Gendermedizin

Warum verschiedene Geschlechter andere Medizin brauchen

Das Symbol für Weiblichkeit und Männlichkeit und das plus für medizinische Versorgung.
Wie erkenne ich Fakten statt Fake?
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Redaktion: Bianca Heppner, MPH (Master in Public Health) und Anja Mandl, BA MA (Bachelor und Master in Gesundheitsmanagement)
Zuletzt geändert am: 31.05.2023
Nächste geplante Überarbeitung: 2026

Lange Zeit war die Medizin von Männern geprägt und Frauen waren wenig bis gar nicht in klinischen Studien vertreten. Erst seit einigen Jahren schaut die Forschung verstärkt auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern, auch unter Berücksichtigung der Vielfalt der Geschlechtsidentitäten. Dabei spielen sowohl soziale als auch biologische Faktoren eine Rolle. Die Forschung der Gendermedizin befasst sich aktuell vorwiegend mit den beiden Geschlechtern männlich und weiblich. Aus diesem Grund liegt der Fokus auch in diesem Beitrag auf Frauen und Männer.

In diesem Beitrag werden häufige Fragen zum Thema „Gendergesundheit“ beantwortet. Sie als gesunde erwachsene Person erfahren, was Ihr Geschlecht mit Ihrer Gesundheit zu tun hat. Wir klären über Mythen rund um das Thema auf und Sie erfahren, wo Sie weitere Informationen finden. Mit diesen Informationen können Sie sich selbst ein Bild machen, bevor Sie eine Entscheidung für Ihre Gesundheit treffen!

Überblick

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Frauen haben im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung als Männer.[1]
  • Es gibt das biologische Geschlecht und das soziale Geschlecht. Beides hat Einfluss auf die Gesundheit von Menschen.[2]
  • Das Gesundheitsverhalten von Männern und Frauen ist unterschiedlich. Frauen ernähren sich im Durchschnitt gesünder, Männer bewegen sich statistisch betrachtet mehr.[3]
  • Lange Zeit wurden in der medizinischen Forschung nur Männer in Studien einbezogen. Seit Beginn der 2000er Jahre müssen eventuelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern ermittelt werden.[6]
  • Anzeichen für Erkrankungen und Beschwerden können bei den Geschlechtern unterschiedlich sein. Das ist zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Fall.[7]
  • Medikamente können bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken. Das Risiko für Nebenwirkungen ist bei Frauen höher.[3]

Häufige Fragen

Stimmt es, dass Frauen länger leben als Männer?

Die Lebenserwartung der Männer in der Steiermark lag im Jahr 2019 bei 79,5 Jahren. Die Lebenserwartung der steirischen Frauen bei 84,7 Jahren. Statistisch gesehen werden Frauen also älter als Männer.

Die Lebenserwartung in (sehr) guter Gesundheit lag 2019 in der Steiermark bei 61,8 Jahren bei Männern und bei 63,2 Jahren bei Frauen.[1]

Was versteht man überhaupt unter „Geschlecht“?

In der englischen Sprache gibt es zwei Wörter für „Geschlecht“, nämlich „sex“ und „gender“.

Das Wort „sex“ beschreibt das biologische Geschlecht, welches in unserer DNA  (Erb-Information) festgelegt ist. Männer haben in ihrer DNA ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom (XY). Frauen haben zwei X-Chromosomen in ihrer DNA (XX). Diese Chromosomen sind in jeder unserer Zellen zu finden.[2]

Das Wort „gender“ beschreibt soziale Rollen, Verhaltensweisen und Geschlechtsidentitäten. Die Geschlechtsidentität beschreibt, welchem Geschlecht sich Menschen zugehörig fühlen.[14] Manche Menschen identifizieren sich als Mann, andere als Frau oder als nicht-binär – unabhängig vom biologischen Geschlecht. Man spricht auch vom sozialen Geschlecht. Dieses beeinflusst, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen und wie wir uns verhalten.[2]

Außerdem gibt es laufend neue Forschungsergebnisse, welche sich mit verschiedenen Geschlechtern und Identitäten beschäftigen.

Sind Frauen und Männer unterschiedlich krank?

Bekannt ist, dass Frauen und Männer unterschiedlich häufig oder anders erkranken. Auch der Verlauf der Krankheit kann je nach Geschlecht unterschiedlich sein.
Außerdem zeigen Daten, dass Männer sich im Durchschnitt mehr bewegen als Frauen. Frauen ernähren sich durchschnittlich gesünder als Männer und gehen öfter zum Arzt oder zur Ärztin. Auch die Wirkung von Medikamenten kann sich bei Frauen und Männern unterscheiden. Das Risiko für Nebenwirkungen ist bei Frauen höher.[3]

Was bedeutet der Begriff „Gendergesundheit“?

Gendergesundheit befasst sich mit der Häufigkeit von Erkrankungen, den Symptomen oder der Verträglichkeit von Medikamenten bei den Geschlechtern. Auch der Umgang mit einer Erkrankung und das Gesundheitsverhalten können unterschiedlich sein.[3]

Welche gesundheitlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es in Österreich?

Frauen und Männer erkranken unterschiedlich häufig und anders:

  • Bei Frauen wird häufiger eine Depression festgestellt als bei Männern.
  • Mehr Männer als Frauen begehen Suizid.
  • Männer haben häufiger einen Herzinfarkt als Frauen.
  • Männer sind häufiger übergewichtig als Frauen.
  • Frauen bewegen sich weniger als Männer.
  • Mehr Frauen essen täglich Obst und Gemüse als Männer.

Es gibt verschiedene Faktoren, welche die Gesundheit von Männern und Frauen beeinflussen:

  • Frauen sind häufiger von Armut und Ausgrenzung betroffen als Männer.
  • Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als Männer und sind häufiger nicht erwerbstätig.
  • Männer sind häufiger arbeitslos als Frauen.
  • Mehr Frauen als Männer gehen regelmäßig zum Hausarzt oder zur Hausärztin.[4]
Welche Rolle spielt die Forschung in der Gendermedizin?

Gesundheit und Krankheit bei der Frau

  • Frauen nehmen eine notwendige Behandlung bei einer Depression häufiger in Anspruch als Männer.
  • Für Frauen ist es schwieriger mit dem Rauchen aufzuhören. Frauen verstoffwechseln das Nikotin aus Zigaretten schneller als Männer.
  • Osteoporose ist bei Frauen häufiger als bei Männern. Frauen haben weniger Knochengewebe. Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren wirken sich stark auf die Knochen aus.[2]

Gesundheit und Krankheit beim Mann

  • Männer haben aus biologischer Sicht ein höheres Risiko an Diabetes zu erkranken als Frauen. Mehr Bauchfett und Leberfett sowie eine niedrigere Empfindlichkeit gegenüber Insulin könnten Gründe sein.[8]
  • Darmkrebs tritt bei Männern häufiger und in jüngerem Alter auf als bei Frauen. Betrachtet man das gesamte Leben, sterben laut Schätzungen 32 von 1000 Männern an Darmkrebs. Dagegen sterben nur 26 von 1000 Frauen an Darmkrebs.[9]
  • Nikotin-Ersatz-Therapien (zum Beispiel Pflaster oder Kaugummi) wirken bei Männern besser als bei Frauen.[2] 

Unterschiede Frauen und Männer

Gesundheit und Krankheit bei der Frau

  • Frauen nehmen eine notwendige Behandlung bei einer Depression häufiger in Anspruch als Männer.
  • Für Frauen ist es schwieriger mit dem Rauchen aufzuhören. Frauen verstoffwechseln das Nikotin aus Zigaretten schneller als Männer.
  • Osteoporose ist bei Frauen häufiger als bei Männern. Frauen haben weniger Knochengewebe. Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren wirken sich stark auf die Knochen aus.[2]

Gesundheit und Krankheit beim Mann

  • Männer haben aus biologischer Sicht ein höheres Risiko an Diabetes zu erkranken als Frauen. Mehr Bauchfett und Leberfett sowie eine niedrigere Empfindlichkeit gegenüber Insulin könnten Gründe sein.[8]
  • Darmkrebs tritt bei Männern häufiger und in jüngerem Alter auf als bei Frauen. Betrachtet man das gesamte Leben, sterben laut Schätzungen 32 von 1000 Männern an Darmkrebs. Dagegen sterben nur 26 von 1000 Frauen an Darmkrebs.[9]
  • Nikotin-Ersatz-Therapien (zum Beispiel Pflaster oder Kaugummi) wirken bei Männern besser als bei Frauen.[2]

Mythen

Es gibt viele Klischees was die Gesundheit von Männern und Frauen betrifft – aber sind diese auch wahr?

Mythos 1: Männerschnupfen gibt es wirklich! 

Wahrscheinlich nicht. Eine Studie mit 113 Personen fand keinen geschlechts-spezifischen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei Symptomen wie Schnupfen, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Frauen werden aber schneller wieder gesund. Die Anzahl der Studien-Teilnehmer*innen ist sehr gering. Daher ist diese Studie eher kritisch zu betrachten. Mehr dazu lesen Sie hier.[10]

Mythos 2: Frauen sind schmerzempfindlicher.

Wahrscheinlich ja. Untersuchungen zeigen, dass Schmerzsensoren bei Frauen empfindlicher sind als bei Männern. Die Intensität des Schmerzes wird von Frauen höher eingeschätzt und sie halten den Schmerz kürzer aus. Mehr dazu lesen Sie hier.[11]

Mythos 3: Medikamente können bei Männern und Frauen unterschiedlich wirken.

Stimmt. Ein Beispiel ist der Wirkstoff Digoxin: Eine Studie aus dem Jahr 1997 besagte, dass Personen mit Herzschwäche, die den Wirkstoff Digoxin einnahmen, seltener ins Krankenhaus müssten. Eine nachträgliche Analyse, die die Geschlechterunterschiede berücksichtigte zeigte: Der Wirkstoff nützt nur Männern. Bei Frauen erhöht Digoxin sogar das Risiko zu sterben.

Zahlen und Daten

Frauen und Männer sind auch in der Steiermark unterschiedlich gesund. Das belegen die Daten aus dem Gesundheitsbericht 2020:

  • Männer hatten 2019 eine Lebenserwartung von 79,5 Jahre. Die Lebenserwartung von Frauen betrug 2019 84,7 Jahre.
  • Die Steirer schätzen ihre Lebensqualität etwas höher ein als die Steirerinnen.
  • Mehr Männer als Frauen sind krankhaft übergewichtig.
  • Männer sind etwas häufiger von Krebserkrankungen betroffen als Frauen.
  • Deutlich mehr Männer als Frauen haben einen Herzinfarkt.
  • 23 % der Steirerinnen und 18,2 % der Steirer gaben 2019 an, dass sie eine Allergie haben.

Rat und Hilfe

Warum leben Frauen länger? 

Männer sterben im Durchschnitt fünf Jahre früher als Frauen. Das liegt nicht ausschließlich, aber stark an der Biologie. Denn bei vielen Tieren ist das auch so.

In der Podcast-Folge #274 von „Erklär mir die Welt“ erklärt Ina Huppertz, warum Frauen länger leben. Sie ist Biologin und Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für die Biologie des Alterns.

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Ein Beispiel

Ein anatomisches Modell eines menschlichen Herzens

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Männer erkranken meistens früher als Frauen. Bei Frauen wirkt das Hormon Östrogen bis zu den Wechseljahren als Schutzfaktor.

So unterscheiden sich die Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern und Frauen:

Häufigste Anzeichen bei Männern

  • Ein Gefühl der Enge in der Brust
  • Schmerzen im linken Arm
  • Atemnot

Häufigste Anzeichen bei Frauen

  • Schlafstörungen
  • Rückenschmerzen
  • Unklare Schmerzen im Oberbauch und Übelkeit
  • Enge in der Brust
  • Atemnot
  • Geschwollene Knöchel[7]

Hier finde ich weitere Informationen

Gesundheitsbericht Steiermark

Der Gesundheitsbericht zeigt, wie gesund die Steirerinnen und Steirer sind. Viele Daten werden auch nach Geschlecht erhoben, das heißt Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind erkennbar.

Öffentliches Gesundheitsportal Österreich

Spannende Informationen zum Thema Gendergesundheit, insbesondere mit Fokus auf Frauengesundheit finden Sie im öffentlichen Gesundheitsportal Österreich.

Gender-Gesundheitsbericht

Der Bericht mit Schwerpunkt psychische Gesundheit am Beispiel Depression und Suizid versucht, Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu ergründen.

Quellen

Hinweis: Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass die Informationen auf dieser Webseite auf keinen Fall als Ersatz für eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Expertinnen und Experten (zum Beispiel Ärzt*innen, Apotheker*innen, Ernährungsberater*innen, Psycholog*innen etc.) dienen. “Gesund informiert“ ist eine Webseite des Gesundheitsfonds Steiermark und wird ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert. Weitere wichtige Informationen finden Sie hier.

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