantwortlich dafür? Habe ich Schuld? Wenn wir mit heute erwachsenen Personen sprechen, die mit Eltern aufgewachsen sind, die erkrankt waren, erzählen sie sehr oft, dass sie gemerkt haben, es ist anders bei uns zu Hause als in anderen Familien. Aber es war dann ganz oft die Überlegung, oder ist sehr oft von einem Kind die Überlegung: Was mache ich falsch? Warum geht es meiner Mama, meinem Papa schlechter? Und dieses Schuldthema ist eines, was ganz viele Kinder betrifft, dass sie sich überlegen, was kann ich besser machen, wo kann ich brav sein, kann ich besser sein in der Schule – ist eines, was sehr stark bei Kindern in dieser Situation zutrifft. Weiteres Thema ist, dass beispielsweise bei einer Erkrankung, die auch unterschiedlich pro Tag ist, die Kinder sehr sensitiv sind auf die Stimmungen der Eltern, sehr viel Rücksicht nehmen, vielleicht dadurch auch Verantwortungen übernehmen, die andere Kinder in dem Alter noch nicht übernehmen müssen, also auf jüngere Geschwister aufpassen oder sich selbst um etwas zu essen kümmern, wenn es an dem Tag dem Elternteil so schlecht geht, dass einfach einkaufen nicht möglich war. Das heißt, Kinder sind oft ganz anderen Herausforderungen gestellt als Kinder, die keine psychisch erkrankten Eltern haben.
Und das ist noch einmal der Unterschied zu Kindern, die erkrankte Eltern haben, wo es aber zum Beispiel um den Bewegungsapparat oder um Krebs oder um solche Dinge geht, weil das ja eher eintaktbar ist oder so?
Es ist sichtbar und es ist meistens auch besser kommuniziert, und dementsprechend kann das Umfeld auch besser darauf reagieren.
Das drübe reden ist sehr spannend. Da komme ich jetzt gleich zu meiner nächsten Frage. Also ich stelle mir das auch als betroffener Elternteil, als Vater oder Mutter mit einer psychischen Erkrankung schwierig vor, über das Thema zu sprechen. Wie mache ich denn das als betroffener Elternteil?
Ja, das ist glaube ich etwas, was uns allen immer noch schwerfällt. Ich bin Psychologin und habe von meinem Studium natürlich professionell gelernt, wie man darüber redet. Aber so im Alltag, kann man da vielleicht sagen: Traurigkeitsmonster, oder das ist mein grauer Wolkentag, oder was gibt es da für Worte? Die muss man wirklich auch erst finden für sich selber, und so geht es natürlich vielen von uns, und ich glaube, das darf man sich auch selber nicht vorwerfen, dass einem das schwerfällt, zu Beginn darüber zu reden. Wir alle haben wenig Übung darin. Daher überlegen: Welche einfachen Worte finden wir dafür? Was ist das Gefühl dahinter, das vielleicht jetzt auch schwierig für mich ist, das präsent ist? Wie versteht ein Kind das auch gut? Woran, an welchen Symptomen merkt man das auch? Also, bin ich dann so müde und kann nicht gut aufstehen, oder bin ich dann sehr ärgerlich und ungeduldig? Das sind ja die Dinge, die das Kind auch merkt. Daran kann man sich ganz gut entlanghangeln, auch darüber zu reden anhand dessen. Merkst du, ich bin heute nicht so gut drauf? Heute fällt mir das und das schwer. Und einladen, auch wirklich gemeinsam mit dem Kind vielleicht Worte dafür zu finden.
Gibt es da noch mehr Tipps jetzt für die unterschiedlichen Altersgruppen, womöglich auch von den betroffenen Kindern und Jugendlichen?
Ich glaube, einleitend ist es immer ganz gut zu fragen, woran merkst du das, dass etwas anders ist oder dass kein guter Tag ist? Und dann einfach auch gemeinsam zu überlegen: Können wir uns ein Codewort dafür überlegen? Ja. Also heute habe ich einen Tag, der ist so und so, Regenwettertag. Lass uns in der Familie einfach so einen Titel dafür finden, und der kann ganz unterschiedlich sein. Heute habe ich meinen Spinner, oder heute reißt mir leichter der Geduldsfaden, was auch immer. Das heißt, gemeinsame Sprache zu entwickeln ist ein ganz wichtiger Aspekt, und das geht, glaube ich, über jedes Alter hinweg, und nachzufragen, wann erlebst du das? Die Kinder erleben es immer. Ganz viele Eltern glauben ja, reden wir lieber nicht drüber, das belastet nicht. Also ist einem ganz im guten Glauben, das Kind zu schützen, aber die Kinder kriegen es mit. Ja, alle Angehörigen bekommen es mit, wenn es jemandem nicht gut geht. Das ist eine Atmosphäre, die man oft sehr schnell spürt. Man geht in den Raum und bekommt schon mit, oh, heute so oder so. Und wenn wir aber gemeinsame Sprache dafür entwickeln, dann kann man es direkt ansprechen und kann auch gemeinsam überlegen, was tut dann jedem Betroffenen gut? Also, was ist dann für mich als Kind? Was mache ich dann? Wie gehe ich damit um? Suche ich mir dann zum Beispiel einen anderen Erwachsenen, mit dem ich an dem Tag Dinge machen kann? Gehe ich zu Freunden, gehe ich zu Nachbarn? Oder umgekehrt, was braucht dann der Elternteil, damit der dann auch gut wieder zur Ruhe kommt, dass der Unterstützung bekommt? Wo bekommt denn der Unterstützung? Die Kinder sollen sich nicht verantwortlich fühlen für den erkrankten Elternteil, sondern wissen, dem wird dort oder dort geholfen, und dann kann man das aktivieren, wenn es einem nicht gut geht.
Ich stelle mir nur vor, jetzt bin ich erkrankt, habe alle Hände voll zu tun, dass ich mit dieser Erkrankung umgehe, leide wahrscheinlich, und dann ist es manchmal, vermute ich, extrem schwierig, mit den Kindern darüber zu sprechen.
Könnte dann ein Partner noch einspringen, oder was sind da die Empfehlungen?
Je mehr Personen es gibt, die Ansprechpersonen sind, desto besser. Wenn es einen gesunden Elternteil gibt, der das mit unterstützt, ist das ganz oft der Part, der dann das auch übernimmt, an den sich die Kinder natürlich dann wenden. Aber durchaus auch im pädagogischen Bereich zu überlegen, wenn es eine Kindergärtnerin gibt oder ein Kindergärtner, der bereit ist, auch da zu sein. Also, ich empfehle Eltern in gesunden Phasen, sich vorher schon zu überlegen, wen es denn da noch gibt? Wer kann dann noch aktiviert werden? Und im besten Fall kann man sich wirklich mit dem Kind auch hinsetzen und so etwas wie einen Hilfeplan überlegen. Das ist ein Zettel, wo dann draufsteht: Wenn es mir nicht gut geht, merkst du das da und da dran. Dann kannst du dich an so und so wenden. Ja, und das schreiben wir dann gemeinsam auf, also die Oma oder die Tante oder den Freund von mir oder wie auch immer, oder den Elternteil von einer Freundin. Je älter die Kinder werden, desto ist dann auch die eigene Peergroup natürlich Ansprechperson. Das heißt, dass man wirklich auch weiß, in dieser Situation kann ich dann den und den Anker auch für mich aktivieren. Aber auch, wo man auf diesen Hilfeplan draufschreibt, beispielsweise die Mama oder der Papa bekommt dann Hilfe dort und dort. Und für dich ist in der Zeit gesorgt, weil du kannst dann zu dem und dem gehen, wenn ich dann einen Arzttermin habe oder ins Krankenhaus muss. Das heißt, wenn man eine Phase, wo man selber stabil ist, wo es einem gut geht, das gemeinsam bespricht, dann hat man etwas, woran man sich anhalten kann und orientieren kann als Erwachsener, weil man ist ja dann selber auch in einer Phase, wo es dann nicht so leichtfällt, die Dinge strategisch anzugehen, und genauso fürs Kind: das weiß dann, der Hilfeplan liegt dort, und dann kann ich das und das tun, und ich empfehle auch, dort wirklich reinzuschreiben, was gibt es für Dinge, die das Kind gerne macht, die dem Kind auch Kraft geben und guttun. Also, du bist ja ein Fußballfan, dann schau, dass du unbedingt weiterhin zum Training kommst, und dann organisieren wir, dass der und der dich dorthinbringt, oder Lesen tut dir gut, da und da sind die Bücher. Also wirklich auch bewusst, so wie wir Hausmittelchen für körperliche Wehwehchen haben, die wir wissen, gibt es ja auch Hausmittelchen für psychische Wehwehchen, nämlich wenn es nicht gut geht, was tut man dann? Mit anderen reden, Dinge tun, die einem guttun, Atemübungen machen, was auch immer. Also in der Familie gemeinsam Dinge entwickeln, so etwas wie einen Plan B, wo ich schon weiß, das kann ich dann aktivieren in so einer Phase.
In diesem Fall geht ja die Familie und auch die betroffene Person schon relativ offen mit der Erkrankung um. Das ist ja fast ein Idealfall, würde ich sagen. Wie ist es denn umgekehrt? Also, jetzt ich als erwachsene Person im Umfeld des Kindes, also zum Beispiel eine Lehrerin, ein Lehrer oder die Oma, die aber weit weg wohnt, oder der Onkel. Wie gehe ich denn damit um? Mir fällt auf, irgendwas passt nicht so ganz. Wie spreche ich das an?
Das ist schon mal der erste Punkt. Ich denke, das Ansprechen ist etwas total Wichtiges, und wir sollten uns da viel mehr alle miteinander drüber trauen. Es passiert nichts, wenn man es anspricht. Es kann nichts kaputtgehen in dem Sinne, wenn man vorsichtig hergeht und sagt: Du, mir fällt auf. Ja,
Na ja, da hake ich jetzt ein, weil es ist schon eine extrem unangenehme Situation, oder wenn ich jetzt hingehe als Lehrerin zur Mutter und sage: Sind Sie womöglich psychisch erkrankt? Also, wie gehe ich das an?
Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. In dem Fall, gerade bei Pädagoginnen, empfehlen wir immer zu sagen, sich anlässlich des Kindes zusammenzusetzen und zu sagen: Ich beobachte, wir merken das und das und das. In letzter Zeit hat das Kind die Aufgabe oft nicht mitgehabt, oder uns ist aufgefallen, dass eine Jause gefehlt hat, oder solche Dinge. Und mal nachzufragen, warum das so ist und ob es Unterstützung braucht, und dass man Dinge beobachtet hat, die man wirklich selber auch wahrgenommen hat, also direkt dabei zu bleiben und keine Annahmen zu treffen: Kann das sein, dass Sie das und das haben? Weil ich denke, das ist ja auch nicht die Position der Lehrerin. Aber das Kind ist meistens der gemeinsame Nenner, und jeder Elternteil, auch Elternteile, die psychisch erkrankt sind, wollen, dass es ihrem Kind gut geht. Trotz allem weiß ich, dass es schwer ist. Ich glaube auch, dass es gar nicht notwendig ist, das allzu lang oder zu kompliziert zu machen, aber zurückzumelden, was ich beobachte, dass ich etwas kenne, wo man sich hinwenden kann, dass meine Beobachtung ist, dass da etwas sich verändert hat, ist die Verantwortung, die jeder individuell von uns übernehmen kann, und die im Sinne, dass es dem Kind gut geht, auch ganz eine wichtige ist.
Für dich zu Hause: Du wirst später in dieser Folge noch erfahren, wo diese Anlaufstellen sein können, wo du kostenfrei Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten bekommen kannst. Jetzt haben wir darüber gesprochen, wie man es anspricht, dass es gut ist, dass man es anspricht. Wie können Kinder aus psychisch belasteten Familien gut unterstützt werden? Was gibt es da für Möglichkeiten?
Ein wichtiger Aspekt ist, dem Kind Auszeiten zu ermöglichen. Zeiten, in denen es einfach Kind sein kann. Kinder übernehmen ja auch durchaus Verantwortung in einem Bereich, der vielleicht nicht in ihrem Alter noch passend ist. Und wenn es dann einfach einmal eine Zeit zum Spielen beim Freund ist, oder ein Ausflug mit Oma und Opa in den Tierpark, oder einfach einen schönen Nachmittag auch in der Nachmittagsbetreuung im Hort oder in der Schule, wo einfach das Kind sich seinen Themen widmen kann, ist das ein großer Gewinn. Dazu zählen natürlich zum Beispiel auch Partnerschaften, die wir vermitteln.Ein zweiter Punkt ist, dass man dem Kind Sprache ermöglicht. Darüber haben wir schon gesprochen. Das heißt, dass man dem Kind ermöglicht, dass es das benennen kann, dass es nicht so diffus wird, dass man dem Kind auch vermittelt, wo man Unterstützung bekommt, und auch vermittelt, dass es nicht das einzige Kind ist. Sehr häufig sind Familien auch isoliert, oder Kinder gehen dann davon aus: Das ist nur bei mir anders als sonst wo, weil bei meinen Freunden ist es vielleicht nicht so. Und da hilft es total zu hören: Okay, nicht nur bei mir gibt es das, es gibt auch andere betroffene Kinder. Und wie gehen denn diese Kinder damit um? Gemeinschaft ist ein wichtiger Aspekt. Also, Kindern gesunde Peergroups zu vermitteln, dass es in einem Verein mit dabei sein kann, dass es in der Nachmittagsbetreuung ist, dass das Kind vielleicht auch im Kindergarten ist, obwohl die Mama unter Anführungsstrichen nicht arbeitet, aber dass es dort Zeit hat zum Spielen und mit seinen Freunden Zeit verbringt, weil das vielleicht etwas ist, was zu Hause nicht so möglich ist. Wir empfehlen auch immer, es gibt wirklich inzwischen eine große Bandbreite an Büchern für Kinder, die das Thema psychische Erkrankungsbilder aufgreifen, auch ganz nach speziellen Erkrankungsbildern, und wo man gemeinsam das auch durchschauen kann und vielleicht anhand dessen dann auch gemeinsam überlegt: Wie ist das bei uns? Wie tun wir da?
Das sind so Dinge, die ich auf jeden Fall empfehlen würde, und dann einfach darauf achten, wann ist das Kind bereit, über das Thema zu reden. Natürlich ist es Reden total wichtig, aber es ist auch wichtig, dass man nicht die ganze Zeit sich um das Thema drängt und die ganze Zeit um das Thema kreist.
Das klingt relativ unkompliziert und einfach umzusetzen, und ganz zu Beginn haben Sie gesagt, wir bieten auch Patenfamilien oder Paten für Familien an. Was ist das für ein Angebot und wie läuft das konkret ab?
Genau, wir vermitteln Partnerschaften für Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen oder die psychisch belastet sind. Da geht es darum, dass dem Kind genau diese Auszeit, die ich vorher beschrieben habe, ermöglicht wird. Also Paten, das sind entweder Einzelpersonen oder Paare, die sich regelmäßig, möglichst einmal die Woche oder zumindest alle zwei Wochen, mit dem Kind über einen längeren Zeitraum treffen und Alltag mit den Kindern verbringen, und das wirklich so wie eine Patentante, Taufpatin oder wie auch immer auch machen würde, über einen langen Zeitraum, solange das für alle Beteiligten passt, und mit dem Kind einfach Kinderaktivitäten, je nachdem, was die Kinder auch gerne mögen. Die einen bekommen total gern vorgelesen, die nächsten backen gerne Kuchen, die dritten gehen gern gemeinsam in den Wald. Das ist vielleicht etwas, was die Familie nicht so schafft. Wenn jemand zum Beispiel eine Angsterkrankung hat und nicht gerne unter Menschen geht, dann sind die Kinder vielleicht selten am Spielplatz, und für die ist das ein Riesengewinn, wenn sie einfach einmal in der Woche mit dem Paten das machen können und dort ein bisschen herumklettern auf dem Gerüst. Das heißt, einfach dem Kind Zeit zu schenken, indem das Kind Kind sein kann, und die Eltern wiederum in der Zeit Zeit für sich haben, vielleicht auch Zeit dafür haben, Hilfe anzunehmen, oder einfach auch einmal sich auszuruhen, zu wissen, dass mein Kind noch eine weitere Ansprechperson hat, wo einfach auch außerhalb der Familie Dinge besprochen werden können, wo sie vielleicht auch ein bisschen andere Familiensituation erleben, wo sie andere Regeln kennenlernen, einen anderen Umgang, wie man miteinander spricht. Das ist etwas, was auch für die Eltern, die bei uns teilnehmen, ein großer Gewinn für ihre Kinder ist.
Und wenn ich Patin oder Pate werden möchte, was brauche ich für Voraussetzungen? Was kostet mich das womöglich? Oder bekomme ich bezahlt? Wie läuft das ab?
Unsere Paten sind ehrenamtlich tätig, das heißt, sie bekommen keine Entschädigung. Sie wissen das auch von Beginn an und haben so die Motivation, wirklich ein Kind zu begleiten. Umgekehrt, es kostet auch den Eltern, die das in Anspruch nehmen, nichts. Wir haben ein paar Voraussetzungen, die ganz wichtig sind zu erfüllen:
Man muss wirklich über einen längeren Zeitraum regelmäßig Zeit haben.
Man muss bereit sein, sich mit dem Thema psychische Gesundheit auseinanderzusetzen und dort auch Offenheit dafür mitbringen.
Man muss sich eine 30-stündige Schulung bei uns aneignen.
Es gibt genug Platz im Haus, in der Wohnung, wo einfach auch ein Kind da sein kann. Es gibt ein bisschen Ausstattung für Kinder.
Ein Leumundszeugnis von allen Erwachsenen, die im Haushalt leben, ist vorzulegen.
Vielleicht ist noch wichtig zu wissen, es können sowohl Paare Partnerschaften übernehmen, es können auch Einzelpersonen, und es gibt eigentlich keine Altersbeschränkung nach oben hin. Man muss halt Kinder gut begleiten können, sozusagen so fit zu sein, dass man noch ein bisschen mit durch den Park rennen kann. Wir haben aber eine Altersgrenze nach unten hin, also ab 25 Jahren ist es möglich, eine Partnerschaft zu übernehmen.
Jetzt bin ich als Mutter oder als Vater belastet von der Erkrankung. Wie komme ich denn zu solchen Paten? Also, wo muss ich denn anrufen? Oder wissen die, dass ich krank bin und kommen automatisch zu mir?
Sehr häufig wird unser Angebot vom Helfersystem empfohlen. Wenn eine Familie durch die Kinder- und Jugendhilfe begleitet wird oder sich therapeutische Hilfe holt, dann stellen die Professionisten vor Ort unser Angebot vor.
Eine andere Möglichkeit ist unsere Homepage: www.patenfamilien.at. Dort findet man alle Informationen, sowohl wenn jemand ehrenamtlich tätig sein möchte, als auch wenn man sagt, man hätte gerne diese Unterstützung für sein Kind. Dort kann man sich informieren, und dort sind auch unsere Adressen und Telefonnummern aufgeführt. Je nachdem, aus welcher Region man kommt, gibt es unterschiedliche Kolleginnen, die vor Ort sind und gerne Ansprechperson sind.
Das heißt, es ist ein steiermarkweites Angebot.
Genau. Zukünftig werden wir überall in der Steiermark sein. Das freut mich sehr. Bis jetzt sind wir in den Regionen Graz, Graz-Umgebung, Südoststeiermark und Fürstenfeld und in der Hochsteiermark, also Bruck mit Zuschlag, aktiv. Und das wird jetzt sukzessiv von Jahr zu Jahr mehr.
Also, jetzt hänge ich den Aufruf an: Wenn du zu Hause uns zugehört hast und denkst, das klingt eigentlich ganz spannend, kann man sich zuerst einmal ganz unkompliziert und informell erkundigen: Was kommt auf mich zu? Was ist das überhaupt? Was brauche ich? Und dann kannst du dich als Patin oder Pate bewerben. Wir suchen dich. Also, komm gerne und bewirb dich. Gibt es noch etwas, was wir jetzt vergessen haben zu erwähnen, was aber für die Hörerin und für den Hörer wichtig ist und was er oder sie zum Thema wissen sollte.
Ja, ich mache jetzt auch gleich noch einen Aufruf, wenn ich darf, für Familien, die sagen, sie sind betroffen. Ich kann erzählen, wir machen das jetzt seit 2017, dass wir diese Partnerschaften umsetzen, und es ist für mich wirklich wunderschön, immer wieder zu sehen, wie diese Familien zusammenwachsen und welche Unterstützung die Paten einfach auch sowohl für die Eltern als auch für die Kinder sind. Wir haben inzwischen Jugendliche, die schon oder Richtung Erwachsenenalter gehen, wo immer noch der Kontakt besteht, und es ist eine Riesenbereicherung für alle. Es ist für die Paten eine Bereicherung zu sehen: Ich kann ein Kind begleiten. Das Kind freut sich, wenn es mich sieht, und es ist für die Eltern eine Erleichterung, weil sie einfach wissen, es gibt noch eine zusätzliche Ansprechperson für meine Kinder, und für die Kinder ist es einfach toll, noch eine zusätzliche Welt zu gewinnen. Und ich weiß, dass es schwer ist, gerade wenn man eine Erkrankung hat, sich Hilfe zu holen, ist immer ein großer Schritt. Aber dieses Lächeln, das die Kinder haben, wenn ich sie treffe, oder wenn wir über das Thema reden, ist, glaube ich, wirklich der größte Motivator, auch diesen Schritt zu gehen. Wir sind alle, meine Kolleginnen und ich, wirklich total offen und freuen uns über jeden Anruf, stehen wirklich für jede Frage auch zur Verfügung, wenn es da Unsicherheiten gibt. Und was mir auch ganz wichtig ist: Wir begleiten diese Partnerschaften auch sehr intensiv, weil es natürlich, gerade wenn man nicht immer stabil ist, auch nicht ganz einfach ist, als Patin aktiv zu sein, und es kann ja auch mal zu Herausforderungen kommen, es können sich Lebenssituationen ändern, und da sind wir einfach auch da und begleiten diese Partnerschaften, damit die auch wirklich so langfristig existieren können, wie wir das im Konzept uns auch überlegt haben und vor allen Dingen, wie das für die Kinder dann die Riesenbereicherung ist.
Jetzt sind wir eigentlich schon am Ende unserer Folge angelangt, und ich versuche jetzt noch einmal das Wichtigste für dich zu Hause zusammenzufassen. Kinder, die Eltern mit einer psychischen Erkrankung haben, sind mehr belastet als andere. Das ist zum einen, weil sie sich ganz oft schuldig fühlen und auch verantwortlich für die Erkrankung von Mama oder Papa, und gleichzeitig, weil sie mehr Verantwortungen im häuslichen Alltag übernehmen - Dinge, die eigentlich Erwachsene ausführen, aber in diesem Fall nicht dazu fähig sind, weil sie psychisch erkrankt sind.
Es ist wichtig, hinzuschauen, und es ist wichtig, das Thema anzusprechen. Man kann nichts falsch machen beim Ansprechen, aber ein Tipp ist von Alima Matko gekommen, dass man eher Dinge anspricht, die man beobachtet hat und keine Vermutungen äußert. Also wirklich die Dinge, die man festmachen kann, dass zum Beispiel die Pädagogin die Frage stellt, nicht was könnte der Hintergrund sein, und die Finger weglassen von Vermutungen. Es gibt Unterstützung, es gibt beim Professionistensystem. Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen, fällt mir jetzt gerade auf, nämlich: Wo kann ich denn Hilfe bekommen? Das werden wir jetzt dann gleich noch nachholen. Wo gibt es denn kostenfreie Angebote, wo ich mich als belastete Mutter oder als belasteter Vater oder als erkrankter Mutter/Vater hinwenden kann? Wo kann ich womöglich sogar als Kind mich hinwenden, aber auch wo kann ich denn als, ich sage jetzt, familienexterne Person Rat und Hilfe suchen und finden? Es gibt das Angebot der Patenfamilien. Da kann man sich als Eltern hinwenden und um Unterstützung für das Kind oder den Jugendlichen bitten, und man kann sich dort auch als Patin oder Pate bewerben. Es gilt der Aufruf, das bald zu tun und gerne zu tun, denn die nächsten Schulungen und Kurse beginnen, und man gewinnt dadurch nicht nur als Kind oder Jugendlicher einen weiteren Ansprechpartner/eine Ansprechpartnerin, sondern auch die betroffene Mutter oder der betroffene Vater, der Auszeiten gewinnt, und natürlich auch der Pate oder die Patin, die neue Freundschaften schließt, vermute ich jetzt mal. Jetzt würde ich noch einmal zurückkommen, wir sind noch nicht am Ende. Das Wichtigste haben wir vergessen, nämlich: Wo kann ich denn anrufen? Also, ich nehme an, das Anrufen ist das unkomplizierteste. Ich kann natürlich auch hingehen, aber wo sitzen denn Experten, die mich unterstützen können, wenn jetzt so ein Fall auftritt?
Ja, wir haben vorhin schon über die Jugendlichen geredet, da kann ich wirklich sehr empfehlen die Seite visible.at. Die haben auch einen Instagram-Account und eine Facebook-Seite. Dort sind wirklich ganz viele Peergroups, also wirklich auch selbst betroffene, junge Erwachsene, die über ihre Situation erzählen und was ihnen geholfen hat.
Es gibt auch von hpe die Homepage verruecktekindheit.at. Hier werden einerseits Online-Beratungsangebote bereitgestellt, es gibt auch telefonische Kontakte und auch Gruppenangebote, wo wirklich auch Angehörige sich treffen und über ihre Situation sprechen. Hier in der Steiermark gibt es einige Beratungsangebote, jetzt entweder für Erwachsene oder für Kinder separat. Also, da kann ich durchaus auch wieder auf die Plattform psyche.at empfehlen, wo dann alle Angebote gesammelt, sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene, aufgezählt sind. Es gibt sehr viele Einzelberatungsangebote, die da auch ganz wichtige Hilfestellung sein können in der Situation.
Meine letzte Frage an alle meine Gäste ist immer dieselbe, nämlich: Was ist denn Ihr persönlicher Tipp für ein gesundes Leben?
Ich glaube, dass wir oft auch innerlich spüren, was wir brauchen, und es gar nicht so leicht ist, das immer auszusprechen. Und natürlich als Psychologin ist es etwas, was, glaube ich, ein bisschen in meiner DNA mit drin ist, einfach es einerseits sich selber gegenüber auch anzusprechen, aber auch anderen gegenüber anzusprechen, was man braucht, und darauf zu vertrauen, dass man auch auf Menschen trifft, die damit gut umgehen können, und damit wieder die Einladung auch an alle zu sagen: Reden wir ein bisschen mehr drüber, damit es uns allen leichterfällt, uns gegenseitig zu verstehen und aufeinander damit auch einzugehen.
Vielen herzlichen Dank, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben, um bei mir im Gesund informiert Podcast zu sein.
Danke für die Einladung.
Wenn du mehr zum Thema Gesundheit wissen willst oder den Podcast nachhören möchtest, dann schau auf unserer Webseite gesund-informiert.at. Wenn du Themen für uns hast, die dich interessieren, dann schreibe uns unter gesund-informiert@gfstmk.at. Wir freuen uns schon auf ein Wiederhören. Bis dahin bleibt gesund und und Anja von Gesund informiert, deinem Podcast, der Gesundheit verständlich macht.