Dass man weiß, man hat was im Griff, man hat die Erkrankung im Griff und nicht die Erkrankung mich.
Willkommen bei Gesund informiert, deinem Podcast, der Gesundheit verständlich macht. Bianca und Anja bringen Licht in den Dschungel der Gesundheitsinformationen. Mit wissenschaftlich gesicherten Infos, hilfreichen Tipps und spannenden Interviewgästen bist du immer gesund informiert. Passend zum Endo-March geht es heute um Endometriose, eine Erkrankung, die den Alltag einer Frau sehr beeinträchtigen kann, vor allem, weil es auch gar nicht so leicht ist, dahinterzukommen, dass es Endometriose ist. In Österreich gibt es circa 4000 neue Erkrankungen pro Jahr. Es scheint also relativ oft vorzukommen. In dieser Folge von Gesund informiert erfährst du, wie du Endometriose erkennst, ob es einen Selbsttest zur Endometriose gibt, was gegen die Schmerzen helfen kann, wer und welche Behandlung hilft und ob Endometriose heilbar ist. Zu Gast bei mir sind heute Privatdozentin Doktorin Monika Wölfler. Sie leitet die universitäre Kompetenzeinheit Endometriose an der Frauenklinik der MedUni Graz und Frau Magister Anderhuber-Tutsch, sie ist die Leiterin der Selbsthilfe Endometriose in Graz und Selbstbetroffene von der Erkrankung. Vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit nehmen und herzlich willkommen.
Vielen Dank für die Einladung. Danke für die Einladung.
Gleich meine erste Frage an Sie, Frau Doktorin Monika Wölfler. Was ist denn Endometriose und wie entsteht sie?
Endometriose ist eine gutartige Erkrankung, bei der es zur Verschleppung von Zellen ganz innen aus der Gebärmutter kommt. Also Gebärmutterschleimhautzellen, die sich dann außerhalb der Gebärmutter an den Eierstöcken, am Bauchfell, an anderen Organen ansiedeln können und dort entsprechend Beschwerden verursachen können. Diese Beschwerden können einerseits mit der Regelblutung zusammenhängen, weil diese Zellen sich ja verhalten wie Gebärmutterschleimhautzellen, aber können auch unabhängig davon Beschwerden machen. Zur Entstehung weiß man heute schon sehr viel. Ganz abschließend geklärt ist es noch nicht. Eine große Rolle spielt die Regelblutung selber bei der Entstehung und eben, dass über die Eileiter immer wieder Zellen in den Bauchraum kommen und sich da festsetzen können. Wir wissen, dass das Immunsystem da auch eine Rolle spielt, die das zum Teil zulässt, dass diese Zellen sich festsetzen. Und auf der anderen Seite wissen wir auch, dass die Zellen selber eine andere Fähigkeit haben, sich festzusetzen bei Frauen mit Endometriose und dadurch eben verstärkt sich ansiedeln, wachsen und eben diese Veränderungen nach sich ziehen.
Mich interessiert natürlich, wen betrifft Endometriose vorrangig? Sind es Frauen, sind es junge Frauen, sind es ältere Frauen?
Also grundsätzlich kann es jede Frau betreffen ab dem Beginn der Regelblutung und bis zur Menopause. In seltenen Fällen sehen wir auch nach den Wechseljahren Frauen, die Beschwerden von Endometriose haben. Meistens wird das Durchschnittsalter der Erkrankung mit 30 angegeben, aber ich glaube, das liegt vor allem daran, dass die Diagnostik sehr spät oft erst zielführend ist und immer wieder wir Patientinnen haben, die einen sehr langen Leidensweg haben, die jahrelang schon Beschwerden haben und die Diagnose erst später kommt. Es gibt immer wieder auch junge Frauen, Frauen, die kurz nach Einsetzen der Regelblutung, was sich beispielsweise mit 17 Jahren schon Beschwerden haben durch Endometriose oder durch Endometriose der Gebärmutter, die dann Adenomyose heißt.
Da kann ich tatsächlich sogar ergänzen: In meinem Verteiler, wie ich es jetzt immer nenne, also die jetzt da wirklich auch hin und wieder mal zu meinen Treffen kommen oder die ich mit meinen E-Mails erreiche, sind wir jetzt circa 90 Frauen seit 2015 gesammelt und die jüngste in meiner Gruppe, die ist jetzt 23, wurde gerade von einer 22-Jährigen abgelöst und eine, die auch schon im Wechsel ist, ist auch in meiner Gruppe, also die auch immer noch Beschwerden hat.
Mhm. Also sehr junge Frauen können durchaus Endometriose haben, aber auch sogar nach dem Wechsel kann diese Erkrankung wirken. Jetzt würde ich gleich die Betroffene fragen, so, weil selber im eigenen Körper erlebt, was sind denn die Auswirkungen einer Endometriose und ich darf Sie nachher bitten, das zu ergänzen aus ärztlicher Perspektive.
Also die Beschwerden sind die eine Seite, die Auswirkungen auf meinen Alltag ist die andere Seite, muss ich zugeben. Also körperliche Beschwerden sind bei mir teilweise auch Zyklus unabhängig. Das heißt, ich habe chronisch Beschwerden, abgesehen von Schmerzen, jetzt eben auch Übelkeit, Schwindel teilweise auch in bestimmten Phasen meines Zyklus. Tatsächlich nennt man das Brainfog, liest man gern in den sozialen Medien dazu, also wirklich so als wäre der ganze Tag so irgendwie vernebelt, man hat Wortfindungsstörungen, man ist unkonzentriert. Zusätzlich leide ich auch unter Unfruchtbarkeit. Also ich habe seit bald 5 Jahren einen unerfüllten Kinderwunsch. Also das sind so jetzt mal die Dinge, die mir als erstes einfallen. So, mal so.
Gibt's jetzt da was zu ergänzen? Was sind denn die typischen Anzeichen einer Endometriose? Was sind typische Schmerzen?
Also, was wir am häufigsten sehen, sind Schmerzen im Zusammenhang mit der Regelblutung. Und da ist vielleicht ein ganz wichtiger Aspekt, wann hat das einen pathologischen, also einen krankhaften Wert? Es ist ein Kennzeichen, dass wenn eine Frau während der Regelblutung Schmerzmittel einnehmen muss, um diese Schmerzen auszuhalten, dann ist es auf jeden Fall etwas, was abgeklärt werden muss. Das ist auffällig. Natürlich ist stressabhängig, also wenn jetzt eine Schülerin oder Studierende vor einer Prüfung steht und unter Druck ist und dann mal eine Regelblutung hat, die auch schmerzhaft ist, ist das nicht unbedingt sofort was Auffälliges. Aber wenn in jedem Zyklus Schmerzmittel nötig sind, muss das unbedingt abgeklärt werden. Also Regelschmerzen ist eine Sache. Was wir auch oft sehen, sind Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zyklusabhängig oder auch ganz oft positionsabhängig. Also, das Frauen sagen, es ist immer da auf der linken Seite, da ist ein Schmerz, das muss man abklären. Dann Schmerzen beim Wasserlassen, beim Stuhlgang, da kann im Zusammenhang mit Endometriose auftreten und das ist dann oft typischerweise auch zyklusabhängig, also dass das vor der Menstruation beginnt, dass Frauen sagen, ich habe eher so Durchfallneigung oder plötzlich merke ich, meine Verdauung ist anders. Das muss man abklären. Ganz wichtiger Aspekt ist auch, und ich arbeite in einer Kinderwunschambulanz auch, dass wenn es nicht dazu kommt, dass die gewünschte Schwangerschaft eintritt, dass man da auf jeden Fall auch noch mal genau hinschauen muss. Und ganz oft ist es so, dass erst zu diesem Zeitpunkt klar wird, dass eine Frau schon viele Jahre Regelbeschwerden hat und dass dann die Abklärung in die Wege geleitet wird. Also das auch berücksichtigen.
Das habe ich auch eingangs angekündigt, dass es gar nicht so leicht ist, dahinterzukommen, dass es tatsächlich Endometriose ist.
Wie kann ich denn als Frau das feststellen? Was sind Anzeichen und noch wichtiger beinahe, wo kann ich denn da hingehen?
Also auf jeden Fall wichtig, eine fachkundige Abklärung zu bekommen. Der erste Ansprechpartner sollte da immer die Frauenärztin, der Frauenarzt sein. Und mit einer klinischen Untersuchung, mit einer Besprechung der Symptome und vor allem mit einer gründlichen Ultraschalluntersuchung kann man der Sache schon ganz gut auf die Spur kommen und Veränderungen erkennen oder auch größtenteils ausschließen. Ganz lange Jahre war es so, dass man gesagt hat, es muss eine Bauchspiegelung, also eine Operation erfolgen, um diese Erkrankung zu erkennen. Das ist jetzt auch in den neuen Handlungsempfehlungen auf europäischer Ebene festgelegt, dass es eben nicht so ist, dass man nicht eine diagnostische Bauchspiegelung machen soll, sondern dass man mit den Möglichkeiten der Untersuchung und vor allem der Ultraschalluntersuchung die Wahrscheinlichkeit, ob diese Erkrankung da ist oder nicht, sehr gut einschränken kann und dann auch schon Behandlung starten kann. Ich glaube, wichtig ist, dass man die Symptome erkennt, wahrnimmt und dann eine spezifische Behandlung macht.
Und da würde ich aus Selbsthilfe-Sicht auch wirklich ergänzen, dass es sehr wichtig ist, dann zu Fachärzten, jetzt nicht gynäkologischen Fachärzten, sondern wirklich einem Endometriose-spezialisierten Facharzt zu gehen.
Jetzt sind Sie ja den Weg selbst gegangen. Anfangs: Man merkt, man hat Schmerzen. Spätestens, glaube ich, mit dem unerfüllten Kinderwunsch ist es dann soweit, dass man sich ärztliche Hilfe holt. Gibt's davor Möglichkeiten, dass ich selbst erkennen kann? Gibt's Selbsttests? Gibt's Urinproben, die ich selber machen kann, die dann irgendwie anschlagen?
Das möchte ich vielleicht ganz gerne beantworten. Es ist nämlich jetzt ein sogenannter Endometriose-Test am Markt, der viel diskutiert wird auch in den sozialen Medien. Wir haben als Arbeitsgemeinschaft für Endometriose dazu auch ein Statement verfasst, weil es ist sehr schwierig. Der Test ist ja nicht die Lösung, sondern es geht darum, Symptome zu erkennen und zu behandeln. Und ein Test, der jetzt neu am Markt ist, der noch nicht wirklich validiert ist, der sehr viel sehr hohe Kosten mit sich bringt, der eine Ja-, vielleicht- oder Wahrscheinlich-Antwort gibt, kann man machen, aber ich glaube, man sollte vielleicht besser dahingehend investieren, dass man sich einen Arzt, eine Ärztin sucht, wo man das Gefühl hat, die Diagnostik wird gründlich gemacht und es wird auch eine Behandlung in die Wege geleitet und die Behandlung kann sehr vielfältig sein. Wie vorhin schon angesprochen, geht's darum mal die Symptome zu erkennen und wenn das Hauptsymptom die Regelschmerzen sind und beispielsweise eine 24-jährige Frau gerade in ihrer Ausbildung steckt, keinen Kinderwunsch hat, dann ist es hilfreich, durch Medikamente die Regelblutung auszuschalten. In einer anderen Situation, wenn wir Veränderungen im Ultraschall finden, die umfangreich sind, wo man weiß, wenn man die jetzt operativ behandelt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Beschwerden besser sind oder gar weg sind. Dann ist das natürlich eine andere Form der Behandlung, die da notwendig ist, aber der Test alleine löst das Problem gar nicht.
Du wirst im Übrigen später in dieser Folge noch erfahren, wo du dich hinwenden kannst, wo Professionisten, wo Spezialisten sitzen in der Steiermark, wo du womöglich auch einmal anrufen kannst, um dich zu informieren und dort kann dir weitergeholfen werden. Jetzt sind wir eh schon ein bisschen drinnen in dem Thema Behandlung. Was sind denn so typische Behandlungsmöglichkeiten? Was kann man denn tun?
Genau, also es ist wie vorhin schon gesagt, ganz wichtig, dass man sich das Symptom oder die Symptome genau anschaut und schaut, wo steht diese Frau gerade in ihrem Leben, was sind die Hauptaspekte, die im Vordergrund stehen. Ich glaube, was auch wichtig ist zu betrachten, ist, dass Endometriose eine chronische Erkrankung ist. Also, da braucht es ein langfristiges Management, eine langfristige Planung, wann ist welche Therapieoption hilfreich und da sind wir ganz froh, dass wir verschiedene Möglichkeiten haben. Auch wenn man jetzt so zurückschaut, in den letzten 20 Jahren hat sich da nicht Wesentliches geändert. Also, das sind jetzt nicht neue Medikamente in großer Zahl auf dem Markt gekommen, sondern was immer noch hilfreich ist, sind hormonelle Medikamente, die eben entweder den Zyklus ausschalten oder die Beschwerden dahingehend beeinflussen können. Das können Gelbkörperhormone sein, die den Zyklus ausschalten, auch in Form einer Hormonspirale. Man hat Pillen, also Kombinationspräparate aus Östrogenen und – also aus weiblichen Geschlechtshormonen – Gelbkörperhormone und Östrogene. Und es gibt auch Medikamente, die werden jetzt demnächst noch auf dem Markt kommen oder weiter verbreitet werden, die auch in die hormonelle Regulation mit eingreifen.
Und dann braucht man keine Schmerzmittel mehr. Kann man davon ausgehen? Also ich nehme die Pille und dann brauche ich keine Schmerzmittel oder?
Das kann man so nicht beantworten, sondern muss schauen, wenn es ein Schmerz ist, der wirklich nur menstruationsassoziiert, also mit der Regelblutung auftritt, dann ist die Chance hoch, dass wenn man die Regelblutung ausschaltet, die Schmerzen auch wegbleiben. Es gibt aber natürlich, wenn man jetzt das Beispiel Schmerzen beim Geschlechtsverkehr nimmt, schon noch die Situation, wo diese Schmerzen durch die medikamentöse Behandlung alleine nicht vollständig zu behandeln sind. Da kann man natürlich Schmerzmittel einsetzen oder wenn es jetzt wie vorhin schon mal das Beispiel genannt, ein Schmerz ist, der an einer bestimmten Stelle auftritt, wo wir auch eine Veränderung sehen, dann kann eine Operation sehr hilfreich sein.
Ich habe gehört, es ist eine chronische Erkrankung. Endometriose. Ist Endometriose nicht heilbar?
Heilbar ist eine schwierige Definition finde ich in dem Zusammenhang. Es ist eine chronische Erkrankung, so wie ein Allergiker mit der Allergie auch leben muss. Aber man kann das schon in vielen Formen günstig beeinflussen und deswegen auch, was ich eingangs gesagt habe, ganz wichtig, dass man immer langfristige Behandlungsstrategien verfolgt und überlegt, was ist in welcher Situation hilfreich ist. Auch das Thema Schmerzmitteleinnahme ist, glaube ich, in dem Zusammenhang etwas, wo wir immer wieder merken, es ist sinnvoll, Patienten auch zu ermutigen, in bestimmten Phasen Schmerzmittel zu nehmen und nicht tapfer zu sein. Frauen sind immer so tapfer, die versuchen das immer irgendwie doch durchzustehen oder ich höre ganz oft in der Sprechstunde: 'Ja, na, ich versuche Schmerzmittel während der Regelblutung zu vermeiden.' Und ich sage immer, warum? Weil wir wissen, die Schmerzmittel greifen in diesen Prozess der Schmerzentstehung ein. Und wenn man frühzeitig, also antizipierend, wenn man jetzt einen Schmerz erwartet, Schmerzmittel einnimmt, dann ist das sehr hilfreich und kann sehr gezielt eingesetzt werden. Also, wenn man zum Beispiel Zahnschmerzen hat und man weiß, man muss zum Zahnarzt, macht es ja auch Sinn, vorher Schmerzmittel zu nehmen. Das sind wir eh schon mitten im Thema.
Jetzt frage ich Sie, Frau Anderhuber-Tutsch, was kann ich denn eigentlich selbst tun, um einen Alltag mit Endometriose zu bewältigen?
Mir persönlich, also mir persönlich hat tatsächlich geholfen, das Ganze anzunehmen. Deswegen bin ich, glaube ich, auch so aktiv in der Selbsthilfe, um Frauen dabei zu unterstützen, dass sie zwar eine chronische Erkrankung annehmen müssen, aber daran nicht unbedingt scheitern müssen. Also, es ist, glaube ich, ein großer Teil dieser Akzeptanz, weil dann kann man damit arbeiten, dann kann man für sich selber vielleicht noch alternative Methoden oder besser gesagt eigentlich komplementärmedizinisch, weil ich finde eben gerade die normale Medizin jetzt unter Anführungszeichen sollte man dann nicht ausschließen, aber komplementärmedizinisch dann noch vielleicht dazu arbeiten, wie zum Beispiel ich mache viel mit Traditioneller Chinesischer Medizin im Bezug einerseits auf den Kinderwunsch, aber auch auf die Schmerzen. Dann gerade Chranio-Sakral habe ich für mich auch gefunden. Yoga, Meditation, tatsächlich einfach ganz viele zusätzliche Dinge, die ich aber erst gelernt habe, als ich das angenommen habe und weiß, wann brauche ich was. Was mir auch sehr geholfen hat, war Psychotherapie. Eben auch überhaupt das Ganze anzunehmen und damit umzugehen. Ich finde, sollte man sich davor nicht scheuen, aber ich merke es oft, wenn ich einen Informationsstand in der Herrengasse organisiere, dass Frauen meine Karte mitnehmen und sich erst ein Jahr später melden, weil sie halt einfach diesen Prozess mal brauchen, das Ganze zu verdauen.
Gibt's jetzt Ergänzungen?
Ja, also gerne. Also, was wir in den Sprechstunden immer feststellen, dass es ganz unterschiedlich ist, was jemandem guttut. Also ich glaube, wichtig ist, eine gute Basistherapie zu haben, also sei es eine Hormontherapie, eben Schmerztherapie in entsprechenden Situationen oder eben operative Behandlung. Zusätzlich, und ich glaube, da ist wirklich jede Frau anders, sollte man alles machen, was der jeweiligen Frau guttut. Also, wir hören, dass Sport, Bewegung sehr, sehr hilfreich ist. Auf der anderen Seite gibt's auch Frauen, die sagen, ich kann wegen meiner Schmerzen nicht. Ganz spannend ist, und deswegen glaube ich, möchte ich wirklich den Fokus auch auf Sport und Bewegung noch mal lenken, ist das, wenn man das mit dem Bewegungscoach zum Beispiel macht oder sich damit auseinandersetzt, dass man über diesen Schmerzpunkt hinausgeht und versucht, damit zu arbeiten, dass das dann schon sehr hilfreich ist. Also Sport, Bewegung, alles was dem Immunsystem hilft, mit einer Erkrankung umzugehen, ist sicher hilfreich. Traditionelle Chinesische Medizin, Akupunktur, Osteopathie hören wir auch oft, wird positiv wahrgenommen, Manualtherapie, da gibt's wahrscheinlich keine Grenze, sondern alles, was hilfreich empfunden wird, sollte man unbedingt machen.
Wie ist das mit Ernährung, mit Tees?
Ernährung gibt's auch Empfehlungen, da gibt's auch Bücher, die man sich zu diesem Thema besorgen kann. Ich denke, insgesamt eine gesunde Ernährung mit nicht zu extremen Formen in die eine oder andere Richtung ist immer hilfreich.
Ich glaube, eine Grenze gibt's tatsächlich nur in der Selbstunterstützung, was jetzt komplementärmedizinisch betrifft, sind die Kosten. Und da ist oft leider die Grenze, dass alles immer auf Privatleistung ist.
Also probier aus, was dir guttut zu Hause. Aber sei einfach achtsam beim Geld ausgeben und geh lieber früher als später zu den Expertinnen, die dann eine fundierte Diagnose stellen können.
Und oft sind es auch einfache Maßnahmen. Was ich auch oft höre von Frauen ist, dass Wärme angenehm ist. Also einfach Applikation einer Wärmeflasche auf dem Bauch, so wie man es bei Rückenschmerzen oder Verspannungen in den Schultern einsetzen würde, kann das auch bei Regelbeschwerden sehr hilfreich sein. Da gibt's auch schon gute Pantys, die man einfach unter das Gewand anziehen kann, die dann heizen.
Also Unterhosen, die selbst heizbar sind.
Wenn jetzt, ich nehme mal an, durch die Erkrankung treten auch Herausforderungen einer Beziehung auf. Findet man auch dort Unterstützung in der Endometriose-Einheit, wenn unerfüllter Kinderwunsch oder Schmerzen beim Sex?Also, da gibt's die Beratung und da kann man womöglich auch zu zweit hinkommen.
Auf jeden Fall, also wir haben das Glück, dass wir in unserem Endometriosezentrum auch eine Psychologin haben, die mit im Team ist. Im Kinderwunschthema wird immer psychologische Betreuung mit angeboten, aber auch bei Schmerzen. Was ganz spannend ist in diesem Zusammenhang, also wir haben ein großes multizentrisches Projekt schon vor ein paar Jahren angefangen und dann ausgewertet. Es ist ganz spannend, da hatten wir damals auch die Partner mitbefragt, wie die Paare auch mit dem Problem Schmerzen beim Sex zurechtkommen und es ist ganz positiv beeindruckend gewesen, wie gut Paare zurechtkommen und welche Wege sie sich gemeinsam suchen, um eben mit der Situation zurechtzukommen. Aber natürlich, da braucht es sicher noch mehr Angebot, dass man das auch begleitet, dass man unterstützt, dass man Möglichkeiten aufzeigt, um das gut zu bewältigen.
Jetzt wird's spannend nämlich für dich auch zu Hause. Ich habe es schon angekündigt, wo kannst du dich denn hinwenden? Wenn du glaubst, an Endometriose erkrankt zu sein, beziehungsweise wenn du einfach Schmerzen hast und eine Abklärung haben möchtest, wo muss ich hin?
Also, ich glaube, es ist ganz wichtig, erstmal mit der Ärztin, mit dem Arzt des Vertrauens darüber zu sprechen, das zu thematisieren und dann eben eine fachkundige Untersuchung einzufordern. Wir erleben das in den Sprechstunden ganz oft, dass auch über Hausärzte und Hausärztinnen Patienten zugewiesen werden, aber eigentlich sind die Frauenärztinnen, Frauenärzte die ersten Ansprechpartner. Ganz wichtig ist es, dass auch die Selbsthilfegruppe Informationen anbieten kann und das Frauengesundheitszentrum.
Ja, also gerade von der Selbsthilfe, da kann ich sehr unterstützend noch zur Seite stehen, weil wir innerhalb unserer Gruppe uns auch austauschen über niedergelassene Gynäkologinnen und Gynäkologen. Da wir einfach Erfahrungen austauschen, weil also ich merke auch so in den letzten Jahren hat sich dahingehend mehr getan, dass auch wirklich niedergelassene Gynäkologinnen und Gynäkologen Ansprechpartner sein können. Wichtig ist dabei, dass man als Frau trotzdem auch vielleicht dran bleibt, wenn man im ersten Moment merkt, vielleicht stößt der Arzt, die Ärztin gegenüber zuerst mal an ihre Grenzen, wenn man selber so diesen Verdacht mal äußert, aber dass man dran bleibt, dass man fragt, weil man muss dem auch ein bisschen Zeit geben. Fairerweise muss man sagen, die Endometriose ist eine sehr vielfältige Erkrankung. Es ist immer wichtig zu beachten, in welcher Lebenssituation steht die Frau, welche Beschwerden hat sie, wo hat sie die, in welchem Zeitraum hat sie die und so weiter und so fort. Also, da muss man fairerweise schon auch vielleicht mal dem Gegenüber ein bisschen Zeit geben, das mal sich anzuschauen und dann eine Behandlungsmöglichkeit anbieten zu können.
Das soll euch gleichzeitig eine Ermutigung sein für dich zu Hause. Du darfst deinem Arzt, deiner Ärztin Fragen stellen, auch dreimal, auch viermal. Nimm dir Zeit. Was habe ich? Was kann ich tun? Warum soll ich das tun? Und wenn dich dieses Thema näher interessiert, findest du mehr dazu auch in einem anderen Podcast zum Thema Arzt-Ärztinnengespräch. Immer spannend für unsere Hörerinnen ist es, was kosten denn diese ganzen Unterstützungsleistungen? Also, wenn ich anrufe, wenn ich hingehe, wie ist das bei der Selbsthilfe zum Beispiel?
Also unsere Selbsthilfe ist kostenlos.
Das ist schön zu hören.
Auch die Beratung im Frauengesundheitszentrum ist kostenlos und ich glaube, das muss man wirklich unterstreichen, dass da ein Angebot für Information vorhanden ist und da kann man sich dann seine Wege gut suchen. Grundsätzlich ist es so, dass die Abklärung, also die Untersuchung und Diagnostik, dass das Krankenkassenleistungen sind.
Also es wird übernommen, das ist gut ja? Aber Zusatzkosten können natürlich entstehen?
Können entstehen, ja.
Gibt es noch etwas, das unsere Hörerinnen und Hörer unbedingt wissen sollten? Haben Sie noch Ergänzungen, Frau Dr. Wölfler?
Also, ich glaube, was ganz wichtig ist, am Schluss vielleicht noch mal zu betonen: Da gab's jetzt auch diesen Film 'Regelschmerzen sind nicht die Regel'. Wenn im Rahmen der Menstruationsblutung immer wieder Schmerzen auftreten, die Schmerzmitteleinnahme erforderlich machen, sollte man das abklären. Auch Schmerzen in anderen Situationen frühzeitig abklären. Wir erleben das ganz oft in unseren Sprechstunden, dass Patientinnen fast erleichtert sind, wenn sie hören, 'ah, das ist Endometriose', weil oft ein langer Weg, ein langer Prozess des 'Ja, was ist mit mir los? Wieso habe ich das? Warum ist es bei mir anders als bei anderen?' davor schon stattgefunden hat. Und dann, wenn dann klar ist, okay, das ist jetzt diese Erkrankung und so kann man es behandeln, ja, neue Perspektiven sich eröffnen und man damit aktiv umgehen kann. Ich glaube, das ist auch etwas, was Sinn dieses Podcasts ist, dass man dieses Self-Empowerment nutzt, dass man einfach selber aktiv mit der Situation umgeht und sich das holt, was man braucht.
Frau Magister Anderhuber-Tutsch, von der Selbsthilfe-Perspektive aus gesehen, gibt's da noch etwas, was zu ergänzen ist?
Dem habe ich jetzt eigentlich gar nichts mehr hinzuzufügen, weil mein letztes Wort auch nur eben dieses Self-Empowerment gewesen wäre, aber ja.
Gut, also dann sind wir schon am Ende dieser Folge wieder angelangt und ich versuche das Wichtigste noch einmal zusammenzufassen. Bei einer Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an. Die Folge können sein starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex sowie auch Probleme schwanger zu werden, aber es können auch keine Beschwerden auftreten, also eine sehr vielseitige Erkrankung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Erkrankung zu erkennen. Der erste Schritt ist einmal, diese Probleme wahrzunehmen und anzuerkennen und dann in Absprache mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt einen weiteren Weg zu finden, wie eine Behandlung erfolgen kann. Die Behandlungen sind unterschiedlich. So wie es Tausende von unterschiedlichen Frauen gibt, gibt's auch nicht Tausende Behandlungen, aber doch eine Vielzahl an Behandlungen, die möglich sind, angefangen von Schmerzmitteln hin zur hormonellen Behandlung bis hin zur Operation. Aber du kannst auch zu Hause einiges mitbewirken, indem du achtsam mit dir selber umgehst, indem du Yoga machst, Akupressur, Akupunktur, Wärmeflasche, Tees etc. Also, da gibt's ganz viele Möglichkeiten, die du ausprobieren kannst, ob sie dir guttun oder nicht. Immer mit einem Auge drauf, ob sie dein Börserl belasten oder nicht. Such dir Hilfe, lieber früher als später. Das kann durchaus auch diese Selbsthilfe Steiermark sein oder zum Beispiel auch das Frauengesundheitszentrum. Dort findest du kompetente Ansprechpartnerinnen.
Liebe Frau Doktorin Wölfler, was ist denn Ihr Tipp?
Ich denke, wichtig ist es, wir alle sind im Alltag so beschäftigt und aktiv und eingespannt und immer wieder innezuhalten und zu sagen: 'Ach, ich genieße diesen Moment jetzt im Hier und Jetzt und tanke vielleicht Kraft in einer schönen Situation irgendwo draußen in der Natur. Beim Sport, in einem Gespräch, es gibt für jeden unterschiedliche Sachen, aber ich glaube, das Innehalten, das ist so das, was in unserer Zeit oft am schwierigsten ist.
Frau Magister Anderhuber-Tutsch, was ist Ihr Tipp für ein gesundes Leben?
Ich glaube, ich kann mich dem auch anschließen, weil ich vorhin ja so betont habe, dass man die Erkrankung annehmen soll. Soll jetzt aber gleichzeitig nicht heißen, dass man daran zerbrechen soll, sondern die Annahme soll auch dahingehend helfen, dass man auch wieder im Leben einen anderen Fokus legen kann, dass man weiß, man hat was im Griff, man hat die Erkrankung im Griff und nicht die Erkrankung mich, sondern man kann dann auch wieder das Schöne am Leben sehen oder auch bei einem unerfüllten Kinderwunsch. Also gerade wo ich selber merke, 5 Jahre haben schon sehr viel auch mit mir und meinem Mann gemacht, aber wir haben unseren Weg gefunden und wir wissen, wie wir trotzdem an dem Ganzen auch wachsen können.
Das sind sehr schöne Abschlussworte. Vielen herzlichen Dank, dass Sie heute bei mir zu Gast waren und den 'Gesund informiert'-Podcast mit mir kreiert haben. Wir hoffen, auch dir zu Hause hat diese Folge gefallen und du bist das nächste Mal wieder mit dabei.
Wenn du mehr zum Thema Gesundheit wissen willst oder den Podcast nachhören möchtest, dann schau auf unserer Webseite gesund-informiert.at.
Wenn du Themen für uns hast, die dich interessieren, dann schreibe uns unter gesund-informiert@gfstmk.at.
Wir freuen uns schon auf ein Wiederhören.
Bis dahin bleib gesund und informiert. Baba, Bianca und Anja von 'Gesund informiert', deinem Podcast, der Gesundheit verständlich macht.